Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 28 (14.7.1927)
- Date
- 1927-07-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450470--74174-2531629- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Stztte 2 Nr. 28 i i nicht fern. Er nennt die Juden „eine asiatische Horde", ruft ihnen zu: „Gründet Einkehrvereine und nicht Abwehrvereine!" Er war wohl von Meininger und ähnlichen Geistern mehr als von der MillflW, UM am NOD möürenn Dis Weltkrieges bekundete er in einer Broschüre, daß er das Christentum besser kennt und mehr liebt als das Judentum. Auf die Aufforderung eines christlichen Schriftstellers, zum Christentum überzutreten, antwortete er (nicht wie Moses Mendelssohn an Lavater^, er forme rvolst vieles im Christentum unterschreiben, an manches in den Aposteln aber vermöge er nicht zu glauben. Psychologisch ist in ihm eine Synthese von Deutschtum und Europäertum über das Jüdische hinweg. Religiös war in ihm eine seltsame philosophische Mischung. Er war nicht unreligiös, aber feine Religiosität ist o^ne jegtirf^e Färbung sicherlich ohne Mischen Charakter. Wie kommt man also dazu, ihn als Juden zu preisen? Er hat doch wohl über sich selber zu bestimmen, und. könnte er sprechen, er würde als reiner, wahrhafter Mensch sich mit aller Kraft dagegen wehren. So aber liegt er zwar auf einem nichtjüdischen Friedhof, den liberalen Weifen aber ist er eine jübMe Krätze. Jüdische Größe? Nie ist das Wort grotesker parodiert 'worden. Der schlichteste, unbekannteste Jude, der sich stolz und freudig zum Judentum bekennt, hat für uns als Jude viel mehr Bedeutung als ein Mann, dessen ganzer Zusammenhang mit dem Juden-- tnrn b«{j et qw bequem oder gu stolz war, um sich taufen zu lassen. Ein ähnliches Bild sahen wir vor kurzem beim Ableben von Georg Brandes. Logenzeitungen und liberale Blätter konnten sich nicht darin genug tun, seine Größe zu schildern. Gewiß rvar Brandes einer der fruchtbarsten nellflen Denker, wer aber keine psychs-analytjschett Studien treibt, wird schwerlich in ihm etwas Jüdisches entdecken. Er versuchte in seinem reichen Wirken nie, einen großen Juden zu erfassen, ja, er ging allem Jüdischen konsequent aus dem Wege. Tat er politisch etwas für die Juden? Wer mag diese ^rcrge besagen? Er trat rvolst für Das Recht ver Polen ein und Ham tiefes Verständnis für die Leiden dieser Nation. Aber nie hatte er ein Wort der Entrüstung gegen die Judenpogrome, nie ging ihm das gewaltige Martyrium, das tragische Geschick der Juden des LstcnZ ans Herz. Und ein solcher Mann wird in jüdischen Kreisen gefeiert! Wo bleibt da die jüdische Würde? Hat die sinnlose Mode das jüdische Gefühl gänzlich verscheucht? Man braucht kein Ketzergericht über Andersdenkende abzuhalten, aber es gibt Momente, wo wir an jeden Juden die Frage richten müssen: Der Israelit r'wiLb dk 'iina uVn. Noch schlimmer ist es, wenn diese häßliche, unjüdische Sitte sich in der Literatur einbürgert. Vor kurzem kam ein Buch in meine Hand, betitelt „DüDpß Köpft". llnD UM sank ich UM? diesen „jüdischen" Köpfen? Den Sprachkritiker Fritz Mauthner. Und der Verfasser (S. Maisels) ist Ostjude und Zionist. Wer Mauthner kannte, begreift es kaum, wie jemand auf diese Idee kommen kann. Mauthner ist einer der feinsten «T* MM MM M MIN KllllurWlU: Aber er ist Skeptiker und gänzlich areligiös. Cr hat auch äußerlich den Trennungsstrich vollzogen und ist bereits vor 40 Jahren aus dem Judentum ausgetreten, — allerdings ohne dem Christentum beizutreten. Welch ein tiefes Verständnis er für das Judentum hatte, zeigt fein MWN8 m linim feiner uromant Din DirZ föhmmgstäg auf den staatlichen Buß- und Betrag zu verlegen. Was will die jüdische Literatur von einem solchen Manne, der selbst seine jüdische Abstammung vergessen machen möchte? „Jüdische Köpfe", „Köpfe der Woche!" — das ist eine Modemarotte geworden, und wenn man sie nicht leicht findet, danp MN ste MS den Reihen der Hülbüttd Viertelrenegaten. Unverzeihlicher und unbegreiflicher noch ist es, wenn ein jüdisches Sammelwerk, das ein objektiv orientierendes Nachschlagebuch für alles Jüdische sein soll, sich solche verfehlte Methoden zu eigen macht. Seit einigen Jahren rvird durch eine große, sehr kostspielige NeDakiwn und einen Stab von Mitarbeitern eine jüdische Enzyklopädie in deutscher und hebräischer Ausgabe vorbereitet. An der Spitze steht der kenntnisreiche, wenn auch einseitige hebräische Schriftsteller Dr. Jakob K l a tz k i n. Auf den ersten Mite Kkttkn mir noöi; trotz aller AMüiMgum geü, vergebens. Aber schon das Probeheft zeigt, daß unsere Hoffnung, ein wirkliches jüdisches Nachschlagewerk, wie wir es verstehen, zu erhallen, kaum in Erfüllung gehen dürfte. Jüdisch fühlenden Menschen, die bestrebt sind, die Welt und ihre Erscheinungen jüdisch zu erfassen, kann «fr Msl kims MHWMMMZ nur vor, schweben, alles, wasuns als Juden interessiert, darin behandelt zu sehen. Alles Religiöse, Ethische, Kulturelle und Soziale, das zum Judentum innere Beziehung hat, müßte erfaßt werden. Dagegen rnü^te alles ausgeskhaft^s was die Jndenyeik nur äußerlich und dss^udentum garnicht berührt. Das Probeheft aber zeigt, daß man den umgekehrten Weg geht. Es fehlen Fragen, die uns tief bewegen, und es machen sich Dinge breit, die den wirklichen Juden gänzlich kalt lasten. Wir finden darin einen Artikel aus der Feder Pan; Rathfff)§ Ms -8 U % W I g S ö ffl? Thora und Heimat. Zu den drei Trauerwochen. Don Rabbiner Dr. Kermann Klein in Berlin. Als der Feind das Heiligtum zerstörte, so erzählen die Weisen, da sprach Gott zu der ihn um= Menden Engslschsr. ich will Noch Mnrrrol hirrak.- ftelgen, um gu sehen, was der Feind in meinem Heiligtum getan hat. Und als Gott die furchtbare Verwüstung sah, da begann er zu weinen. Und wenn Gott weint, da weint die ganze Natur mit. Die Sonne wurde von einer Tränenwoike verdüstert, aus der Erde stieg ein Tränenmeer empor, die Stimme der Vögel ließ ein Schluchzen vernehmen und die gemge SBelr füllte sich mjf MWWkl $fg«gF, ZW in wsu vsm Ute TsreuDe gewichen, denn jte roaiD arm und elend. Mit dem Heiligtum schwand auch der Frohsinn, denn die Verwüstung des Heiligtums bedeutete den Verlust der Stätte, in der Gott seinen Wohnsitz hatte aus Erden und als der Feind die Brandfackel schleuderle. da entfernte sich Gott von der irdischen Welt. Ohne Gott ist aber die Erde ein Tal des Jammers und eine Tiefe des Weinens. ©AH QBeitte« ©olies füllt Me t>ey i¥S Marktes und das Getöse des werktätigen Getriebes jedoch lasten uns diese unsäglich traurige Stimmeüberhören» aber der neunte Aw gebietet dem Lärm, dem Markte und dem werktätigen Treiben Einhalt und wir hören das Schluchzen des himmlischen Vaters und wir weinen mit. ,Wehe dem Vater, der feine Kinder vertreiben mußte, und wehe dem Sohne, der vom Tische des Vaters entfernt wurde", so tönt der Klageruf der Schechinah. in den die ganze Well MMmstt. mh dev imi, Dm ungiückllchön Kindern, denen dieser Klageruf gilt, das aus tausend Wunden blutende Herz zeireitzt. „Wehe dem Vater, der seine Kinder vertreiben mutzte!" „Vertreiben mutzte?" Warum mußte?? Diese Frage wurde den Propheten und Weisen vorgelegt und sie fanden keine Antwort, bis Gott selbst das Rätsel löste, an d^ts? '-j *iairi;n>nn mifli 1S1Ä iftiT-’flTIfi- WiM Staat letzte, im Namen ©ottes und Teinei Tkwia wurden die Skaaksgeschäste geführt; das Sanhedrin hielt feine Sitzungen in der man rowV und im Namen Gottes und feines Gesetzes wurde Recht gesprochen; das Heiligtum stand in ragender Größe und prangender Schönheit auf Zions Berg, geschäftige Priester eilten in den gottgeweihten Hallen umher und brachten Opfer dar nach den Vorschriften Gottes. Dir Lunten MhirMDtsn in mniMMönen Astzsm Den ©Btt, De? Zion und Jnuschölajim m seiner Stätte erwählt hat, — kein noch so lies blickendes Auge des Weifen und keine noch so große Intuition und mit noch so reichem Ahnungsvermögen ausgestattete Seele eines Propheten konnte ahnen, daß sowohl dem Staat als auch dem Tempel das Beste fehlte, dasjenige fehlte, was den Staat zum Gottesftaat anb den WM TLlMWNMN MM — nsmlich — Die oecit. ©on allein, Der tief lief in Die Herzen blickt, der allein hinter dem Schein das wahre Sein erkennt, der hinter der Hülle das 14. Juli 1927 berger. Ist die Redaktion jo weltfremd, daß sie nicht weiß, wie fern dieser demokratische Politiker allem Jüdischen stand? Bamberger haßte förmlich das Judentum und er fühlte sich nie als SJlie ifi et Ith SReiijsiag für bW §achs der Judenheit und des Judentums emgetreten, und — an Gelegenheiten dazu hat es in seiner langen politischen Laufbahn von 1848 bis 1890 wahrlich nicht gefehlt. Im Reichstag spielte sich einmal — ich glaube, es war 1889 — folgende MMomiW ©wm afi: Bambsrgsx histt tm fulminante Rede gegen die Schweinezölle. Ein konservativer Abgeordneter antwortete bissig: die Sache ginge eigentlich Herrn Bamberger gar nicht an. Da geriet Bamberger in sittliche Entrüstung und antwortete: „Wenn der Herr Abgeordnete auf mein Judentum anspielte, so erwtüm ich. Daß er Dom üttsn THsmM ttrtzer stcht als ich." In seinem Vermächtnis hinterließ er ein Legat zur Prämierung ausgezeichneter Schüler, schloß aber ausdrücklich die jüdischen Schulen aus. Das also ist der Mann, dem man in einer jüdischen Enzyklopädie — dazu auch noch hebräisch — ein Denkmal setzt! Würde ein katholisAZ KulMMtt IMIN MsMllftll Kllthlllikßn feiern? Diese Sorte Juden bilden die schlimmsten Blüten einer verwilderten Assimilation, und das elementarste Gefühl jüdischen Stolzes sollte uns davor schützen, mit ihnen zu prunken. Von allen Normen der Zugehörigkeit zur jüvWm KMinsHsfl m noD Dil znoiriässigstei De? Wille ZUM Audettium, die Veiäiigung als Jude, sei es religiös, ethisch, kulturell oder charitativ. Gewiß war der Satz bs D’iarr Vk2W’3U allen Zeiten ein hohes Prinzip in unserer Sitte, aber ein ian muß sich als solcher fühlen. Wer sich selber ausschließt, mag er auf irgßllD mm Mißte NSH ss MMM \m, hört nicht zu uns. Keine Gemeinschaft ist so sehr darauf angewiesen, daß alle ihre Mitglieder sich lebendig betätigen, wie die jüdische. Keine aber auch muß, ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft wegen, so sehr auf Reinheit und Wahrhaftigkeit halten. Ml Dil WM. Auf Dom müMMn Hb§ zus Höhe, den Israel seit Beginn seiner Geschichte geht, bilden Modetorheiten und Prunkideen das schlimmste Hindernis. Sie lenken vom rechten Pfad ab und führen in die Irre. Unsere Größen sins lliDft öle sich Des Miniums intlMWt haben, um draußen eine Nolle ZU spielen, sondern die im jüdischen Lager mit ganzer Seele geblieben sind und unter den schwersten Opfern das Judentum vertieft und verherrlicht haben. Der Jude ist wirtschaftlich, sozial und kulturell ein nützliches Glied der großen menschlichen Gesell- Msi. afitr siiiW soll ihm stMß MW Wßtt wahre Wesen erschaut, konnte es verkünden, daß der Staat nicht fein Staat, der Tempel nicht mehr fein Tempel ist. Aus dem Verse n m jid-di "wn nawn pan by wird auch die Pflicht des muin abgeleitet. Der jüdische Staat und das jüdische Land sollten ihrem ganzen Wesen MD linms anDircs sein als Mi ©tonten unD üönDer Der anderen Völker. Nicht um usch sw Dslk zu schaffen, um noch einen Staat zu gründen, hat Gott Jisroel aus der Sklaverei geMrt, sondern um das Volk zu schaffen, den Staat zu begründen, dessen EMtenz eine einzige 71222' eine fortlaufende ewigwährende Förderung der Gottgewollten und Gottgeschaffenen Menschheitsziele, wie sie in feiner nyin niedergelegt sind» eine Verroirklichung des göttlichen C6ellenplänes, Die nur l>nrch Me unb Betätigung der mxn möglich ist. fei, denn Das bedeutet 71212. „Segne Deinen Gott durch das gute Land, das er dir gegeben hat" bedeutet, verwerte das Land für Gott, gestalte e's zum Segen Gottes, damit durch das Land Gottes Weltenplan und Gottes Weltenziele ihre Verwirklichung finden, damit durch das Land die Ideen Gottes. Gottes ,rnn, MrMkitt wkktzk in Diinim KlMi MD Durcü Deinen Dam ©eiste ©olles eilimien Kreis ©Btt Die ganze Erde erobere. „Das Land werde zum Segen Gottes" bedeutet, daß in dem Lande Goites pm herrsche, Gottes Ideen verwirklicht, Goites Pläne gefördert, göttliche Ziele erstrebt werden; bedeutet, minn 71223. daß die .22171 in diesem Lande und durch dieses Land ge- ItMltt MM. Dü! Dil .TO* llllS MÖtllÖDUßn DOS ünemiiMen und privsten Lebens bnrchbringe, sie die Seele des Staates sei und der ganze Staat nichts anderes als die sichtbare Verkörperung gött- «