Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 27 (7.7.1927)
- Date
- 1927-07-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450469--74159-2531613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
If IV'1 Ff1 ir $ lj •>i. It I It it ’j Ü u >i ff i,, »' Sette 4 Nr. 27 Dev Ssraelit 7: Ml 1827 Woher sollte ober unsere heutige Wiener Judengeneration, sofern sie nicht aus gesetzestreuem Milieu stammt, auch nur die Bedeutung des Wochenfestes kennen? Jugend ist im allgemeinen in den Wiener Synagogen nicht zu finden und wxpsf M Lkil Kxp MSnnlllHkn LllgenD auch durch seine Verwendung im Synagogenchor auch in einer gewissen Regelmäßigkeit am Gottesdienst teilnimmt, so ist dies nur ein betrübendes Merkmal mehr des allgemeinen Verfalls, da schon vom pädagogischen Standpunkt viel gegen die bezahlte Mitwirkung von Chorknaben in der Synagoge einzuwenden sein dürfte. Soll Denn Mn Die Mt6 IuPKk HM GsftzMsttsL nur als ergiebige Melkkuh kennen lernen? Wenn die Hebungen des Chors wenigstens dazu benützt würden, dem Knaben die Kenntnis der Gebete zu vermittlen, könnte der moralische Nachteil dieser Einrichtung allerdings durch den Vorteil eines reiiaiöjm UMliMntMichtW MttgMlcht WM den. Aber die Chorötrigenten sind alles andere eher als jüdische Pädagogen und sie sind auch selbst am Gebete viel zu wenig interessiert, als daß sie an die jüdische Erziehung der Chorknaben dächten. Die Synagoge, sonst ein Hauptbollwerk Des MDenluM, ist IN Wim ihrm Wstimmung entfremdet. Nur in seiner Eigenschaft als „Barmizwant wie man es jüdische Knabe noch mit der Synagoge in Be rührung und ich möchte der Vollständigkeit hal- Bor vvkslHllWN. dis Zsssrusnis MH zu nennen und die Formel „barmizwo te!" einzuführen — bei einer Feier, die meist als Schlußstein jüdischer Erziehung dort aufgefaßt wird, wy sie erst ihren Beginn darstellen sollte. Bei dienern Tiefstand braunen tmr jc^on me^x als bloße Wahrung des Döflehenden, wir brauchen Männer der Tat, die in unseren Reihen eine aufbauende Propaganda der Tat betreiben. Und da will man mit dem Palliativmittelchen eines Jugendgottesdienstes das Auslangen finden, mit einer Institution also, die wie alle sonstigen Neueinrichtungen in der Synagoge eine Formalität mm. Da« allMMW EyWM Jabei ist, daß sich theoretisch auch die Konservativen in der Wiener Kultusgemeinde mit diesem Jugendgottesdienst abgefunden haben, während ich die Zeit für gekommen erachte, in der das gesetzestreue Judentum aus der Defensive herausireten und die Offensive gegen Gleichgiltigkeit und Unwissenheit, Verfall und Verrat im jüdischen Lager unternehmen müßte. Freilich dürfte diese Offensive nicht mit politischen oder pseudopolitischen Mitteln durchgeführt werden, sondern im Geiste der Religion: geistig und sittlich. Dieser Jugendgottesdienst, wie er in Wien eingeführt, zeigt dem Kinde nur — wie jüdischer Gottesdienst nicht aussehen soll und zürn Glück lll dsV ^er Er'rväHsenen «rssh NUS" sieht. Auch Vorbereitung zum Gemeindegottesdienst, als welchen ihn Rabbiner Dr. Posner in seinem Aufsatz im Israelitischen Kalender für Schleswig-Holstein 5687 gelten lassen möchte, kann ein so gearteter Jugendgottesdienst nicht sein, und es muß als einzig mögliches Mittel zur religiösen Heranbildung der jüdifck>en Jugend ein Maximalprogramm ausgestellt werden, das möglichst lückenlosen Besuch des öffentlichen Gottesdienstes zu allen Zeiten — mit alleiniger Rücksichtnahme auf die Unterrichtsstunden der Schule — fordert, wie es beispielsweise in den Gemeinden des Burgenlandes, in Polen usrv. ganz selbstverständli«^»?ft. Sann könnte nicht mehr in Kindern die falsche Anschauung Wurzel fassen, daß jüdischer Gottesdienst unbedingt mit Chorgesang und Predigt ausgestattet sein müsse und. Mitbeten ausschalte. Die Jugend würde erfahren, daß in der Synagoge Scheidung der Geschlechter Uebung ist, unb mU bem Erdrauch von Talith und Tephillin vertrauter werden, die ihr bei der Beschränkung aus den Samstag-Nachmittagsgottesdienst namrt u» «uuitiöwiuu , türlich fremd bleiben müssen. Namentlich aber hier manchmal nennt, kommt der gefordert werden, daß im Gegensatz zur e nock mit der Snnaaoae m Begegenwärtigen Einstellung des Jugendgottes- Seidenu. Garn-Handelsges. m. b. N. 47 Bleidenstraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) SPEZIALHAUS in Näh-und Slick-Seiden Handarbeils-Garnen jeder Art Standmannschaften in den Heiligtümern, die Vorposten besserer Zukunft, in der wir wieder als Gesamtheit am Sinai stehen und missen, welches xo\y unb Lhora empfangen. Erst nach innerer Reinigung können wir auch äußere, politische Erfolge erwarten und wir können sie dann umso eher erhoffen, als sie dann nicht die einzige Karte darstellen werden, auf die wir unser Spiel setzen, und wir in innerer Äüß^ZMknbei^ ibrer aulb \ziifjter entraten könnten. bien|tef während asixx Mgtzß gll Slkskl Zeit erst recht auf regelmäßige Besuch der Synagoge in der Stadt, in Sommerfrischen und Ferienkolonien geachtet werde, da in sinngemäßer Anwendung der Grundsätze unsrer Halacha (Berachot 8a) Gottesdienst nicht als Last angesehen werden darf, von der man sich srholen litt) Zäh m einem bestimmten Turnus überall die praktische Teilnahme der Schulkinder am Gebet in der Synagoge selbst durch ständige Unterweisung im Siddur regeln. Dies bedeutet zwar auch eine Reform des Religionsunterrichtes, dessen Reformbedürftigkeit von allen Seiten gefühlt wird, eine Nksörm aber; Die nur eine AilWsMnng, MM Ersatz der meist fehlenden elterlichen Unterweisung bildet und dem eigentlichen Religionsunterricht nach kurzer Vorbereitung mehr Zeit zu intensiverer Erlernung hebräischer Texte, der Kommentare usw. übrig ließe. Bei einer solchen Reform würde auch bei uns wieder aus Hellen Knabenkehlen Amen jehe schmeh rabbo und andere Hauptstücke des Gemeindegottesdienstes ertönen und wir hätten in der Heranwachsenden Jugend wieder unsere Große Rabbis aus dem 18. Mrhunderk UNS die Biidungsfrage. Von Rabbiner <&. Gomer in Werkln. III. Der Wilnaer Gaon. Wahrer^ I«brbunbertZ, zwischen Dtr Mitte des achtzehnten Und der Mitte des neunzehnten, entstehen drei mystische Richtungen in den wichtigsten Eckpfeilern des aschkenasischen Zentrums: in Deutschland, Polen und Litauen, ganz voneinander verschieden. Das Judentum P TWkö in Die EluiennMt Wrängt mnr* Dßtt im) säh sich vpv QmQ neue Aufgaben gestellt, erfuhr von einer Lebensweise, die es nie kannte. Es verfällt teilweise in Mystizismus, da bei solcher Situation nur wenige klares Denken behalten. In Deutschland entsteht eine Mystik der Assimilation, aus dem Mendelssohnschen Drang zur ^Bereinigung. nti± der Kelim elsljeit geboren. In Polen entsteht der Chassidismus, entstanden und bewegt durch die Sehnsucht nach religiöser Ekstase. In Litauen entsteht zuletzt die M u f s a r m y st i k, durch den Drangt r ethische fSeiifemmtnDen in d i e W e l t g e s e tz t, der den Menschen über den Reiz und Genuß des modernen Lebens hinwegsetzen soll. Ueber alle mystischen Richtungen hoch schwebt vor uns der Geist des Wilnaer Gaon, hell, lauter, von Mystizismus frei. ohne Flamen unb ohne Nnhnr. die er ^crstlicy ins brcrcöie. ist Abraham, ttitfji Kot Vater und Lehrer der wahren Gastfreundschaft. Man halte die Liebe bereit für jeden Juden, jeden Menschen und warte nicht, bis daß ein Heiliger kommt, will man ein würdiger Nachkomme von Vater Abraham sein." (Akademie für Wissenschaft des Audentums). Die auf Anregung Hermann Cohens geschaffene Akademie, gu der roir grunbjäijlicfj knr^ nach i^rer drüffd^fl^ Stellung genommen haben, hat die Krise der Inflation überwunden und entfaltet nunmehr eine ziemlich rege Tätigkeit. An der Spitze der Akademie steht Professor Julius Guttmann. An ihren Arbeiten sind etwa 25 junge Gelehrte beteiligt. Erschienen sind bisher drei Werke der historischen Reihe (Baer. „Probleme der deutsch-füdifcheu und sfmuifcy-füdtfckien Hrschichi« , Ttttn, i$n v'nnMschL Staat und die Juden, sowie eine kulturhistorische Spezialstudie über die gaonäischen Verordnungen). Die talmudische Sektion hat die Herausgabe des von Theodor begonnenen ,Midrasch Bereschith Raba" durch Dr. Aalbeck sortgesührt. Mit den Heften 10—13 ist der zweite Band abgeschlossen. Der 3. Band wird das Werk zu Ende bringen. In der philosophischen Roihö ist eine IMörWung und kritisch» WöMzunZ )&£ „KusäLi" von Dr. Ludwig Panelh bruckserttg. Dr. Gerhard Scbo'em ist mit der verausgabe der Schriften von Mose de Leon beschäftigt. Dr. Leo Strauß arbeitet über die „Bibelwiflenschast Spinozas und seiner Vorgänger". In der sprachwissenschaftlichen Sektion sind Editionen der Grammatiken von Jbn Ganach und des Abraham ibn Esra im Druck. Weitere in Vorbereitung befindliche wiffen- WsstlM AMMll mam Der MrarMMiMn unb btblifcyen Sektion an. ^te fff beschäftigt, einen eigenen Verlag zur Herausgabe und zum Vertrieb ihrer Werke aufzubauen. Die der Akademie angegliederte Hermann Cohen-Stillung hat 1924 Cohens Jüdische Schriften mit Einleitung von Franz Rosenzweig herausgegeben und wird dem auch die Edition seiner kleineren philosophischen Schriften anreihen. (Iie Juden in der Tschechoslowakei). Von der bei Nr MMSMiig m 88W Mi ermmeiren m somteinwohnerschast der tschechoslowakischen Republik von rund I3.813.0vv Personen waren nach Mitteilungen Wiener Zeitungen rund 363.000 Inden, oder 2,6pCt. der gesamten Bevölkerung. Die jüdische Bevölkerung zeigt den auch überall sonst anzutrefsenden Charakter der Konzentrierung in den Großstädten. ""Die nachfolgende Tabelle aibl die abfolnlen Zahlen der beruflichen Verhältnisse bei den Inden im Jahre 1921 wieder. Land- und Forstwirtschaft und Fischerei: Selbständige 7188, Unselbständige 8714, Angehöriae offne eigenen Berus 27.149, Hausdienerschast 210, Gesamtsumme der Berusszugehörigen 43.261; Industrie und Gewerbe: Selbständige 14 907, Unselbständige 19.822, eigenen Berns 43.88^ ÄcrusMener» schaft 366, Gesamtsumme der Bervssgllgehöriaen 78.992; Handel, Geldwesen und Verkehr: Selbständige 25.689/ Unselbständige 27.444, Angehörige ohne eigenen Beruf £0.802, Hausdienerschast 1227, Gesamtsumme der Berusszugehörigen 156162; Oeffentliche Dienste, freie Berufe und Militär: Selbständige 3451, Unselbständige 9037, Angehörige ohne eigenen Beruf 14.408. Hausdienerschast 166. Gesamtsumme m MiiMüMäiWn 27.072; BQimliöjQ DiMslv E MMlnö« £B.0natDeiteit: öeiDTtaiiMot 26.W UnstibMndigk 13d4, Angehörige ohne eigenen Berus 21383, Hausdienerschast 219, Gesamtsumme der Berufszugehörigen 49.855. Cs waren demnach von je 100 Juden: Land- und Forstwirtschaft und Fischerei 4.48 berufstätig; 12.20 berufszugehörig; Industrie und Gewerbe 9.80. 22 29; Handel, Geldwesen und Verkehr 17.81, 43.78. öffentliche Dienste, freie Berufe und Militär 3.52, 7.64; häusliche Dienste und wechselnde Lohnarbeiten 7:90; 1107: (Ist das gtausttch 2) Im Hamburger ^Israelitischen Familienblatte" (Rr. 26, Seite 6) ist solgendes- Jnserat zu lesen-. ^Vorbeter Deutscher. Predigt n. erford.. f. kl: iüö. GemeinDe b Dt hob. Mm lagen gösuchl. Preisangöbois, b. freier, nickt rit. Verpfleg, u. Wohn, an Siegsr. Fellert, Fürstenberg a. O." Daß in Fürstenberg a. O. — in Fürstenberg,, ganz in der Nähe von Frankfurt a. O., wohnen acht jüdische Familien — ein cp*ni:i v'2"Vorbeter — Prediger nickst erforderlicy — |ur ©tär&unp für |e{ne Funkll-nIn nff&tTttucUe ©er pslkgung verabreicht bekommt, ist traurig. Nicht minder traurig ist es aber, daß sich ein jüdisches Blatt findet, das — Geschäft ist Geschäft — solchen Hohn.auf das Judentum „anzeigt." (Iudaica-katalog.) Die Firma I. Kauffmann, Frankfurt a. M. sendet uns ihren Katalog Nr. 80, der 882 Nummern Judaica enthält und durch ein bsigsglsbsns-^ SglhMgWi' i