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Der Israelit · 1927-07-07 · Heft 27 (7.7.1927) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 27 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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'TP^ p:;;:r: :v: 7. Juli 1927 Wir müßten blind und stumpf sein für das gyk« rsüLM wir uns ma furchen Entwicklung, die ein Triumph des Selbständigkeitsgedankens und der Schöpfer der ungarischen Orthodoxie ist, nicht freuen. Aber auf der anderen Seite wäre es ein vernun m 88¥ Tat Dom iMßn Verband eine mehr als symptomatische Bedeutung zuzumessen. Gewiß:' hätten die neologen Häupter des ungarischen Kongresses vor sechzig Jahren dem Schulchan Aruch die Reverenz erwiesen, die ihre Enkel ihm heute ohne Bedenken zollen^ 6S wäre wahrscheinlich nie gur Trennung gekommen. Aber der Strom der Geschichte läßt sich nicht einfach umkehren. Es ist der Geist, der sich den Körper baut, und wer wird so naiv sein zu glauben, daß beispielsweise in der neologen Gemeinde zu Bratislava mit dem Ersterben der regten Drafttömr am Die sänge u t m 2 f? H r? des religiösen Heichistnne^ As'tstigsn und religiösen Assimilation an zionistischen Wahn und bibelkritische Leugnung aus Vereinen und Häusern, aus Schulen und Erziehungsstätten urplötzlich geschwunden sei! Geschwunden sei in solchem Maße, daß die Orthodoxie des g e i st i g e n Kordons entbehren könnte, den sie sich denn dolh — Ihr pfi uni>?rvuA — iü sHWMM. jahrzehntelangem Ringen geschaffen und der der eigentliche innere Sinn der gemeindepolitischen Trennung ist. Was sollte auch mit all den neologen Rabbinern, Predigern, Lehrern und Kultusfunktionären gejdjefjen^ die t^r getjttges Wesen unmöglic^) auf Befehl umkrempeln, die nicht' aus Freigeistern plötzlich D'j'BKö werden und die unmöglich demselben Schulchan-Aruch heute ehrlich Hosianna rufen können, den sie noch gestern steinigten! Es wird also vorerst gewiß nichts Grundstürzendes passieren. Die slovakische Orthodoxie GBß? fouto Dime tmnm iMmnumim vor um lauterem Wettbewerb sich ber schüchternen nnnv freuen, die da nach langer Winternacht wie schwache Vorboten kommender Tageshelle hervorschimmern und der Lehre der nanx ms gedenken: -"m mn» öiTjs»?inx xb x»v» iinv sN' Ein Schutzparagraph für die Reügion. Aehnlich wie nach der Ermordung Erzbergers und Rathenaus in Deutschland ein Schutzparagraph für die Republik geschaffen wurde, will liifffi IM öM in ®^ar o d", wo man das Schwuausfest entseelt und in ein Volksfest mit Jahrmarktstrubel verwandelt Der Israelit hat, vom im nächsten Monat in Basel stattfindenl?£U e eine Ötvi Schntz- Paragraphen für ®aöbat unv Feiertage in Palästina, wenigstens für die Kolonien auf Nationalfondsboden, erzwingen. Wie der „Doar Hajom", so ist auch das Misrachrorgan in Jerusalem. „Hathor". der Ueber- %% stH um ßino mDDlüBgrlipte planmäßig überdachte und in allen Einzelheiten trefflich durchgeführte Demonstration gegen das alte Judentum und seine Feste handelt. Das Blatt kündigt eine Interpellation auf dem kommenden Kongreß an, in der eine statutarische Bestimmung tm angegebenen Sinne gewünscht werden soll. damit ähnliche ^organZ? ffioäSÜ DBS Nationalfonds und des Keren Hajesiod für die Zukunft unmöglich seien. Im Sinne dieses Artikels ist auch die Resolution gehalten, die einer vom Misrachi einberufenen, eindrucksvoll verlaufenen Protestversammlung in der Churba-Synaaam in Jerusalem norsfflt um LLN ihr mig angenommen wlledö. Vau dsn ReBnern Bei dieser Versammlung sagte der sephardische Oberrabbiner, Rabbi Jakob Meir, rund heraus: „Die Hauptschuldigen sind die Führer der zionistischen Organisation. Es sind auf Betreiben des Misrachi auf den Kongressen mancherlei Resolutionen zum Schutze der Religion gefaßt worden, aber keine von ihnen kam ln &4Ü IpöajHI jj U r Durchführung. Dahin muß sich unser Protest richten." Aehnlich sagt das Misrachiblatt: „Wohl kannten wir diese Männer, wohl wußten wir, daß sie alle Heiligtümer der Nation mit Füßen treten, noch mehr: wir wußten, daß es nicht ans Nil^tn,iHen nnd Gleichgültigkeit. sondern planmäßig und mit BorbeDllcht geschieht. Dennoch glaubten wir, daß Worte nützen, Bitten und Vorstellungen, besonders wenn sie von kompetenter Stelle ergehen, ihren Zweck erfüllen werden. Wir haben uns leider darin getäuscht usw." Wie paßt nun zu dieser traurigen Feststellung v a s, mag Oberraöölner Rn «k $örre[j»oitdenz aus Jerusalem in der jüngsten Nummer des „Israelit") den Journalisten über die Resultate seiner letzten Inspektionsreise durch die Kolonien zu sagen hatte? Man bemühe sich, die Lichtpunkte zu zeigen und gegen die Finsternis mit mildem Lichte anzukämpfen, sagte er. Die Abgekehrten Wn taii m gkMimknl “?nn matt 'iiiven YYn Idealismus anerkennt. „Die Dinge bessern sich zusehends dank dem Misrachi, der das religiöse Budget durchgesetzt hat." Der sephardische Kollege des Herrn Oberrabbiner Kuck und das dem Reisebegleiter des $)&vvn Oberrabbirter, Rabbi Meier Berlin, sehr nahestehende Misrachiblatt wußten es anders zu melden. Nr. 27 Seite 3 Und noch eines: Herr Oberrabbiner Kuck meinte auf dorn Iournalistentee, die Religionsverletzungen, ^ie iÖ>*BD2!28fffl2llMiniJßn in Palästina, seien mit denen in Europa und Amerika nicht zu vergleichen. Dort, in der Diaspora, stehe das Leben der Religion und dem Sabbat feindlich gegenüber. Ein Kampf für den Sabbat sei dort soviel, wie sin Kampf gegen das Lrdcn. Du Ereg Asrael fei Berner Biß wirtschaftlichen Verhältnisse gezwungen, den Sabbat zu entweihen. Wer es tut, tut es ohne Rot, spielerisch, aus Leichtfertigkeit. Darum sei hier eine Einwirkung und ein Wandel zum Guten viel leichter als dort. Dem Qakenaer^tanbe iattrb fi?etltc£> d-is Ansicht Des MisraüMaiies eher einlenchicn, daß h!e fache, daß die palästinensischen Himmelstürmer so ohne Rot, mehr aus Lust und Liebe ihre Untaten begehen, als erschwerend für sie ins Gewicht fällt; das liegt näher, als die etwas komplizierte Gedankenkonstitution des Herrn Oberrabbiners. DLL AllsWgchßn am MisrlllA Bit Bikstr DM' Nation in Cn Charod ist zu begrüßen. Was söü aber nach der Feststellung von Rabbi Jakob Meier über die Nutzlosigkeit aller bisherigen Resolutionen ein neuer Schutzparagraph, selbst wenn er, was sehr zu bezweifeln ist, die Gnade des Kongresses finden soll, nützen? Wiener Spaziergänge. Von £. Moses. I. Ich hatte die erste Nacht des Wochenfestes im Vetl^-^a-Midra^c^ dnr^rvacht und bei Tagssaubruch im Rahmen eines stimmungsvollen Morgengottesdienstes die Offenbarung des Dekalogs neu erlebt. Und dann ging ich im frischen Morgen langsam durch die allmählich erwachenden Gassen heim. Da, in diesen Großstadtgassen, gab es aber bald keine Erinnerung mehr an das jüdische Mst. nmsu WnsWr aBor BMgnMn mir Die Um Zeichen Der Wiener Festwochen. Ein Fest, das nach wochenlanger innerer Vorbereitung nur zwei Tage geistiger Erhebung bietet, wirkt eben lange nicht so nachhaltig auf die Sinne der Massen wie Festwochen, die ohne innerliche Vorbereitung rein sinnlich genossen werden. Ein bedauerliches Sinken im Niveau bedeutet es aber, wenn auch Angehörige!ies Nolles,!äs!as ÜÜ8chenfest des Mathan Thora besitzt, dieses Fest weniger empfinden als Festwochen, die von irgendeiner Stelle zur Hebung des Fremdenverkehrs eingesetzt werden, und wenn sie durch seine BcrnaMßguns sich ÜK* AMSiNWs! YM abwürdigen. stellen, als eine kleine Wirkung und Auswirkung gegenüber dem großen Wesen, der großen Ursache' und der einen und umfassenden Allmacht. Dem echten jüdischen Geiste wird das andere Verhalten immer unverständlich miifc i Z. m Wfinwwangimmn m Güöthö-Kultss. Als ob es wirklich möglich wäre, mu einem Menschen selbst solchen Formats abgöttischen Kult zu treiben, und im klebrigen das geistige Schiffchen ungesteuert und nicht auf einen höchsten und letzten und gütüichen Sinn gerichtet herumirren zu lassen. Und die gleichen Toren,' die diesen großen und unvergleichlichen Ac.njchen Goethe zu ihrem Götzen und Fettsch gemacht haben, statt auch ihn (wie er sich ja auch selbst erschien) «ls err-erc fDicrter am Göttlichen unb sin Werkzeug ltitb 'jinffiaisnirss rbnftTwrmii Wy ior^it laufen nun blind und taub durch die weite SSelt iinb lhc;: nicht die Allmacht und hören sie nicht in der Natur, m der Geschichte, in jedem Phänomen und in jedem Lchictsal, im Kleinen und im Großen, überall. Ä!emes Feuilleton. Rabbinische Geschichten. Rabbi Elie Weisel, der bekannte tatvolle Oberrabbiner von Lodz, mutzte in einem furchtbar strengen Winter die Magnaten seiner Gemeinde ausfuchen, M 8rs van Golz miiv KoWll m Die vielen mmen DeisuBimgsn. Bei dem reichen Fabrikanten Posnansöy wurde der Rabbi mit grotzer Ehrfurcht empfangen. Der Chef selbst ging, als er von dem hohen Besuch hörte, ins Vorzimmer hinaus, um ihn in den Salon zu bitten. Posnansky hatte ein leichtes Hausröckchen an und das Vorzimmer war nicht geheizt. Aber Rabbi Weisel rührte sich nicht vom Orte, leitete ein umständliches Gespräch ein, ohne die Zeichen der Unn&S $$$ ©BäfBSJfn M Dieser taagie nicht zu lmtßiDiecfjen unD Borte zahnelliappernv zw Da sich nun die Sache lange hinauszog. der Raddi in aller Gemütsruhe von einem Thema zum andern überging. , wagte' doch der Fabrikant leise zu unterbrechen: „Aber, wollen nicht der Rabbi in den geheizten Salon eintreten? Wich friert es fürchterlich". „So?" erwiderte der Rabbi, „auf diesen Moment habe ich gsrvartet. nun kann ich den Zweck meines §?Tk?^?nS miüelüü. FH ksffiffig 8S«W Wsgßll der vielen Armen, die Tag nnd Rächt mit ihren Kindern frieren . . Der Betrag für den Holz- und Kohlenfond fiel ganz zur Befriedigung des Rabbi aus. * * * Der D er D Ns Dem er Nam kam inkpunsi? nach Lemberg, ging einen reichen angesehenen Mann um Gewährung von Obdach an und erhielt eine Abweisung. Auf die Frage, wo er nun wohnen sollte, da er gänzlich mittellos fei, verwies ihn der reiche Mann an den nebenan wohnenden M elamed. Dieser nahm den Fremden freundlich aus und bewirtete ihn mit allem, was er besatz. Irr be« WiargsnfrUHe erfuhr matt in LeMbera. PNekks nssils 8iL?, lemand hatte ihn erkannt und die Kunde m der Stadt verbreitet. Alles machte sich auf, den gefeierten Mann zu sehen, zu begrützen und den Segen aus seinem Munde zu empfangen. Das bescheidene Beimo Häuschen des armen Melamed wurde zum Mittelpunkte des Lebens und des Interesses. Auch der reiche Mann war unter den Besuchern. Wie erstaunt und erschrocken war er nun, als er im Rabbi den Frernben orbannts. den er von der Türe gewiesen yi* * Baller Velllltt u«r Rms SüMMDilllö Sk m nun beim Naddi. Er konnte ja nicht wissen, tüött er vor sich hatte, und nun möge doch der Rabbi bei ihm Wohnung nehmen, wie es alle Zadikim, die in die Stadt kamen, bis jetzt getan hätten. Er habe seine besten und schönsten Zimmer für diese hohen Besuche bereit. Der „Berditschewer" lehnte aber ab und blieb beim Melamed. In dessen armer Banmnll mit er am ir«Z SMsrmsll! 3kr „dMM MshlAM" mutjto man alle Türm Fenster öffnen, so drängten sich die Massen, um ein Wort des Rabbi zu erhaschen und auch einen Happen von des Rebben Tisch. Dee reiche Mann hatte aus Wunsch des Rabbi seinen gebührenden Platz oben am Tische. Wie der .Berditschewer' nun ausstand, unt weise Worte der Thora zu verkünden, stockt er in feine iiäfs Okfcl sglgsntzg gMäMWß. DOIH. den es anging, allzu verständliche VemerbllüA ritt: _Warum wird der Erzvater Abraham als Muster der Wohltätigkeit und Gastfreundschaft gepriesen? Hatte doch Lot eigentlich ein Gleiches getan. Auch er bot den Fremden Brot und Nachtlager, ja sogar unter eigener Lebensgefahr an. Warum spricht keiner von der Fremdenliebe und Gastfreundschaft des Lot? Antwort: Bei Lot heitzt es: „Und es kamen die maQitnjpoaoman": wn m nwmmimmi Engel, hMzr Wesen, zu ehren? Bei Avrahllm lautet es aber: „Und er sah, wie drei Männer vor ihm standen". Es waren, — seiner Meinung nach, — einfache Menschen aus Fleisch und Blut.

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