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Der Israelit · 1927-07-07 · Heft 27 (7.7.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 27 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sette 2 Nr. 27 Der Israelit 7. Juli 1827 im Bewußtsein seiner Hilflosigkeit anlehnt, Hrurch deren Anruf er sich selbst seiner eigenen Schutz- Heborgen^elt qu«ji r>erge»ijjert; Dikj^ form menschlichen Tötens, bewußt vvn Göfühlsmomenten getragen, ist allein aus einer solchen psychischen Einstellung zu Gott zu verstehen, die in dem Betenden das Distanzgefühl zwischen seiner Persönlichkeit und seinem Gotte erhält. Dieses der M M 8ökM skklst schein Austrieb dennoch erdenweit unerksichbare Göttlichkeit, die gerade kraft ihrer welterhabenen Stellung die höchste Potenz denkbarer Liebeswaltung entfalten kann, verleiht der menschlichen Seele die kontinuierlich treibende Kraft, im Ausdruck des Gebetes spontan vor ihren Schöpft MMMM. Wie anders gestaltet sich die Anschauung Gottes im „mystischen" Gebete! Die Sinnenwelt des Betenden erlischt. Seine Seele erhebt sich über die Schranken der menschlichen Hülle, gleitet gleichsam in eine Trance, um sich im Selbstvergksskli mit iUklii mm m ucrcintn. EM Wt nicht mehr übse dsm Menschen, er tritt in den Menschen. Das Distanzgefühl ist geschwunden, denn Gott und Mensch werden ja eine psychische Einheit, und in diesem Bewußtsein wird und kann die menschliche Seele gar nicht jenes unüberbrückbaren Abstandes -jm. sein, welcher nach jeder religionsphilosophtz^ez^Konzeption Gottes ihrem nBfljift llllch HeHeben i(l. Gkraö? in dkm Distanzgefühl unendlicher Ferne Gottes von allem Triebhaft-Irdischen, dessen sich der Mensch in der ganzen Erdgebundenheit seines Wesens bewußt ist, gestaltet sich das wahre Verhältnis zu Gott. Ob indessen eine bewußtseinslose SelbstrmMlNsi: Silk sic cm im Zuswlw m Tranes oder der Hypnose auftritt, wobei sich die ganze Persönlichkeit mit dem Objekte auflöst, noch mit mb zu bezeichnen ist, kann eine halachische Streitfrage sein, die. von berufener Seite entschieden werden mag. Ueber den Charakter dieses Zustandes kann nur allgemein gesagt werden, daß hier 2iiy ßiUUigie Köngenirierrrng t«? S&jeft Nicht vorliegen kann, da ja die Funktion des Willens in Ausschaltung der gesamten Umweltsphäre völlig erloschen ist. Konzentration bedeutet im eigentlichen Sinne eine kontinuierliche Willensleistung auf psychischem Gebiete, bei der ein Gleichgewichtszustand zwischen den Impressionen der sinnfälligen SSß^me^mung urtb Objekt besteht, wobei freilich durch dauernde Verdrängung der ersteren das Gleichgewicht zugunsten des letzteren verschoben ist. Dieses setzt in jedem einzelnen Momente der Handlung das Bewußtsein der Tatbereitschaft voraus. Äer!en?ung indessen läßt dieses Bewußtsein vermissen, indem die Persönlichkeit unter dem nicht mbhr gefühlten Zwange des Objektes steht. Ob Wk wsm Norm mW mir m mmm mm btYi darf, was wir landläufig unter ,721p verstehen, mag zweifelhaft sein. Noch ein Wort über die allgemeine Postulierung des mystischen Gebetes in der generellen Form, wie dieses Herr Aschkenasi in seinem Aufsätze illi. Wer nur mm llmm ümfifig m dis Heterogenität der Geistesstrukturen hat, welche grundlegend den westlichen und den östlichen Juden voneinander unterscheiden, der kann'gewiß nicht auf den Gedanken kommen, jenen Zustand für Westeuropa als Forderung aufzustellen, der in östlichen Gefilden in gewissen Kreisen einen MlWkMN MZLst Zrsnnrön hat. ser päische Jude, straff hineingegliedert in den sozialen und teilweise auch kulturellen Organismus der nichtjüdischen Umwelt, prall den Realitäten des Lebens gegenübergestellt, bringt schon quasi eine andere Denkform mit ins Leben, die weit ab- \^Y DOn rnem ünfffic LWHkn srüöer; die m einem ganz anderen System dse Lsbeusbeblngungen, oft nur mittelbar mit der Außenwelt in Verbindung stehen. Das Leben des Ostjuden ist viel mehr „nach innen" gerichtet, und so erklärt sich in ihm jene „Metaphysik der Seele", die uns im kühleren Westen als Mystizismus so sonderbar anmutet. Welche von beiden Mentali- Mim Die NchtigW, bis diä futschere ist, steht hier nicht, zur Entscheidung. Aber Postulats können in dieser Hinsicht sich nicht rechtfertigen, wenn man das Diktum von Zeit und Ort berücksichtigen will. Was uns heute not tut, ist nicht Mystik, sondern offenes Äuge und klare Erkenntnis für dis DirUiDe.!1s!rc!ange des Tages, im Kampf um die leider allzu zersplitterte Einheit im Innern« und um die kulturelle, nationale und wirtschaftliche Existenz unseres Volkes nach außen. Wochenrundschau. Di- Rückk-hp gM -xchulchs» AM, Während in der jüdisch-liberalen Presse Deutschlands in der letzten Zeit immer wieder tragikomisch wirkende Weheruse alter liberaler Kämpen ertönen, die über die angebliche Zurückfe6wn0 M8M8WUM vcZ [iBcraicn MW tums tm Gemetttdeleben jammern, hat sich in der benachbarten Tschecho-Slovakei ganz in der Stille eine Entwicklung vollzogt dis man für un, plflllßlijj) [3ltter voave |if die Tatsachen bezeugt: D i e N e 0 l 0 g i e b e k e n n t sich offiziell zum Schulchan-Aruch! Unsre Leser finden im Nachrichtenteil einen Bericht über die Generalversammlung des neugegründeten Bundes flavakifchsr Neologen- und 8i3kll8-Hll8-Gernein^en, der n!ch^ llnr statutarislh, d. h. aus dem Papier, den Schulchan Aruch als verbindlich für die Institutionen der Gemeinden erklärt, sondern auch — was erstaunlicher ist — wenigstens einen Anlauf unternimmt, die gesetzeswidrigen Einrichtungen, insbesondere das höchste Symbol der Nes.orrn, dis örgel.^ aixs berc Tsmx?!n gu entfernen oder vorerst in den Tempeln zum Schweigen zu bringen. Auch diejenigen, denen der Mut zu einer solchen offiziellen Selbstenthauptung des Reformjudentums fehlt, gestehen unumwunden zu, daß kein Mensch mehr Interesse an btefeit ober ci^»ul't&jen ffier[rr^ngfn Ws «sstmilawrischen Liber ralismus hat und heute gewiß keine Gemeinde mehr bereit wäre, ihre Einheit und ihre Verbundenheit mit dem Kern der jüdischen Gemeinschaft, mit der Orthodoxie, jenen Willkürlichkeiten eines geschichtslosen Subjektivismus zu opfern. Es besteht nun hei der Beurteilung dieser senssti-stellen Vorgänge eine doppelte Gefahr der Selbsttäuschung; sie können in ihrer symptomatischenBedeutung unterschätzt, in ihren Konsequenzen ebenso leicht — und dies ist das gefährlichere — überschätzt werden. Wer in der ganzen Bewegung ledig l i ch öltzW siölllisHen {§4^äiäw8 öer Äegner der selbstständigen Orthodoxie wittert und die Matadore des neuen Verbandes einfach für Heuchler und Schwindler hält, würde unsres Erachtens ein Unrecht begehen. Gewiß spielt der Wunsch mit, die staatlichanerkannteorthodoxeLanbe5orrnif“tio 11 £rm Mtz an Wllr gcu, sie vor Behörden und Oeffsntlichkett äU überlebt und überflüssig zu denunzieren und die außenpolitisch als wünschenswert erachtete jüdische Einheit zu erzwingen. Aber dennoch wäre ein derartiges politisches Spiel von vornherein geradezu unmöglich, und es müßte än seiner inneren Ünrocchrhaftigkert im Äeime erA^en — fünften sich nicht weiteste Kreise der N e 0 l 0 g i e innerlich, geistig von der Orthodoxie überwunden und strebten sie nicht, ihreJugend voran, zurück zu dem ewig fruchtbaren MuttQFfiODöH W THZräwä^r^eil, &en Ijjrc Sater freventlich verließen. mm Heber die Sprüche der Mter. Aus dem Nachlaß von Professor A. W ey l (Zur ersten Jahrzeit am 8. Tammus).*) Die ..Sprüche der Väter" find ganz ein echtes ^olfesb«5i üHimmif m« mmnm Mw minnnms jjtatcnßreDter“. iDorin viele Generattomn Denker und Menschen die geistige Quintessenz ihres lebendigen jüdischen Daseins niedergelegt haben. Aus einem bewundernswert gefühlten und erstkebten innerlichen Gemeinschaftsleben, das der jüdischen Offenbarung und Lehre eigentlichst entspricht, vermochten sie öS. die großen Wahrheiten bes Herzens in Miinniask und srMtssll Lkfchälllicher Wests hersuszustsüstt. Änd es ergab sich ein Buch, eigentlich ein lebendiger „Traktat", der immer wieder neu und reizvoll, immer eigenartig und zu! geistiger Erfassung anspornend, aus bestimmte Weise das ganze jüdische Bewußtsein in sittlicher, religiöser und auch in philosophischer Hinsicht widerspiegelt. In Form von Sinnsprüchen, oft dichterisch, oder mythisch. 1 mm AtiMlwi Der nlilMilMiM WslLü mm Professor A. HOeijI bMf wird dsmnSchst vom Söhne des verstorbenen Gelehrten, Dr. Hermann Weyl, herausgegeben.8 oder symbolisch, oder auch ganz markant aphoristisch zugespitzt, entfaltet sich das geistige Leben ganzer Generationen, herrlich klar und durchsichtig, dabei von bezaubernder Sinnigkeit, von .edler Einfalt und stiller Größe". - 3™ DegenM gu tzsn tzWliWM MlIkM. Dik in ihrem göttlichen Offenbarungscharabier jenseits menschlichen Einflusses gefaßt werden müssen, als Offenbarung, Lehre, göttliches Wort, treten die .Sprüche der Väter" ganz als menschlicher Ausdruck vor uns hin, als Quintessenz menschlichen Sinnens über den Lebensstnn. und sind ihrer ethisch-religiösen Wesensart gemäß doch nur auf jene höhere, übermenschliche. geoffenbarte, göttlich verkündete Welt gerichtet, die aus beit biblischen Büchern UNS so rnäMiZ Zsiiffkicht, Sprühe der dättr flntz's, nnv sie sehen ihre vornehmste Aufgabe gerade darin, die große Traditton zu wabren und an dem Punkte anzuknüpsen, bester gesagt überhaupt erst anzusangen, wo das jüdische Leben in seiner geschichtlich wirksam gewordenen Sendung beginnt: der Offenbarung am Sinai. — „ . Denn jo jclngt es }« Mi ,MöWk M titt Tchr? vvm «inai empfangen.,, Deventtingsvoll zu sehen, wie so Moses zum ersten dieser Väter gemacht wird. Was wir sonst aus den Gebeten gewohnt sind, als unsere Väter anzufehen, die Erzväter nämlich, die Ahnen: Abraham. Isaak, Jakob, diese treten hier nicht in dieser großen Kontinuität der Väter und Lehrer aus. Denn sie sind wohl die Einzelnen und wie durch Wunder Begnadeten, die Ahnen, die Erbauer bes Volks in' ber frübeftett Geilr jüdifehen Siarmn e, ist DiCiC von ihnen gelebte Lehre keine Volks- und Gemeinschastslehre geworden. Noch kein geeintes Volk konnte hinter ihnen stehen, keine geistig und politisch geschloffene Gemeinschaft. So sind sie wohl unsere Ahnen, unsere Urväter (im ganz bestimmten und zu fühlenden Sinn). Unsere Väter, wie es immer so beruhigend und erhebend heißt. Aber sie können noch nicht geeinten und politisch geschlossenen Volksgeist rsstrilisüffsksst. - ©lütt diese Einigung ^kschlvssenhöit vermochte erst durch das große gemeinsame Erlebnis am Berge Sinai zu entstehen. Jetzt erst erfährt die Befreiung aus der Knechtschaft und Sklaverei Aegyptens ihre innerste historische Sinngebung und Weihe. Und Moses, als der große Vermittler zwischen Gott und Volk, der „Knecht Gottes", und andererseits als .unser Lehrer", ersteht so an der Spitze der großen Reihe der Meister und m MMM MMI 1IIID MMMlllW in ßcn -.Abschnitten bei Vmer" uns im Echövttnn und Nachahmung überliefert sind. — Aphorismen. Fo lge r i^tig gu W fljfit Mü ^rnS) MfGchMiUZ MMUN, lM CMgnis der Natur, das nicht, folgerichtig zu Ende gedacht, zugleich zu den letzten Fragen und damit auch zu Gott als der einen großen Wirklichkeit und Wahrheit hinführen müßte. * Falsche Heldenverehrung: Man hat sich für berechtigt gehalten, Gott abzuschaffen und den großen Menschen und Helden an seine Stelle zu setzen. Welche Ml mmrnm untt mittm MMtjettl Immer DlßfBt ® noch btt WMM deK reifen Verstandes, ob und tnrvieweit er fähig ist und sich verpflichtet fühlt, auch das größte menschliche Phänomen als winzige Erscheinungsform der Gottheit gegenüber zu

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