Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 26 (30.6.1927)
- Date
- 1927-06-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450468--74144-2531597- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 4 Nr. 26 De r Israelit 30. Juni 1927 d i e B l o ck l i st e zu stimmen. Wenn es die Agudaarbeiter nicht taten, so können sich die Zio- Ri^en!a^ur Lei {\) r e r Arbeiterorganisation bedanken. Und wenn der Erfolg dieser immerhin zu mißbilligenden Disziplinlosigkeit so über Erwarten groß war, so liegt es daran, daß die Wählermassen kein Verständnis für feinere Nuancierungen in der jüdischen Politik haben. Viele scrgten Mi „Diß BlMliste ist ein Komstromiß. eine ungesunds Mischung, die Liste der Poalc Agudas Jisroel dagegen ist rein jüdisch, so stimmen wir lieber für eine hundertprozentige jüdische Liste als für eine, die nur z u zwanzig Prozent jüdisch ist." Es spricht dies für den gesunden Sinn der orthodoxen Wähler und soll eine Mahnung sein für spätere Zeiten, auch für die Orthodoxie. Abkommen, die an innerer Unnatur kranken, bringen selten Segen. Die Ernüchterung stellt sich auf beiden Seiten ein, und dann kommt es eben zu den schmerzlichen Nachwehen. rvis inan fte ltt Wäkschqü Dr. Wolfs Feilchenfeld Vst« ThoraerklSrungen. ^. n. -W 4sr fnsrs maa o^ra tnwna Das Wort ’niä ist Kollektivnomen, Singularis und weiblich. Also zu übersetzen: Das Gezweigei (= die Gesamtheit der Zweige) überschreitet die sie einhegende Mauer — (Ausdruck des üppigen Wachstums). Dazu Analogien. fl. JB J5 pf5R- .p« »pan nnai „Das „Geströme" (Subjekt) spaltet das Land" (Objekt). Hier sind unter mini Nomadenvölker gemeint unter ff» Das assyrische Reich, und das Toben eines WMkisgss gsWösH b. M 2"' 2Y»K ♦-pm ninm si Frage „das Getier", es wird dich lehren. •T'b n"' ’Vwa .yrrvn v'vrrh -mm ’n vviin npn« ZÜdls^ Zedökölj erhdhi unb bi« Liebe, von der die Völker faseln, ist Sünde. •ms mVt 0*122 pVnrp dwi 2*>2v (Ihr beklagt Euch, daß) ringsherum die Bösen sich ergehen, —i (Beruhigt Euch, das ist) wie sich erhöbt bflö GöMöMö untsv dsn Msttschen. (= Abschaum der Menschheit, der oben schwimmt.) .'2 rrw» ■nsrim ttfn hn Tinra rs A '§11 „Heil Euch, die Ihr auf jeder wasserreichen Stelle säet, die ihr entsendet den Fuß bald des Ochsen bald des Esels" — das heißt, ihr Nomaden, die ihr bald mit dem Ochsen pflügt, bald mit dem Esel weiterreist. Zum Verständnis ist heranzuziehen: 'TUT' JÜilp •iJSSöfi vvm 2W2 '2 D’on '22 by *janV nbw Wirf nur dein Brot körn aus auf jede wasserreiche Stelle, denn nach vielen Tagen (wenn du dorthin wiederkommst,) wirst du die Saat aufgegangen finden. Beide Sätze enthalten die Mahnung zu „plf, D. h. Gum zu wiM, öbne RülM darauf, daß du das Aufgehen der Saat nicht gleich erwarten kannst. •N"' D^nn Gegenüberstellung der UnuollkoNNNkNhsst NaturreUgion zur geoffenbarten Religion (der N2*m)' Vers 2. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und seiner Hände Werk kündet das Firmament (der alte Gottesbeweis des Sokrates: Wenn es einen, Tisch gibt, muß es auch einen Tischler gebest, — Wklill es ging Schöpfung gibt, mutz es auch einen Schöpfer geben.) Vers 3. Tag kündet dem Tage Worte, und Nacht erzählt der Nacht Erkenntnis. ' (Der Wechsel von Tag und Nacht erzählt dir doch von Gott. — Wenn es ein Naturgesetz gibt, muß doch dieses Gesetz von jemandem gegeben sein. Jetzt ist die Frage zu ergänzen,: Wieso sind gerade die Naturforscher oft die größten Gottesleugner? Antwort: Vers 4. Es ist keine Rede, es sind keine Worte (die die Hinunel reden), ihre Stimme wird nicht gehört. Vers 5. Ueber die ganze Erde erstreckt sich ihre Meßschnur, und am Ende des Weltalls verhallen ihre Worte. Das heißt: Wenn man mit dem Begriff „unendlich" operiert, gibt es Rechenfehler. Hxgmsstz oh wer unDonrommenrjgit der Naturreligion: Vers 8. Die Lehre des Ewigen, wenn man sie in ihrer Vollkommenheit, — schriftliche und mündliche Lehre als Einheit, — erfaßt, beruhigt sie die Seele, das Gesetz Gottes, da es beglaubigt ist. — 600 000 Menschen haben es entgegengenommm, — macht tlug ben Toren usw. Dieser Gedanke findet auch seinen Ausdruck in >r\ j?75 71128 Seidenu=Garn-Handolages. in. b. ti. 47 Bleidenslraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) SPEZIALHAUS in Näh- und Slick-Seiden Handarboits-Garnen Jeder AM Wer den Lebensweg geht und lernt (Thora) und unterbricht sein Lernen, und spricht: wie schön ist dieser Baum, wie schön ist dieser Acker! (Das heißt, ich brauche keine offenbarte Lehre, ich kann Gott aus der Natur erkennen,) dem rechnet kb Die Qffjnfi an, als ab er sich gsW \m Seele versündigt (das heißt: er wird mit Sicherheit ein Gottesleugner). 2"2 o^nn — Erster m^sran 2*»ff* ■ Vers 1. „Zu Gott in meiner Not habe ich gerufon lmD er mögs mich AjHstM", — Vers 2. „Gott rette meine Seele, daß ich nicht lüge, daß i ch nicht betrüge" (abweichend von der allgemeinen Auffassung: daß ich nicht belogen und betrogen werde). Vers 3. „Was gibt dir, was bringt dir Nutzen lügenhafte Zunge?" — (Das will sagen, was bittöst bti gu Goö, baß nicht lügen sollst? Lüg' nicht! —) Die folgenden Verse besagen dann als Antwort zu Vers 3: Ich lebe in so anormalen Verhältnissen, unter Druck, daß dadurch die Seele verdorben wird und zum Lügen und Betrügen gezwungen ist. Der Psfllm bsösutzs älsö mniges Debci zu Gott, daß Er ihn in normale Verhältnisse bringe und so seine Seele rette, daß sie nicht durch den Zwang zu Lug und Trug verdorben wird. (Fortsetzung folgt.) tymWfHftNifK ~ IlStdlMItv. Deutsche» Reich. Juristenlagung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. Berlin, 22. Juni. CEnbe »origer Woche »erempaWe £ e, toie trereitS hkrittM, der „Central-Berem deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" eine von annähernd 400 jüdischen Juristen. aus Berlin und aus dem Reiche besuchte Tagung, nachzugeben und mir eine Frist auszubitten. Mit Mühe und Not gelang es mir, auszuwirden, daß er mir den Hund für zehn Jahre mit nach Hause gab. Bis dahin mutz der Hund reden können". „Bll mit van SIMM". MMß acb bis Mflll. „Was können da zehn Jahrs nützen? Du wich in dieser Zeit eher das Bellen erlernen, als er das Reden'. „Keine Sorge liebe Frau", beruhigte der Mann. »In zehn Jahren wird eines von folgenden drei Dingen mit Sicherheit eintreffen: Entweder der Hund verendet, oder der Poritz - . ., oder ich sterbe {?**»**'.. „2™ ledern von diesen M Ax Fgtzx ihr« Lösung gesunden." Man fragte einen Wanderarmen, der bessere Zeiten gesehen, ob es ihm nicht einen Stich ins Herz versetze, Almosen zu nehmen. Als ich das erste Mal nahm, sprach er, ga& es Uli? einen 8iich ins ^erjj. §s errtstffü^ ^\l\ iFgHi Seiibem nehme und nehme ich und das Loch ist einfach nicht zu stopfen. Tolstoi und das Judentum. Don Dr. M. Lewin in Kamvnrg. Häusig genug berufen sich unsere Gegner auf Den «Gonsensui mösnionim". auf Dia Wflhrnögimmz. daß die „großen Geister" der Menschheit Juden und Judentum abgeneigt waren. Abgesehen davon, daß in dieser Allgemeinheit die ausgestellte Behauptung nicht zutrifst, ist sie, selbst wenn sich ihre Richtigkeit erweisen Uetze» ohne jede Beweiskraft. Immerhin machen es solche und ähnliche Urteile voll verständlich, datz wir uns so gerne das Urteil großer Menschen über unser Bekenntnis und über seine Träger ansehen. So denke ich mir die Entstehuna der aediSASftStt EHÄft*) des belrann^N GSl«hN«N und Schulmannes F. Goetz. Zweifellos ist Leo Tolstoi, der eindringliche und erfolgreiche Verkünder des großen Menschheitsgedankens, ein wahrhaft Großer. Als solcher bewährt er sich auch in der entschiedenen Abwehr der antisemitischen Strömungen seines Vaterlandes. Dafür bringt uns Goetz den aktenmäßigen Beweis durch verschiedene kürzere DDtr MMk WSsMlMM TMM fifiß? SflS ThLML »JUdkttfküge", die er in seinem Büchlein in dankenswerter Weife zusammenstellt. Das tst nur die eine Seite der Frage. Wie steht aber der größte und bekannteste Schriftsteller Rußlands zum Judentum? Hier uns die Antwort zu geben, ist keiner mehr berechtigt als unser Autor selbst, der in persönliche Berührung mit Tolstoi kam und mit itjm ßifl&R 8 edvülreuauslaus ch Frage unterhielt. Leider erweist sich hier der große Philosoph und Dichter durchaus voreingenommen und durch seine eigenen Ideen befangen, — und da bedeutet der ^offene Brief an den Grasen L. N. Tolstoi" von dem Verfasser der Schrift, wie er in dieser wörtlich abgedruckt ist. wirklich eine Tat. Die Ausführungen, von edler Begeisterung getragen und von gründlicher Beherrschung des Stoffes zeugend. bsdeutsn eins Bereicherung der a^olo^etisc^^ rälur. Per $kisT“ Töötlnt tLDitdras mich nicht ohne Einwirkung auf den Adressaten geblieben zu sein, der nur durch seiüe körperlichen Gebrechen der *) F. Goetz. Leo Tolstoi und das Judentum. (Buchdruckerei .Splendid" Riga, Herrenstr. 21). letzten Jahre gehindert wurde, die vom Autor genannten Bücher durchzuarbeiten und damit auch seine veröffentlichten Darlegungen gegen das Judentum ^u beric^tigeu oder NfMfHMWn, Eine Wertung westlicher im Osten. Im Chinuch-V erlag. Warschau (Nalervki 7) ist ein KDönes WlLlM unter Mm Titsl ..Däs Leben üttb Schaffen zweier Säulen des orthodoxen Judentums in Westeuropa" in jiddischer Sprache erschienen. Das Büchlein enthält Biographien und Würdigungen von Samson Rafael Hirsch und Dr. Esriel Hildesheimer Der erste Aufsatz ist eine Uebersetzung des in Frankfeier aus Anlaß des lOOiährigen Geburtstags S. R. Htrsch's gehalten hat. Der Aufsatz über Hildesheimer stammt aus her Feder von Rabbiner Dr. A. Cohn Basel, das deutsche Original ist vor einigen Jahren im .Israelit" erschienen. Man ersieht aus diesem mit Liebe hergestellten Werke, wie das Verständnis für die Entstehung, Entwicklung und den Lebenskampf der deutschen Orthodoxie sowie. für die Wrännsr. die uns hieriu den V3e^ gejjeig$ On Bfle« «n BoüLn gcwiuut.