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Der Israelit · 1927-06-23 · Heft 25 (23.6.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 25 (23.6.1927)
Date
1927-06-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Teile 2 9>lr. Ö5 Dt r Israelit 23. 3unt 1927 Forderung. Eben darum sei sie nicht ein Ueberkonfessionelles, sondern eine grundlegende Notwendigkeit jeder Religion. Daß das Judentum mit der Bestimmung, vor Beginn der Mahlzeit den Tieren ihre Nahrung zu reichen, und zahlreichen anderen Vorschriften vorbildlich sei für die Pflicht der Barmherzigkeit gegen das Eier, ist aneriQiintB WMM. Mn »uch in Gegenüberstellung von Zeremonien und Sittlichrer'tsgrundsätzen trifft für das Judentum nicht zu. Es gebe keine einzige „Zeremonie", die nicht in sich ganz und gar erfüllt fei von ethischem Inhalt und versittlichender Erziehungskraft. Mmnnö machte, am lMrMmgslM Diß Wissenschüft, die engste Beziehung leugnen zwischen Geist und Körper, zwischen seelischem Leben und körperlichem Genießen. Ohne diesen Zusammenhang könne die jüdische Speisegesetzgebung nicht -erfaßt werden. Die heilige Schrift selbst verweise darauf vorsxrelsrvelse beim Sßlutoerbo^ unb das tarmmi ijitttc nicht Das Nechl, ein göttlich geofMz barios Nettgionsgesetz abzuändern. Dazu gehöre die Bestimmung, daß die Schlachtung, so wie sie vorgeschrieben ist, ausgeführt werde, ohne daß zuvor die Hirnhaut verletzt würde. Denn die Hirnhaulvciletzung rechne zu den abnormen Zuständen, deren Vorhandensein im Augenblick des 8chächt5kiZ &8Ü AlsrsH 2es Tj^reff stsssh ber tteserung ungenießbar macht. Wenn also der Bolzenschuß oder Entsprechendes zur Vorbedingung des Schächtens gemacht wird, so bedeutet das in Wirklichkeit ein Verbot des Schächtens. Die Ueberzeugung auf jüdischer Seite, daß auch die Speisegesetzgebung mit dem Geiste der biblijjorbfOTg gttoc zum lim im neswsgs im Widerspruch stehe, werde bis in die letzten Tage hinein wesentlich gestützt durch öle experimentellen Forschungen der namhaftesten Hcki,Physiologen. Herr Rabb. Dr. Jacob H o r o v i tz aus Frankfurt, der sodann das Wort ergriff, nahm Gelegen- Dtll auf Din Inhalt Dor Gutachten einzugztzru. ff? betonte, daß er sich nicht herausnehmen würde, als Laie über physiologische Vorgänge ein Urteil abzugeben. Zweifellos seien die Schlachthofdirektoren ihm gegenüber Fachmänner. Aber gegenüber den Schlachthofdirektoren sind die Physiologen die größeren Fachmänner, die barurn allem enljcljeibenb {ein rönnen in Der einzigen Frage, die hier zur Diskussion steht: „Ist das Schächten eine Tierquälerei?" Die besten Fachleute verneinen nach wie vor diese Frage mit aller Entschiedenheit. Ja, einige nennen noch heute das Schächten die beste Schlachtmethode. Nicht nur vom Standpunkt seines Glaubens aus, xxem, «urf) um Mk Des LiMMW llÜllM, müsse er fordern, daß man Vernunft und Wissenschaft nicht verachte. Vor Jahrzehnten haben die Professoren der Tierarzneischule in Bern gesagt: Die Hartnäckigkeit, mit welcher die Tierschutzvereine an den Gutachten der Wissenschaftler Vorbeigehen, ist überraschend. Leider besteht das Wort noch heute zu recht. Möge jeder, der hier seine Entscheidung trifft, sich der Verantwortung hewu^i {ein, Me er der Sache gegenüber hat. Nicht darum handelt es sich für jeden Einzelnen, zu entscheiden, welche Schächtmethode ihm persönlich besser gefalle, sondern darum, ob man ein Recht habe, das Schächten eine Tierquälerei zu nennen und durch ein solches Votum tief einzuhkölfztt ist )re Tewistensfreiheit. Im weiteren Verlauf der Diskussion wurden neue Argumente gegen das Schächten nicht zu Tage gebracht. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß Oberschulrat Jung aus Darmstadt offen erklärte, daß das Schächten mit Heftigkeit m einer Zeit Defümpfi rnurDo, als m MmfsllöL bis bösts Schächtungsüri gewesen fei, daß aber auch jetzt dem Judentum zugebilligt werden müsse, unter Wahrung des Religionsgesetzes im Verhältnis des Bedarfes Schächtungen vorzunehmen. Als Schlachthofdirektor Dr. Klein- Lennep photographische Aufnahmen von Schlichtungen oortüteSj. die er selbst last scn.'um an sofort vtttsossoltön Zimvt ihvs Vewegungsfähigkeit zu zeigen, wurde von der Gegenseite eine von Schlachthofdirektor Dr. V a s e l- Stettin aufgestellte Tabelle verteilt, nach der von den 16 durch einen beamteten Schächter geschlachteten Tieren trotz sofortiger Entfesselung kein einziges sich erhoben und Gehversuchs gemacht hat. Die Abstimmung ergab die Annahme der schächtfeindlichen Anträge mit 79 gegen 7 Stimmen. Wer den Verhandlungen in Darmstadt beigewohnt hat, mußte vor allen Dingen von zwei Beobachtungen tief erschüttert sein: von der scrst unbegreiflichen §elbsiversiänDlichkett, in Der hier wissenschaftlich gebildete deutsche Männer sich gegenüber den hervorragendsten Koryphäen der allein zuständigen Physiologie Urteile in Dingen anmaßten, die sich ihrer Kompetenz vollkommen entziehen, und von der ebenso naiven Selbstverstäudli^keit, sif Dit Qenmmmirimg Des Schädels durch Erschießen fortgesetzt als „Betäubung", das Durchschneiden der Luft- und Speiseröhre aber, verbunden mit der Blutentleerung des Gehirnes, keineswegs als Betäubung, sondern als barbarische Hinrichtung gekennzeichnet wird. Gegenüber diesen beiden Feststellungen kann Ulan Diß UaaUsZöst^tM iöeichcherrmgen ber tierärztlichen Schächtgegner, sie handelten wahrhaftig nicht aus antisemitischer Leidenschaft heraus, sondern als Anwälte des armen, stummen Tieres, nur mit dem größten Befremden entgegennehmen. Es ist vielmehr offenbar, daß eine große Psychose — dank der leidenschaftlichen Tätigkeit der schächtgegnerischen Agitation _ $|f Mtem Mist Der tMrjtliöp Welt und ebenso der Volksmasse überhaupt bemächtigt hat, eine Psychose, der gegenüber alle Argumente der Logik und der Gerechtigkett völlig versagen. Es wäre sonst undenkbar, daß das fast einmütige Urteil der physiologischen Wissenschaft nicket dagu sühslx, tzgz Mächten zummDßst als gleichwertjge Tötungsari anzuerkennen, wenn man es nicht als die gegebene Methode der schmerzlosesten Art der Betäubung des Tieres vor seiner Tötung ansehen will. Die während der Darmstädter Versammlung vorgelegten neuen physiologischen Gutachten der cherren sprofssfSüM BI. Veth? - Frankfurt a. M., C r e * mer- Berlin, I. G. Duser de Varenn e- Utrecht, A. K r o g h - Kopenhagen, R. Magnus - Kopenhagen, E. Mangold- Berlin, M. R u b n e r - Berlin, Sir C. S. S h e r r i n g t o n- Oxford machen den Scheinargumenten der Schächtgegner erbarmungslos den Garaus, und sie sinö mm DDor rninDß? auf m gefttmyst, fcen Prof. Bethe - Frankfurt a. M. in seinem Gutachten anschlägt, indem er bemerkt: „Die Symptome (Körperzuckungen, Schwanzbewegungen, Atemholen, Eornealreflexe), die nach dem Schächten zu beobachten sind, kann nur ein vollkommener Laie als Ausdruck des Schmerzes ansehen. Cs handelt fidj grneis^M Msi KfM* wrische Vorgänge. Für den Fachmann hat es gar keinen Sinn, auf diese lächerlichen Einwände gegen die Schlichtung einzugehen." Vom Standpunkt der deutschen Volksehre mag es ein Trost sein, daß die Anti- Schächt-Psychose die deutschen Grenzen bereits llDrkfch?ittsN hzst sin) b«fs fogar in bem klassischen Lande der Gewissensfreiheit, in England, der ehemalige Landwirtschaftsminister B u x t o n einen Antrag auf Betäubungszwang gestellt hat, daß auch in Norwegen die parlamentarische Lage dem Schächten überaus gefährlich geworden ist. sw ptf^religTÖfeT} MMKUUll ans dagegen, kann man gerade darum der Zukunft nur mit tiefster Besorgnis entgegensehen. Wir hoffen allerdings, daß die parlamentarischen Instanzen im größten der deutschen Bundesstaaten, in Preußen, dennoch ein größeres Maß von Objektivität zeigen werden, als es in Bayern der Fall roarf unb YffH yxfsi Schwerster wicht sowohl der sittlichen wie der physiologischen Argumente sich auch die Regierungsinstanzen in wm Einige gelungene Gleichnisse. Von Rabbiner Dr. Felix Kanter in Zrvittau (Mähren). Ich dmf folgende Gleichnisse schon deshalb als SklöNgkN DkMlNeil. lilfisnii mem zzWZLL Ttgenmm Mlv. Ich fand sie in einem riwsn V27K benannten «ISO. aus das mich ein geschätzter Leser des „Israelit" in Riga vor einigen Monaten aus« merksam machte. Dieses isv, das sehr wichtige und beherzigenswerte idi» ■nai enthält — der Verfasser zitiert häufig u. a. auch die Schriften des Rabbi S. R. Hirsch — ist für das große, des Hebräischen unkundige Publikum berechnet und in einem säst unmöglichen Iaraon verfaßt, der die mn fßnff M mismfaiM sehr eisckwert. Ich Habs mich der Mühe unrerzogen, einige besonders gut gelungene Gleichnisse, die im vs^rr nizw» enthalten sind, ausbezw. umzuarbeiten, um sie dem protzen Leserkreise Zs „Israelit* zugänglich zu machen. Ziel und Zweck des Gleichnisses. In einer großen Stadt lebte einst ein sehr reiches Ehepaar, das nur ein einziges Kind befatz.Selbstredend liebten die Eltern das Kinb über alles und behüteten Wb JlivaiUü es wie bas kostbarste Kleinod und bemühten sich, alle seine Wünsche und Verlangen m erfüllen und zu befriedigen. Lines Tages erkrankte das Kind gar sehr, und die besorgten Eltern beriefen den größten Sleilkünsiler des Landes, dem sie die Behandlung ihres Lieblings mit Zuversicht anvertrauen zu können glaubten. Der berühmte Arzt tat auch seine Psitcht; er M MMn Pattenten aufs gründlichste, stellte die richtige Diagnose. verschrieb eine Medizin, die die Krankbeit bekämpfen sollte, gab einipe Anweisungen und Verhaltungsmaßregeln bezüglich der Diät und — reifte darauf wieder ab. Die Eltern waren anfanps beruhigt und getröstet, umsomehr, als der berühmte Arzt bei genauer Befolgung seiner Anordnungen ölt DaiDtae ffiiMima WM M?38btt8 Lrkttllgin AllöstW stölllö. äbkt erwies sich rkre Freude als verfrüht. Das eigensinnige und verwöhnte Kind verweigerte die Annahme jeglicher Medizin und sogar jedweder Nahrung, so daß sein Zustand sich von Tag zu Tag verschlechterte. Nachdem alles gütige Zureden sich als stucktlos erwiesen und der eigensinnige Patient käst dem Verhungern nahe war, meldete sich ein Weiser, der versprach, den Eigensinn und den Troß des Kindes mit Leicktiakeit zn brechen 8fi8 IH BEflHUIfUrn MD M QUf DM Mist zu SSlf£, Dieser bediente sich eines ganz einfachen Mittels: Er erzählte dem kleinen Liebling einige spannende Märchen und Sagen, teils ernsten, teils heiteren. Iuhaltes, je nachdem er es für angezeigt hielt. Das Kind hörte aufmerksam zu. bald lächelte es, wenn die Erzählung gar zu drollig und lustig war, bald öffnete es den kleinen Atund, um besser zu hören, wenn die Erzählung gar zu spannend war. Diese Gelegenheit benutzte der Weise, bem eigensinnigen MMkll: DH friUDlfflö DM MW Ml Mm wollte, bald einige Tropfen der vorgeschriebenen Medizin, bald einige Löffel kräftiger Nahrungsmittel einzuflößen und führte auf diese Weise seine baldige Genesung herbei. Es gibt eine Krankheit, die die erprobten Seelenärzte, unsere ytn, als wsjn ^in bezeichnen. Als wirksames Rlillpl 3U ibrer BekLnrpfnng wirb nebst Diß fPflöP IBR noVa unb bas joren von nrom wärmslens empfohlen. Wer aber will in unserer Zeit von diesen Mitteln Gebrauch machen? Wer ist geneigt, nn2im nvlv '*m ein williges Ohr zu leihen? Klagen doch schon unsere Lehrer nan "1)1 htd im vr> dn »Es sollte mich wundernehmen, falls es in diesem Zeitalter solche gibt, die ösfontliche Zurechtweisung .rotzig gaSökkll MD ffk; Mau man mim DieseLWMvM ihrem Schicksal überlasfen und ruhig Zusehen, wie sie gänzlich seelisch verderben? Mit Nichten. Wer berufen ist. öffentlich nn2iri zu sagen, bediene sich jenes Mittels, das der Weise anwandte, um die Heilung und Genesung des eigensinnigen und starrköpfigen Kindes herbeizuführen.- Er bediene sich des »Gleichnisses^, er erzähle Begebenheiten und Geschehnisse aus dem Leben, um auf diese Weise fe!nec f^örer 0“ MMN, MM avfv naierlasie er es nickt, in kleinen ADständen und gewissermaßen nebenbei die schärfsten und wirksamsten 181» '121 einzuflechten. Er wird auf diese Weise ein williges Auditorium finden und fein eigentliches Ziel mit Leichtigkeit erreichen. (Fortsetzungkfolgt). wwm

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