Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1927)
- Date
- 1927-06-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450466--74113-2531564- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Israelit Nr. 24 Sette 5 16 Juni 1927_ ' __ SObaj^nagTnen bagegen 511 'treffen. Den £inqaUH M «usMMWs MMMvil, dMUUAr «im 8^««- Liste sämtlicher Friedhofsschändungen, bergefügt. Die Zahl der Juden in Berlin und in Preußen. Berlin, 8. Juni. Zn den durch die ITA verbreiteten Feststellungen des Jüdischen wissenschaftlichen Instituts über die Zahl u? ZuüM m MUWMst imD in; Min nn?Don Dem Preußischen öo-nW^ömi mitZEtt» Nach dem endgültigen Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni 1925 sind im Freistaate Preußen 196 448 männliche, 207 521 weibliche, zusammen 403 969 israelitische Personen ermittelt worden. Davon entfallenauf den Stadtkreis Berlin 84 216 männliche, 88 4S6 gnfammen 170 670 UWföllöll. Die Persönlichkeit Charles A. Levines. Berlin, 9. Juni. Herr Charles A. Levine, der Eigentümer des Bellanca-Eindeckers „Columbia" und als einer der Direk- Jgjpen ber ^C£oinmbia-2tixcraft (Eorporati-on fJiemjorf", Erbaue 'te FlugMges, öer durch persönliche Unanzierung auch den Flug ermöglichte, hat, bevor er in seinem blauen Straßenanzug den Flug Newyork-Berlin mit Chambertin unternahm, mit einem Vertreter' der Jüdischen Telegraphen-Ägentur in Newyork gesprochen und ihm viel Interessantes über sein Leben erzählt. Der 30jährige Charles, A. Levine, der verheiratet ist und zwei Kinder hat. wurde in einer kleinen amerikanischen Stadt göboren, in der-' Mn Vater, der vor 38 bahren aus Wilna einwanderte, Kaufmann war. Herr Levine erzählte, daß er von frühester Jugend an der Aeronautik heißestes Interesse entgegenbrachte und daß es der Ehrgeiz seines Lebens war, Flieger zu werden. Mit 13 Jahren verlieh er heimlich das Elternhaus und trat in vi« berühmte ^rli egerjchule oon Garden - City ein. Sein Vatse Mts ihn zurükk und verschome chm eine Anstellung bei einer MetMhändler-Firma. „Mein Vater", fuhr Levine fort, „betrachtete mein Interesse an der Aviatik als unvereinbar mit der Laufbahn eines soliden jüdischen Geschäftsmannes. Er hoffte, daß ich, sobald ich heiratete — und ich heiratete mit 19 öaörm — M NMMMII liisftn widmete mich in der Tat mit ganzer Energie msiusm Gsschüjt. aber mein Interesse an der Besiegung der Lust verminderte sich nicht/ Schließlich widmete ich mich dem Aeropl-anbau und konnte oft meine Eltern, die in Pittsbung leben, mittels eigenen Flugzeuges besuchen. „Stets aber", schloß Herr Levine, „träumte ich davon, im eigenen Flugzeug den Atlantischen Ozean zu überqueren und, von Nervyork aus fliegend, 'in Vsrltn zu länden," den wetteren TesprM?u g'ug hervor^ ®r. Charles A. üevine, der in Brooklyn lebt, einer Anzahl jüdischer Organisationen und Institutionen angehört; so ist er auch Mitglied einer, jüdischen Loge, er nimmt aber nicht aktiven Anteil am jüdischen sozialen Leben, da sein Lebensintevesse der Aeron'autik gewidmet ist. J&fc- GUnulttfcAtt. Berlin, 13. Juni. Am Sonntag den 12. Juni ds. Js. fand eine Sitzung des W o h l f a h r t s - A ü s s ch ü s s e s statt. Einen großen Teil der Beratungen-nahmen bevölkerungspolitische Fragen in Anspruch, wozu als Sachverständige die Herren Dr. med. T h e i l h a b e r und Dr. med. Tugendr e i ^ingirg-egog-en rbaren. Der Wohlfahrts-Ausschuß wird. uuadhuuM von dem Deschluste des Nüteseine Konferenz aller Organisationen zu einer Beratung über Maßnahmen gegen Taufen, Austritte und Mischehen einberusen, eine Aufklärung der jüdischen Bevölkerung besonders über die Gefahren des Geburtenrückganges in die Wege leiten. Dem Rate wird ein Antrag übergeben, feinen Einfluß NW flffli zu madjm öaß Die WiMll MimmvM, befonbers bie Äroßgemernden, durch d-t-e GeÜUdvUA V8U Kommissionen für Wohnungssürsorge und Wohnungsbeschaffung durch Unterstützung öffentlicher Wohnungsfürsorgemaßnahmen den schweren Mißständen, die aus der Wohnungsnot innerhalb, der jüdischen Bevölkerung entstanden sind, abzuhelfen suchen. Die von Herrn Caspary und Dr. Ollendorff ausgellkböitgtsn RiHNniW kür Die Bsrtoilung Dir 0uDs venlion en wurden mit wenigen Aenberungen angenommen. Danach werden nur überörtliche Organisationen, nicht lokale, unterstützt. Bei gleichgerichteten und verwandten Einrichtungen ist allmählich Und organisch <tu^ entere ^n^ammennrLeti stkist Das Schicksal einer Stiftung. Dessau, 10. Juni. Unsere kleine Gemeinde ist in weiteren Kreisen dadurch berühmt geworden, daß sie der' Sitz der großzügigen Stiftung der Baronin von Cohn-Oppenheim Iß. £j|£ giifiön§J dein Sträeg -eine fegensretefje enlfalUU imD utcht nur Der fflemraiDt srwst» sondern weiteren Kreisen zugute kam, ist in der Inflationzugrunde gegangen. Infolgedessen hörten auch die Subventionen auf, die die Kultusgemeinde Dessau von der Stiftung erhielt und aus der sie die Amortisationsraten auf ein ihr beim Synagogenbau gewährtes Sarle^n öön M. MQ.Q0Q zu MW Wik. Dß§ Mt sehen wurde in eine fetzt auf etwa Mk. 70.000 aufgewertete Hypothek umgewandelt, womit die Schwierigkeiten natürlich nicht beseitigt waren. Jetzt ist, vorbehaltlich der Genehmigung der Staatsregierung, ein Ausgleich dahin geschaffen worden, daß beide Teile auf ihre gegenseitigen Gläubigerrechte und Schuldnerpflichten vvrWchtrn, Ein neuer Vorstoß gegen das Schächten. Darmstadl, 10. Juni. Gestern und heute tagte hier der Verband der Tiersch utzv ereine im Deutschen Reich. Der stark besuchten Bertreterverfammlung lag ein Antrag der Tierschutzvevein-e München und Düsseldorf vor, bei gÜVbMn KWWM nlr UuWcn Mi der den allgemeinen Betäubungszwang der Schlachttiere, ohne Rücksicht aus die rituellen. Vorschriften der Juden, zu erwirken. Es stand nach der uferlosen, alle Leidenschaften aufpeitschenden Agitation, die feit Monaten getrieben worden war, von vornherein fest, daß der Antrag mit großer Mehrheit durchgehen würde. Die Herren Näbbinkr Dr. §3^ n I «»s Berlin im& Horovitz aus Frankfurt a. M. bemühten sich vergebens, für den Standpunkt der religiösen Judenheit Verständnis zu erwirken. Der Antrag wurde schließlich mit 79 gegen 7 Stimmen angenommen. £f tmtf itr Erschießung eines jüdischen (Preises wegen nächtlichen Betretens der Skraße. K o w n o , 8. Juni. Am ersten Schowuaustag oortags hat ein Wachsoldat den 70jährigen Leiser Grünstein, Pflegling des Jüdischen Greisenasyls, auf der Straße erschossen, als sich dieser zum „Tikun-Schewuaus-Gebet" in die Synagoge be- MD>M IDOlftCt Auf m ^uben|c^a^t Ijat bieder Fall erschülltmr. Z'Swivkt. CmpörMg rvöllt VW llsstMM Erklärung zu dem Morde, die das Verbrechen nicht verurteilt, sondern es damit entschuldigt, daß der Greis zu verbotener Stunde die Straße betrat. Von 1 Uhr.nachts bis zum Morgen ist nämlich infolge des Kriegszustandes das Betreten der Straße ohne besonderen Erlaubnisein verboten. , Rumänien. Der Regierungswechsel in Rumänien und die Juden. Bukarest, 7. Juni. Durch ein Machtwort des Königs mußte das Kabinett aineresou, welches versucht hatte, gegen den Willen der MehrWI der Vevvlkeruug W5 g« te^afien, zurücktreten. Das neue Kabinett bildete Prinz Etirbey. Ueber die Persönlichkeit des neuen Premiers erfährt der JTA-Bertreter: Prinz Stirbey hielt sich, von je dem -antisemitischen Lager fern, er. zählt jüdische Persönlichkeiten zu seinen engen Freunden und unterhält auch enge geschäftliche Beziehungen mit Juden. In seinen eigenen in^llfslk?ss?tt Spetrieben beschäftigt er ^cchlxeiche jüdische Mamts. Der Führer der. demokratischen Bauernschaft, Dr, Lupu, verwaltet die Portefeuilles für Gesundheitswesen und soziale Fürsorge und provisorisch auch das Portefeuille für Unterricht. Dr. Lupu hat sich wiederholt in schärfster Form gegen Euza und -den Cuzismus ausgesprochen und hat für die volle Gleichberechtigung der JuLn planiert, . Dem gestürzten Kabinett Aveeeseu schickt Las .unparteiische in deutscher Sprache erscheinende „Czernowitzer Morgenblatt" die folgenden Worte nach: „Dem Sturze der Regierung Avevescu wird man nicht das geringste GesllU DO SeföffiFRS gumr lassen. Das ist eine im gangen Lättdä -SiNhMich hMslhSNve Memung. ... Es b>esteht gar kein Zweifel darüber, daß der Innenminister Goga die ganze Innenpolitik zu einem nationalen Tummelplatz gestaltete und eine ruhige Konsolidierungsarbeit nicht aufkommenließ. Dieser Politik ist es in kaum anderchalb Jahren gelungen, einen künstlichen Haß unter den Nationen zu entwickeln, den CuqLrrr,^ zä U'ä EWÜM iu fliünnirm imD einen Teil Der ftuDierenöen Jugend p verwirren." Innerjüdifches in Rumänien. 53utat«ft, 14. Juni. Der ITA wird geschrieben: Im Zusammenhang mit fe em oon feer SRegi-emng o orbereiteten - neuen KnItuSgeseß ist M-.6 TüMMg eines BerDnnöss «(fn irischen Gemeinden aktuell geworden. Abgesehen von der extremen Orthodoxie in Transsylvanien werden dem geplanten Verbände wohl alle Gemeinden Alt- und Neu-Rumäniens angehören. Der Verbandwird ein Seminar zur Ausbildung von Rabbinern und Lehrern jüjajj'en, Sieben religiösen und kulturellen wird der Werband Aufgaben der svMlen Mrsorge zu ocrroirMchrn haben. Die Vorgänge in der argentinischen jüdischen Kolonisation. — Eine Erklärung der Ica. Paris, 3. Juni. N W pp W!MN MlMUIWN Ü1F bestehende große Schwierigkeiten m der von der ICA. begründeten jüdischen Kolonie „Montefiore". Die Kolonisten seien — so hieß es — zwecks Durchsetzung ihrer Forderungen bei der ICA in den Hungerstreik getreten. Zu diesen Vorgängen äußert sich die Leitung der Jewish Lolcmisation Association (ICA) in einer Erklärung an die ^4<rgrapifrn-Ofg-eUiürr KLl 6.5^3^? Die Einrichtung des Gutes „Montefiore" m Argentinien wurde im Jahre 1912 in Angriff genommen, nachdem hervorragende Experten, wie der Chef des Landwirtschafts-Departements der Zionistischen Organisation in Palästina, Ettinger und der bekannte Gelehrte und srük^-ere Professor an der landwirtschaftlichen Hochschule von DMnosrMves, R. Holmun, Ar Erwrrhnng empfohlen haben. Die ICA ließ durch ihren a>g-ronomischen Stab die Kolonisadionsmöglichkeitenin diesem Landstrich untersuchen, es wurde -einstimmig -anerkannt, daß sich der Boden für landwirtschafikiche Kultur und Viehzucht bestens eignet und daß -der Kolonist bei einer rationellen Bearbeitung von 75 ha sein Auskommen haben würde. Sie erfien kari an.gestekMtt MliMW wiDMÜtM sich auf .eigene Verantwortung der Viehzucht, da dte Krtegsjahre eine gute Konjunktur hierfür boten. Als -aber 1920 die Krisis auf dem Viehmarkt ausbrach, stand ein großer Teil der Kolonisten vor -dem wirtschaftlichen Ruin. Als dann die argentinische Regierung neues Sied-- lungÄland m der Chaco zu billigen Konditionen anbot, zggm tausünDö FümMm m Düfte lSmenst unter Men viele der „ Mo nie fi o re "-Ko lvn isten. ttnr die Kokonisten vor den traurigen Resultaten einer falschen Handlungsweise zu schützen, hat die ICA den Bodenpreis in Montefiore herabgesetzt und einen großen Teil der geschuldeten Zinsen annulliert, .ebenso die Kontrakttermine erweitert und die Schuld jedes Einzelnen um 3000 Pesos vermindert. Die normalen Jahreszahlungen jener Kolonifien, üe m&lifAiiy ßo Hz ihrm GsuMMsiM anoei baut hatten, wurden aus Ne Hälfte vermindert. Trotz all dieser Ermutigungen gaben viele Kolonisten ihre Pläne der Ansiedlung in der Chaco nicht auf. Das Landwirtschäftsjahr in der Chaco .gestaltete sich aber sehr unglücklich, so daß man in ganz Argentinien wegen Schaffung eines Fonds zwecks Erlösung der jüdischen Bauern, unter ihnen auch her Moniesi ore=Geute, appellieren mutzte. Ende 1924 hat die ICA neue Kolonisten in Montefiore angesiedelt. Diese hätten gewiß Erfolg gehabt, wenn sie nach Programm gearbeitet hätten. Sie genossen besondere Privilegien, die ICA bestritt einen großen Teil ihrer Reisespesen und gab ihnen das Land in guter Form mit allem Zubehör, wie Häusern, Werkgeug-er^ lebendepr Bnnentar, landwirtschaftlichen Maschins» usw. Zum lluglüst wurde Me Kolonie MvuleWre in den beiden letzten Landwirtschaftssaisons von Trockenheit und Heuschrecken hoimgesucht, wie dies auch bei den