Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1927)
- Date
- 1927-06-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 4 Nr. 24 Vetens angedeutet, so will ich es jetzt versuchen, von dem Eigenartigsten und Bewunderungswürdigsten in seinem Bilde Kenntnis zu geben, von sbillblll DffJi üsöen äwü^itHen&ett SireLert^ die Resultate seines Forschens seinen Schülern weiterzugeben. Natürlich kann ich nach dem in der Einleitung mir gesetzten Plane für die Schaffung des Gemäldes jetzt erst recht nur geben: av bw i'vi hier ein wenig — dort ein wenig! lieber das Wesen des „kannous". Von Aacoö Landau in Krankfurt am Warn.*) Es gibt zwei Arten von nides „Eifers", ber ß? 5 t f S i J s n Si S«Z Mlk wirv auf dem Wege Uv köttsequeNten Lehre, der zwingenden Logik erworben, das andere entspringt einem echten Lebensgefühl, einem peinlichen Verantwortungsbewußtsein. Also: Kannous als erdachtes Prinzip und Kannous als erlebtes Gefühl. Das jjrimijiitUi fannous, miß ich ßs nennen möchte, ist seinem Wesen nach intellektuell, läßt sich daher zum System erheben, dagegen kommt das „erlebte" Kannous intuitiv zum Ausdruck und muß systemlos bleiben. Wie jedes Erziehungssystem, so kann auch das prinzipielle Kannous in den Erziehungsbereich einer Gemeinschaft bedacht ausgenommen werden. »Hf fffffsJtir fann Müll 8 mm niffi MW sein. Aus diesem Grunde ist das Erziehen zum intuitiven Kannous ein Unding. Ich kann lediglich die intuitiven Kräfte, die in jedem Menschen schlummern, zum Leben erwecken, die sich dann hie und da lebendig äußern. Die Richtung dieser Aeußerungen zu bestimmen, liegt nicht in meiner Zlmü. Ziß sink! mit Dor eigenen Persönlichkeit zu eng verwachsen, als daß ich die in eine bestimmte Richtung weisen könnte. Diese Kräfte äußern sich dann zwangsläufig, im Denken sowohl als auch im Leben, milde oder streng, gemäßigt oder fanatisch. Anders das prinzipielle Kannous. Dieses kann, Prmgip auch, grlrhri, und erworben werden. Dieses Kannous ist in erster Linie ein Produkt des kühlen Verstandes, gepaart mit maßloser Kühnheit. Man kann das prinzipielle auch überlegtes Kannous nennen, während das „erlebte" Kannous mit „ursprünglich" zw bezeichnen wäre. Dem einen liegt die bezwingende Macht des Verstandes zugrunde, Ans der Ende dieser Wvrve erscheinenden Zjar-Sirvan-Nummer der Führerschaftsblätter des „Esra". will, der schaffe sich das große Werk allmählich an, das nunmehr in zwei stattlichen Bänden zur Hälfte abgeschlossen ist. jÄ.etnc-g'cnftmwf iw AiN L, Juni fand in dem neuerbauten Mausoleum des v. Donnerschen Parkes in Altona die neue Einweihung des von dem holländischen Bildhauer Hasselrijs geschaffenen Heinrich Heine-Denkmals statt. Es ist dies das schicksaireiche Steinbild des sitzenden, kranken Dichters aus der Zeit der Pariser Matratzengrust. Dieses Denkmal. 1871 entstanden, wurde, da seine Ausstellung in Deutschland verboten war, von der MsMMsMll MANn MMtth flfltfl MM TLlvff Achillrivu auf Korfu geholt. Ais nach tom Tode Elisabeths Kaiser Wilhelm II. das Schloß erwarb, verbannte er das Dichter-Denkmal, das später durch Matrosen nach Hamburg gebracht wurde. Die Stadt Altona hat jetzt dem Denkmal, das in Hamburg von Antisemiten mit roter Anilinfarbe oft besudelt wurde und gereinigt werden mutzte, einen würdigen Platz geschaffen. Der Oberbürgermeister Altonas. Brauer, übernahm mit kurzen Worten das Denkmal aus den Händen der Erben des Dsslssses In seiner Ansprache führte er aus, daß für den Dichter dieser Platz nicht nur deshalb gewählt wurde, weil er nun einmal vorhanden ist, sondern Heinrich Heine hat mit guten Gründen gerade hier seinen Standort gesunden, weil in ganz geringer Entfernung von hier der alte Salomvn Heinesche Park liegt. —WWSNW Der Israelit 16. Juni 1927 das andere nimmt seinen Ursprung aus einem unbeherrschbaren Gefühl. Das prinzipielle Kannous manifestiert jict) hauptsächlich im politischen Leben ver Völler, dagegen ist das intuitive Kannous meistens religiöser Natur und ist fast immer nur bei religiösen Gemeinschaften wahrzunehmen. Das politische Leben ist allzu realistisch, um Intuitionen erwecken zu können. Es beruht eher auf einem Prinzip. Das Kannous im politischen Streit ist LkMMkZMWüMeatsDraurganoerntfL abstHMch-lHckstchtSlös. Das Kannous!m religiösen Leben, wenn es echt ist, entquillt einer, hemmungslosen, Leidenschaft entfesselnden Religiosität, welche den Menschen mit einer derartig wuchtigen Gewalt ergreift, daß er seine eigene Absicht nicht mehr zu erkennen vermag. Die Folgen ern?s öerarügen Rannvus, wenn fie {{t() auch als unzweckmäßig, dem Wesen der Religion widersprechend erwiesen, sind entschuldbar, ja rechtfertigend sogar. Stand doch der Kannoi, als er die kühne Tat vollbrachte, ganz und gar im Banne des Ewig-Göttlichen, aller Absicht und Ueberlegung bar. Dieses Kannous ist syrnpaihiskh, hahcr auch oft wirkungsvoll und erzteyerisch. Setzt es doch eine echte, stürmische und lebendige Religiosität voraus, die in der Persönlichkeit des Kannoi tiefe Wurzel geschlagen hat, und deren er sich nicht bemächtigen konnte. Er ist die Verkörperung des Religiösen geworden, und da er es ward, konnte er die Diskrepanz im Leben, das ein Abweichen vom Reliziösm ßü^fiablicf) ni4i ertragen, ffir sah die Gefahr und sprang aufrührerisch in die Bresche. Das religiöse Kannous kann nicht gelehrt werden, es ist Leben. Es wirft erst nachträglich Reflexe auf die Geistesart und Wesensartigkeit des Kannoi^ aus seine Religiosität. Kannoi, mochte vielleicht nachher selbst nicht seine Tat eingestehen, sie fand aber die Sanktion seiner ganzen Persönlichkeit. Politisches Kannous ist von Anfang bis zu Ende, konsequent, weil es systematisch gelehrt, verstandesmäßig beabsichtigt worden ist. Ob Kannous in der Politik das SMM ist ober NW, varllber rann man mn schiedener Ansicht [ein. Beim religiösen Kannous ist schon die Fragestellung deswegen absurd, weil es dem Wesen nach ein Ungewolltes ist. Ich sage i st, denn es kann auch ein Gewolltes fein, aber dann ist es dem wahren religiösen Kannous nicht mehr adäquat; dann ist es politisches Kannous in rein religiösen Dingen, welches unsympathisch, abscheulich, ja sogar höchst gefährlich ist/ Ein gewolltes Kannous ist dem Geiste der Religion zuwider. Rabbi Menachem Ehaim Landau y"iö erklärte mir diesen Gedanken anhand der historischen Begebenheiten bei Pinchos, der der erste und deshalb auch wahre Kannoi war. Und als er die kichne, aussehenerregende Tat vollbrachte, rückten — so heißt es im Ieruschalmt pswan ps yid lp‘rn:o*) — die B’jpT von ihm ab, wollten ihn in Cherem legen. . Es war ihnen etwas Unheimliches, etwas Ungekanntes, weil es dem Gesetz zuwiderlief. Es schien ihnen, als ob die Willkür zu regieren begonnen hätte, die Anarchie in die eben gottesrechtlich konstituierte füdisc^e Gemeinschaft ihren EssMg hstltt, <gfa BerurteUtwi Die Xat und deren Vollbringev auf das Entschiedenste, weil solch willkürliches Vorgehen die gefährlichsten Kämpfe zu entfachen imstande ist. Da mußte Gott sich selbst offenbaren, und zwar in der Gewalt des Friedensliebenden, Gott, der das geheimnisvolle Wirken der religiösen Kraft im Menschen durchschauen kann, Cr reichte Mnchos^dig^Friödönsvalmö. Dieses Kannous gehört ja gu den nnnoj» die B’ipi konnten es nur mit dem Maßstab der messen, und vom Gesichtspunkt des offenkundigen Gesetzes ist jede leidenschaftliche Ereiferung, selbst für das Gesetz, unstatthaft. Allein demmrrair '.n nwpiupB, der sich dem Reli- *1 ©er riETD 7]D erfilört Dm oerurcoalöit ein iDcnta ander«, stehe fedvrh man ebenso NVVvNI zur nV-,s. Seidenu. Garn-Handelsges. m. b. H. 47 BieMenstraße 47 (früher; Crosse Eschenheimerstrasse 3) SPEZIALHAUS in Näh- und Stick-Seiden Handarbeits-Garnen jeder Art in chm «ngkstchls emes Dm gerjenß gegen Estt sntfläMMte, nicht bemächtigen konnte, ihm sei nachträglich kein Vorwurf gemacht. Nun folgern die Welsen (2"S-K"3, ]vnn3t>) aus diesem Vorgang, daß ptup rpznK tyian 12 pittlS er ist der Ereiferung der Kannoim aus- (JßlißfßHt. JBsitttSäj weikr pnia l’KV p dh. die Ereiferung des Kannoi, wenn sie bereits geschehen ist, ist halachisch unantastbar, jedoch wird sie nicht gelehrt. Mein Rabbi '"5 fragte nun, wie ist das mit der Absolutheit des Gesetzes zu vereinbaren, daß etwas, was halachisch unantastbar ist, nicht gelehrt rverden darf. kill) er mir b«s SBefen bes Kannous in oben erwähntem Sinne auseinander und wies mir nach, daß Kannous als Prinzip dem Geiste des Judentums fremd fei, lediglich das ungelehrte, spontane, einem mächtigen, hemmungslosen religiösen Gefühl entströmte. Kannous eines fraglosen Kannoi ist zu rechtfertigen. Ein fragender Kannoi, der belehrt werden will, der ist kein fonnoi mW. W Milin iii CtzäiLn des Gesetzes. Wer es fragt, will verstandesmäßig belehrt werden, er ist scheinbar mit seinem Inneren noch nicht einig. Die Lehre soll ihn erst zum Kannoi machen. Solches Kannous ist aber zwitterhaft, klingt in Zwiespältigkeit und Harruonielosigkeit Tr Me Siufe.ber religiösen Vervollkommnung noch nicht erreicht, will aber als Kannoi gelten. Ein derartig gewolltes, zum Prinzip erhobenes Kannous ist ein furchtbarer Eingriff in das göttliche Middaus-System des Judentums, entblößt den „Kannoi" als religiös kornrnene Gestalt, der aber unter dem DeSmante! des Kannous seine Unvollkommenheit zu verbergen sucht. Allein der wahre Kannoi, ihm ruft Gott mVw zu und legt über sein nia^ Zeugnis ab. Die wahren Kannoim sind noch überall da zu finden, wo lebendiges, ungefälschtes Judentum in seiner religiös-gesetzlichen Urkraft existievt! DflPt ützev, USB eiH |iärPerr weltanschaulich ausgeprägter Formalismus des Gesetzes das Religiös-Göttliche im Gesetz in den Hintergrund geschoben hat, da kann nur das unwahre Kannous sich zu einer Gefahr für die echte Jüdischkeit entwickeln. In unserer um den tiefen Ernst des Judentums rmllßNößN GßMßinschast darf dieses Ksnnous nicht gur Gestung kommen. Komspondenztii llscbncdten. Gegen die Friedhofsschändungen. Berlin, 9. Juni. Der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen s>zs ferMe Qenrrate <!tt ■ bwrti: secke Landesverbände in allen Ländern des Reiches Eingaben an die Ministerien der Justiz, hes Innern und des Kultus. gerichtet, in denen er auf die ständig zunehmenden Zahlen der Friedhofsschändungen, auf die bedenklichen Folgen dieser ruchlosen Taten fiir das Ansehen Deutschlands und auf die dadurch möglichen Schlüsse über die deutsche Moral überhaupt hinweist. Der Zsniraloerem tjal weiter die gustiinhjg^N BkhvMSN diesen Borfällen ernsteste Beachtung zu schenken und