Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1927)
- Date
- 1927-06-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450466--74111-2531562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
16. Juni 1927 Der Israelit Nr 24 Seite 3 stinkn ^sy^lalen erillllti^W- Tin IKfifltOrilllQfiS Wechsel in diesem Lande muß die Aufmerksamkeit der Welt, deren Interesse das Land nicht auf beste Weise auf sich gelenkt hat, erregen, nicht allein der Juden, ,die in ihren rumänischen Brüdern die Märtyrer ihres eigenen Glaubens erblicken. Die bisherige Regierung war geleitet von p p e r s c u unb G o g a. hinter denen Cuza öls politischer Treiber rastkos tätig «ar. Mösätt drei Maueren wird alle Schuld für die grauenhaften Verhältnisse in Rumänien, für die Zustände der völligen Rechtlosigkeit, für die Außerrechtstellung eines über eine Million zählenden Bevölkerungsteiles zugesprochen. Die Männer sind gestürzt und zu den politisch Zl ß t ¥ bars man aucf^ ihre Helfershelfer, an deren Spitze Cuza, zählen. An Eteüe von Aoerescu tritt als Premier Prinz S t i r b e y an die Spitze der 'neugebildeten Regierung. Werden diese Männer anders denken und handeln? Wird der Kurs so geändert werden, daß die von allen Weltteilen nach Bukarest fliegenden Pro- UstNotkN nun dtirH stöllö NögMUWSstlM gramm ihre Beantwortung und Erledigung finden? Wir wollen abwarten. Im Manifeste der neuen Regierung heißt es u. a.: „Wir werden über Ordnung und Gesetzlichkeit wachen, sowie darüber, daß alle Bürger ohne Unterschied der Nationalität und Konfession sich der nationalen Fürsorge erfreuen." Das ist ein großes Wort für NMöNlM. (BÖBß (Sött, Daß C5 ßlll Llit W¥&¥- Zwischendurch erfährt man, daß die übgedankten Männer sich wieder regen, aus dem Scheintode erwachen und Einfluß auf die nun auszuschreibenden Wahlen für die Volksvertretung zu gewinnen suchen. Von diesen „freien Wahlen", wie sie jetzt von der liberalen Presse!a!egor!sc^ gewÜüsD stkkll killst IiM Regierungskreisen nicht ganz eindeutig versprochen werden, hängt das Schicksal der neuen Regierung, das Schicksal der Juden und in der Hauptsache auch die Zukunft Rumäniens ab. Auch die Juden richten sich auf ihre Art ans die Wahlen ein. Dis Union rumänischer Juden sprach sich Bildung eines jüdischen Einheitsblockes Dr. Wolff Mlchenfew V et* Der Posner Raw Zu seinem 100. Geburtstag 15. Siwan 5687. An eine schöne Thoraerklärung des großen Mannes will ich anknüpfen: 93-ers 9—13, erklärt er als ein •eft {m- Verse 7 c^avättöktfiäklöii ^e^chcr^cih <£ap. 28 JlMWjprüch glvisch?n falschen Propheten und Priestern, die lallend im Wein rausch das Volk zu verführen suchen, alle heiligen Tische mit ekelhaftem Auswurf bespeien, so daß kein reiner Ort verbleibt, — und dem Propheten Jeschajah, dem Vertreter der Gotteslehre. Der falsche Prophet und Priester spricht spottend: Vers 9: „Wen wollt ihr Erkenntnis lehren, Wem wollt ihr Verständnis bringen für das Gehörte? MenfjJjEJL ß'iß HFßP? erst Milch entmöknt sind, die eben noch aus der Mutterbrust gesogen? — Vers 10: „Denn hier ein Strich, dort ein Strich; hier ein Klecks, dort ein Klecks, hier ein Wenig, dort ein Wenig" (gemeint sind die verschiedenen Gebote und Verbote, die das Leben des frommen Juden beherrschen und gestalten, und die sie damit verspotten wollen). Nkl§ 11 un& 11 stff? ch chrs <Ses^n7äck> eingeschaltete Sätzö, M Die Worte des falschen Prvphet?n ch«r«^. terisieven. Vers 11. „ . . . denn mit spottender Zunge und wesensfremder Sprache redet der zu diesem Volke, Vers 12. Der zu ihnen sagt: Das bringt ihnen Ruhe-, lasset Ruhe dem Müden, (gemeint: dem Gedanken (faulen) und das ist ihre Erholung: sie wollen ja nicht hören (gemeint: auf uns, die sie von der Dummheit ihres Haltens des Gesetzes abbringen wollen)." Und diesen falschen Propheten «ntrvortst Jeschajah mit der Wiederholung {Ijprv eignen öüaris- Vers 13: „An sie ergeht das Wort des Ewigen:''„Ja hier ein Strich, dort ein Strich; hier ein Klecks, dort ein Klecks; hier ein Wenig, dort ein Wenig!-Damit sie gehen und rückwärts straucheln, damit sie zerbrochen werden, damit sie in die Schlinge geraten und gefangen werden." jrSum Verständnis dieses Zwiegesprächs folgendes Der Kunstbanause stellt sich dicht vor ein Oelgemälde und spottet über die Striche, Kleckse und Farbentüpfelchen, die der Maler gemalt. — — Der Kunstsachverständige stellt sich nicht nahe vor das Bild, sondern in eine gewisse Entfernung. Er sieht nicht die Striche, Kleckse und Farbentüpfelchen, sondern berauscht sich an dem gewaltigen Gesamteindruck und an Dtr MlliHkst ^Rf?npnle/ öie t,cr §rofce Schöpfer des Malers geschaffen hat. So auch dis Beobachter des wunderbaren Bildes, für Alt- und Neurumänien aus. In einem Lande das die Gestalt des gottesfürchtigen und gesetzestreuen wie Rumänien, wo der Schutz des Judentums jJuden darstellt. — Der Spötter sieht die einzelnen Klein n fh ftitfcpTi trn 'Rmtrafüunftß hps tüötfcflßn j^Qffnten, bi£ btß ^Befolgung ber (B^botß unb na CT) außen iw. Zemraipunne oes sumscyen Vermeidung der vielen Verbote darstellen: Striche, Interesses steht, kann nur eine starte und wur-i^ckst, Tüpfelchen. Sieht man sich aber die ganze Hardt g e Vertretung im Parlamente ihren Zweck momsche Gestalt d.es frommen Juden an, dann wird voll erfüllen, und im Interesse dieser starken und man eine Ahnung bekommen von der Größe dessen, der würdigen Vertretung kann man nur wunden, DMBEFBBf! ITldRf<m t“" daß der Einheitsblock, natürlich ohne Opfer an Wenn ich die Gestatt des großen Raws vor Ueberzeugung und bei uneingeschränkter Freiheit Augen, führen will, den der große Gott vor 100 des Handelns in religiöfen, Dingen auf Seiten Jahren der jüdischen Welt geschenkt hat, so kann der Gesetzestreuen, zustandekommt. ich auch nur kleine Striche und winzige Einzel- Diese Ziffern zerstören die sehr verbreitete Le- Ml 885 AüMMllM DOH Mkkk SlFW Million Juden in der Reichshauptstadt, eine Legende, die sehr oft auch von verantwortlichen jüdischen Institutionen wiederholt wurde. Die Zahlen zerstören auch die Legende über eine aus Zehntaufende sich belaufende Masseneinwanderung von Ostjuden. Sie zeigen auch, daß das angestammte Judentum Berlins in weiterer Abnahme begriffen ist und daß der ganze Zuwachs der Berliner Jüdischen Gemeinde während der letzten 15 Jahre fast ausschließlich aus die Zu- BfflMBffl ÜU6 DKUrüDlni UltD Btt LiMMNLNS von au->8»r>!schM Zu»m zurürkzusüvim m. Auf die einzelnen Bezirke verteilt, beträgt die Zahl der Berliner jüdischen Bevölkerung : Berlin— Mitte: 30.977 (Gesamtbevölkerung 293.837), Charlottenburg: 30 633 (Gesamtbeoölkerung 3*5.139), Wilmersdorf 22.704 (i74181). Prenzlauer Berg 20.419 (326.311), Schöneberg 17.78 > (231664), Tiergarten 16.643 (283.680. Kreuzberg 8.167 (377.263). SM i i:W.gggi: mimim {351.798), Reukölln 2.852 (290527), Steglitz 2.475 (160.580), Ltchtenberg 1,918 (198.832), Pankow 1.566 (100.825), Zehlendorf 1.513 (44.288), Tempelhof 921 (63.009), Weiffenfee 929 (58 1U), Treptow 661 (97.524), Reinickendorf 56l (105.487), Spandau 514' (111.629), Köpenik 494 (65.766). Die jüdische Bevölkerung Berlins macht 4.3pCt. der Gesamtbeoölkerung aus gegen <9pCt. im Jahre 1910. In einzelnen Bezirken ist der Prozentsatz der indischen .Bevölkerung bedeutend höher als der smiim m WW s %?: 10.6pCt., in Charlottenburg 8.9pCt., in Wilmersdorf 13.0 pCt., in Schöneberg 7.7 pCt., in Prenzlauer Berg 6.3pCt. In diesen fünf Bezirken wohnen 70.8 pCt. der gesamten jüdischen Bevölkerung Berlins. Im Vergleich zu 1910 hat die jüdische Bevöl- »M a - ■. y — xx _ ..Ae- . /7^i V1 1T aaa aua {{IfiilS Ottenburgs am 38.3 pTt-, bte QBtlntersrorfs lim 134.1 oet., die Schoneliergs um Fnritl t zugenommen. Die Sektion für Wirtschaft und Statistik veröffentlicht jetzt genaue Zahlen über die jüdische Bevölkerung Deutschlands, einschließlich Preußens, nach der Volkszählung vom Jahre 1926. Die Zahlen wirken überraschend. Die Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung in Deutschland beträgt nach offiziellen Angaben nicht mehr als 656.600, sie hat sich also gegen 19LO aerminberf. Besonders fallen biö Zahlen DttitTTciiQ Prtzuffrn ««{» Mf*” MiE? MggiNkUM etwas mehr als 400.000 ausmacht. Bekanntlich schätzte man die jüdische Bevölkerung Preußens auf 450.060. * In diesem Zusammenhänge sei aus das im Verlage von Scherbe! L Co., Berlin erschienene .j%tti>Tfc&e 3a^rbu^ für ©*ofe.®erItn“ hingewiesen'.'yerausgcgcbk'n von Aäcpö und Dr. Jacob S egall mit Geleitwort von Eugen Caspary. Das stattliche Buch gibt ein ziemlich lückenloses Bild des jüdischen Berlin nach der sozialen und kulturellen Seite; aus einen Ueberblick über die Geschichte der Berliner Juden folgt eine bevölkerungsstatistische Studie und alsdann eine Darstellung der Organisation der beiden Gemeinden, der gesamten Wohlfahrtspflege, des Vereinswesens in seiner Mannigfaltigkeit von den Gesamtverbänden bis äum Kegelklub. ^eitert getdprten; möge es mir gelingen, durch sie ein Mw zu malen, bas eine 9!^ r,öU der Jdealgestalt dieses von Thorakenntms, Frömmigkeit und Gottesfurcht durchgeistigten Lehrers in Israel. Mehr als 14 ereignisreiche Jahre sind seit jener rav * Nacht, dem dritten Jjar 5673, verflossen, da unser großer Lehrer als bald 86jähri- $dt Einging in dfn in den Tag, bör ganz min ist. Der ihm die Ruhe brachte der ewigen Welten. — Die Jahre haben sein Bild bei seinen Schülern und den Angehörigen seiner Gemeinde nicht verblassen lassen; plastisch steht seine Priestergestalt vor ihnen. Wie verstand er zu beten! — Sowohl an jedem Tage, wenn er mit gleichbleibender Innigkeit morgeng llstli atzcnöll ir agitierte bis zum riEX, das uns das die Wahrheit seines ganzen Wesens charakterisierte, — wie auch an den höchsten Festtagen, wenn er, wie ein Gottesbote, auf der Kanzel die tiefe Innigkeit seines Flehens zum Allmächtigen in unseren S)ergerr, mit erklingen liest: iranm 7« irna mtas rispr r>?& btt „Verwirf uns nicht, wenn wir g r e i \ 1 q werden, wenn unsere sittliche Kraft zu schwinden droht, verlaß Du uns nicht!" Die Kraft dieses Gebetes mußte als Kraftspende für die ihm anvertrauten jüdischen Seelen wirken weit über die Zeit hinaus, da sein beredter Mund für immer verstummte, seine herrliche äußere ^cEiemung lätttöfi Alst rückgegeben war. Und Gott hat i h m selbst dieses Gebet erhört. Ein Greis ist unser Raw geworden „^reisig" wurde er nicht. Bis in die letzten Tage seines gottbegnadeten fieüenß war er m rrmiQcr MmkZ Sk? phetenwortes: litt” xVl ISTT’ L'-NPIV ihn nv IL'bN'' H '1,71 19!/” X7l Er erklärte, warum erst dasnrii' sie laufen, und dann das 127' sie gehen, steht, — was scheinbar gegen das Prinzip der Steigerung verstößt, indem er übersetzte: „Und die auf Gott hoffen, erneuern ihre Kraft, erheben die Schwingen gleich Adlern, sind sie jung (gehen im Sturmschritt aus ihr Ziel) so werden sie nicht müde, und kommt die Zeit, da sie langsam gehen, (im Alter), so werden sie nicht matt." Wenn ic^ es mir zum Ziel setzte, das prächtige Gemälde unseres Roms durch elmge Sirupe zu zeichnen, imb habe ich feine äußere Pröphetengestalt, die begeisternde Kraft seiner Worte, die Wahrheit seines Wesens, die Innigkeit seines ükR? ^ommeniav zu den „Sprüchen der Väter". UI. M2N 'PIS bv ntm. Von Rabb. Isr. Goldmann in Oradea-Mare (Selbstverlag). _ Wenn auch nicht pünktlich zum Beginn des ®MiMQaiDmQre§: ro dbeb «nwH8ian5?3 rr$r gewg, hät dsr Zsrsusgööör dieses Werkes. Navbmcr Israel Gold mann in O rad ea Mars, die jüdische Welt mit dem dritten Bande seines monumentalen Pirke-Owaus-Kommentars erfreut. Ist schon der Wiederabdruck des klassischen bnivir/ wn» zu den Sprüchen der Väter eine literarische Tat, die auss höchste zu werten und zu rühmen ist. so erhält das Werk durch die gewissermaßen als Fortsetzung P»!!M8® DEiOEOtDtltt 88INMMS Pirke-Öwaus-Erklärungön unter dem Namen „Kes nesses Jisroel" eine erhöhte Bedeutung. Der starke Band, der jetzt vorliegt, enthält nur den dritten Perek. Man kann also die Fülle des Materials ermessen, das hier aufgehäust ist. Daß die. aus einer Unzahl von Werken zusammengetragenen Erklärungen — zu einem großen Teil chasstdischen Charakters — von ungleichem Werte sein müssen, ist selbstverständlich. Aber eine flüchtige Durchsicht zeigt die ungeheuere Fülle des wirklich WWW k"-°K *-s«8sS/s? Jahrhundert von den geistigen Größen des östlichen Judentums geschaffen worden ist. Wer die langen Sabbatnachmittage in würdigster Weise weihen