Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 24 (16.6.1927)
- Date
- 1927-06-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 9tt. 24 Der Israelit ln Juni 1927 können wir keine motivierenden Kräfte gegenüber den Widerständen der Selbstsucht und der Äerderi^-^a^t gerotnnen. Denn es ist ein gpdßer Unlerschiev zwischen der Begründung der Moral für den Verstand und ihrer Darstellung für den Willen. Was den Verstand auf das Höchste interessiert und befriedigt, kann die Gefühlskräfte, die den Willen bewegen, oft geradezu lähmen oder töten, zum mindesten sie unberührt lassen. Die Zurückführung des Sittlichen auf einfache NptwkMgttittn des LedenZ verlegt die Destimmungsgründs dss StlllrcheU aus dem Tief-Perfönlichen in die Außenwelt. Wenn man die religiöse Ethik als etwas von außen an die Seele Herangebrachtes hinstellt, so muß gesagt werden, daß gerade das Gegenteil wahr ist: Die Inspiration des Sittlichen, wie sie von der Religion ausgeht, verwandelt das Einfache und Nüchterne in ein Geveimnis m inneren Levens, unv zeigt, daß ein Pflichtenleben, Entsagung und Opfer, nicht bloß ein Tribut an die Existenzbedingungen der Gesellschaft, sondern zugleich Erhöhung, Ausstieg und Steigerung des eigenen geistigen Lebens ist. ffnp pM kifft ist ]r dir kMNlliHr Begründung der Moral: Die Verknüpfung des Gesetzes nül dem tiefsten persönlichen Freiheitsdrange, das Bewußtsein, daß ich mit der Beobachtung des Sittengesetzes in eine Welt der Freiheit emporgehoben und nicht ein Spielball der Natur geworden bin. Und das ist die Schwäche der naturwissenschaftlichen Begründung, daß sie des Erhabenen ermangelt, das allein den Sieg über unsere sinnliche Natur dllvontragen kann. Nicht umsonst hat Kant das Sittengesetz mit den Sternen am Firmament verglichen. Im Sinne der naturalistischen Begründung hätte er es nach einem feinen Worte von Lord Balfour mit den Schutzdecken auf dem Rücken eines Käfers vergleichen müssen. Berm'utilly jfltte feint mm Dann anDcrs pnnrtt Aber noch etwas kommt hinzu: Der religiöse Mensch sieht hinter den Pforten dieser Welt eine Welt der Ewigkeit sich auftun. Wie klein und schlecht, wie kurz und nebensächlich auch die irdische menschliche Betriebsamkeit erscheinen mag; sie erhält ihren Wert durch die zukünftige Welt, für &ie er sich er ly all. Sn lern Meuschau Wv keine Ewigkeit für irgendeine Form des Lebens oder der materiellen Stoffverbindung kennt — und Ewigkeit ist kein naturwissenschaftlicher Begriff — muß beim Gedanken an den Tod und an eine Welt, wo alles Gute vergeht und alles Große des menschlichen Lebens unendlich klein erscheint, das Gefühl für die sittliche Tat erkalten,!ie Siete erflarreu unt fict) verzehren. „Sie übernatürliche Religion", so gibt ein Verfechter der Diesseitsreligion selber zu, „füllt diese Leere aus, indem sie die Liebe mit der Ewigkeit verbindet. W st? MtkN, fnnn an ihre MM treten?" Freilich kann das Verbot des Stehlens, Lügens usw. und das Gebot der Menschenliebe auch aus den Grundbedingungen des Gemeinschaftslebens abgeleitet werden. Aber von der abgrundtiefen Kluft, die diese Ableitung von der religiösen unterscheidet, war selbst Nietzsche ergriffen, wenn er snglei „Den Menschen lieben um Gottes willen, das war bis jetzt das vornehmste und entlegenste Gefühl, das unter Menschen erreicht worden ist. Daß die Liebe zum Menschen ohne eine heiligende Hinterabsicht eine Dummheit und eine Tierheit mehr ist, daß der Hang zu dieser Menschenliebe erst von einem höheren Hange sein Maß, seine WnWt, sein Körnchen Salz und söitt Nällbchött Ambra zu bekommen hat — welcher Mensch es auch war, der dies zuerst empfunden und erlebt, wie sehr seine Zunge gestolpert haben mag, als er versuchte, solch eine Zartheit auszudrücken, er bleibe uns für alle Zeiten heilig . . ." (Jenseits pon und Ppsf/ gmm l?Lil Förstkn & 69). Mit Der Beziehung auf soziale Ordnungen ist eben das Sittengesetz nicht erschöpft. Wenn einer stiehlt, hat er sich nicht nur gegen den Nebenmenschen vergangen, sondern auch Untreue begangen gegen seinen Gott und das Göttliche in seinem Innern: '72 byvb dinh nmvn upjp X'nn wsan noBW- (Fortsetzung folgt.) ivochenrundschau. Abwehr. Würdig und vornehm wie immer, hielt der Verein zur Abwehr des Antifemiitsmus feine Hauptversammlung, diesesmal in Frankfurts gastlichen Mauern, ab. 'Wie man auch über die Nützlichkeit und die Erfolgaussichten dieser Abwehr denken mag, es bietet doch eine trostreiche Genugtuung, in einer Zeit, da unter dem Zeichen des Hakenkreuzes sich Bosheit und Feigheit sogar auf jüdischen Friedhöfen hemmungslos austoben, echte deutsche Männer zu sehen, die gerade, ehrlich und mutig in den Kam^f treten für Recht unv Versöhnlichkeit unv für die Traditionen eines großen Volkes, das im Glück und Unglück sich stets an ewigen Freiheitswerten, verkündet von großen Denkern und Dichtfnt emvarznriWn swW. Dtamon mic RsichL° tnrnister a. D. Dr. Gothein, Professor Dr. T r u m p l e r, Dr. Heinrich Krone, Geheimrat Dr. Walter G ö tz , Regierungsrat Dr. S t e i - g e r u. v. m. werden als die der wahren Ehrenretter des deutschen Volkes von einer späteren Zeit, die sich der Schmach des früheren Jahrhunderts schämen wird, mit Stolz genannt rtier= Dell. 3n (StMHö wällen tvir fupfkren Männer grüßen unv ihnen danke-n, in erster Reihe den Herren Geheimrat Prof. Dr. Walter Götz und Regierungsrat Dr. Steiger für die in einer öffentlichen Versammlung am Abend gegebene Wertung der antisemitischen Ideologie und ihrer Vertreter. Man konnte sich zuweilen fragen, ob nicht äiö Ubivsstr öes Änfffemillsmus De! Viesen prominenten Persönlichkeiten n i ch t j ü d i s ch e n Glaubens in besten Händen sei, so daß die Arbeit der j ü d i s ch e n Abwehrvereine, vornehmlich des Zentralvereins, eine unnütze Vergeudung von Kraft bedeute, an einer Sache, m ein fünftes Maß nan für anliere, innerjüDifitjß Dinge bitter nötiger Kraft und Energie nicht verdient. Freilich ist der Zeitpunkt für solche Erörterungen nicht gut gewählt in einer Zeit, da die Beschimpfungen und Verleumdungen in den antisemitischen Blättern die wüstesten Formen annehmen, die Friedhofschändungen zur wahren Epidemie geworden sind und der Zentralverein antjalienb in Propste vsswfM ist Mit Vvll^ Verführern, Venen vre Maske vom Gesicht zu reißen . ein Gebot der Stunde ist. Die moralische Kraft für die Abwehrarbeit muß aber nach wie vor von den Männern ausgehen, die nicht unseres Glaubens sind und lediglich aus tiefem Rechtsempfinden, aus der tiefsten Sorge ob der MsllMnng Dß8 ößiftoaißDong ipm Nation den wenig dankbaren Kampf gegen die antisemitische Seuche auf sich genommen haben. Eine neue Regierung in Rumänien. Ein Kabinettsrve^sel in BNMllMkll WÜlM uns näht mehr unv >raö)t weniger angehm als die wechselnden Erscheinungen in der Innenpolitik anderer Länder, aber Rumänien ist seit Jahr und Tag ein Wort, das den Klang blutigen Judenschicksals hat. Die ganze Welt, sofern sie gerecht und menschlich denkt, befindet sich heute in einer P r o t e st st i m m u n g gegen Rumänien und seine leitenden Männer^ die mit ö&n jüdisches Q&b&Yi und jüdisches Eigentum bedrohenden Pöbel decken, wenn sie ihn nicht gar Jüdische Kundschafter. Zum Wochenabschnitt nbw- Don Rabbiner Dr. Mchakslii, Karlsruhe. Einem Kundschafter gleich prüfend Umschau zu Halter, aus der Erde, unter iüdischem Gesichtspunkt sie ju betrachten, als Qnbe Stellung 31t nehmen zur nlLstüUscheö llmme^l, ist Twfgktze «Ntz VS" stimmung. Matzstab hierfür ist ihm das n^L-Gebot und die Lehre, die aus ihm spricht. w8 vtt'rni Die Zizissäden des Gewandes vor Augen, auf die Gebote Gottes die Gedanken gerichtet, um sie im Leben treu zu befolgen, so wird es befähigt, xbi '->NX1 V222b nnx mrin Kundschafter zu sein, nicht nach Herz und Auge sich richtend, denen nachznfolgen die Sünde locht. VTicht. roas er sinnt und Wil, Mi Grundlage seines Urteils fein, sondern aus Gott bauende und vertrauende Pflichterfüllung schärfe des Kundschafters Blick, auf daß 1NX B'K 1NX B’K ein jeder Mann beim Stamme seiner Väter, ein jeder ein Fürst unter ihnen sei. Diesem nrv’X'ii reiht die mm ein anderes an, «in n» f nan nx djpxti. Mit diesem Blick erkundet das Land, prüfet und schauet, ns-in xin pmn ob nicht in Wirklichkeit stark ist der Schwache, ob es nicht wenig ist. wenn es auch viel scheint. Anders a!f! 1 i|; jeinen Stärke mte fülle JttttC Zizis zu blicken gewohnt ist. Doch ein großer Teil der jüdischen Kundschafter ist der Ausgabe, die ihm auf Erden geworden, nicht gewachsen. Hinter dem spähenden Blick liegt die Absicht, den Boden des Judentums zu beschämen. (Tr. Scrntoh 84 b). Dtieseu- Jl(ä!le$ler ün! $ieufäjrecfcenna!uren er Mick das Gott abgewandte Auge. Mächtige Feinde sieht es überall lauern, es lohnt nicht, den Kampf aufzunehmen, der Boden des Judentums reibt die Menschen aus, man wird seines Lebens nicht froh, selbst Gott kann einem nicht helfen, die Verhältnisse sind übermächtia. zurück lieber zum Frohndienst in gesetzloser Wollust, so spricht wahnbetört der jüdischen Kundschafter größerer Teil. Rur ein kleiner Teil bleibt seiner Aufgabe si«b bemüht. Er denkt der 0IDÜ8H. W 18 giMm Unkt Ursrene, mH her sie hingen NN ihrem Gott, selbst wenn Feinde lockten und drohten, denkt, wie der Eltern brechendes Auge aufleuchtete in überirdischem Glanz in der Hoffnung, in ihren Kindern weiterzuleben. Ausgestreckt am Grabe der Eltern erfleht er sich Kräfte tSna^rvsy'a “ wpz wiax »Ihr Eltern, Ihr Teuren, betet für mich um Erbarmen. lÄ mmm MM m m Marner Mil". unD troitieiüjer Zuspruch gibt Mut ihm und Hoffnung 'tpfrna'fagya rr i'.Gottt möge? Dich reiten" vört d'er Kundschafter Plan". Gestärkt und gefestigt treten sie dem Plan, der Blick und Urteil der anderen trübt, entgegen. .Hat denn nur dies uns Amrams Sohn getan?" so rufen sie den Betörten zu, die aushorchend glauben, Bestätigung zu erhalten, ,hat er nicht aus Aegypten uns geführt, das Meer uns gespalten, das Manna uns gebracht; wenn er uns sagen würde, macht Leitern und steigt 111WMI Hüllt; WM M NW MS Ms W hören?!" Laßt uns hinaus, ,-7^ nby, wir können es zwingen!" (Tr. Sautoh 35 a). Das unbedingte Vertrauen aus Gott, der wunderbar Hilst, wenn auch übermächtig die Verhältnisse scheinen, vor dem auch Rieserrgefchlechter nur Heuschrecken sind, sieht in Ü f! ' t. ‘ 'i , |-..i | I >»»« allen Fügungen Hrmmeislettern, auf denen aus den Niederungen der Erde der Mensch sich zur Höhe emporsckwingen kann, wenn er dem Ruse nur Folge gibt. ,Das Land, das wir durchschreiten, um es zu erkunden, gut ist das Land gar sehr! Wenn Gott an uns Wohlgefallen hat, so hat er uns schon dahin gebracht! Nur empöret Euch nicht gegen Gott, und Ihr, — wenn Ihr seid, was Ihr sein sollt, — Ihr braucht nicht zu fürchten das Volk des Landes, denn unsere vinbrnng sind sie, gerotcäjen ist ihr Sch ui; und Z-^c-llen nun J^nen, «fti? ist ÜM'ullZ, ' MTM sie nicht r Diese glaubensstarke Inbrunst jüdischer Gottesstreiter findet keine Widerlegung. — ein Steinwurf sucht als schlagfertiges Argument sie mundtot zu machen, aber die Herrlichkeit Gottes wird schützend und richtend sichtbar. ÄlÄftäs ^eüillelon. Die jüdische Bevölkerung Berlins. Die Sektion für Wirtschaft und Statistik des Jüdischen Wissenschaftlichen Institutes zu Berlin veröffentlicht sehr interessante Ziffern über die jüdische Bevölkerung in Berlin. Danach zählte die jüdische Bevölkerung Berlins am Volkszählungstage 1925- Ivr ganzen nO-GHS. Seelen, d. h. Blofe 11m 28.697 88BB 83 SO?©. "U S& Im W W.