Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1927)
- Date
- 1927-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450465--74093-2531543- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Nr. 23 Der Israelit 9. Juni 1927 Sollte auf der Genfer Konferenz abermals der Versuch gemacht werden, das tschechoslowakische Judentum in d-e MN?niMsNW BtinDtroeitsjJoinir Der MMen ymemzuziehen, so mögen Die Herren erfahkM, bsvse a zu spät ist: Wir wollen nicht! Wir :nöchten dringend wünschen, daß in den Kreisen, die es angeht, das Verantwortungsbewußtsein über die mehr oder minder blinde Parteileidenschaft siegen und der beabsichtigte Kongreß abgesagt oder auf eine Demonstration gsgsn sumäiMkü Sfnttfcmitcn beschrankt wird. Wochenrundschau. Englische Fremdengesetzgebung. Im englischen Oberhaus ist in diesen Wochen eins DlAMvarlaae in Möitüi' Lösung Sttgznommen worben, bie man von prinzipiellen und von praktischen Gesichtspunkten aus schwer begreifen kann. Es handelt sich um die Verewigung der im Kriege geschaffenen englischen Fremdengesetzgebung. Was als Kriegsmaßnahme begreiflich war, die Erschwerung oder völlige Unterbindung der Einwanderung, die Reglemenmrung Dor in ffiiglanö mhnMm SMWÜtt, \ä selbst der in England geborenen Kinder fremder Staatsbürger durch lästige und letzten Endes ent-, ehrende Kontrollmaßnahmen, das soll nun, nachdem man bisher die Weiterführung dieser außerordentl'chen Beschränkungen nur von Jahr zu Jahr gsnehniigt hatte, ein dauernder Bestandteil bcZ cngllschcu Rechtes werden. In elfter Reihe werden von dieser Maßnahme natürlich Juden betroffen, so daß die Behandlung des Gegenstands im „Board of Deputies" ziemlich leidenschaftliche Debatten auslösten. Gewiß wird niemand behaupten wollen, daß der Innenminister t>ei dieser Vorlage irgendwie von antisemitischen Zlltsttüftu Hölöilet ward« - fmfflfj} tzftz Vorstellung, daß der „Fremde" den englischen Arbeitsmarkt belaste und ein unliebsamer Konkurrent des britischen Arbeiters sei, was zur Stab'iisieru/g der fremdenfeindlichen Politik führt. Allein rrn: Recht wird demgegenüber darauf hingewiesen, daß die WirtschaftsgWWe Mglanllü Den verhänZnisvsllstt ZW.' tum, der diesem engherzigen Gedankengang zugrunde liegt, zur Evidenz erweist. Die von außen kommenden lebenskräftigen und mit starken Energien ausgestatteten Einwanderer haben niemals die Arbeitslostgfsst VfTfflftjft, Mdklli im Gegenteil durch Einführung neuer Geschäftszweige und Industrien, durch Belebung des Wirtschaftslebens mittelbar neue Arbeitsgelegenheit geschaffen. Leider ist nicht zu erwarten, daß diese Erwägung angesichts der gegenwärtigen Pyrteiverhältnisie in England durchdringen wird. Man muß schon zufrieden sein, wenn es den jüdischen Organisationen und den demokratischen Äegnern bes Teleßentwurfes gelingt, die Gültigkeit des Gesetzes zunächst wenigstens auf fünf Jahre zu begrenzen, damit dann eine Nachprüfung stattfinden kann. Verbandsversammlung des hessisch. Landesverbandes gesetzestreuer Synagogengemeinden. Seine Lebensfähigkeit hat der hessische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden in seiner zweiten ordentlichen DelchandLvöfsammluug, DU Am 27. Mai in Darmstadt im Fürstensaal stattfanü, glänzend erwiesen. Die Versammlung stellte einen vollen E r f 0 l g dar und erweckte überall in reichstem Maße Interesse und höchste Befriedigung. Aus hessischen Gemeinden waren nahezu 100 Vertreter aus nah und fern anwesend. Mit freudigem Interesse fand die lapitfüMiflg i|?i M)izu«z. Sie Nilämmlung wurde um 11 Uhr vom Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Merzbach - Darmstadt, mit Worten der B e g r ü ß u n g eröffnet. Die Worte Chasak, Chasak wenischaseik, die den letzten Vers des Buches Wajikro mit seiner Betonung der Unabänderlichkeit und Eroi^kest unserer l^cils^N Thauroh mit dem ersten Abschnitt des Buches Vamidbor und seinem Bericht über den Zusammenschluß Israels verbände, und zum gegenseitigen Erstarken aufriefen, kennzeichneten die Grundlage unseres Verbandes, der da die hessischen Gemeinden auf dem Boden der Thauroh zusarnrnenschließen wolle. Vor der Oeffentlichhd solle flbgsisgt unb geseigt werden, daß auf dieser Grundlage unser Verband lebenskräftig und erfolgreich bestehe und arbeite. Im Aufträge des Vorstandes heiße er die Anwesenden, die die Mühe der Herreise nicht gescheut hätten, herzlich willkommen. Im Namen der Israelitischen Religionsgesellschaft DarmstaDt ölMiss fym LästiWraL Lr, Bodenheimer das Wort, die Versammlung zu begrüßen. Er gedachte der unvergeßlichen Herren Professor Rabbiner Dr. L. Marx und Dr. Moses Marx und sprach den Wunsch aus. Daß in ihrem Sinne der Verband auf Dem ZseäDe vorgegeichneien Wege beharren und fortschreiten werde. Für die Lehrer der Verbandsgemeinden sprach Herr Lehrer L e b e r m a n n -Darmstadt Worte der Begrüßung und wünschte der Versammlung besten Erfolg. Nachdem Begrüßungstelegramme von Herrn Provinzialrabbiner'Dr. H i r f ch f e l d - Gießen, der aus persönlichen ©rünöen gu erMstkN fcfflinÖßrt Wh vllll DkM Bunde gösetzeslreuer jüdischer Ge - m e i n d e n Deutschlands, Sitz Halberstadt, dev auf der, gleichen Tag eine wichtige Ausschußsitzung einberufen hatte, und von dem Landesdirekterium des Keren Hathora, verlesen wurden, erstattete der Vorsitzende den Tätigksrtsdsricht über bie ^eii feit bei" letzfey!8erhanbsversammlung. Aus diesem konnte man ersehen, wie durch emsige Arbeit der Verband in der kurzen Zeit feines Bestehens schon erfreulich gearbeitet hat, ohne daß an die weite Oesfentlichkeit davon gedrungen ist. Bei allen orthodoxen Bedürfnissen berüiläeÜe her mit den iBttjDTötti mit Dem gewünschten Erfolge. Durch intensivste Arbeit, durch Eingabe an die Regierung und Verhandlungen mit den Landtagsparteien gelang es,, den Antrag der Schächtgegner am 9. Juni vorigen Jahres im Landtag zu Fall zu bringen. Auch für die Zukunft hat der Verband in den Schächtfrags Vorarbeiten geleistet. Aus Grund eines Änlrags würbe eine Verfügung der Staatsregierung erreicht, daß israelitische Kinder auf Wunsch an ben Samstag en vom Schulunterricht zu befreien sind. In der Angelegenheit der Enteignung eines jüdischen Friedhofes, die direkt bevorstand, wurde Menö trrigerufeii. Durd) münllliche unb schriftliche Dsrhändiungeu wurde erreichst daß die Sache ganz von neuem aufgerollt wurde, und maßgebende Behörden sich auf den Standpunkt der Schonung des Friedhofes gestellt haben. Wenn auch die endgültige Erledigung erst in nächster Zeit erfolge, fo fei doch mit äußere ordentlich grostern ©ntgegenfommeTi| WfTHT nicht gar völligem Verzicht auf bis Enteignung zu rechnen. Von einer oberhefsi-- scheu Gemeinde, die dem Verbände nicht angehört, wurde der Verband um Intervention wegen einer Bestrafung wegen Verletzung öer Sonntagsruhe angerufen, durch die Einzelne zur Sabbatsntwsihung veranlagt »orbeir lvaren. ö?s würbe fofort emgegriffm Die Am gelegenheit ist noch in der Schwebe. In Ausweisungsangelegen h e i t e n wurde aus Offenbach und einer oberhessischen Gemeinde dem Kleines Feuilleton Liegt umrauscht von alten Bäumen, Liegt gar hübsch am Aehrenseld, Ost zu andachtsvollem Träumen ES SM Mnmr m% Wl. Trugvild graue! Nicht von Dämonen. Rührt das Höllenschauspiel her: Männer, die in Deutschland wohnen.. (EQriften. Miller Deutscher Mr. Hakenkreuzler im Zudenfriedhof! Von A. Mannheimer in Delkelbach. Stille Nacht in Berg und Tale, Friedvoll ruht die müde Welt Nur das Mondenlicht das sohle, Grüßt vom trüben Himmelszelt. Mr kill lrsrms 'Dkilll llkluuaka. Schmiegt st® sanft in Schlafes Arm. ' Glocken künden späte Stunden; Vöglein zirpt im Neste warm. Einsam lehnt am Bergesrücken Dort der Judenfriedhof klein: SwMkll Nikllkrll MllUMMchkll Bleicht Der Toten mvb' Gebein. *) In den jüngsten Tagen häuften sich im Rheinland und in Bayern, Württemberg, jüdische Friedhofsschändungen derart, daß man entsetzt vor einer derartigen Kulturschande steht. Der wahre Tiefstand des wahnwitzigen Judenhasses kommt hier sinnsällig zum Ausdrucks. nachllM im WrjüW Mn lß zu verzeichnen maren. Was b'le jüblfchk Psyche hierbei empfindet, was aber namentlich jeden mchtjüdischen Vaterlandsfreund mit Abscheu und Entsetzen erfüllen muß, kommt in dem folgenden Gedichte ernst und würdig zum Ausdruck. Schaut der Gräber lange Reihen, Hört der Steine kalten Gruß, Lauscht den lieblichen Schalmeien Die ein Vöglein flöten mutz. Sieht das Bienchen voller Leben Ueber Totengrüste ziehn. Sieht die Schmetterlinge schweben ZU Dell Müllen Blumen Din. Weihe senkt die Grabesstille Jedem Fühlenden ins Herz Aus des Lebens schweren Banden Hebt sie frei ihn himmelwärts. AVer dm®! zur Geisterstunde Dringen Laute dumpf heran In die stille Abendrunde. An der Fluren weiten Plan. Jst's der Bäume ächzend Heulen? Sind die Toten aufgewacht? Tauschen Unken, Raben. Eulen Mkll Skllll UM MMklllüGlk Sind des Krieges wilde Horden Geisterhaft emporqetaucht? Pocht es an der Hölle Pforten? Hört nur. wie es flucht und faucht? Hoch das Hakenkreuz erhoben Folgen sie des Führers Spur. Wotantreue sie geloben, Feierlich erklingt der Schwur: „Hakenkreuz, du heil'ges Zeichen, Deutscher Zukunft Schild und Hort». Niemals wanken wir und weirden. Bis rn Mich f« sichern PnL!« Zündend wirkt die stolze Rede.' Brüder, zeiget deutschen Mut! Freute Nacht gilt deutsche Fehde Der verfaulten Iudenbrut! Wenn Der Dunkle Schleier senket Sich auf unser heilig Land, Greift züm Pickel und oedenket, Wotan segnet euere Hand. Stoßet gut, ihr deutschen Brüder Daß Des schweren Steines Wucht Tief im Grab zermalmt die Glieder Dieser Allen. aottoersliM. Hei, wie da die Augen leuchten,. Wie der Arme Kraft sich stählt! Dumpfes Dröhnen, in den feuchten Boden schlägt es ungezählt. sro: «■•!!! na! . (