Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1927)
- Date
- 1927-06-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Teile 2 Nr. 22 lVochenrundschau. Gegen bie Verwechslung. Von einem norddeutschen Rabbiner wird uns geschrieben: »Lik kLMUllMN MmWsMNlMMNM UÜLN M Xitel Bischof, odgolchnt. Eie wünschen, dis Verwechslung mit den Geistlichen gleichen Titels bei anderen Konfessionen zu vermeiden. Auch den Anschein der Angleichung an andere Bekenntnisse oder auch nur an die in den anderen Bekenntnissen mit dem fraglichen Titel verbundenen Vollmachten weisen sie weit von sich. In jüdischen Kreisen ist es anders. Zwischen den straff organisierten christlichen Bekenntnissen wird seltener als zwischen den Richtungen des Judentums eine Verwechslung eiiumen können. Und dennoch wird, wie gesehen, bei ben Christen Die Verwechslung gfj mit* nicht, «xs gqh >jns qsu, naß mcs Del uns ehrlicher gehcmdhabt wurde. Das war ,als z. B. in Hamburg die Seelsorger des Tempeloerbandes sich „Prediger" nannten, um eie Verschiedenheit ihres Amtes von dem des Rabbiners zu betonen. Später siel auch diese löbliche Charakterstärke dem nivellierenden Zuge der Nachkriegszeit zum Opfer. Nicht nur diese äußerliche Aufrichtigkeit fehlt heutzutage vielen Liberalen. Auch innerlich find jte fcauernt- &ejtrebtf jid^ alt? J] j ffj f F fl B I E fl I 3« legmmirvru, ssunu We Uucuischleveueu ihre Bei! Häuser füllen Helsen, die von ihren entschiedenen Bekennen. konieguenterweise längst verlassen dastehen. Und so geht ihnen die ganze urteilslose Landbevölkerung beim Hineinziehen zur Stadt ins Garn. Die Gemeindekonseroativen aber stützen weiter die Institutionen, in denen orthodox und liberal gleichberechtigt sind, in der Hoffnung, damit den Liberalismus geistig zu überwinden, und sie sehen vor lauter Parteidoktrin nicht, wie sie damit in den Augen der in die Städte strömenden Landbevölkerung die Gleichsetzung jener beiden ^rmgipen beneid^ M sjMsli Cs ist ein Jammer, dies täglich mitansehen zu müssen' — Wir wollen niemandes Leid. Wir wissen unseren liberalen Brüdern sogar Dank für ihren Mitkamps um unsere religiöse Gleichberechtigung im Staate, z. B. gegen das Schächtverbot. Dennoch müssen wir uns unserer Verantwortung gegen die urteilslose jüdische Masse bewußt bleiben, die nicht an den Liberalismus durch Verwechslung verloren gehen darf. Wir fyahen sogar 111 M fliÖOFQlan dar VSFtl'Lltäii, öaß st« in Gemein, schuft mit uns im Interesse der religionspolitischen Sauberkeit ein jüdisches Gemeindegesetz für sämtliche deutsche Staaten anstreben werden, das jede Gemeinsamkeit orthodoxer und liberaler Institutionen in irgendwelcher Gemeinde oder irgendwelchem Gemeindeverbande völlig untersagt. Wir brauchen ja eine völlig selbständige orthodo«xjüdische Glaubensgemeinschaft und eine ebensolche liberal-jüdische in stvem Staate. NstxyxMll MMUlMllWMsMlMIl haben, va sie nur innere Konflikte Waffen, leine Le - bensbsrechtigung mehr. Wir wollen uns nach Namen und Amtsbezeichnungen in zwei völlig getrennte Glaubensgesellschaften trennen. Dann sind Frieden und Der Israelit produktive Arbeit auf jeder Seite gewährleistet. Getrennt marschieren und vereint schlagen." Der erste Teil dieser Ausführungen ist überaus beherzigenswert, zumal er auf praktischen ' SSeobcuijturKjeri dos Syerrn Gpirrjenbers g« berufen Mim. Dagegen ist es uns schwer vegreistlch, wie sich ein im jüdischen Leben stehender Beurteiler in den schönen Traum verlieren kann, Liberalismus und Gemeindeorthodoxie seien heute reif für eine Trennung voneinander. Die Zeit der seligen „Richtlinien", an die unsere Liberalen nicht gern erinnert tBerben, ist längst »oriifeer; irrt füllen Kämmerlein Mmnen sich die liberalen Führer selber, baß sie von der Substanz der durch die Orthodoxie vertretenen religiösen Tradition leben, und daß alle materiellen Opfer, die man zu Gunsten der orthodoxen Gemeindegenossen bringt, die als Gegenleistung gewährte moralisch-religiöse Stärkung, wie sie in dem einheitlichen Gemeindeverband liegt, nicht wettmachen. Wenn sich heute dis im Halbsrstäbisr Bund organisierte Orthoiöjper ®as ihr n'?mgs,h verwehren tamT; alz selbständige Glaubensgemeinschaft konstituierte, würde es ihr der Liberalismus, der ja zusammen mit der Gemeindeorthodoxie in einer und derselben Verwaltungseinheit steckt, keineswegs nachmachen, sondern vielmehr um so stärker seinen „traditionsfreundlichen" Charakter betllNM. DllL ist NU» zittttW der Zug des an-, dem Blute wirkenden Einheitsgedankens, der die Energie der religiösen und der gedanklichen Differenzierung überhaupt aufs schwerste gefährdet und die Jdeen-Anähnelung und Ver- . wechslung auf der ganzen Linie begünstigt. Um die Wüste Sinai. Eine Rede Weizmanns, in der er von einer WglM gffflünfflfttn t iinD ßtuiontin Mischen Ansiedlung in der Wüste Sinai sprach, löste Besorgnis und Aerger in Aegypten aus, die sich nun in der arabischen Presse Aegyptens in gehässigen Artikeln gegen die Juden Luft machen. Sehr richtig weist die palästinensische Presse darauf hin, daß sich die ägyptische Erregung an di? gasig fnlslyk AdlM wendet; EZ ist hier reine jüdische, sondern eine rein englische Frage, zu der die Aegypter, wie immer, Stellung nehmen wollen, die aber nicht den geringsten Anlaß gibt, sich mit Juden zu befassen. Es ist nicht wichtig, was Weizmann gesagt hat — eine überflüssige Rede war es immerhin —, sondern wichtig ist, was England tut, und dis Erbitterung HLZLN ky Luden ^föisTtluTig oon Der englischen Taktik, die London nur recht fein kann. Das englische Interesse an Palästina beginnt 2. Juni 1927 in und mit der Sinai-Wüste, und es unterliegt keinem Zweifel, daß, wenn sich auch das britische Reich einmal damit abfände, die Hand von Aegypten zurückzuziehen, es nie und nirninsr ans Dlö llstütischA fitste des Hanois nnd!>«s anschli?" stende Gebiet bis Palästina verzichten werde. Aus diesem Grunde schon ist es Großbritannien sehr daran gelegen, die Sinaihalbinsel einschließlich des Wüstenlandes bis Palästina immer fester an sich zu ziehen, was nur mittels einer- Kultivierung und Besiedlung durch ein Bevölkerungselement geschehen kann, das für Ruhe und frisdlW MtwMlUNg lSMShv ÜifW. Dötz England für diesen wichtigen englischen Vor- Posten die Juden als geeignet ansteht, ist seine Sache. Ein Grund für Herrn Weizmann, es jetzt schon in die Welt hinauszuposaunen lag nicht vor, noch weniger Grund hat aber die arabische Presse in Aegypten, über die „jüdischen Eindringlinge" von morgen herzufallen. Ob und in welchem Maße die Juden sich für die englischen Pläne hergeden, WM ncich adzuwartM. Dis üsmsntrtionen der ägyptischen Araber sollten sich aber an die richtige Adresse wenden — an England. „Doar Hajom" ist der Meinung, daß die Siniawüste den Engländern nun das werden sollte, was sie dereinst den Söhnen Israels war: eine Etappe auf dem Wege von Akgvlllkll nach Palästina. Union für Menschenrechte und Rumänien. Das größte politische Ereignis der Woche war der am 26. Mai in Berlin tagende Kongreß derJnternationalenUnionder Völkerbundligen. Namen wie Professor A u - l a r d, der bekannte französische Historiker, Reichstagsabgeordneter Graf Vernstorff, «WlllllM I». W»?x U. 0, m, Kvlisijsn Kongreß erhöhten Glanz und politische Bedeutung. Daß der Bürgermeister von Tel-Awiw, D i z e n g o f f, der auf dem Kongresse Palästina vertrat, ins Präsidium gewählt wurde und eine große Rede hielt, die, bei Aufrechterhaltung aller Klagen und Anklagen in takt- und maßvoller ÜBßifß NumäniM Wscht. zu rmrHätt sachte seinen zuweilen bekundeten Willen, der antisemitischen Welle Herr zu werden, anerkannte, sei nur nebenbei bemerkt. Die Größe und'Bedeutungsschwere dieser Zusammenkunft internationaler Politiker und Diplomaten von Namen liegt darin, daß hier zum ersten Male vor einem internationalen Forurn die Suben^rage in nien zur eingehenden Erörterung kam. Rumänien und Europa werden über die in Berlin gefallenen Worte nicht glatt zur Tagesordnung übergehen können. kleines Feuilleton. Schabbos- und Zomtow-Siddufch. Von Dr. med. W. Hallewskr, Soseri. Zur Frage in Nr. 48 des Israelit von Herrn Rabbiner Dr. Kanter, warum der Kiddusch am Sabbat mit uiznp rc., am Jomtow mit 122 rc. beginnt, möchte ich, nicht aus eigener Sachkenntnis^ sondern in AushsM, MNttNÜlstUIlg 6. Bi Hirsch 'sch er Jtze sn folgende Bemerkungen mir erlauben: Zunächst als Einleitung, daß jeder Plural, aber auch jeder Singular, die Nation sowohl als Totalität, als auch alsSumme aller Einzelpersönlichkeiten bezeichnen kann. . In der symbolischen Ovsersprache ist. wie Hirsch klar ilschlvW, ein LMMM, Wern es Mt ein 3nMi viduuilwM Daiüent, Trete em Zeichen der Nätlön als Einheit, als „Zibbur", während zwei Opfertiere, der kleinste Ausdruck des Plurals, eben die Nation in ihrer Pluralität d h. in ihrer Summe oon Einzel- Individuen verkörpern sollen. Bei allen SchriststelleN' die nicht oon Opfern handeln, mutz, wenn die Sache nicht ganz einfach zutage jedeswal in besonders WNUl getreten werden. Besonders interessant und grags nant ist die Stelle Exodus. Kap. XII, D. 44, wo sich nur auf die Nation, 12 ^>28' 78 sich nur auf die einzelne Person beziehen kann. Die Uebersetzung dieser Stelle kann nämlich nicht heitzen: „Du (der Herr) sollst ihn (den Sklaven) beschneiden, dann,, darf er (der Sklave) vom Pafsah- Fpser essen", das wäre ja nichts anderes, als was D. 48 sagt: „Kein Unbeschnittener soll davon essen", -sondern die Uebersegnng lMMl stMI0Mllsi NllI lauten^ Du (dir Natron) hast sül die Beschneidüng des Sklaven Sorge zu tragen, dann darf er (der Herr des Sklaven) erst vom Passahopfer geniesten. Dabei verschlägt es nichts, daß auch einmal eine Stelle in diesem und jenem Sinne zugleich gedeutet werden könnte. Nun zur Sache! Das Wort ntzmp ist in dem bald auseinander zu setzenden Sinne nur nps Platze belrn SalbaL Nicht hggHgW paßlL VttS Wort oet allen Feiertagen ausnahmslos. In der „Heiligung" des Sabbat, in dem jetzt von mir gemeinten Sinne, liegt feine. Unwandelbarkeit und Ewigkeit, die Absolutheit dieser Institution, ihre Unabhängigkeit von allen äußeren Umständen, selbst vom Kommen des Moschiüch, — r,2Em&2 nttw» *Tio flf’nn — rvie Hirsch w pss ^Ngütt8 „Kodllllsch" und ,K oüvisck" drrs des NüMm dsgilludA. Bon den Wallsahrtssesten soll aber in messtanischer Zeit, nach der maßgebenden Ansicht des Ben Soma, das Pes s achsest zwar nie in der Erinnerung aushören, aber nicht mehr als a llgemeine Dolkssei er brstehen bleiben; daher die Umgehung des vip-Ausdruckes bei der Ouvertüre des genereller. Ffiertagx-^stztzjjsH, Zn dem jjllnv" des steckt Mlli auch die Nation, aber im wesentlichen ist es eine Hsrvorkehrung des sabbatseiernden Individuums, also die oben als möglich erwähnte doppelte Deutung des Plural. In dem »uns* muß einmal die Nation gemeint fein, denn niemals sollen, ja niemals-dürfest die anderen Nationen oder einzelne Angehörige derselben, soweit sie nicht geworben sind, den jüdischen Sabbat «itffiißinj fü DfllW .11» sitlltz ober auct jeder 72 für sich gemeint sein, wie Hirsch untrüglich aus Sabbat-Mussaph-Opfer beweist: zwei Lämmer werden von der Schrift gefordert, also fühlt sich ein jeder Jude ganz persönlich seinem Gotte nahe getreten, im Gegensatz zum typisch nationalen Opfer des täglichen T»nn welches, obzwar zwei Mal am Tage dargebracht, dennoch jedesmal aus nur einem Lamme besteht. Dies nmr eins der wesentlichsten <S?gsssMs Mlschrn den Saddssg^Hsn wtö unten Wris eu. da erstere die Zweiheit des Lammopfers auch im „Thamid" sehen wollten, an den Schriftbuchstaben der Bibel sich klammernd, die Ueberlieferung und den Geist leugnend und verkennend. Die Sadd uzäe'r wollten es nicht wahrhaben, daß der Einzelne nur im Anschluß an die nationale Gesamtheit den wahren Weg Gottes ^ehen krvnsss, 086111 »*H vtateterttöft Der Lllluiürr-givklhen des „Thamid" kund. ..daß jeder nach seinem subjektivem Belieben das ihm jeweilig Zusagende als den göttlichen Willen verehren und befolgen möge". (Numeri. Kap. XXV. B. 2 Hirsch's Kommentar). Nach den Weisen dagegen ist es nur ein Opferlamm und das ÄusspreiHen des einen NationalthawidllDf0?ä0lüß)iAs bsiin fietgen^Tt nnd beim f« t“ len ben Lichtstrahl, im Glllck wie im Unglück. — Ferner wird die Hervorhebung der Einzelperson bei der Sabbatseier bewiesen durch den Hinweis des sabbatlichen nawa önV, (dieses bei der Manna-Speifug gebrauchten Wortpaares), auf die 7v>tnB nrutfn. daß das Augenmerk Gottes ramnc n a t i ntorar len D< linion .Nbie 4 unter auch oisizie tunac rn o r anttfe bie d Die I tan, siert erbrir vie RUMI Mem Krön seine Und Ott, lei. 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