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Der Israelit · 1927-05-26 · Heft 21 (26.5.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 21 (26.5.1927)
Date
1927-05-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 21 D e r Israelit 26. Mai 1927 geistvolle Kommentator, der mit mächtigem wissenschaftlichen Blicke, erfüllt von schöpferischer Kraft, das ganze unermeßliche Gebiet von schriftlicher und rnündlicher Lehre, von und Agada übersieht. Aus dem Allgemeinen und aus dem Besonderen, aus jedem Gebote, jedem Satze, jedem Worte offenbart sich ihm der lebendige Gei st des Judentums, in seinem ideellen, ethischen, halachischen und historischen Sinne und ebensolcher Entwicklung." Und später heißt es: „Aber trotz dieser Bemerkungen ist Hirfchs Pentateuch-Erklärung eine der kostb«sstkNs m m KWWkll kxkUtWen CrslM NUNgen unserer Zeit, eine Ouelle jüdischen D e n - k e n s und Thora-Erklärens, ein beseelter. Beitrag, um in uns das traditionelle Judentum zu lebendigem, klaren' Bewußtsein und Begriff zu bringen." (S. 25.) Also schon all dresenr zu^ol^e können wir nic^t tan Kommentar Hir'schs 'einfach zu den übrigen Kommentaren stellen, aus denen man ebenfalls eine Vertiefung des Thorawortes und ein tieferes Verständnis für den laufenden Wochenabschnitt gewinnen kann und in welche man ebenfalls von Sabbat zu Sabbat „hineinzuschauen" pflegt. Denn wenn wir auch nicht in den von I. Wohlgemut in seinem Aufsätze „S. Hirsch «is Erzieher" gerügten Fehler verfallen wollen, Hirfchs Kommentar den Kommeninr par excellence zu nennen, um dairm gleichsam „die zweitausendjährige Geschichte der jüdischen Pentateuchexegese aus dem Gedächtnisse zu streichen", sondern vielmehr der Anschauung sind, daß unsere klassischen hebräischen Pentateuc^kornrnentare von ewigem Werlo'find und daß vieles im Kommentare des Meisters — unbeschadet seiner gewaltigen Größe auch als Kommentator und Exegete — bewußt oder unbewußt im letzten Grunde in Forschungsresultaten unserer klassischen hebräischen Kommentare wurzelt: wenn wiederum auch anderers5ÜS ZllAöZetzen werden m«f}, solches oft, i« vielleicht in den meisten Fällen nur keimartig der Fäll ist, so daß der Meister erst einem bereits früher ausgesprochenen oder nur geahnten exegetischen Gedanken den rechten Schliff verliehen und denselben in völliger Klarheit hervortreten ließ, oder aber denselben in vertiefter und vollkommen ausgebauter Form wiedergab — also bei all unserer Ergebenheit auch gegenüber dem ewigen Werte und der Autorität' unserer früheren klassischen hebräischen Kommentare w' ax v/flH 'D":nzn q"3vi 'Xnty usw. können wir doch nicht den Kommentar des Meisters einfach zu den bereits erwähnten und ähnlichen zuzählen. Denn der Hirsch-Kommentar ist für uns und für alle, die sich tatsächlich auf dem Boden vollkommener Jdeengemeinschaft mit dem Meister befinden, denen auch die „geistige" Erfassung T^vragesxtzxx ft] ggkll skMkll MICH UTlD Teilchen, nicht nur kein übsrslüsstgeb, sondern mit zum „Zjßle", zur „Erfüllung" gehört, und ein integrierender, unentbehrlicher Bestandteil der „Chorebhöhe" ist, — also uns allen ist der Hirsch-Kommentar, wenn auch nicht der Kommentar, so doch das bisher unerreicht dastehende Standard-Werk eben jener geistigen Erfassung und Durchdringung, dem man durch ein MW ..WMWIM" BßH.ga&Saf zu Erbbat keinesfalls gerecht werden kann, sondern das ein intensives Studium verlangt. Solche Partien im Kommentare wie z. B. über nuiaa ’jn in D’öBwa» über i'bsi pwan riffs?»' über rmaip rna^n und «Tinoi nxmo in xip’i und viel, viel anderes, die. UM klar und deutlich erfaßt zu werden, dis grölen Änlprütttc an eine intensivste geistige Hingabe stellen, solche den weitaus größeren Teil des Kommentars ausmachende Partien können keinesfalls durch „gelegentliches Hineinschauen", 31 arwi D”: 13geiftig erfaßt werden. Daß die Einstellung des Artikels „Hirsch- Lektüre" bezüglich des von ihm als „unbestreitbar" hingeftsllten „letzten ^rncies" des Kommcntars nicht der hierüber ausgesprochenen Aeußerung des Meisters selber entspricht, dies lehrt eine bloße Gegenüberstellung der von uns bereits früher gebrachten Aeußerung des Meisters in dem Vorworte zur ersten Auflage des Kommentars über das von ihm „angestrebte Ziel" und der diesbezüglichen Meinung der „Hirsch- Lektüre". Nach ch. war „dg§ ZMUkfilk ZU": „an vor Hand dieser' linguistischen Forschungen und der halachischen und agadischen Ueberlieferungen usw. d i e Wahrheiten zu schöpfen .und darzustellen, in welchen sich die jüdische Welt- und Lebensanschauung erbaut usw." Die „Hirsch- Lektüre" aber meint, daß ..der unbestreitbar letzte tas Kommentars tarin besteht'- „das wahre Gesicht der Thora und die inneren Fäden, die von der schriftlichen zur mündlichen Lehre usw. führen, zu zeigen." Und an diese Prämisse knüpft sie allerdings sofort die Feststellung, daß dieser Zweck „schon zum guten Teil erreicht" sei, wenn heute Jungen schon im zartesten Alter und ältere und auch studierende Jugend vor der aufgeschlagenen ©etttoro si^t. Alfa ^^irfc^-Lektüre" überflüssig, va doch der allerletzte Zweck auch ohne sie erreichbar ist. Nun, was unser Artikelschreiber untta dem „wahren Gesicht der Thora" versteht, wissen wir nicht. Haben '"im 'D''3i2nunö all die anderen, erleuchteten Exegeten rn ein unwahres Gesicht der Thora gezeigt? Oder aber meint er etwa mit diesem Ausdrucke dasselbe, was Hirsch als fein „angestrebtes Ziel" angibt, nämlich an der jjanD lm lljora „Die Wshr-Wz« Zst schwer, — unb barzustellen, an welchen sich die jüdische Welt- und Lebensanschauung erbaut usw." und das wir allenfalls in keinem der früheren Kommentare in solch schier unerschöpflicher Fülle und mit solch gottbegnadeter Genialität vorfinden? *) Solches aber scheint doch für unseren Autor gar nicht zum „Ziele" und zur „Erfüllung", gar 0”r oh gcDörcn, ai(D imiai gar leicht Entbehrliches zu fein. Wie kann es aber dann zum „wahren Gesicht der Thora" gehören? Aber auch noch einen anderen Ausdruck verstehen wir nicht. Was meint der Vf. mit dein Ausdruck „die inneren Fäden, die von der schriftlichen zur mündlichen Lehre führen" und die zu zeigen. zum Wölk" km KsnMelllä^ gehört? Meint er damit das Fluidum der vergeistigenden Auffassung, womit Hirsch alle Teile der schriftlichen und mündlichen Lehre dürchdringen und dadurch dieselben miteinander verbinden will, von der Wurzel bis zum obersten Wipfel und dem letzten Blatte? Wie der Meister solches in der bereits mehrmals zitierten Stelle im Vorwßm aumiWTocDon dal? Nun, msm Zies gemeint wirb, wie kann dann mit Gewißheit dociert werden, daß d ie s er Zweck schon erreicht sei, wenn Jungen schon im zarten Alter usw. „vor der aufgeschlagenen Gemoro sitzen?" Glaubt denn der Vf. tatsächlich, daß diese Jungen usw. schon von sich selber, nur so im Handumdrehen diese inneren Fäden finden merden?! ößsill llrHt <?tan für folcta Stangen usw. ja, sogar für solche gereifte Männer, die „von der Gemoro nicht' wie vor einem Buche der Wissenschaft, sondern wie vor dem Lebensquell sitzen^ der, den Sinaihöhen entsprungen, ihnen das jüdische Wesen erst aufprägt," müßte denn nicht bben esst ssis [eföjc Der MslMlMllMlar tun äußerst willkommene und unersetzbare E r - g ö n z u n g ihres Gemoro-Studiums sein, um daraus die Erkenntnis dieser „inneren Fäden, die von der schriftlichen zur mündlichen Lehre führen" zu gewinnen? Oder aber meint der Vf. unter diesen „inneren Fäden" das an zahllosen *) Aehnlich Wohlgemuth bei all seiner kühl ab- -W 'Wkü 8081 llllk MM IW Geschlechter aus diesem unerschöpflichen Boden (bev Vibelexegefe) Schätze über Schätze gehoben.- Und doch ist seine Schristbetrachtung, seine Symbolik, seine Art, aus Gesetz und Sitte, aus Literatur und Geschichte das wahre Wesen des Judentums geschichtlich zu entwickeln, aenial, genial in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes usw." (S. R, Hirsch als Erzieher. S. 444). -BfliäK rraV mmio lim 'ts wh Eine Betrachtung zu iai»3 mvis. Von Hauptlehrer Wolfs in Aurich. Das vierte Buch des Pentateuch wird neben dem Namen imaa auch noch ompsn wain- Buch der Musterungen genannt, und Rafchi bemerkt erst erläuternd zum ersten Berfe des ersten Kapitels: nyw ha onix nm nnan iw» »Weil der Heilige. gel. f. f. N., fein Volk so sehr liebt, läßt er es fo off muffern und MIM«, »ii dss tssur Hi-t. jeW Echöfchsn in der Herde lieb unb wertvoll ist. Aus gleichem Grunde ergeht an unfern großen Lehrer Mosche derBe'ehl (2. 2): n'3*? nimxa iVn bp V'x 12N' INI» ^nix'? 3'3v 131» '"3 13N' vniax »Ein jeder bei feiner Fahne mit den Zeichen aus ihren Stammhäusern sollln die Kinder Israels lagern, in einer Entfernung rings um das Stiftszelt sollen sie lagern", ein Befehl, der auch noch heute eine eindringliche Mahnung an uns in sich schließt. Als Fsrael durch djö llüllstö I8A Mit Zitte, Äormorr grr um es zu besitzen, ba sollten Gottes Schoren nicht in einem regellosen Durcheinander den weiten Weg bis zur Heimstätte durchwandern, sondern sie sollten, nach einem bestimmten Plane geordnet, ihren Führern folgen. Dieser Plan aber war nach dem Wortsinn unsnes Tcxttoortcs wie auch noch der Tradition keine neue Einrichtung — er war ihnen schon lange vorher bekannt gewesen; denn kein geringerer als Vater Jakob hatte ihn entworfen und in einer letztwilligen Verfügung angeordnet, in welcher Weife und in welcher Reihenfolge er von seinen Söhnen nach seinem Ableben aus Mizrajim nach Kanaan in die Höhle Machpelah überführt werden wollte. Diese Anordnung wurde nun für den DZüstengug zum Gssä^ Lkhokeü, unß fo h"reg bas Thora^ wort: 'y, 1^31 py etk »Ein jeder bei feiner Fahne mit den Zeichen aus ihren Stammhäusern", d. h. mit den äußeren Merkmalen, die Israels Söhne aus dem Hause ihres Vaters längst erhalten hatten und kannten. Dieses ehemalige Gesetz ist für uns auch, heute noch nicht bedeutungslos, sondern schließt auch für das lebende Geschlecht eine dringliche Mahnung in sich, die Mahnung nämlich, wie wir uns als Bürger unseres Staates und ald^Zugehörige zu unseren Glaubensbrüdern fn TxststgMß LllÜ Dülltzk lang vtthattm sollen. In bicsem Sinne wollen wir unser Textwort betrachten. I. 'fonr Vy w»x Ein jeder bei seiner Fahne! Das war ein Ruf, der zu allen Zeiten Beachtung fand; und ist nicht gerade er der Ruf, der besonders heute so laut durch die Länder und durch die Völker ertönt, daß er uns stets und überall entgegentönt? Es ist der Ruf, den die Zeit der Not geboren. Die Nachkriegsjahre sind wahre Wüstenjahre geworden, weil ü« nic^f blost anfi fiffraunenD m Dos Tcin öer ©cTamtOcit, sondern auch tn das Löben des Einzelnen eingegriffen haben. Alles ist ins Schwanken geraten, vieles Festaefügte ist umgestürzl worden, und Aussicht auf Wiederherstellung und Ausbau ist kaum vorhanden. Das Wort der „großen Strafrede" scheint zur Wahrheit geworden zu sein: ö’ansa tfttrnö ir,,m .Du wirst lappen am Hellen Mittag; wie der Blinde tappt im Dunkel, und nicht glücken deine Wege". Vertrauen. Treu und Glauben — wie selten sind sie heute zu finden! Und so sehen wir in dieser Jrr- und Wirrnis ein Suchen und ein Tappen nach einem Ausweg, nach Sammlung, hören dem Sinne nach in allen Schichten der Bevölkerung den Rufr tfai Vf it« nMu iffisj fiel Mllkk MM! 3n dem sngen Lrisamwemchlum liegt das ©eil! XlnB wenn nun dieser Zusammenschluß im Sinne der Thora ‘wx1? *i33ö geschieht, d. h. seine Richtlinien vom Gottesheiligtum nimmt, und die Absicht vorwalten läßt, die besten Kräfte in jedem Einzelnen zu wecken, um sie dem Wohle der Gesamtheit dienstbar zu machen, da folge man getrost dem Rufe. Welches aber diese Richtlinien im bürgerlichen Leben nur sein können, darüber lassen uns Thora und Tradition nicht im Unklaren. Unser Text sagt vllWkriTMN« mm . NE de» ZMm ihren Dtammbäusem». uttd nach nr, 12123 iru§ jede Fahne eines Stammes die Farbe des entsprechenden Edelsteines im Brustschilde des Hohenpriesters uno außerdem noch ein sinnbildliches Abzeichen, das die Väter zur Aneignung bürgerliches Tugenden anspornen sollte: der Löwe auf Judas Fahne sollte die Angehörigen des Stammes zu einem würdevollen Betragen anseuern, der Esel Jssachars zur Unterordnung, das Schiff Sebuluns zu Fleiß lfflD AMMMM. UHÖ ffl iBflllil ÄÖI Wideauf dem Panise dsv Stämme zu bürgerllchen Tugenden erziehen' Diesen »Zeichen aus der Väter Häusern" sollen auch wir im Golus folgen, wo uns die ganz besondere Ausgabe zusällt, die bürgerlichen Tugenden zu pflegen, die Fahne der Rechtschaffenheit, des Fleißes, der Genügsamkeit und der Wohlanständig-

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