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Der Israelit · 1927-05-19 · Heft 20 (19.5.1927) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 20 (19.5.1927)
Date
1927-05-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Erttr i Nr. W bung" zu. erblicken nicht nur in der Stunde des Gebetes gewöhnt waren. Mit gleichem Schmerze müssen wir vom Erwachen unseres Geistes an daran stündlich denken, daß wir nicht in derselben Sprache zueinander sprechen, in rvelcher das Gesetz Tostes wik bie Auslegungen seiner Weisen zu uns sprechen. Mit dieser Sprache hat das Neuhebräische vielfach kaum den Wortschatz, geschweige den Geist gemeinsam. Selbst wo sie durch fleißiges Thorastudium literarisch geübt wird, ist sie vielfach zur mündlichen Verständigung Mil gleiOMMten Juden andorei Lands? Nicht verwertbar, weit, was am heftigsten schmerzt, sie in Gruppen und Zweige von Aussprachen zerfallen ist, seit wir im Exile leben. Und das Exil selbst? Dachten wir immer an eine der Hauptfragen des dereinstigen Gerichtes Gottes über uns: n’ss „Hast du des Heiles geharrt?" Gar oft fühlen doch selbst wst, HjI Wsx aus unserem Ritus mnm und vwan ganz und gar nicht gestrichen haben, uns hier außerhalb des Landes des Gottesgesetzes heimischer, als wir es sollen. Genötigt, oftmals unsere staatsbürgerliche Gleichberechtigung zu verteidigen, reden WlV llllZ itt ernein den» njiF’t’ ii'SL Widersprechen den Matze leicht in eine ethnisch-nationale Gemeinschaft mit denen hinein, die nicht zur Befolgung der Thora ersehen sind. Gar oft wird vergessen, daß der Sabbat und nicht der Sonntag unser allwöchentlicher Freudentag ist, daher unsere Familienfeiern immer am Sabbat begangen werden solftky, Pgst JUtf UMt ÜM ZwllNgk llök Kultur wir in der Kindheit noch vor gründlichem Thorastudium profanes Wissen erlernen und daß nur durch den Daseinskampf wir zum Vorwiegen unserer Profanbeschäftigung genötigt werden, — wie sehr schmerzlos haben sich mit alledem selbst fromme Juden abgefunden! Daß wir Anußim, Muß-Europäer sind, — wie gering ist unser Empfinden dafür geworden, mfe kraftlos! Gewiß oro.Tfcnrapuw gchört Jafets Schönheit und die Gedankenschönheit seiner Logik in Sems Zelte hinein, und gewiß ergeben erst Thora und Kultur zusammen etwas tib\ Harmonisches. Was uns aber heutzutage oktroyiert wird und als oktroyiert empfunden werven fotttt yat Ja mit foftDer bammte rmniZ zu tun. Heute ist vielmehr Disharmonie, nämlich Vorwiegen des Sportes und der körperlichen Fertigkeit, Leitmotiv der Erziehung Europas und Ziel auch des jüdischen Schulwesens. Nachdem Kunst und Wissenschaft aufgehört haben, als Stützen des Atheismus brauchbar zu sein, versucht dieser sein Heil mit Zurückdrängung dieser Gsrstesfchäpe und ^ervorkehrun^ MgsttlSft len. Nur so ist es zu erklären, daß rm gleichen Der Israelit Jahrhunderte, in dem der Spaten des Vorwelt' forschers die B e w a h r h e i t u n g des Thorawortes' zutage. fördert, ..das. größte und sich heutigst nennende Staatswesen rkuf-V e r n e i n u n g Gottes sundambNftxss stjst tzg kNWllpfl die Weit unserem Streben, sie mit Gottesgesetzes-, geist zu erfüllen, immer wieder, n 'Nv W' bis wann^ o Allgütiger! 'So muß es in. uns wehklagen und nicht äufhören zu wehklagen,' damit wir, da wir schon in sovieler Beziehung Marannen sind, wenigstens, gleich den edelsten der ürirklichätt Märännep, gkhsüngkhaücnc 8euer des weltumspannenden Schmerzes des^'BV riibsdes geistigen Exils nicht verlöschen lassen; denn in ihm lebt das Geheimnis unserer Fortdauer überhaupt. Um die Ernte des Landes Israel, um die Gelehrtenschüler des Rabbi Akiba und urn die bekenntnrsft^f^u Märtyrer ber Kreuzzugsjahre trauern wir in diesen Wochen. Wieviele derer; die es sich ansehen lassen, sind davon innerlich erfüllt, wieviele, die dies sind, beherzt genug, es zu zeigen? rnn onmp Heilig, d. i. kampflos m allM Suien fieroit zu fein, vsslsnZtL «Lii üns die erste Sldra der diesjährigen Sefira-Wochen. wvmp S)eiUge ist unsere Benennung für die, welche ihr Leben für ihren Glauben Hingaben, bet, rnznp bp bpdi nony vnpn nfinp' für deren Seelen wir in diesen Wochen zu Gott um Sühne beten. Ist, dieses zu werden, der Ruf Gottes an uns alle in jener «‘vtö? Unsere Weisen hgßsst baraus geanluwriei siiBWip 'KW, Israel hat sich als Befvlger dieses Aufrufes zu kampfloser Bereitschaft für alles Gute wohl bewährt, indem es nicht nur des Todes, sondern auch des Lebens Martyrium tapfer bestand, — indem es so ungebrochen die Qualen des Spottes wie die des Scheiterhaufens ertrug, — indem es, wie die Weisen konkreter erwähnen, das Gottesgebot,'für ZäNigung Mtt zu llaMn, MH Ms vrv- Übergehenbe Erlabung durch ein Olivgroß Brotes ausdehnte. So ist mit Worten und Taten der Lehre unser ganzes Leben durchheiligt, d. i. in den Dienst jener Bereitschaft gestellt. Und was unerfüllbar bleibt im Erdteile der Ausgleichung. was an Kennzeichen der Bereitschaft uns ZrusttUtten ist rrn bes Fernsehens, Fern- Hörens und Nicht-nahe-fühlens, — es lebe als unverlöschlich brennender Sehnsuchtsschmerz in unseren Marannenherzen und denen unserer Kiyder weiter. Es soll nach unsrer Weisen Willen an dem Tage, da der.jüdische Vater seinem Kinde eine andere als die heilige Sprache anzuerziehen beginnen muß, ein Weh ihn ergreifen, als sei es itzm gsrauot trat) sink suorafio; Mt (ntäjts Weh über unser generationenlanges Umherirren fern 19. MÄ 1927 Seidenu. Garn-Handelsges.m. b. H. 47 Bleidetislraße 47 Grosso IscLenLelmersirasso SPEZIALHAUS; '. 'n in Näh- und Stick-Selden Handarbeils-Garnen jeder Art bem Tische des Allvaters, dann, ist!s?rvstl.natze.,.unb' findet ein bereiiWiWeschlgcht. Darum,, o jüdischer gesetzestreuer Vater:,hier und jetzt, rufe Deinen Awrohom, Deine Rahel, Deinen Schelaumau oder Deine Jalto, sprich °zu ihnen in den Worten jenes Awrohom, jenes Abaje und lehre sie ohne Furcht und Zagen das Boruch attoh, den Dank zu Gott, das Wort, das allein fiflßfi, lim ML, naHdM TstzLrLtz um p«rlvrcn ging und mit ihr „Geschmack und Duft" der Frucht dieser Erde, — Speis' und Trank zu weihen und zu segnen! Von selbst werden dann die Völker erkennen den gottsegnenden und gottge- §mwirp3nT»Mm gekmlMs as e rt 0 auch den Geist der Vereftschaft zu allem Guten atmen. Dann werden Deine. Kinder aus beargwöhnten Marannen zu verehrten Unterwestern der Menschheit. Korresponacnze« « Nachrichten. V««tfche« Reich Für die Falaschas. , Berlin» 9. Mai. Einem von einer großen Reihe prominenter SJlcmmr Unterzeichneten Ausrufe entnehmen wir folgendes: „Seit 20 Jahren ist der Blick der Judenheit wieder auf die Falaschas gerichtet, jenen Stamm im schwer zugänglichen abessinischen Hochland, der mit vorbildlicher Treue an her jüS>ijcf/erc 5fteti|jieri |f|£ sooo Jahren ohne Derbindung mit 8« Msümtholl der Juden, haben dir Falaschas allen. Bekehrungsverjuchen christlicher Missionare zähesten-Widerstand entgegengesetzt. Erst als um 1870 die. in ihnen erweckte Hoffnung, auf eine Verbindung mit der JudenhÄt sich nicht verwirklichte, hatte die Mission Erfolge — aber kaum war 1903 diese Verbindung durch. Dr. I. Faitlovich wirklich angeknüpft, als die Falaschas wieder Mut schöpften undmit Ü|?Bi! iüjJUSfeUtt Un «ltsn Glauben Mir traten. der ein Fünkchen Verantwortung für die Gesamtheit Israels in sich verspürt. Werke, die geeignet sind, jüdische Gesinnung zu pflegen, müssen von der Gesamtheit getragen werden. Möge der Avonnentenkreis so groß sein, daß nach Abs^ln^ des erfteft ^äflfcSS 011® Dlt »0111 VSnd«, Sic, Wie Wir hören, irn MnnnMipr schon vorliegen, der Oessentlichkeit übergeben werden können. L. C. Aleines Feuilleton. Rabbinische Geschichten. mm. inteti Eimchv in Dwinstz zählte zn seinen Kunden, die sich j«; am Donnerstag ihre Unterstützungsgelder für den Pabbat holten, eine arme Frau, deren Mann im Beshamedrasch den ganzen Tag lernte und deren Kinder in den Cheder gingen. An einem Freitag morgen stürzte die Rebbezin voller Erregung in das Lernzimmer des Gatten und klagte: „Es ist die Gittel, der du gestern zwei Rubel gegeben hast, die mir heute früh auf bem Markts das Mit aus öer Land mssME Ul U ich nach mit dem Bauer tu Verhandlung stand. Ihr war der Preis nicht zu hoch". „Ich wußte nicht", erwiderte der Rabbi gutgelaunt, „daß die arme Gittel auch ein Huhn zu Schabbos kauft, ste mutz von nun ab einen Rubel mehr in der Woche bekommen . . . ." AlsFranz'Iosef. der besonders auch von den Juden heißgeliebte Kaiser von Oesterreich ^ssssssgi fg Krakau war und seiner Gewohnheit gemäß auch der großen Synagoge einen Besuch abstattete, war das große Kaiserbild im Vorraum aus unerklärliche Art verschwunden. Geheime bübische Hand war offenbar im Spiel, um den Indsn Ungs- Ikgkndßilm zu bASttöL Dss Msisr kannte Ue SyNügosr üüt Utrd die Lücke an der Wand fiel ihm sofort ins Auge. In seiner bekannten Leutseligkeit fragte er die jüdische Deputation nach dem Bilde. Die Herren waren in größte Verlegenheit geraten, allein der Oberrabbiner, Rabbi Schimeon Soser, rettete in seiner Geistesgegenwart die Situation mit einem klugen Worte: ..Eure Majestät", so sagte er, „wissen, daß wir Juden täglich mit einem Symbole. Teflllin genannt, dein König aller Könige im Zimmsl huldiäs». Mngm Sützöst Md Feiertagen unterlassen wir es. Warum? Weil uns Gott an diesen Tagen so gegenwärtig ist, daß wir dieses äußeren Symboles entbehren können. Eure Majestät, ein Abglanz der himmlischen Macht, ist heute in unserer Nähe und wir dürfen uns seines Anblickes erfreuen. Ein Bild, auf Leinwand gemalt, wäre nur eine Abschwächung unserer unmittelbaren Festesstimmung.«' * » * ' Rabbi Nachum in Giodno genoß die besondere Gunst des Gouverneurs, der sonst als wütender Judenfeind der Schrecken der Gemeinde war. Am Neujahrstage begab sich, wie üblich eine jüdische Deputation mit dem Rabbiner an der Spitze zum Gouverneur, um ihm die Grütze und Glückwünsche der Gemeinde zu überbringen. Als die anderen Herren gegangen waren, sprach der Gouverneur zum Rabbi: «Ich weiß ja. was mir die Juden iu mm Inneren llMMll llllö wullösro llllltz »Nt über die Anderen, die mit dem Munde segnen und im Herzen fluchen. Aber Dir, Rabbi, hätte ich eine solche Heuchelei nicht zugetraut". „Es ist uns allen heilig ernst um den ausgesprochenen Wunsch", sagte dss „Wik MllMll Dlc ©Uitft zum neuen Jahre. Das heim soviel: Dü sollst in ein höheres Amt hinaufrücken, in das des Generalgouverneurs oder eines Ministers und damit von Grodno weg nach Wilna oder Petersburg überstedeln". * * * Rebb Eisele Charis in Slonim wurde von seiner Frau mit Vorwürfen überschüttet, daß er den ganzen Tag nur lerne, sich mit Gemeindeangeleaendetteu «?gm «ns ms MW Sorge für DM8 Md Kinder ihr allein üverlalle. „Man nennt mich", lachte Rabbi Eisele, „den Charis, das heißt einen scharfen Kopf, der in einer Minute erfasse, worüber andere sich Wochenlang den Kopf zerbrechen. .So geht es auch mit der Sorge. In einigen Minuten habe ich die Sorge, dieDich die ganze Woche beschäftigt, ausgesorgt." Pgläskinenfischcr Humor. Drei Dinge beherrschen Tel-Awiw: Kino, Radio und „Parnosso". Im Kino sieht man, ohne was zu hören, am Radio hört man, ohne zu sehen, von „Parnosso" ist nichts zu s ehen noch zu hören. *■ *■’ Im Geschästsleben von Tel-Awiw geht es wie mit der Sefiro. Je mehr man zählt, um so weniger bat man davon, und wie bei dieser darf man nicht aussagen. mo (bet welcher Zahl) man ftehl.

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