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Der Israelit · 1927-05-19 · Heft 20 (19.5.1927) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 20 (19.5.1927)
Date
1927-05-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 Sette 3 f 19. Mai 1927 Ipl'' Massen Ausdruck geben und deren Hilferufe i j>ipr gUjtWnb{g?T? Sieller* [DHOTI. d§ ai i'rt in diesem Lande schon ein Löwenmut' jlo' ii, im richtigen Augenblicke, und nicht wenn e- )ie Herren , am Regierungstische wünschen, zu v{- /n.und zu schweigen. Diesen bewundernswertf.. Mut brachte der Vertrauensmann der Aguda, c rrabbtner Zirelsohn, auch um den Preis > Lhr-sn und Diäten seiner Mandate auf, und er; öu-ni nicht, ZH 0m sßn außon Darwllrfe P mcht werden. Will Herr Hartglaß etwas in mänien tadeln, so müßte er sich mehr an \c:!ien Gesinnungsgenossen im rumä- ]i :d;en Senat halten und richtig sagen: „Wir . ■ ,-chen es nicht wie Nemirow er! . . ."! Die Disputation zu Odessa. Die öffentliche Disputatidtt über religiDfe Fraein Requisit des frühesten Mittelalters, lebt iu Sowjetrußland, das ansonst die Berufung in sich fühlt, den neuesten und kühnsten Ideen und Träumen der Menschheit Ausdruck und Erfüllung zu verschaffen, in nicht einmal neuer Form auf. Sort M man gu mnstsi bett Sa£,w' b.en Tvruklsiplll', dis Mische Nöligilm insgesamt. Dn Odessa hat man sich in den ersten Apriltagen den ziemlich ernst gedachten Aprilscherz geleistet, in einer öffentlichen Disputation über die M i l o zu verhandeln. Die Sache war vom Vereine „Freunde des jüdischen Kindes" gut arrangiert und mit allen Künsten der Regie im großen Theatersaale in Szene gesetzt. Tausende aus der jlldischm und nMWWkn famen: um Zeuge des SchausMös ZU sein, wie Juden und Nichtjuden, Berufene und Unberufene, sich über Wert und Unwert des auf uns von Vater Abraham überkommenen Zeichens des Gottesbundes herumstreiten. Von radikaler Seite erhoffte man sogar von dieser öffentlichen Veranstaltung das Zustandekommen eines Staatsgesktzk?/ dll? Nlllh ^adrianif^ern Muster bei iw Strass die Beschneidung verbietet. Der Äusgang der Sache war kläglich genug für die Einberufer und all die radikalen Spekulationen ihrer Gesinnungsfreunde. Neben zwei christlichen Wissenschaftlern, die gegen die Milo zeugten, ließen sich natürlich auch junge Vertreter des roten Terror die Gelegenheit nicht cnigchcn, »°se!i iU MM M DQH VökllNM ten Redewendungen des „Emes" herzuziehen und die Milo als eine vom Fanatismus gebotene Grausamkeit abzulehnen. Darauf kamen aber zwei Fachmänner zu Worte, der in ganz Rußland berühmte Chirurg Professor Jakob Silber- D e r Israeli! Erfahrung und mit unwiderleglichen wifsenschaft- UMll MlMN liSchi S«? ^Uo für bu ®esund- und Nsrnsrhaltung des Menschen bedeutet. Es blieb Herrn Rabbiner Glücksberg nur noch übrig, die religiöse Seite der Frage zu beleuchten, und die Niederlage der Religionsfeinde war voll. Diese Niederlage findet in der Odessaer politischen Presse ihren Ausdruck in ernsten Mahnunßöi an Bit iMngfn be« «u^rofen Kämpf gögsn strs Röligion nufzugeden, gumindest sich nicht anzumaßen, mit billigen politischen Phrasen der Straße gegen heilige Ueberzeugungen, die den Lebensodem eines Volkes bilden, anzustürmen. Es war nicht leicht, den Kreml zu nehmen, aber immerhin waren die Mauern Menschenwerk und daher einnehmbar, an den Bastillkll Büsch ^«lsrtausenbe geheiligter Gottesgssstzs wst'den sie sich ohne Nutzen für Land un^ den Schädel einrennen. Marannentum des Geistes. Von Dr. ZS. C. Än di?f?u Plättern mr»r)e 88N ÜUTfl) einen namhaften Historiker geschildert, wie nach den blutigen mittelalterlichen Religionsverfolgungen viele im Herzen treue Juden ihren Glauben ängstlich verbergen mußten und ihn dennoch jahrzehnte- und jahrhundertelang in ihren Familien forterbten. Im wissenschaftlichen Blatte der orthodoxen Judenheit lasen wir vor kurzem eine trefsliche Darstellung aus der Feder Blaus über Die Geisieshaltung tsr (jsvtligeü jener Lebensmärtyrer. Was ist nun der innere Antrieb, der dieses ängstlich geheimgehaltene Judentum bis kurz vor Anbruch der Neuzeit lebend unter der Hülle anderer Religionen pulsieren ließ? Was andererseits hat in der Neuzeit diesen Lebensdrang des Gottesgesetzes in den Herzen feiner geheimen Bekenner ertötet? Aus obengennnn^n läßt sich Ötß mtWDU llllf diese Fragen adlesen: Es lebte und wirkte Gutes das Marannentum, solange scheinabtrünnige Väter ihren Kindern vom ersten Geistesatem an in die Seele die unzerstörbare Empfindung einhämmerten, daß sie ganz etwas anderes zu sein haben, als sie scheinen können, — solange lebte es; CS siechlk sich M als Ni-^arakter und Nichtanderssein, Gleichgültigkeit und Mchtreligion die Mode aller Bewohner jener Länder zu werden begannen. Doch auch wir Juden alle, die wir heute in den Kulturländern leben, auch wir sind mehr oder minber schsinabtrünnig. find Marannen-ReligionvhruchlLr. HÄ ii iMßl klüH. auch bei anderen Religionen kaum, denn das Wortäuschsn von Religion bringt ja in dieser W* iiichtL Wztzs m als nur Snntt. Aber Nichtreligion vorzutäuschen, die oft. ganz lebend vorhandenen inneren Anlagen zum Gottesgehorsam ängstlich unsichtbar zu machen, ja, von sonstiger Gesetzesbesolgung Ausnahmen sich zu gestatten, wenn sie bei Gesetzesverächtern Aufsehen erregen könnte, — dazu neigt ein schwaches Syerz heutzutage eher. Der Spott ist für den Ehrein tzrrM ZulMsilmT Das DerlaMem eine mittelalterlich grausame Tortur für ihn. Um diesem, heute meistgefürchteten Glaubensgerichte zu entgehen, werden gar Viele von uns heute zu zu Uebertretern ihrer eigenen Lebensprinzipien. Selten wagt sich in Ganzheit der gesetzestreue Sinn der heutigen Juden, etwa am Versöhnungstage, bei dessen Beginn das alte Wort lei NUissu nach lsimmlischmi null trsttschem Mast schlusse den bei uns weitenden unsterbliche» Gsiftern der Unbeugsamen, der Blutzeugen des Glaubens, das Beten für und mit uns trrnay, Marannen des modernen Nichtglaubens, in Gnade gestattet. Sonst aber? Hier vor dem Leserkreise des „Israelit" soll nm Diß NM non slMen sein,. Big tnfxlll? fetcirr Schwachheit zu wirkliche» Uevertrstern von Verboten der Thora und der Weisen oder zu Verächtern von Geboten werden. An unser eigenes Herz wollen wir schlagen, wollen untersuchen, inwieweit auch wir, die wir ständig, auch unter Spott und Anfechtung, unseres Schöpfers Willen zu befolgen streben, ein gewisses Marannentum in uns aufkommen lasten. 3n um. msift DitrDei von entfömtohr Bedeutung; daß eine besondere, orthödü^e» Juden eigene Umgangssprache nicht vorhanden ist, kann einen Mangel bedeuten. Doch die Marannen beteten sogar die ganze traditionelle Jomkippurliturgie aus Unkenntnis des Hebräischen in ihrer Landessprache und blieben dennoch vielfach treue Juden. W^rum? Weil sie sich mit stimm Mangel nicht akfandsN/ sonder i^e« Kindern einprüglen.' Auch öle Sprache hat man euch geraubt. Auch wir Heutigen müssen das tiefe Weh um das Verlorene in den Herzen unserer Kinder wachhalten und vertiefen: um Sprache und Kleidung, Namen und Lebenseinteilung, die unseren Vätern als Kennzeichen des Gesetzesgehorsarns eigen rvaren. vor allem aber als Selbstörinnerungszeil^en!ies?e!hcn Sinnen standen. Ein schmerzliches Empfinden muß uns von der Kindheit an darüber erfüllen, daß wir heutzutage nicht mehr überall und immer in das Gewand gehüllt gehen können, in dessen Ecken un- ]m mrfaüm Jas ffiüiW m Himmkl^l- D e r a nnD Der NstlMW ^e rfarb. Velde misst« auf Grund ihrer ärztlichen bieten und Sühne, datz Strafe die Sünde nicht ahnde. — Verkauftes Haus in verkauftem Land warnt vor frevelndem Wahn. nrpm eine Einlösung wird erfolgen. Gar oft haben sich in der Zeiten Laus, die Einlösenden gefunden. In den Tagen der ni'dv war es. da Scharen, die das Land erlösen wollten, den Weg zeichneten mit dem Blute der früheren Bewohner Sicmbes. ba es aus bent Tobssröchelrr Gemar« lener cmjjorrief zu &etl nj’iwn SS«'» DÄ« ift das Recht der Einlösung. vr> 1p bts zu Ende gegangen das Jahr des Verkaufes des Verkäufers, in dessen Augen sind tausend Jahre wie der gestrige Tag, wie die Wache der Nacht, mutz Israel harren. Doch nur -ipr rrb wenn Israel nicht durch eigenes Verdienst beschleunigter Erlösung sich würdig zeigt, hat das Jabr des Ver- MUlli ©iDe llülS MHt mfWeuu aber '“lSi Israel m SdD? gorrgewolltcr Bestimmung empor sich geschwungen, iilSN vS!v»2 ivr rrnsn wird Zion, durch das Recht, das es übt, die zu ihm Zurückkehrenden durch die Pflichtentreue gelöst, nmn v'v' schon nach Tagen kann die Einlösung erfolgen, ibp2 dx orn3) heute noch, wenn Ihr auf Seine Stimme wollt höreu^ ..bauu roirb man fte nennen heiliges Volk. MngrlSstr rvn 4h»#- Ein Penialeuch kommenlar. Da mit dem Erscheinen des elften und zwölften Heftes der erste Band des von Dr. Wolf, Köln herausgegebenen Kommentars seinen Abschluß 3) Psalm 95, 7. D Jes. 62, 12. erreicht hat, dürfre es sich lohnen, das bisher Erschienene einer Würdigung zu unterziehen. Es fei darauf aufmerksam gemacht, daß der Kommentar stillschweigend, nur aus den Zitaten erkennbar, es sich zur Aufgabe gemacht hat. den Midrasch fortlaufend für die Exegese zu benützen. Bisher wurde der Midrasch von ernsten Forschern als Homilie mit erhabener Geste beiseitegelegt. Man hat nie versucht, ihn für die exakte Forschung zu verwenden. MM starr Mvl faaen stütz m SMr »te b?y vorliegende KöRMSNtSk eins lvlsMWMMWß EhlkNrettung des Midrasch bedeutet. Erst durch die Strömungen moderner Bibelwiffenschaft und durch die Fragen, die sie auswirst, erkennen wir. welches Gut wir längst besitzen. Teilweise sind die Fragen, die beuteaufgeworsen werden, ernst zu aber die Antworten, die ohne die jüdische Ueberlieserung srteUt rverden, befriedigen nicht oder führen zur UN- ZÄMsrttMll KklM. Dum stie DMlllluna m lüdffchen Ueberlleferuttö SkÜSNttS» ÜstM. stütz llllW die alten jüdischen Weisen dieselben Fragen bewegt haben. Diese aber haben die richtige Antwort gegeben, weil ste bei der ununterbrochenen Ueberlieferung im Stande waren, das ganze Rüstzeug zu übersehen. Es war an der Zeit, datz ein populär geschriebenes Buch auch den Kreisen in die Hand gsgsbsn Wird, melche sich nicht beruflich mit den mo- ©e&AttfiittaänagR «ui McDäfttoen Dam imv nicht in her 2age sind, sich ein IlStöll übSk dm Grast und den Ernst der modernen Kritik zu bilden, die aber aus oberflächlicher Zeitungslektüre und der sogenannten jüdischen wissenschaftlichen Literatur, aus Vorträgen Und Unterhaltungen mit diesen Fragen bekannt gemacht werden. Der vorliegende Kommentar sucht auch darin ausklärend zu wirken. Auf der andern Seite kennt er aber seine Ausgabe, ein Buch der jüdischen Masten zu sein und verliert sich nicht in das Labyrinth der krittschen Wege. Im Gegenteil, in lebendiger zusammenhängender Darstellung will er uns Personen und Handlungen der biblischen Geschichte lebendig vor Augen führen und sie als Fleisch von unserem Fleisch erkennen lassen. So hören wir die Geschichte nicht als ein Märchen aus uralten Zeiten, sondern erleben sie wie ein Stück des eigenen Lebens. Die jjratmtta&fdjett Hilfsmittel sind Nicht nutzer Achl gkill'mn, ismksftt ÜbSSLll EMMA zum Verständnis des Textes bereit. Besonders oient ein Mittel, das nur im Kanon seine Anwendung finden kann, weil es sein eigenstes Rüstzeug ist. zur Erschließung des Sinnes, und das sind die Tonzeichen. Während die alten Grammatiker viel mit den Tonzeichen gearbeitet haben, hören wir in der späteren Geschichte der Exegese nur hier oder da davon. Erst Heibenheim hat die Lehre über vie Tonzcichcn lvtrdn hat Mg Zusammenstellung davon gegeben, eine wissenschaftliche Durchbildung hat uns erst Dr. Nathan geschenkt und hat uns gezeigt, wie wichtig die Tonzeichen für die Erfassung des Wortsinnes sind. Der vorliegende Kommentar will nicht die früheren Kommentare. insbesondere den Hirsch's entbehrlich machen. Er baut im Gegenteil darauf auf UllS will fl? UUr 8aTt/J bescheiden er g äugen- MMM unD öcractje Mir MNSt nn- Die Uebersetzung eignet sich auch für die Jugend und kann für Schulen in Betracht kommen. Leider mutzte der Verlag es sich versagen, den hebräischen Text beizudrucken, lediglich um das Werk nicht unnötig zu verteuern. Ein solches Werk, das eine fühlbare Lücke auszufüllen hat, sollte dadurch gefördert werden» daß sich ein Jeder auf die Lieferungen abonniert,

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