Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1927)
- Date
- 1927-05-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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>J--I4 v» .. ‘rat Seite 2 Nr. 20 Der Israelit 19. Mai 192'. tenden Arbeiter und Angestellten, die — leider muß es gesagt sein! — oft auch bei Juden und sogar frommen Juden geschlossene Türen finden, und über die Wege, den Sabbath bei der Produktivierung und dem Arbeitsnachweis für diejtnigrn mnötrtr unD AMilcr an wayrm- Dir mit dem Säbach itzt' Alles Wochenrundschau. Zur Eröffnung der Frankfurter Pädagogischen Akademie. Die Frankfurter Simultan-Akademie ist vorige Woche feierlich eröffnet und durch eine von fcerrterfertstr» erlern ^retmul getragene elniru(?s« volle Rede des Kultusministers Dr. Becker geehrt worden. Der Minister hat kein Hehl daraus gemacht, daß er sich nur widerstrebend, gedrängt von den nach links tendierenden Strömungen in der pädagogischen und parlamentarischen Welt, zur Errichtung einer «konfessionellen Ausbildungsstätte mit allen dadurch bedingten kirchenpolitifchsn Schwierigkeiten entschlossen habe, und er bat ferner von vorniskrem erklärt, bah es {14) nicht um eine konfessionslose, sondern um eine christliche Simultanakademie handle, die demnach das beiden christlichen Konfessionen Gemeinsame hervorzukehren und zu betonen hat. Trotzdem soll nun diese Akademie die einzige in Preußen sein, die auch jüdische Abiturienten aufnimmt und in deren Lehrkörper daher ein Do- M sül? Dischä MligisttStuissMschäst kzmsM werden soll. Man ist offenbar der Meinung, daß trotz des positiv christlichen Prinzips der ganze Geist der Frankfurter Akademie einen wesentlich freieren religiösen Charakter tragen werde als die konfessionellen Anstalten, so daß auch Freireligiöse, Atheisten und — Juden sich dort wohl Mkll kövNfss, Nun ist die ganze Frage der jüdischen Lehrerausbildung in Akademien für die Juden im allgemeinen und für die Orthodoxie im besonderen im Augenblick zwar von prinzipieller, aber nur von geringer praktischer Bedeutung. Die Ziffer der Abiturienten, die erst ein 8m r>. ct jt n m absslr-iereii urt?> &cmn lehrer werden wollen, ist ganz minimal, für den Staat geradezu einecsuantite neAi§eaii>1e. Für die orthodoxen Kreise kommt als Ausbildungsstätte nach wie vor das Kölner Lehrer- Verkauftes Haus. Don Rabbiner Dr. Wichalski, Karlsruhe. *) Gleichwie nach dem Lied der Lieder (5. 15) auf aoldöllM -lügen mamoms Säulen Mo«, fa k«a ttäch dem MidraschJ) im Wochenabschnitt Vorschriften aneinander gereiht, Die Reihenfolge gibt bedeutsame Lehre. Die Befolgung der Gottesgebote, die im Schemittoh- und Iauweljahr mahnen, Gott als den Herrn des Bodens anzuerkennen, ist die goldene Grundlage, auf der auf marmornen Säulen Israels Glück und Besitz, Israels Wohlstand beruht. Sobald Dünkel und Stolz, Aabgisr und Genußsucht ÄSkSSI ftaJauit, aal SS nicht Uäl-zichtäü ttiäö auf r>eu Ertrag Ws Echemittohjahrks, Wn es erzielen kann, wenn es den Boden bebaut, daß es nicht entsagen mag dem Herrschastsrecht auf Boden und Knecht im Jauweljahr, alsbald weichen die goldenen Füße, die Israel tragen im Land, die marmornen Säulen wanken, auf denen sein Eigentum liegt. „Wenn Ihr dem Nächsten verkaufen müßt Land", „wenn Dein Bruder verarmt und sein Besitztum verkauft', „wenn einer verkauft ein Wohnhaus in ummauerter Stadt", „wenn Deines Bruders Hand ins Wanken gerät. Will zu M ffi? *) Tamyumoh z. St. vgl. Tr. Kiüllfchin 20 a. f e m i n a r in Betracht, das auch für die nächsten zwei Jahre feine Wirksamkeit fortsetzen wird. Allein auf die Dauer kann sich aüch die Orthodoxie der Notwendigkeit nicht entziehen, für Lehrer mit abgestempelt - „gleichwertiger" Ausbilöllllg- B: 0: mit MM mb AMBMicrDilBllllS zu svrgött, selbst wättlt dtösä Lch^r dä fäötö ätt jüdischen und allgemeinen Kulturwerten keine höhere Entwicklungsstufe der Persönlichkeitsbildung darstellen sollten als die Absolventen des Seminars. Demnach mußte die organisierte Orthodoxie zu der Akademiefrage Stellung nehmen. Ts m ms, rrik m MMkch voll MM vkv „La nve 5 v erbau Bes göfetzestrsuer Synagogen gemeinden" in Halberstadt vor einigen Wochen in dem Sinne geschehen, daß die Simultan akademie als Bildungsstätte für gesetzestreue jüdische Lehrer grundsätzlich a b - gelehnt wird. Sffla^c^ebenb find diese Entfc^lie^nng ähnliche Molwe, wie sie auch öle lirchlichen Behörden der preußischen Katholiken bestimmt haben. Wir halten die geistige Atmosphäre der simultanen Akademie nicht für geeignet, die Heranbildung , geschlossener jüdischer E r - zieher-Persönlichkeiten zu fördern, ganz ohne Rücksicht darauf, welcher religiösen Anschauung der zu berufende Dozent für jüdische Retigionsrniffens^^t huldigen rnsrd. MH kill M seine Person orthodoxer Dozent wird — abgesehen von der ebenso unvermeidlichen als gefährlichen innigen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft neologer und orthodoxer junger Leute — die Einflüsse des „simultanen" Milieus beim besten Willen nicht wettzumachen vermögen. Die Orthodoxie ist überzeugt, daß es ohne allzustärke Inanspruchnahme von Staatsrnitteln in absehbarer Zeit möglich sein muß, eine orlhodox-jüdische Akademie, die nur für Juden bestimmt ist, in Anlehnung an Köln und Bonn zu schaffen, und es wäre gefährlich, die Erreichung dieses Zieles durch die Hinnahme von Halbheiten zu gefährden. Bis dahin darf man sich provisorisch mit dem Weiterbestand Kölns;ur BßfrtoDrgunß Bor prattpon SoDiltfmffo Boi1 jüdischen Gemeinden getrost zufrieden geben. Zirelsohn schweigt und Hartglaß spricht. Zirelsohn, der rumänische Senator a. D. w4 von Aifchincwebenfalls a. D., hat feine Mandate im rumänischen Senat und Kischinewer Stadtrate eingebüßt, weil er den Mut hatte, im gegebenen Momente zu schwerg e n. Nämlich, als der Oberst A m e n t aus wenn er sich selbst verkaufen muß", „wenn der Fremde im Land zu Macht und Vermögen gelangt und Dein Bruder ihm dienstbar mutz werden', so reibt sich Vorschrift an Vorschrift. Armut an Armut als OMfe Dafür. Dag mmtmt] unD namoei man bsschtst sind WSkdSN. Cinpörheben sollten üese Dodengesetze den jüdischen Landmann aus der Knechtschaft des Eigendünkels und der Selbstherrlichkeit. in die nur zu leicht versinkt, der da unter Tränen und Bangen dahingeht ..tragend den Wurf der Aussaat, der da in Jubel heimkehrt, tragend die vollen Garben' . Doch da sich entfremdete das göttliche Gebot dem am Boden hängenden und nur aus den Bollen mMMtm lgOguösntzMs aas Lsna° WoättöiidM Söhnös des jüdischen Volües, dg er nicht entbehren mochte den Ertrag einer Saat, da er nicht denken wollte, daß der Boden, die Grund» läge seines'Reichtums, nicht Eigentum ihm, sondern nur geliehen ihm aus Gotteshand, — da lag brach nicht der Boden, sondern das Gesetz des Brachjahres. Die Aufeinanderfolge im Wochenabschnitt ward furchtbare Wirklichkeit; Israel, das das Land ganz fiflftfia« fflflWfi. MUill pm u mlkua, das in verblendetem Wahne nicht genug ertanaen konnte, mutzte alles einbützen, Land und Besitztum wurde verkauft. „Ich hatte', fo spricht Gott nach dem Midrasch zu Israel, „Euch geboten, wenn Ihr sechs Jahre das Land bebaut habt, ein Jahr Rast dem Boden zu gönnen, x'N pxntf ijnrw '12 auf daß Ihr wisset, daß mein er ist. p a*? rmni doch Ihr habt nicht so getan, so seid denn verbannt, auf daß nun das Land von selbst all' die Brachjahre hatten kann, die es mir schuldig ist". nlchj nur has Land ward cmgevlltzl. Durfte das Heiligtum, des Gesetzes noch auf Amerika im Stadtrate erschien und im Plenum von Oberrabbiner Zirelsohn eine Auskunft über die Lage der Juden in Rumänien haben wollte. Zirelfohns beredtes Schweigen hatte seine Wirkung getan, und er mußte es mit seinem Ma;-- m BWWltt mit W M mmr NIMM MM dsn Ssnätdl'ensttz in Uv Hauptstabt g kostet hat. Seine Stelle nimmt dort jetzt der zil!- mstisch gesinnte Rabbiner R e m i r o w e r eii der es wohl versteht, zu schweigen, wenn ein rechtes Wort am rechten Platze wäre und z r reden, wenn Schweigen geboten erscheint, und der so der Mann nach dem Herzen der rumänislykll MkMNlllS M« Nun laßt llsr besvndsrs m Sachen Uv Süttr.- tagsruhe verdiente jüdisch-nationale Deputierte des polnischen Sejm, Hartglaß, im Warschauer „Haint" einen Artikel vom Stapel, der an sich vollauf berechtigte Mahnungen an die polnische Regierung bezüglich ihrer Judenpolitik, insbejortfeere tm Einblick aus das |iir big ^wbert yjrhllngmsiiolle Sllnniagsruyegösetz emylllll ver aver zum Schluß auf Zirelsohn in Rumänien mit folgender wenig geschmackvoller Wendung exemplifiziert: „Kämen w i r in die Lage, unsere Taktik gegen die Regierung zu ändern, wir würden dann nicht schweigen wie Rabbiner Zirelsohn, nicht verlangen, daß man uns unter vier Augen reden lasse. favderv »k würben bgf MMt llllll WM?' Meien, daß es jeder höre." Diese öffentliche Rüge hat der Kischmewer Oberrabbiner nicht verdient. Herr Hartglaß spricht und schreibt vom sicheren Port eines immunen Parlamentssitzes und einer vom Gesetze gut geschützten Fraktionsstube aus. Er hat gut reden. Denn bei allem und allem ist Polen, wo zur Zeit eine dss dsrnokr'atlfchen Oels nidpt ^arr^ entbehrende Regierung tm Nahmen des Gesetzes und grundsätzlich auf dem Standpunkte des „gleichen Rechtes für alle" ihres Amtes waltet, nicht Rumänien. In Polen gehört das energische Auftreten gewissernmßen zu Metier, schon im Interesse der Parte: und der Erhaltung des Wählerkontingents für die kommenden Wahlen. Womit aber keineswegs gefllgr )m soll, Baß Mn hartglaß aicht vsllksmmen ernst sei um die Sache, die er vertritt. In Rumänien ringen die jüdischen Bürger nicht um ein Judenrecht, nicht um die Volksrechte einer Minorität, sondern um das primitivste Menschenrecht, um Anrecht auf Leben und Cigenturrr, rrrv^das Rechts auf der gn Zeigen unb die Cifeudahu zu ömutzsu^ ohus 'sHWSk mißhandelt zu werden, um das Recht, ohne Gefahr für Leib und Leben ihren Studien, obliegen oder ihrem ehrlichen Erwerbe nachgehen zu können, um den Schutz ihrer Organe, die der No: ihrem Boden stehen, da sie den Boden des Gesetzes unter ihren Füßen verloren? Was sollte der Dienst im Heiligtum, wenn der Dienst im Leben in Kabsnrbt und slbstsucht aufging? Auf Da« ffieifiauf aas fis«ais ftizl Ur W? Aarrfes. Gott spricht, so meint der Mköräsch, „um ihrer Sünden willen verkaufe - ich mein Haus den Chaldäern, denn also heißt es atfl» r\^ 112»' '2 tzrw wenn ein Mann ein Wohnhaus verkauft m'2 nr iY'2j?n bw das ist das Haus Gottes, von dem es heißt 2): Gott hat Zion erwählt, zur Wohnung es sich begehrt. Verkaufen mutzte Gott die Stätte feines Qßo^nenSj beim bas Toeiteye fSHlf'’ Hdittgiums aus drill goncumcüidklen Dodm hölü das Volk in seinem Wahne bestärkt, es brauch: nicht die Sünden zu meiden, der Tempel bringt ja Sühne den Sünden, nain -psr in ummauerte- Stadt n"3pn bv vv>jy m das ist die Stadt Gottes, sie war zur' schirmenden Mauer, zum schützendem Wall dem Volke geworden, der Israel barg vo' Not und Gefahr. Mochte auch, so glaubte das be töne glM isißsnJsin Sttvm MMwkM VKgLhkn und Mistelllt! es glmivle sich aeöDiQir hinter Tempelmauern in heiliger Stadt. Ist nich' auch heute wieder der Tempel ein Schirmwall gc worden vor Not und Gewissensbissen, baut nich wiederum Israel Gotteshäuser, prunkvoll ausgc stattet, nur zu dem Zweck, in einigen Stunden de Andacht im Jahr, in einigen Minuten hehrer, ver fliegender Begeisterung sich abzufinden mit feiner- Gott. nmn *r»sr durch dicke Mauern das Heiligtum abzufchlietzen vom Leben, auf daß nichts hinausdringe vom Gottesort in das sündhafte Treiben des E°gkj Rif M *f? ÖiütilHing M8ÜM ““ 2) Psalm 132, 13.