Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1927)
- Date
- 1927-05-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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(Sette 4 fffcc. 19 L k l 8 8 l fl (11 t iL Dar isL7 Partei übte bisher keine anderen Funktionen aus als diejenigen einer Art jüdisch-kommunistischen Polizei, d. h. einer politischen Ueberwachung des übrigen nichtkommunistischen Judentums. Große Rabbis aus dem 18. Jahrhundert zur Bildungsfrage. Don Rabbiner A. Homer in IZertin. I. Das 18. Jahrhundert war ein Jahrhundert der geistigen Krise für die Westjudenheit, wie sie die Subenl^it »bfWW nrtz NikMSlZ MM: Neue, früher ungeahnte Probleme waren an die Juden Westeuropas herangetreten: Anpassung an die Lebensverhältnisse der Umgebung und zugleich innerliches Verbleiben beim vollen Judentum verlangte die Zeit. Die großen Massen waren dem nicht gewachsen; nachdem sie einmal ©IjeHt verladen und den Glanz des Außenlebens erblickt hatten, konnten sie sich seinen Lokkungen nicht entziehen und rannten mit voller Kraft in die große Welt der nichtjüdischen Kultur und unjüdischen Lebensweise hinein. Das Judentum und seine Gebote wurden, wenn sie zum neuen Leben nicht paßten, über Bord geworfen. Die großen Massen der Hstdsp, M LkiS UllS alle Pein während einer Reihe von Jahrhunderten ihres Glaubens wegen ausgehalten hatten, konnten mit einemmale dem Reiz des rauschenden Lebens draußen nicht widerstehen und ließen Tradition und jüdische Gesittung fahren. Die suchende Jugend wurde bezaubert von der weltlichen Bildung; diese erschien ihnen als „die Tochter des Himmels". Was das achtzehnte Jahrhundert für dis Westjuöen!i«!t war, war kas^ncunzehnie für die Ostjudenheit Europas. „Die Tochter des Himmels" wurde durch die deutsch-jüdischen Aufklärer nach dem Osten getragen, und ihre Treibereien haben den dunklen Absichten der zarischen Regierung nur gedient. Bis in unsre Tage hinein dauert noch diese Krise, und wir haben es als ihre Folgen erlebt, baß große Masten bei ebelsten unb verstandesreifsten Jugend sich allen fremden Ideen hingeben, den angeblichen Ideen einer Welterlösung, die sie aber auf das Schaffott führten. Bei solchen Krisen ist es der altgläubigen Judenheit und ihren geistigen Führern sehr schwer gewesen, den richtigen Weg zu finden. Meistens dachten sie, das Neckte getan gu tjabzrij wenn die XüTß zu der Außenwelt verriegelten, nämlich durch Ablehnung der allgemeinen Bildung und der Vorschläge der Maskilim. So war es im Westen im achtzehnten Jahrhundert, und später geschah dasselbe im Ostens wo die Krise noch bis zum heutigen Tage andaüert. In Deutschland erlebte die Krise um die Mitte tzkZ Doriöen LlMkjunbMs ihrm Höhepunkt. Wss abgefallen war, was auf Irrwege gekommen war, war verloren, und die Wenigen, die dem altüberlieferten Judentum treu geblieben waren, fanden sich zusammen, um gemeinsam die eigene Welt aufzubauen. Unterdessen ist während der Krise das volle Wissen der Thora verloren gegangen. Den alten Lehrern gelang es nicht, die Jünger in die Mauern des Beth-Hamidrasch einzuschließ-en. Die Söiauern wurden gMll tzkk llMgtt stürzt. Die Jünger waren vom Strom zu weit weggetragen worden, als daß man sie noch hätte zurückbringen können. Es galt jetzt vor allem, das Prinzip der Unantastbarkeitder Thora laut ZU proklamieren und alle urn die Thora ZU fcharyn, noch ffir blefe Parole zu gewinnen waren. Mit Hilfe einiger von der Vorsehung gesandten Männer, die die Führerschaft im Kampf um Thoradasein hatten, brachten es die Frommen Deutschlands sehr weit, so daß gegenwärtig schon auch der Wiedergewinn des vollen Thorawissens angestrebt und erzielt werden kann. Dem aber steht die falsche Ansicht im Wege, daß der Bedarf eines gediegenen Wissens in weltlicher Bildung ein großes Wissen der Thora unmöglich macht. Genau wie man früher glaubte, daß der Bedarf eines umfangreichen und schöpferischen Thorawlssens die Möglichkeit, auch im Weltlichen ausgebildet zu sein, ausschließt. Die Ansicht herrscht bei vielen auch jetzt noch vor. In unserem Zeitalter kann die Situation des fWMMIU Judentum? unö öes jfibiföen Volkes nur eine Elite retten, die alle nötigen Waffen zum Kampf und Schutz besitzt: Frommes, altgläubiges ,fjl. Selbstbewußtsein, gehaltvolles, jüdisches Wissen, im VereinemitreichemweltlichenWiss e n. W mschtk hier AllsWen von allen MM8 ansühren, die hart an der Schwelle der 200jährigen Geisteskrise unsres Volkes gestanden haben und dennoch von der Verbitterung gegen die weltliche Bildung bewahrt blieben. II. In Deutschland lebte um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts der große W e l t r a b b'i H?NNthKllFjökllsHÜ6,MMlM m MM burg-Altona-Wandsbeck, früher in Metz, noch Seidenu. Garn-Handelsges. m.b.H. 47 Bleidenstraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) 1PIZIALHAUS in Näh- und Siick-Seiden? Handarbeits-Garnen jede* Ärl früher in Prag. Er war wirklich *) „der -Führer der Nation", denn seine Jeschiwohs in den/obengenannten Gemeinden dienten zur Ausbildung von Rabbinern für die ganze Diaspora. Zu Ende seines Lebens ereigneten sich für ihn zwei große KlllllstWphN; ®rsiens [eine persönliche, die große Verleumdungsaktion, gegen ihn, ein Zeichen der jüdischen Zerrissenheit zu jener' Zeit, infolge der gegenseitigen Perdächtigungen im Gefolge des Sabbatianismus. Zweitens hatte er in Metz und Hamburg schon den Abfall von Thora und Mizmm, kk sükj schon mit mmm Augen Me Anfänge der Assimilation in der westeuropäischen Judenheit. Seine Mussarsforim sind ein langes Klagelied über die zerrütteten sittlichen, moralischen und religiösen Zustände unter den Juden Deutschlands und Frankreichs, und seine Mahnworte mögen noch heute als.guter Mustar dienen. Gerade heute, weil seine Worte zu seiner Zeit. iiisllW M MrMökllchL öS? ZsiftiZM KiG, nicht: mehr durch die Juden des Westens gehört worden sind. Jetzt, da die Krise überwunden ist, sollten wir doch seinen Worten wie den Testamentsgeboten eines alten Rabbi unser Ohr neigen. Vorerst möchte ich seine Stellung zur Bildungsfrage prüfen. Wir freuen uns über die gewaltige Großzügigkeit des Rabbi Jonathan Eibenschütz auf diesem ©ßMote. 3n SMS? $säir im Hahpr 1?49 in SSftet gehalten, in dem zweiten Telle seines Jaaraus Dewasch niedergeschrieben (in unsrer letzten Warschauer Ausgabe Blatt 116, Ausgabe Karlsruhe Blatt 44—45 Buch 2) vergleicht er die Thora und sämtliche Wissenschaften mit der Menora und ihren 7 Lichtern. „Die 7 Lichter der Menora sind die „sieben Weisheiten", Md tzllS WeMche LIM „Mer Maarowi" ist die Thora: **) Sämtliche Weisheiten werden von der Thora abgeleitet, von dort entspringen sie und dorthin münden sie; denn sie alle sind die Dienerinnen der Königin, so wie der Rambam es gesagt hat, daß sie „Köchinnen *) So wird er auch vom Wilnaer Gaon in seinem bekannten Brief genannt. ii •” mit bey i'lltz 18 HF sieben Lichter finden wir bereits bei Avaidane Exodus 25. Zu bemerken ist nur noch, daß der Verfasser des Buches gut daran getan hätte, die Werke ">»svv und a'j.-uKn '/wv, die er hauptsächlich benutzt hat, als Quellen anzugeben. (Statistik der Verbrechen in Palästina.) Der offiziellen Statistik der- Verbrechen in Palästina fsss *?§§ ist 5« entnehmen; Lm öertaufc dieses Jahres wurden in Palästina 32.068 Personen (1925 : 36.642) wegen verschiedener Verbrechen verhaftet. 14.690 wurden verurteilt, 15.320 freigesprochen. 1926 kamen 971 schwere Verbrechen vor (1925: 596). Während sich also die Zahl der allgemeinen Verbrechen um 14 Proz. vermindert hat, erhöhte sich die Zahl der schweren kriminellen Verbrechen um 63 Proz. 95 Morde und 56 Mordversuche kamen 1926 vor (1925: 88 Morde und 28 Mordversuche). Ferner wurden 1926 durch verschiedene Zufälle 6100 Menschen getötet. Raubanfälle kamen 1926 in M Fällen Dor. EindrMö zählte MM IE MMrbstähle 37. Zu den Schwerverbrechern des Jahres 1926 zählen 25 Regierungsbeamte, von denen 22 wegen Annahme von Bestechung, zwei wegen Verschwendung öffentlicher Gelder und einer wegen Unterschlagung von Amtsgeldern verurteilt wurden. Im Dezember 1926 sahen in den Gefängnissen Palästinas 1660 Häftlinge, von denen 13SZ iikgkllp tritt wnren und SOI Des Urteils harren. Unter Den Crflr genannten waren 24, die zu lebenslänglichem Kerker und 367, die zu Kerkerstrafen von 5 bis 15 Jahren verurteilt wurden. (Rückgang der Juden in Ostpreußen.) Die Ergebnisse der Volkszählung vom 16. Juni 1925 liegen jetzt auch hinsichtlich der Religionszugehörigkeit vor. In der Hauptstadt Königsberg töte in der gestirnten Proving trtii 2lus- Hlijüle einiger Kreise Ist ein Rück^crn^ gu verzeichnen- Das Gemeindeblatt bemerkt, daß ein Rückgang um 10,7 Proz. in einem Zeitraum von 15 Jahren sehr zu denken gibt. Die Gründe sind vor allem in der Abwanderung ins Reich, dann aber auch in einem gewissen Rückgang der Geburten unschwer zu finden! Die Gesamtbevölkerung Ostpreußens ist von 2.147.342 irn Jcrk-re 1910 «uf 2.256.594 i. tfgg gxWM, gif??«ng?ltM Bevölkerung nnhm in biefer Pvrwstö nm 4,9 Proz. zu, die katholische um 2,4 Proz. ab. Juden zählte man 1910: 12.715; 1925: 11.348; die Abnahme beträgt demnach 10,7 Proz. In der Stadt Königsberg lebten 1910 : 4565, 1925 : 4049 Juden; die Abnahme beträgt 11,3 Proz. (Friedrich Nietzsche und die Antisemiten.) Der Leipziger Antisemit Theodor Fritsch, der jetzt eine Jubiläumsnummer seiner Zeitschrift „Hammer" herausgibt, druckt in derselben einen Brief ab, den Friedrich Rißtzschlö vvr 40 IllWn M ihn MikM hrt. Div Aktes, der ein einziger Ausdruck tiefster Verachtung der Antisemiten ist, lautet: ' „Nizza (vor der Abreise) den 29. März 1887. Sehr geehrter Herr! Hiermit übersende ich Ihnen die drei übersandten Nummern Ihres Korrespondenzblattes zurück, für das Vertrauen dankend, rnit dein lsiü mir ßFlau&isa, in fein WinziMkMrrwärr eni dem Grunde dieser urunderüchen Bewegung einen Blick zu tun. Doch bitte ich darum, mich fürderhin nicht mehr mit diesen Zusendungen zu bedenken: ich fürchte zuletzt für meine Geduld. Glauben Sie mir: dieses abscheuliche Mitredenwollen naiver Dilettanten über den Wert von Menschen und Rassen, diese Unterwerfung unter „Autoritäten", welche von jedem besonneneren Geiste mit kalter Verachtung abgelehnt werden (z. B. <£. Äüf^ring, R. Wagner, Ebray, P. y? «ngnrde — »er von ihnen ist in Fragen der Moral und Historie der unberechtigste, ungerechteste?), diese beständigen, absurden Fälschungen der vagen Begriffe „germanisch", „semitisch", „arisch", „christlich", „deutsch", — das alles könnte mich auf die Dauer ernsthaft erzürnen und aus dem ironischen Wohlwollen herausbringen, mit dem ich bisher den tugendhaften BMMm UW MariMmm Dia? MigM Mlltschm ZlMfWn Habs. Und, zuletzt, was glauben Sie, daß. ich empfinde, wenn der Name Zarathustra von Antisemiten in den Mund genommen wird? . . . Ihr ergebenster Dr. Fr. Nietzsche." Und dieses Zeugnis veröffentlicht Fritsch! . . . Wochenkalender. oom 11. _ si. 3Sr«*i 1927. , ooot 12. 19- HTtzs §amsrag 14 T>'K 12 'X P“13 Sonntag Mai 15 13 Montag 16 14 ■>3» n’Syn Dienstag 17 15 Mllwlch IS U vonnerstag 19 17 Freitag 20 18 itsnya r'b Samstag 21 19 'NPN2 '7 pia Verantwortlich für de« allgemeine« Teil «nd das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: S Schach» n o w«tz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Aduf ttt att tt in (Svrcitbllitöe« («röffcitfcoi^). — SBertag SfLiOBllt-, MMnaefellsDan. SrsElwt». M.