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Der Israelit · 1927-05-12 · Heft 19 (12.5.1927) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 19 (12.5.1927)
Date
1927-05-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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12. Mai 1927 D ec Israelit Nr. 19 Seite 3 a i5 diesem Grunde wählten die meisten als kleineres 11,'bel die sozialdemokratische Liste." SBir ggfiBH DlQfQ DllllsilsllMiMff ittchtigstellungen eines Eingewerhien zur Wtttttnis, ohne die Hoffnung zu unterdrücken, daß von oer Sozialdemokratie im gegebenen Falle — sandele es sich um Schächten oder Sabbat — die üdische Rechnung für die entscheidende Vahlhilfe, in der richtigen Weise zur richtigen stunde präsentiert, dennoch eingelöst wird. Vom sowjelrusfischktt Dükü-S. In einem Rigaer Blatte äußert sich der bekannte russische Publizist Georg P o p o f f über die Lage der Juden in Sowjetruß-! a n d. Poposf hält vom jüdischen Kolonisationsin Rir^larrd viel.- Darüber tüte jiiö; üöar Die Mage Der jüdisch--nationalen Autonomie kann man auch anderer Meinung sein. Doch sind seine aus Grund eigener Anschauung und Erfahrungen - veröffentlichten Ausführungen auch über diese Frage hinaus von großem Interesse. Wir lassen sie im Auszuge folgen: Durch üeu Muud kiNMk MWkr Politiker, die nach Moskau geladen waren, hat die Souyeiregierung in letzter Zeit eine recht eifrige „Aufklärungspropaganda" über die gegenwärtige Lage der Juden in Rußland entwickelt. Es mußte aber auffallen, daß dabei nur des jüdischen Kolonisationsproblems Erwähnung getan wurde. Wobei aus den geringen, aber unzweifelhaften Er-! TDlQCII auf LkM VMM jüdischen Kolonisator? bu allzu gswagtö Schlußfolgerung gezogen wurde, daß — — „Sowjetrußland das einzige Land der Welt wäre, wo die jüdische Frage restlos gelöst worden sei." Die beunruhigende Erscheinung des ständig anwachsenden Antisemitismus in Rußland und innerhalb der Sowjetmacht (vor allem innerhalb der Gruppe Stalin) wurde entweder einfach geleugnet oder mit Schweigen übergangen. Desgleichen wußte man auch nichts toriiBer m lami Dur® wem ©r»n»s fif my die auffallende, atter Welt bekannte Tatsach« ikklären möge, daß Tausende und Abertausende von Juden alljährlich Sowjetrußland verlassen, um nach Palästina, Westeuropa oder den Vereinigten Staaten zu emigrieren . . .? Es ist offensichtlich, daß zwischen den Behauptungen der Sorvsetsü^rer, res^>. der von ihnen beeinflußten Mischen Pulimer und den t«ts«chl!chkn nisten ein nicht geringer Abgrund klaffen muß, der wohl am besten dadurch auszufüllen wäre, daß man die Darstellung über die Lage der jüdischen Kolonisten durch eine eingehende Schilderung der Lage der jüdischen Bevölkerung Sowjetrußlands im allgemeinen ergänzt. Zurzeit sind lll NllZIlMD ttwll 1M88 Mkkll ««f bem fianbe angesiedelt mvUn. Die AnsiöDlung noch neuerer 90.000 ist geplant. Dagegen beträgt die Gesamtzahl der in Rußland lebenden Juden etwa 2,5 Millionen Köpfe. Wäre da die Frage nicht berechtigt, wie denn diese „restlichen" 2,4 Millionen Juden zurzeit in Sowjetrußland leben? Hierüber glaubt der Verfasser — als Kenner der russischen Verhältnisse und als Michtjude — fol- MIM DDJCmCtn Ltltsllchkll ItTi±±eHelx An kLvnen: Die Bolschewisten leugneten ursprünglich däZ Vorhandensein eines „jüdischen Problems" unter ihrem Regiment. „Offiziell" glaubte der Kreml diese Angelegenheit durch Gewährung der „bürgerlichen Gleichberechtigung" erledigt zu haben. Von nationaler Autonomie war nie die Rede. Denn in \mm SßjriftQn Datti Msl ßenin sich stets gegen eine nationale Autonomie b&v Juden innerhalb eines kommunistischen russischen Staates ausgesprochen. Dieselbe Logik machte sich die sogenannte „Jewsekzija", d. h. die jüdische Sektion der kommunistischen jüdischen Bevölkerung, aus „parteitaktischen Gründen" zu eigen. Die schrversten Prüfungen mußte die jüdische Bevölkerung V?!? alle BllNZLk MilsiilHiDß natürlich in den ersten 3 Jahren der Sowjcthcrrschast über sich ergehen lasten. Auch dem bekannten Dekret, laut dem alle zionistischen Organisationen — die man irrtümlich für religiös hielt — als verboten erklärt wurden, lag hauptsächlich der bolschewistische Vernichtungswille gegen die Bourgeoisie und die Religiosität als solche zuäa MshWA Dar 3uDgn wohl' habende und vor allen Dingen religiöse Leute waren, so mußte die jüdische Bevölkerung die Schwere dieser Maßnahmen oft eher und schmerzhafter als andere Bevölkerungsschichten verspüren. ' Es trat eine völlige Umwälzung im Alltagsleben des russischen Juden ein. Man kann heute getrost behaupten, daß der Typ des kleinbürgerlichen vrthvdv^sn Duden, der einst die ukrainischen Städte und Flecken bevölkerte,!n!»clche!öenen Lehmhütten wohnte und in philosophischer Beschaulichkeit seinen Talmud studierte, fast nirgends mehr existiert. Nicht minder schmerzvoll verspürt der aufgeklärte, intellektuelle Jude die Wandlungen der „neuen Zeit". Mit der Verfolgung ging der Kampf gegen die iüdische Sprache und die Msche Kultuv im glüiWn &$ntt mm. m würde beispielsweise die noch unser dem Zarismus begründete „Gesellschaft der Freunde der jüdischen Sprache" gleichfalls kraft eines besonderen Dekrets geschlossen. Die Verfolgungen der jüdi- I schen Organisationen erfolgten natürlich in erster Linie auf Grund der allgemeinen, im Grunde ihres Wesens antibourgeoisen und' antireligiösen Pvlini Wv Sorx>je!m«4i llUZ MKWk iWW eines gewollten Antisemitismus. Offiziell werden die Sowjetführer natürlich immer erklären, daß für sie kein Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden bestehe. In der Praxis haben sie jedoch die Unmöglichkeit des Einhaltens dieser Theorie klar bewiesen: von der Verfolgung der jüdischen Bourgeoisie, der jüdischen Kultur und der j üd i s ch s n R 6 l i g i o n bis zu einer ausgefprodje»- nsn S h t e e kvllllU «ue m KlUltt fßirt — und ist es in der Tat auch nur gewesen. So ist in Sowjetrußland in den letzten Jahren ein überaus h eftigerAntisemitismus, halb von alters her übernommen, halb von der Sowjetmacht unbewußt und bewußt gefördert, entstanden und nimmt mit jedem Jahre immer be- 3H. — flimß DAß Di? GOIDt jetregierung imstande oder gesonnen wäre, ihm irgendwie wirksam Einhalt zu gebieten. Es findet so seitens der Sowjetmacht eine stillschweigende Duldung verschiedener gegen die jüdische Bevölkerung gerichteter Ausschreitungen statt. Durch Rußland geht zurzeit eine starke NllNolllllk Son,jetrNacht paßt sich the An und ist unauffällig, aber beharrlich bemüht, sich selbst als „national" — trotz allem Internationalismus und Weltkommunismus — zu erweisen. Bei diesem Bestreben dient ihr das Judentum nicht selten als willkommenes Opfer, was beispielsweise anläßlich der gewaltsamen Verwandlung einer Reihe von Synagogen lll beobachtet roerhen konnte. Mfts Schicksal ereilte auch Die bekannten Synagogen in Charkow und Berditschew. Es läßt sich mit den Juden leichter als mit mancher anderen Minderheit Rußlands umspringen — weil die jüdische Bevölkerung keine agrarische Macht darstellt. So paradox es klingen mag — Sowjetrußland ist das einzige Land, wo jüdische Lehrer, welche in ihrer Sprache Unterricht erteilen, verhaftet und auf Zwangsarbeit verschickt wökDkll lllllllkll, wo WWk Mchbr ,oerbrannt werden und wo es überhaupt verboten ist, jüdische Bücher (außer kommunistischen Werken) zu drucken. An eine in naher Zukunft bevorstehende Besserung der Lage der überwiegenden Mehrzahl der Juden in Rußland ist aus dem Grunde nicht Dü rveil die Verfolgungen, denen sie ausgssetzt sind. Durch Die allgemeine Linie jetpolitik bedingt sind. Es ist das „System", das diese Leiden der Juden fortdauern läßt. Die „jüdische Sektion" der russischen kommunistischen' Gütig weise Nelluna schafft Und den Balsam tröstend reicht. Wenn die Hoffnung zagend weicht. Dam mtitd svimntis SMir, AM Deiner Kinder metm: .Daß wir hier nicht untergehn. Lasse Rettung uns erstehn!“ Müssen mit auch Kämpfen wir, Rettung steht allein bei Dir." F. M. 'im» Von Dr. P. I. Sohn in Leipzig. Was Schiller seirrsr Maria Stuart in, den Mund l€gt» „EiN ttfffF xooljnl ttt &elt clltäü ÄrAlllßüll. man muß sie ehren", ist eine Weisheit, die — wie viele «ndere Weisheiten auch — länger als ein Jahrtausend früher die Lehrer des Talmuds bereits gefunden hatten, indem sie bei mehr als einer Gelegenheit warnten, die Bräuche und Sitten der Altvordern zu mißachten '">"70 l"7nr'2)o3mi2rr2mv2.Nach einem Ausspruch der Poßkim <.t~yw '->o -T—» y-v) nun u-ntt« jnj». ist der „Minhag" -säst so ehrwürdig wie die ftlösi. Mll R«-^i «ir!» Kai-llt« der rnrv der N2^ gleich — zuweilen sogar über sie gestellt r »2 »"3a ■’öi’En'Y) nibn m ^v3v anjon. Ein alter Brauch ist Recht, denn das Bedürfnis erzeugt die Gewohnheit und die Gewohnheit -erzeugt das Gesetz, wie dies *?~rn im «"n ‘»"s mnvs mit den Worten: arwaa jnis iVr v'i3in bo und noch deutlicher in a-naio 'on n'» 'n in dem Satz: ana» rrn'v ns njnpi rs aus* drücken. Die Wichtigkeit und Bedeutung des Volksbrauches spiegelt sich auch in der im Talmud und in den OM UQlina MMlkWMN FftJJff: 7,0 (Lich, wrs das Noll «s mochl) mmx, zu üem ein stück im jerufal. Talmud Psah 7, 6 sagt: Wenn ein Beth-din in der Auslegung einer. Halachah .wankend ist und ihre Beschaffenheit nicht kennt, richtet man sich nach' dem Gebrauch der Gemeinde. Brr rrüheftor Zeit sah rrran sich darum schon verllNlgßy 'kiN? <^07Nrrrlarrg ber rra üällsä llühksiUklhöklö stattlich angewachsenen oorzunehmen, um sie vse Vergessenheit zuschützen. Bedeutende Männer, wie '-> »rmn ra 73 vni38 mit seinem ama», R. Jakob Möllin und ’wö v'i"« '1 mit seinem maaavn -isv haben sich auf diesem Gebiete unsterbliche Verdienste erworben. Im Laufe der Zeiten sind uns aber diese Bücher, die nur selten eine Begründung der gesammelten mana» geben, wie ein verschlossenes Buch mit sieben Siegeln geworden. Mehr noch wie der Satan und die Völker bei den rmm fragen wir uns bei den oft seltsam erscheillkllökll B’-'.tut;. tpas bedeuten sie unb toas liegt ihnen zugrunde? M» Cln Minhagbuch, einer vollen Sammlung älterer und auch neuerer ennm gleichzeitig eine Begründung derselben gibt, kommt gewiß einem wirklichen Bedürfnis entgegen. Und wenn dieses Buch gar noch in einer leichtfaßlichen Darstellung und in einer Sprache abgefaßt ist, die es auch dem, der die diesen Gegenstand bereits behandelnden hebräischen Werke nicht DkNllUll lOnilj klMglWll si^ daraus Belehrung gu halen, wird m ganz besonders dazu sein, «.llkommener Führer durch das oft recht schwierige und unverständliche Gebiet der v'ana» zu sein. Es war darum ein guter Gedanke des den Lesern des „Israelit" durch seine vielen und verbreiteten Werke rühmlichst bekannten Lakenbachers Rabbiners, Herrn I. Krauß, uns sein neuestes Werk' -navzu bescheren. R. Krauß ist ein Mann von vielseitigen Interessen und besitzt die Gabe, den ihn beschäftigenden Ideen schnell Gestalt zu asrlsihsn. Der Titel dieses Buches genügt, um jeUn 2ifu ffiflffMima non lklliM Skr halt zu geben, reicht aö«r doch nicht äUS, SßkßNNßN zu lassen, was es seinen Lesern bietet. Um dies zu zeigen, seien einige Stellen hier (gekürzt) wiedergegeben: Seite 3. Das v auf den wsn vv bedeutet, daß man von den 369 Tagen des Jahres bloß an 300 ""vn legi. Denn an OS Tnkkllim upd 13 yesttageu legt ruau feine Die Dkkschikdcnhcil vissts rechts drei, links vier Köpfe hat, entspricht den drei n-a« und vier mnns Seite 20 wird als Grund zum Verlassen der Synagoge bei mvva onam wenn man noch Eltern besitzt, angeführt, es geschähe darum, damit solche Leute nicht aus Bergehlichkeit die Totengebete mitbeten, was wegen ns nm>n bx nicht ganz harmlos wäre. — Daß man auch im ersten Trauerjahre noch die Synagoge verläßt, wird damit begründet, daß der Schmerz um den Verlust naher Wsrn,andt«r noch zu frisch sei und durch die TvteN- Wille Sia^rurtg tUSfi still 8klilksichl QUf ÖCR Festtag, an dem jede Trauer verboten ist, vermieden tvßkden soll. Seite 42b. Die Bimah (Almemor) soll darum in der Mitte der Synagoge stehen (wie es ja in orthodoxen Synagogen der Fall ist), damit alle Beter der Thora gleich nahe sein mögen, wie ja auch bei?vvm w» Israel DEO löftfl Don allen Seiten umgab. Das Buch gibt rn kitäppsr FüßM, was vsr Mel WH spricht, eine reichhaltige Auslese von jüdischen Bräuchen und deren Begründung, und Referent zweifelt nicht, daß es Laien wie Gelehrten treffliche Dienste leisten wird. Dem Brfasser, der seinem Werke seit Jahren ein Maß von Fteiß und Anstrengung gewidmet hat, ist zu wünschen, daß er für seine Mühe durch reichen Absatz des Bucke» belohnt werde. Ungern vermißt man ein Inhaltsverzeichnis, das in kiNkk iNvssilcv Auflage oder irr dem auaeküudlgtSN zrvsi» len TE niäsi fehlen wtT&,

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