Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1927)
- Date
- 1927-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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t :r. Seite 2 Nr. 19 Der Israeli! 12. Mai 1927 von einer Außenwelt mit Recht Liebe beansprucht. Wir haben jüngsthin in unserer Wochenrundschau über dieses traurige Kapitel an Hand der WahlljM für öik WllAll fScmnnDen unn tim fflm scheu Gemeindeveeband m Sachsen eln^enb referiert urd wollen oft Gesagtes nicht wiederholen. Eine letzte Mahnung feien aber den Herren in den Gemeindestuben die obenerwähnten Zahlen des Niederganges. Wo religiöse, moralische und rein rechtliche Rücksichten nicht hoch angeschlagen werden, sollten schon Vernunsts- und Nützlichkeitsgründe dazu führen, daß man das b?ffm kstiilkjk g um ent lllll trmünfdDttn ZUwllchS, UlS das srgstttlichö LöböttLeletsieni der jüdischen Gemeinden in Deutschland, ansieht und es danach behandelt. Die Zahlen führen eine beredte Sprache: Z urückzuGlauben und Vertrauen, zurück zu der von keiner Landesgrenze geschwächten 95 r U b e r I i e b e des Iftxn MkNikfMkil MDkffk tumsi Mochenrundschau. Die Krise im Liberalismus. Wir haben in unserer Pessach-Nummer die Resolution der liberalen Rabbiner-Vereinigung zur Frage des Zionismus veröffentlicht und stner!urg<?n Erlisten ^^ira^tung untcrgogcn. Die Resolution lehnt zwar „jeden Versuch der Deutung des Judentums als eines ausschließlich nationalen Gebildes" entschieden ab, überläßt es aber jedem Einzelnen, zum Zionismus Stellung zu nehmen. Aus der Debatte ergab sich die stark zronistische Einstellung zahlreicher jüngerer liberaler Rabbinen, während die führenden liberalen Laien, wie wir feststellten, gegen diese idealistischen Sertsnfprün^e i^rsr Seelsorger aus po/!t!fliien Gründen rebellieren. Sie sehen so fügten wir hinzu, die Emanzipation gefährdet und bekunden offene Unzufriedenheit mit den zionisierenden Reformrabbinern. Hierzu erhalten wir nun die nachfolgende Zuschrift des Generalsekretärs G o e tz der „Vereinigung für das liberale Judentum": fjSTVSn» In Nr. 15 ttöttt 14. April Ihres geschätzten Blattes bringen Sie unter der Ueberfchrift „Die Krise im Liberalismus" eine kleine Notiz über die von der „Vereinigung liberaler Rabbiner Deutschlands" gefotzte Zionismus-Resolution und knüpfen daran auch einige Bemerkungen über das Verhalten der liberalen Laien, die, rure Ihre Notiz lautst, aus politischer, ©rärtb-en liffä öngcLIt Jj-er 8 sfcil, -7!» rrrr^ t-exr ösrrKmgtjxatioTT gegen die Resolution der liberalen Rabbiner Stellung genommen hätten. Die von uns herausgegebene „Jüdisch-liberale Zeitung" ist unseres Wissens das einzige Blatt, welches sich gegen die Resolution ausgesprochen hat. Wir übersenden Ihnen anbei ein Exemplar der Nummer mit dun Leitartikel des Unterzeichneten und bitten Sie, sich davon überzeugen zu wollen, daß irgend welche politischen Gründe auch nicht einmal andeutungsweise in dem Artikel vorgebracht werden und daß das Wort Ämudtiflir tu torn nitot nitöommi Ms (M»ai iüß uns ZU!' SMllttZttShMß die Resolution Uv Rabbiner veranlassen, sind ausschließlich religiöser Natur. Wir sind überzeugt davon, daß Ihre Notiz ohne jede böse Absicht eine abweichende Fassung erhalten' hat, aber trotzdem würde uns angenehm sein, wenn die Leser Ihres Blattes, den Tatsachen entsprechend, darüber unterrichtet werden würden, daß es religiöse Gründe sind, die uns zur Stellungnahme gegen dis Nabbiner- Mfoillillm Mm. JDi 1 aufM- MLirZ^z, il yrnisHen Ihrer uttb unserer Hrganifgtion über religiöse Fragen besteht, düste hierbei unseres Erachtens außer Betracht bleiben: sie könnte natürlich, soweit auf Ihrer Seite unser Vorgehen bewertet wird, in Rücksicht gezogen werden, kann aber, soweit es sich nicht um Bewertung, sondern um Bericht handelt, kaum eine Rolle spielen." Der umfangreiche Aufsatz, den Herr Goetz zitiert, macht nun in der Tat gegen die Neforrnraöömrr - Resolution insbesondere den Gesichtspunkt geltend, daß der Liberalismus gewissermaßen dogmatisch an die Ausschaltung aller nationalen Elemente aus Lehre und Leben des Judentums gebunden sei und auch den sonst von ihm in Erbpacht genommenen „Prophetismus" von seinen jüdisch-patriotischen Bestandteilen zu reinigen habe. Aber wir konnten doch den Verlaf} btc politischen Rücksichten, was ja durchaus nichts Unehrenhaftes ist, bei dieser Diskrepanz zwischen Rabbinen und Laien, zum mindesten im Unterbewußtsein, eine starke Rolle spielen. Es wäre sonst doch zu sonderbar, die politischen Führer des Liberalismus als Vertreter der R e i n b e it d e r ., reli - g i ö s e n " I d e e auf der Wacht zu finden gegen die liberalen Herren Theologen, die gar nichts Anstößiges daran finden^ die blutleeren^ ans Negationen zusammengesetzten „Ideen" des Lrbs- Wahlen in Oesterreich. ur,ffffm MlMMl Wer Dti „WaWn Oesterreich" wird uns aus Wm geschrieben, dch> unsere Meinung, die österreichische Sozialdemokratie unterscheide sich in ihrer Haltung zujüdisch-religiösen Fragen von der in Bayern, unbegründet sei. Es genüge, darauf hinzuweisen, daß einer der Führer, der gegenwärtige Bürgermeisstr Seist, seinerzeit für das Schächtverbot eingetreten fei, daß der aus dem Judentum auörfreienf ^llklikkSkll MM EMilWMNM für me fllvvalyawnvön Audött in Galizien bei Einführung der Sonntagsruhe sich ausgesprochen habe, daß bei der sozialdemokratisch verwalteten Gemeinde Wien Juden fast gar nicht angestellt werden, daß die jüdischen Volksküchen, Kindergärten, das Versorgungshaus nicht unterstützt werden, die Sagialdenxa^gj^ CMMttlM M Mischen Denreiers aus asm Stadtschulrat burchgeseßt haben, daß der Leiter des Unterrichtswesens, Abgeordneter G l ö ck l, die Eliminierung des Hebräischen aus dem jüdischen Religionsunterricht verlangt hat und überhaupt die jüdischen Sozialdemokraten lebhaft für den Austritt aus dem Judentum agitieren. Ferner würden in dfs „„ArjuIterzkilullg" 2ntim tmä Zm Denium gewöhnlich verhöhnt und verspottet, wähl rend das Christentum als wahre sozialistische Anschauung gepriesen werde. Wir geben zu, daß bei dem von uns dem sozialdemokratischen Sieger ausgestellten Zeugnis mit der Note: „befriedigend" im Betragen gegen Juden und Judentum, der Wunsch als Vater der MfllUM UM Die FMk göfÜM und 05 mz leid tun, uns ln dieser Hoffnung getäuscht zu sehen. Daß die Wahlaufrufe der österreichischen Sozialdemokratie, wahre Toleranzedikte, den Außenstehenden hierin irreführen mußten, wird der Einsender selbst am besten verstehen, der die sozialdemokratische Taktik wie folgt schildert: „Vor den Wahlen hat sich das Bild völlig geändert, zumindest in Wien. Hier, wo man die 100 000 jüdischen Stimmen dringend brauchte, war man plötzlich tolerant . ff AlMt m m „laiiiÄHUki P Jr U B l S U Ä 6 tt ", man verteilte sogialüemo» raümau burch die geschichtlich segeb^ nativ- > den ^ynaMn, "beckef 'eUa -ÜStr konnten uns sammlungen" ein und verschickte Flugblätter, in welchen die jüdischen Vertreter als „Spekulanten" bezeichnet wür. den ufw. So gelang es schließlich in dem zu einem Drittel von Juden bewohnten Bezirk Leopoldstadt, der jü> dischen Partei ein Gemeinderatsmandat zu entreißen. naien Elemente aufzufrischen, diesen sonderbaren Rollentausch nur aus dem Ucbergcwicht der Ideologie über die Politik bei den Rabbinen und aus der umgekehrten Werßr i miirc es rn5 \al\% iM MfM MWsiiS auf ML hllbM fSIHSH Alllsst, 314 Versicherung 5es Ge- ^Merr^ung \n yxr Msinnung DK silBlsHöll Wllhlßkschss! genteils durch Herrn Goetz unsren Lesern vorzu- Su schließen. Biele Juden hätten gerne jüdisch gewählt, enthnUfin imßnn & «rcht befurchtet hätten,, daß diesmal die Einy _ heitsliste, die zumeist aus anüfemitischen Parteien zu- ""! sammengesetzt war, die Mehrheit erhalten werde. Nur Zu ins 'S- Don Rabbiner Dr. Kerman» Kketn in ZSerkiu. 'fnvrrbi -siIpbi 'p pim naw rinmi -'svp onan „Es sei aber der Sabbat des Landes euch zum Essen, Dir und Deinem Knecbt und Deiner Magd. fillO) DklNklw üDDnltHQ MD DöMM ffitif4». lii bei Dir äufdälim". Die große soziale Äedell' tung des Schemittvhgesetzes wird schon durch die Emleitung, die das Gotleswort diesem Gesetz verleiht, auch äußerlich gekennzeichnet. Ein Sabbaljahr dem Ewigen sei jedes siebte Jahr, ein Jahr der Gotteshuldigung im Lande der Verheißung. Es ist die großartioste Bekenntnistat einer ganzen Natkorr, Ufa Mm ffioDen Durch st« Galt, Um WühtM Eigentümer des Landes, zu Füßen legt und sich selbst als nur geduldet auf diesem Boden begreift. Angesirdls eines solchen Bekenntnisses schwinden und fallen die Schranken zwischen den Besitzenden und Besitzlosen, denn auch die Besitzenden sind nur Bvn aus Gottes Boden Aber noch eindringlicher wird diese Wabih it den Besitzenden eingeprägt durch das Wort nbdrrb vdb pan nnw nrv>nv Der Besitzstolz wird am ehesten durch die Meinung geweckt und genährt, batz man selbst btejen Besitz stH erworben, daß die eigene Arbeit, der eigene Fleiß, die eigene unermüdliche rastlose Tätigkeit und Fähigkeit diesem Besitze die Früchte abzwingen, die den Lebensunterhalt verbüraen und ermöglichen. Schwer wird es dann einem solchen Manne, von bissen in fßDlDOFfifll! silrDöst 3P! Gät-rn auch fe'irfTl Mitmenschen etwas gulrommen zu lassen. Welchen Rechtsanspruch hätte auch der Fremde, der nichts getan und nicktgeleiket. aus die Früchte seiner in aufreibender Mühe vollzogenen Arbeit! Er hat sich nur für sich und die Seinigen gemüht und abgequält und er will auck allein den Ertrag seiner Mühen genießen. Diese Anschauung ’T ansn 'N2 mn b'N.I nK iührt zu Mißgunst und Engherzigkeit, ist die trübe Quelle aller asozialen Neigungen des Menschen und führt letzten Endes zur Auflösung aller g-sellschastlichen Bonde^ die nun sfpjpgj siöA bcm W!8en des Schöpstro alle Mkm'chkn allem« ander Kesten sollen. Es ist nickt gut. ja es ist ganz unmöglick. daß der Mensch allein sei, daß er ein ffolfrfes Dasein führe. Die W-»lt darf keine Einöde sein, znm bebaglick en Wobner, Hot Gott sie bestimmt u"d Dorbedinguntz der Behaglichkeit ist. daß die Menschen wissen, daß sie anftinander angewiesen st-b und baß sie p jf5>fT giij aurnnanBcr nwnm können. Damit dieser asoziale Gedanke des -»-p dLivi der Gedanke der Selbstherrlichkeit des Menschen aus dem Kreise seines Volkes schwinde, hat Gott das Sckmiiohgesktz offenbart. Ein Jahr lang soll nicht gesät und nicht eingestmmelt werden, eine jede eigene Tällakeit auf dem Felde soll aufhören — und dennoch nbbpb 02b prr.st nnw nrimi werdet ihr am Sabbat des Landes eure Rodrung finden, diese Tatsache spricht beredter, als alle Aroumentalionon es mmüffittii: für titi Wamm. Doß qms mitiws doch rsicht aueschließlich von eurer Tätif keit obhängt und wird euch geneigt machen, von dieser Nahrung, die nicht ihr erworben. *]naK^ Tn»^ nas? anin zukommen zu lassen. Alle sieben Jahre wmDö Dem Doiös sszsizt. baL Gatt ffnch aknx Mc Mithilfe >er Menichcn feine Menschen zu ernähren vermag, und diele Lehre wirkte auch für die anderen Jahre, um den Menschen zu zeigen, daß die Früchte, die ihnen reisen, dock nickt ausschließlich ihr Werk sind, nicht ausschließlich Produkte ibrer Tätigkeit. Angesichts einer solch eindringlichen Belehrung, daß Gott auch ohne Saat und Ernte für seine Menschen zu sorgen vermag, ward es einem leicht, auch die übrigen nv^V-GeMe zu halten. Solange Iisroel die Sckmitohgrsetze hielt und Gott als ven wahren E^eulllmfs ftillßs HSkMgsill Wobpns Kouuic ks ill feMklll Lonbk wohnen. Als es ober sich selbst als den Herrn des Landes zu betrachten anfing, da müßte es das Land verlassen, denn Gott läßt sich nicht verdrängen. Lernen wir in der Fremde wahren Sckmitohgeisi betätigen, dann erlösen wir unser Land und Kehren heim in Gottesland! kleines Feuilleton. Gebet. Vater in des Himmels Höhn, Menschenaugen Dich nicht sehn. Ader das Gefüdl uns weift Hin auf Dich, ben höcbften Ser uns Gfsnökn giftn rnü Straft,