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Der Israelit · 1927-05-12 · Heft 19 (12.5.1927) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 19 (12.5.1927)
Date
1927-05-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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68. Jahrgang. f» «r i Yt? v 12.2TTat 1927 Frankfurt a. M, den —io7zj« Nr. 19 «[]]] Ein Centralorgan tür das orthodoxe Judentum || /// Drgrünbel von Di. Lrvnnnm in \\| Abonnement ab Januar 1984: Deutschland 1 Toldmark monatlich; Ausland: Viertel- Kosten des Streifband-Ver- E«gl<r«d 4 sh.: ab 1. Juli H.. - u . .... n. r m t _ -in auaoriaiDien ro LM,,' Litauen 7.60 Sit * StumLnten 500 Lei; Pbltztt 4 reuyche GowmllN pm Tllgeslurs vvn 7 Zloty Schwei, 6 Fr.; Tscheche-Slowakei 95 Kronen; Ungarn 6 Pengö; Dänemark 8 Krone«; Norwegen 5 Kronen; Schweden 3.60 Kronen. Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Toldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Pf. Die 78 nun breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textseite 3.— Ml.; tn »56e eines bopp. Sembeiefpatios. MaBaö noq Tarif. Bei laufenden vMUll. omcratniaimaBins im m Berlaa des Äsraottt G. ur. I. A.. Fi>ättkf. ä. M.. «k. EfDenMMkr TlcllW W, L«l. HiMl« Sd« g w. durch samt!. Annoneen-Expeb. des In- und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks, eschäftsanz.: Jul. Schmidt, Langest?. 7, u, Tel. Hansa 461t. Platzvonchr. ohne Verbindlich!. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nr. 19802. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr. 79605. — Postiparkassenamt Budcwest Nr. 18424. — Postscheckkonto Warschau Nr. 190787. — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7254 — Inkasso-Dank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 — Böhmische Untonbank in Prag — Ü-ac» ül-u^uLroscd & Co Jjt _ _ltr!lR^757! —bPoftsbche^amt^Zurlch Nr. Vlll 7Ä4 —' Inkässö-Dank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam'Nr. 34869 — Böhmische „ Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins tn Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Auch eine »Sefiroh". (Zu den statistischen Veröffentlichungen Ä-r ii* Wm in loutfpnD.) Ein Witzwort sagt: „Es gibt dreierlei Lügen, eine wirkliche Lüge, eine Notlüge und die Statist i V. Diese wenig schmeichelhafte Bewertung der Statistik kann sich nur auf die Methode beziehen, nach der die Zahlen gedeutet werden. Die Verwertung an sich richtiger Zahlen kann MllliWWkS Es kommt emsig auf die richtige Deutung an. Eine iiefiraurige „Sefiroh" bedeuten die in der Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik" veröffentlichten Ergebnisse der Volkszählung vom 16. Mai 1925, soweit sie die Juden betreffen. Diese Ergebnisse umfassen 13 von den 18 Ländern des Deutschen Reiches und weisen in 11 deutschen Landen einen erschreckenden Rückgang der jüdischen Bevölkerung m M lötztöN 15 JlMll (llik ItÖtC LolMÜHttMZ fand 1910 statt) auf. Nur. in zwei Hansastädtett, in Hamburg und L ü b e ck, ist der jüdische Vevölkerungsstand konstant geblieben oder kann (in Hamburg) eine Zunahme um einige hundert Personen verzeichnen. Im zweitgrößten Staate Deutschlands, in Bayern, hat sich die jüdische Bevölkerung in ^eitraume um rimb 6000 Seelen ober 10,8 Proz. vermindert, während sich Bevölkerung um ebensoviel Prozent verme h r t hat. Im Ganzen leben jetzt in Bayern 49 145 Juden. Im Nachbarstaatd Württemberg zählte man am 16. Juni 1925 10 827 Juden. Die Verminderung gegen 1910 beträgt 9,6 Proz., Lei einer allgemeinen Vevölkerungszunahme von ü,8 Prog. Sn 5U&4H Mist DU SlllMl 2000 Juden weniger aus als vor IS Jahren, im Ganzen 23 909, bei einer Vevölkerungszunahme von 8 Proz. Beinahe 4000 Seelen fehlen gegen 1910 in der jüdischen Zahl von H e s s e n. Die Juden zählen hier zur Zeit 20 401 Seelen. Die Abnahme macht über 15 Proz? Auch die kleinen Länder Gneisen überall einen Rückgang auf. so T h ü - TIN gen ml! ^tnsn MQO, $ ft | 8 [ $ ml! im Sch a u m b u r g-L i p p e mit seinen 180 Juden. L i p p e zählt 607 Juden und hat in den 15 Jahren 173jüdische Seelen eingebüßt. EinenRückgang weist auch Oldenburg auf, wo die Juden heute 1513 Seelen zählen, ebenso Mecklenb u r g-S chwerin mit seinen 1202 Juden. In ~3ßi edtenßur g<3 irclife mahnten 1925 itttr noch 184 Juden, während die letzte Zählung 254 verzeichnete. In all diesen Ländern geht die Kurve der allgemeinen Bevölkerungsbewegung stark nach oben. Die Zunahme schwankt zwischen 10 und 12 PsM' der jiibijd^e Anteil an diesem Zuwachs bleibt aus, die Zahl der Juden wird von Aaßlung zu Zählung immer kleiner und kleiner. Freilich fehlt in dieser Statistik das wichtigste Gebiet, nämlich Preußen mit Berlin. Berlin wird zweifelsohne einen mächtigen Zuwachsder jüdischen Bevölkerung gegen 1910 aufzuweisen haben. Für das Gesamtbild bedeutet BteftS niöjtfl Di? ^?«geftaaung ber Dinge na6) dem Kriege hat die Berliner Juvenheii auf Kosten ganzer Provinzen, in denen bis zum Kriegsausbruch starkes, frisches jüdisches Leben pulsierte, ins Riesenhafte anwachsen lassen. Eine jüdische Statistik in Berlin schließt heute die frühere jüdische Statistik der Provinz Posen und großer Teile von O st - und W e st p r e u ß e n in sich ein. Zusammengenommen, hält sonach auch die jüdische BsvöwuiigLM in Der MlMlllMstM öm Vergleich mit der von 1910 keineswegs aus. Möglicherweise stellen sich auch in S a ch s e n, das in den Veröffentlichungen noch fehlt, die Ziffern etwas günstiger dar. Dort dürfte, wie übrigens auch in R h e i n l a n d und inWestfalen, der Ausgleich durch die starke ostjüdische Einwanderung hergestellt sein. Mit der Konstatierung dieser Tatsache sind auch die Lehren, Me sich AÜJ &4W tMUVWN ZaWn öMöeil. ins richtige Licht gerückt. Zunächst aber sei noch folgendes bemerkt: Das Menetekel dieser Statistik sollte das Interesse der jüdischen Politiker und Volkswirtschaftler bilden, noch mehr aber der religiösen und g e i st i g e n Führer, der berufenen MM Dir Moral unD Mtk, Lks ^fvurtenr ü ck g a n g in den jüdischen Gemeinden, die Erschwerung der Heiratsmöglichkeiten haben neben anderen äußeren Faktoren, die im Kriege, in der Nachkriegszeit und in der Wirtschaftskrise von heute zu suchen sind, diese unnatürliche Rückentwicklung verschuldet. Unnatürlich trotz Krieg und Krisis und der dazwischen mmm lg mm m MlWMkrr' ^bnn man bedenkt, daß bei all diesen widrigen Umständen die Gesamtbevölkerung in Deutschland sich in beständiger Zunahme befindet; wenn man bedenkt, daß die Judenheit in den Ostland ern, wo die Not schon vor dem Kriege in Permanenz obwaltete und die von den Kriegsstürmen mit besonderer Wucht erfaßt wurden, wo obendrein »ine starke Abwanderung andauernd Luft schafft; daß diese Ostjudenheit bei all dem sich prozentual weit mehr als die Landesbevölkerung andauernd vermehrt. Die Gründe für den Rückgang in Deutschland sind, das ist allen schon seit Jahr und Tag ItUmi, tWf« im MüMliM, im MisMil unö Religiösen zu suchen. Helfen können, wenn nicht die deutsche Judenheit einer Katastrophe zustreben soll, einzig: Rückkehr zur altjüdischen Frömmigkeit, zur Lebenseinfachheit unserer Väter, bessere religiöse Durchbildung und geistige Kräftigung unserer männlichen Jugend, daß sie entschlossen ist, auf Gottvertrauen, das persönliche Tüchtfofelt mch Fleiß uichl LussHlisßt. fonDorn Um gert, das Haus zu bauen, Durchdringung des jüdischen Hauses mit jüdischem Geiste, der befähigt, in den Kindern den größten Segen für Familie und Gemeinschaft zu erblicken. Der erschreckende Rückgangsprozeh in der jüdischen Bevölkerung setzt — eine reife natürliche Frucht — in der zweiten (^^ueratian nat^ ber Assimilation ein. Damit ist alles gesagt. Cs ist ein wahres Äcncieksl!n wörtlichem Sinne: „Gezählt und gern o g e n und zu leicht gefunden!" Mit der Verringerung der Zahl hält der geistige Kraftschwund gleichen Schritt. Mit den heute in großer Blüte stehenden thoratreuen Zentren in den gezählten jüdischen Großgemeinden ist die Urzelle des Judentums in Deutschland wohl gkhlllcll 3m tns gef«mt mtrb diösöl' klems Aufschwung reinen Cinhlltt tun. Es wäre auch für die O r t h o d o x i e ein verhängnisvoll egoistischer Standpunkt, über ihren Teilerfolgen da und dort die Gesamtlage zu übersehen. Wie die Dinge einmal stehen, wird es einer Generation nicht beschieden sein, hier Wandel zu fchafsen. Allein eine gütige BorsehuNg. die N81SN 700*7 OTlp schafft, nmnäjerörl^ ill DsillsHl land wir erwähnten schon Sachsen und das Rhein- und Industriegebiet in Preußen — so etwas wie einen Heilungsprozeß durch Blutzufuhr von außen eingeleitet. Mindestens sollte man sich in Deutschland dieser heilenden Hand nicht widersetzen. Leiber geschieht in unnerantwortlicher Kurzstchiigreit auch ßieses. 8n % a (s n M M Rheine, wohin die Ostjuden neues jüdisches Leben verpflanzt und numerisch und geistig verfallene Gemeinden wieder in die Höhe gebracht haben, mißgönnt man diesen Mitgliedern das primitivste Mitgliedsrecht und säet Lieblosigkeit unter Brüdern, zu einer Zeit, da man

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