Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1927)
- Date
- 1927-04-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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-i: t Sir. 17 Sette 5 28. Avril 1927 D r &dudfcjk ’dtßÄiaJt Orfhozenfrische Kneifer-Ges. Fpankfupf am Main III OpempiatzL. (II Unsere HohlQiaser Marke O- Z klares Sehen In jeder Richtung für arbeitende u. für schwache Augen das Beste, Das Paar v. M. 5.—an. Unsere 0. Z. Kneifer überbrücken den Tränenkanal, sind unauffällig, ohne lästig. Druck und fallen nicht herunter Dieser Kneifer von M. 3.— an. Vnssre O. Z. Brillen lassen den Nasenrücken frei von jedem Druck, ein ausserordentlich bequemes Tragen. Eine solche Brille kostet M. 7.— “Gr Geschenl, Operngläser, Feldstecher, Barometer, Marke 0. Z. in allen Preislagen ß:L =ys Schmied und nicht zum Schmiedchen. ein altes aber wahres Wort. Ulis Rmä ■ Spezialisten, wir beraten und bedienen Sie als solche. ntenk im MjWichS jMnMßMchS ProWganDll UND hetzten die LandbevMerung zu Gewalttaten gegen!>ie jüdischen Bürger auf. Die Behörden haben nichts unternommen, um den Mörder zur Verantwortung zu ziehen. 2er Vorsitzende der jüdischen Sejm-Fraktion, Dr. R o - o i n \ o n, intervenierte beim Kriegsminister in dieser Angelegenheit. Auch in Poniewesch haben Offiziere jüdische Bür' gsr überfallen und schwer mißhandelt. Ein Offizier erteilte einer N!l!tärpalrou!üe ^en zu schießen. Zum Glück wurde dem Befehl nicht Folge gegeben. (ITA.) {iolen. Ms ttlmii mitnr ösn timni uolfiis Warschau, 21. As»rtl. Bekanntlich hatten sich kurz vor dem Passah-Fest viele Hunderte verarmte Juden Warschaus vor den Büros der Jüdischen Gemeinde versammelt und gegen die mangelhafte Passah-Hilfe protestiert. Die Gemeinde tat alles, um der dringendsten Not abzuhelfen. Am Sk-stön Tag Dm MWönWös [türmten miDmim Wist derte verarmte Bürger die Büros der Gemeinde und protestierten dagegen, daß man es zuließ, daß jüdische Familien an den Passah-Tagen hungern. Die Gemeinde mußte sich trotz ihrer schlechten finanziellen Lage zur weiteren Hilfeleistung entschließen. Es hat sich gezeigt, daß seit dem vergangenen Jahre die Verarmung unter den Juden Warschaus noch weiter fortgeschritten ist. Der fislffir Ü8I UMMM Kr Wim« BEtr MW Feldstein, gab der Presse einen lleberblick über den Umfang dieser besonderen Hilfstätigkeit. Danach hat die Gemeinde rund 9000 Gesuche jüdischer Familien erledigt. Ungefähr 70 000 Zloty hat die Gemeinde selbst im Verlaus dieser Aktion ausgegeben. Darin ist die Unter- |tiijjurigstätigteit Derje^ieöeJTer jpf^iftmtropifd^er religiöser und Berufsvöreinigungsn nicht eingerechnet. Lehrerkonferenz im Gefängnis. Wilna, 22. April. In den Zwischentagen des Passah-Festes wurde in Wilna die erste Konferenz der jiddischen Lehrerschaft Polens abgehalten. Es wurden die Grundlagen und Prindes Qtit^baues etTter normalen jiibäf cfyerr (S cfjn f e festglefetzt und ein Beschluß gefußt, daß Die Mische Schule eine weltliche und ihre Unterrichssprache jiddisch sein müsse. Da die Konferenz illegal ab gehalten wurde, wurden die Delegierten von der politischen Polizei verhaftet und in einen Saal des Gefängnisses gebracht. Dort fanden die Schlußberatungen statt und wurden die Entschlüsse gefaßt. tövicdjeitlanfe. Die Bekämpfung der anlisemikifchen Aktion in Griechenland. Saloniki, 15. April. Der Generalgouverneur von. Saloniki empfing eine Abordnung der Jüdischen Gemeinde, die über die starke Verbreitung antisemitischer Flugblätter- Kluge führte. Der Mneralgouveraeni cnoiDtrtt, Dir gnttfjtftfje Negierung schätze die Loyalität und die Tüchtigkeit der jüdischen Bevölkerung Salonikis sehr hoch ein. Der antisemitische Feldzug gewisser Kreise ist im voraus zum Mißerfolg verurteilt. Niemand in Griechenland glaubt, daß die Juden Interesse haben, den Kommunismus zu fiü^en. Sollten Dtrrßrrohrrreri gegen die Kommunisten notmmmg sein, so brauche M sllbischc Devölleruug hier, von nichts zu befürchten. (I. T. A.) i £n$lait&. Die Gründung des Verbandes orthodoxer Gemeinden in London. London, 25. April. £flS S?n??n fr? Wild Bulletin schreibt; „In einer jüngst stdttgöhdbteu Ansammlung, aus welcher Vertreter verschiedener Synagogen und Institutionen anwesend waren, die mit der Adath Jisroel Burial Society in Verbindung stehen, wurde die Bildung eines „ManDes nrnjoDorer ©emtinflm" AllstWiMg Echs' fen. Herr tüakkmer Dr. Tchöttseld sÜhktS ÖU5, dllß Ui London unzweifelhaft die Notwendigkeit gegeben sei, eine unabhängige Körperschaft orthodoxer Synagogen zu bilden, die sich bemüht, die besonderen Probleme der religiösen Judenheit in Großbritannien zu lösen. Er legte dar, daß. die Orhödoxie in den großen Institutionen nicht genügend vertreten sei und daß diese infolgedessen den Wünschen der thoratreuen jüdischen Bevölkerung nicht Die Woche. Berlin. Für den 15. Mai ist der Delegier t e n t a g des deutschen Mlsrachi in WM ßinfurnfien. Zu Mn MMen Der M gung gehört u. a. die Prüfung des Dökhaltnifses des Misrachi zum Zionismus und zur unabhängigen Orthodoxie. — Im 66. Lebensjahre verstarb der berühmte Hofzahnarzt Prof. Dr. Alfred Guttmann. — Max Lieberin a n n, der berühmte achtzigjährige jüdische Maler, hat von der Regierung den Auftrag erhallen, -ein Bildnis des Reichspräsidenten g« malen, - ß?nlg-e<jen -etttili Anschuldigung von sozialdemokratischer Seite erklärt die Neichsbahndirektion, daß das antisemitische Pamphlet, in dem behauptet wird, daß sich Juden mit Hilfe jüdischer Aerzte unter falschen Angaben Freifahrscheine verschaffen, nicht von ihr am s gehe. Prag. Der Rabbiner der Kultusgemeinde Prag- Weinberger, Dr. Gustav Werner, ist dieser Tage gestorben. Reben seiner rabbinischen ^irk!am?e!t, Leilülgk jitl)!Bv. wissenschaftlich und gab gemeinsam mit Krauß und Rachmuth eine zweibändige jüdische Geschichte in tschechischer Sprache heraus. Bukarest. Die Klausenburger Zeitungen melden, daß die einzige jüdische Studentin, die noch an der Klausenburger medizinischen Fakultät studiert hat, infolge des Terrors der £ugiften dic Fakultät pertaffen mujjle, Warschau. An den letzten Festtagen wurden hier im „Sächsischen Park" jüdische Spaziergänger von Huligans überfallen und schwer mißhandelt. Die Polizei schritt ein und nahm einige der Excedenten fest. — Auf Vorstellung des Abg. H a r t g l a ß hat die polnische Regierung an den W o j w o d e n von Posen eine dringliche Ermahnung ergehen lassen, gegen den Antisemitismus in Stadt und Provinz Posen lUMSisch LimusHMtM. 3ßru[alßtn. Diß.üfc sichen Prozessionen der Araber Und Christen während der Osterfeiertage sind ruhig verlausen. Die Polizei hatte weitgehende Vorsichtsmaßregeln getroffen. Rewyork. Der feit Wochen hier gehende und alle Gemüter in Spannung haltende Beleidigungsprozeß Henry Ford — A r o n Sapiro wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. die geeignete Beachtung schenkten. Durch organisatorische Arbeit hoffe er, daß die Mitgliedschaft, die bisher nur 500 Gesinnungsgenossen umfaßt, sich vermehren werde. Die drei ersten Anliegen des Verbandes sind: geeignete jüdische Erziehung, Wahrung der Familienreinheit und Kaschruth. Eine Resolution wurde angenommen, welche die Unterstützung der Synagogen und Institutionen des neuen Werbondes empfahl. Zionismus und Agudismus in Südafrika. London, 25. April. Dem „London I e w i s h Bulletin" wird aus Johannisburg berichtet: „Seit einiger Zeit weilt hier der bekannte ehemalige litauische Sejmabgeordnete Oberrabbirter Kahanem « nn aus Ponjewesch. um die südafritonische ^utj-enljeli jtirbre materielle Unterstützung Jeschiwa zu interessieren. Obgleich Oberrabbmer Kahanemann sich vollkommen auf die Vertretung dieses reinen Thorazweckes beschränkte, hat die Zionistische Bereinigung von Südafrika eine rasende Kampagne gegen den hochangesehenen Rabbiner ins Werk gesetzt. Das Johannisburger zionistische Blatt kündigte die Ankunft des Rabbiners bereits damit an, daß es ihm als hervorrCTgeni?en ©etter der Stgub« in Litauen bezeichnet, jener Organisation, „du ans wütenden Äniizionisten und fanatischen orthodoxen Reaktionären" bestehe. Die Zeitung schreibt wörtlich: „Unserem Gaste müßte klar gezeigt werden, daß in dem geöiegen gionijiri|d^en Südafrika kern Pla^ ist für ein Mitglied der Agudas Jisrael und daß seine enge Brrbindung mit jener Organisation die Mission, in der er gekommen ist, schädigt." Die Journalisten des südafrikanischen Zionismus scheuen vor einem direkten Boykott nicht zurück und fordern auf, über der Bewunderung für die rabbinische Qualität des Gastes die „düstere Rolle der Bewegung nicht zu vergessen, in der er eine hervorragende Rolle jölkll!" WM 8W »WSW? ~ bemerkt das Bulletin — für die südafrikanische Judenheit wirklich typisch ist, dann muß man zugeben, daß in der Tat für Agudisten in diesem Land kein.Platz ist. Wir sind jedoch glücklich, melden zu können, daß Herr Oberrabbiner Kahanemann trotzdem gute Erfolge für seine Zsschimg arfrßltiß. so M ßa tütßint Dal is in SüDafrita doch noch eine ganze Anzahl Juden gibt, die die Thora anerkennen udn sich von unverantwortlichen zionistischett Skribenten keine Vorschriften. machen lassen. Vermischtes. ^nkfllrk ä. 21L 05. UM. Fültfzchtt w&tbm im Siwan feit der denkwürdigen Kattowitzer Versammlung verflossen sein, in der A g u d a s Jisroel gegründet wurde. Aus diesem Anlaß hat die Agudas Jisroel - Jugendorganisation eine Festnummer ihrer Korrespondenzblätter veröffentlicht, die auch äußerlich höchst ansprechend ausgestattet ist. Die Nummer enthält eine lebendige und warmherzige Darstellung der Geschichte der Agudas Jisroel aus der Feder des Herrn Wolf S. Jacobson, dis für die junge «KU LÄ NtMPltrr WM Leider läßt sie die persönliche Einstellung des Verfassers zu den Führern der Aguda-Bewegung allzu stark erkennen und wirkt dadurch einseitig. Eine hlstorische Darstellung durfte nicht die Namen Heimgegangener Größen totschweigen, die an der Gründung und Entwicklung der Aguda beteiligt waren und ebensowenig unter den gegenrnärtigen Leitern der Aguda eine durch Liebe oder Ab- N?!guug Auswahl treten. Dem Manne, dem der Verfasser der Festschrift offenbar eine Vertrauenskundgebung bereiten wollte, wird durch eine so subjektive Art von Geschichtsschreibung in dem schweren Kampf um Wohl und Wehe der Orthodoxie, in dem er sich gegenwärtig befindet, kein Dienst geleistet. Versonalien. Avsa Woylgemuly nffy. Altona, 25. Nissan. In die Freudenstimmung des Peßachfeftes hatte sich für den großen Kreis der Verehrer und Freunde des Hauses Wohlgemuth ein bittrer Wermutstropfen gemischt, als am ersten Tag des Chol Hamoed die Kunde sich verbreitete: Rosa Wohlgemuth, die Gattin des Seniors im Dozentenkollegium des Rabbinerseminars Herrn Dr. Joseph Wohlgemuth >'m. ist plötzlich von der Erde ab-' Zsr-ll^ll mäßn. Iti MM in ößn WttMhäusßm [ano: vi’ont» nman 'n ’J’ya np’ „in den Augen Gottes ist es bitterschwer, den Tod über seine Frommen zu verhängen", da rang diese fromme Seele mit dem sie überschattenden Engel des Todes um die teure Beute des Lebens. Siegend besiegt ging sie dann, wie eine Selige verklärt, unerwartet schnell, in die Länder des höheren Lebens im Angesichte Gottes ein. Ein vorbildliches Frauenleben hat damit seinen Abschluß gefunden, das den ganzen Adel, die hohe WllrDk Düs iüDUöjsn W8iS?§ in M M'tö, öiu nichts wußte imD yoröerta von grauem rechten, das ganz und gar in der Bejeeligung der Frauen p f l i ch t e n ausging. Das Brot der Trägheit, das unverdiente, von Eltern oder Gatten ihr geschenkte, mochte sie nicht essen. Keinen Tag hat sie eitel vertan, und die kleinen Aufgaben der Stunde standen ihr unter dem Gesichtspunkte des ihr aufgetragenen Wirkens so hoch tnie göttliche Gebote. Die Hand des Fleißes machte fU r>M. iknMiH Dich, lißß [iß llllA Dßrpßtfßn, mag das Heden Drückendes mit [ich dringt, weil sie däMi die nv'2 jvo-^n die Halochaus, die Gesetze und Pflichten ihres Daseins erblickte und wertete. Früh hat die Dahingegangene die dienende Beglückung Anderer als ihres Wesens letzten Ausdruck erkannt. Schon als Zwölfjährige sah sie ihre Mutter an ein dauerndes Krankenlager gefesselt, und von diesem Augenblicke an ward sie der Kranken Pflegerin und Trösterin, dem Vater Gehilfin und Stütze, des elter- Kaufes Berwolterin und Vorsteherin. Do kam Ü)w innere Veranlagung zur schnellen Neife. Allerdings drückte des Lebens Ernst auch früh ihrem Charakter den Stempel auf. Der Jugend Sorglosigkeit war ihr genommen. Sie hatte zu früh vielleicht des Lebens Buch gelesen, ward den harten Notwendigkeiten des