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Der Israelit · 1927-04-28 · Heft 17 (28.4.1927) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 17 (28.4.1927)
Date
1927-04-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Vene 4 Nr. 17 Der Israelit bei der rumänischen Regierung und verlangte eine MWlUW- Sie Utegimmß vere sprach dies zu tun, sie hat aber dieses Versprechen nicht gehalten. Es folgten noch Besprechungen zwischen Vertretern des Komitees und Repräsentanten der rumänischen Regierung, aber seit 25. Februar war von dieser Seite keine Mitteilung zu erhalten. Der Board würde eine schwere Vernrnwennng auf slH laßen, wenn er nncsi länger mit Den notwendigen Schritten Zögern würde. Ich habe kürzlich Andeutungen in der Presse gelesen, fuhr Lucien Wolf fort, daß keinerlei Schritte unternommen werden sollten, bevor nicht an Ort und Stelle eine gründliche Prüfung der Lage stattgefunden hat. Man regte an, den Völkerbund zu ersuchen, eine solche Prüfung vorzunehmen. Er glaube aber, daß der Völkerbund schon aus formalen örOnDem eine solche Pxüfung nicht vornehmen könne. Es kann sein, daß das Joint Foreign Committee nicht über alles informiert ist, in der Hauptsache aber weiß es, wie es um die Juden in Rumänien steht. Das Komitee ist im Besitze non beweiskräftigen Doüwrumkn. Es Ifi bewiefen, bafj ble Negierung nichts unternehmen wolle, um die Aufreizungen zu Judenmord zu hindern. Die Aufforderungen zu Judenrnasiakres geschehen in aller Oeffentlichkeit, sie werden in der antisemitischen Presse ungehindert publiziert. Minister, zumindest der Minister des Innern^ Goga, spenden Dudenwördern «ls Patrioten Beifall. Jeder Appell der Juden an das Recht ist nutzlos. Die Bestimmungen der Minderheitsverträge werden vollkommen miß achtet. Wir können die Politik des Abwartens nicht weiter führen. Diese Resolution, schloß Lucien Wolf, ist nur der erste Schritt. Er erwarte, daß die Mitglieder des Voard nicht fragen rverden, welche weiteren j | U > ...... Schritte nun unternommen werden würden. Obwohl nur Protest, bedeutet diese Resolution dennoch einen Wendepunkt in den Beziehungen des Board zur rumänischen Regierung. Das Joint Foreign Committee verschließe sich nicht der Möglichkeit, daß die Juden Rumäniens infolge ber von ausrvürllgcn Fuben unternommenen Schritte zu leiden haben werden, er möchte deshalb die Mitglieder des Board bitten, sich in den Aeußerungen ihrer Entrüstung Beschränkungen aufzuerlegen. Mit Nachdruck müsse aber festgestellt werden, daß die rumänische Regierung allein die Verantwortung trage, solange sie in ihrer unklugen Haltung verharre, so daß die schlöchlö Böhnnälung öo» Iudsn iw ihssm Lsndz eine Gefahr für den Frieden in Europa bedeuten könnte. l „Manchester Guardian" beschäftigt sich in seinem Leitartikel mit der vom Jewish Board of Deputies gefaßten Protestresolution gegen die Drangsalierung und Entrechtung der Juden in Rumänien und schreibt: Die Lage der Juden in Osteuropa yssf SMlFIT LWkllS, M Freiheit und Gleichheit als die Grundprinzipien des Staates ansehen, immer noch Anlaß zu ernster Besorgnis. Man ersieht dies aus der Resolution der Vertreter der britischen Judenheit. Eine Diskussion dieser Frage ist darum schwierig, weil ein junger Staat wie Rumänien jede Anregung von außen als eine unverschämte'Einmischung in dis inneren Angelegenheiten äiiIN- Ichen geneigt ist. f)te Frage der Behandlung der Juden ist bedauerlicherweise durch die Verträge eine internationale Frage geworden; die Behandlung der Juden in Rumänien und in anderen Ländern wird von den westlichen Nationen unvoreingenommen geprüft. Eine solche Prüfung hat erwiesen, daß in Rumänien eine aktive antisLMltischc Bewegung besteht, die sich teils rasten; mäßig, teils politisch, teils wirtschaftlich auswirkt und von den staatlichen Behörden nicht in dem notwendigen Maße behindert wird. Jüdisches Leben und jüdisches Eigentum sind keineswegs so sicher wie Leben und Eigentum von Rumänen; die Unterzeichner des Vertrages seitens Rumäniens versprachen aber Gleichberechtigung für »llk Bürger Des Landes. Man Ist Dnrum sicherlich berechtigt, die rumänische Negierung zu fragen, welche Schritte sie unternommen hat, um allen rllMMWn Mrgörn UM göMchm Schutz und die Gleichheit vor dem Rechte zu sichern, was zum Gepräge eines demokratischen Staates gehört. Korrespondenzen « ßaebriebten. Deutsch«» Reich. U°n der jüdischen UM-MMgl B e r l i n, 25. April. Nach privaten Feststellungen emigrierten über Bremen 1050 Personen. Beratung und Fürsorge wurde im Büro der Berliner Zentrale, Steglitzerstr. 12, zuteil 1080 Personen. Die Durchwanderung durch Deutschland aus dm SänDorn M Dftonc iifior Dia oMMnh gusgsMten Stellen war stärker als im Vorjahre. Auch di>e Auswanderung aus Polen über Deutschland war beträchtlich, obwohl das polnische Emigrations-Departement nach Möglichkeit darauf hinzuwirken sucht, daß Emigran en- Transporte von Polen nach Uebersee seitens der in Polen konzessionierten Schiffsgesellschaften aus d-em polnischen ßilstll lü^htriä (2^inhsii), &er als 2rarrsri^crfsn Lt-ertl, nach den französischen, holländischen und englischen Häsen weitergeleitet werden. Ausnahmebestimmungen bestehen nur für wenige Schifssgesellschaften; doch lassen sich die prinzipiellen Bestimmungen nicht immer durchführen, weil nicht genügend Schiffsraum ab Gdynia vorhanden ist, und Vorsorge getroffen werden soll, daß die Auswanderer nich den Anschluß an die Westhäfen verlieren. wür^ nocl) ein? erfjeUivf)? Äng«b! ’Pn Änswanb?- rern von Schiffsgesellschaften auf dem Landwege aus Polen über Deutschland nach den Westhäsen geführt. Dom Zenträlbüro für jüdische Auswanderungsangelegenheiten des Hilfsvereins der deutschen Juden wird mitgeteilt: Von den 455 russischen Emigranten, die im mm 19m wegen MlWsung Der äuote für Nüssen ln Hamburg und Bremen hatten zurückbleiben müssen, weilten Ende des Jahves 1926 noch 103 daselbst, und zwar 59 in Bremen, 44 in Hamburg. Die übrigen konnten zum Teil ihren Bestimmungsort in den Vereinigten Staaten erreichen; einem Teil konnte der Weg nach überseeischen Ländern eröffnet werden, andere wieder sahen sich gezwungen, nach Rußland zurückzukehren. (Ss tonnte ^ihr Deutschland nicht erreicht nrerden^ xove es in anDeren Landern Der Fall mar, Den zurüllgevliebenen Emigranten Aufenthalts- und Arbeitsrecht innerhalb Deutschlands zu verschaffen. Für die beiden deutschen Hafenstädte waren nur wenige Bisa für das ganzen amerikanische Fiskaljahr, 1. Juli 1926 bis 30. Juni 1927, bewilligt worden. Bon August 1925 bis September 1926 hat ein eigenes Hilfskomitee zur Wahrnehmung der Interessen der gesiran^elen Srnrgrcrnien, ^aupifäc^llc^ jn l>^N europäischen Häfen, bestanden das United Evacuation Committee mit dem Sitz in Paris. Der Hilfsverein der deutschen Juden, der sich der in deutschen Hafenstädten weilenden Ueberlieger besonders annahm, hat bei dieser Arbeit tatkräftig Förderung und materielle Beihilfe seitens des United Evacuation Committee gefunden. IrlkUvfsschÄnbungen!m üijdnlatib. Berlin, 22. April. Unter der Ueberschrift„Soll diese Schmach weiter gehen?" heißt es in der heutigen „C. C.-Zeitung": „In Moers wurden in der Nacht vom 15. zum 16. April d. I. auf dem jüdischen Friedhof 28 Grabsteine umgetnorf-en. Dis jüdische (Betrte'tnbc hat lOOO fDiavt Belohnung für Die Ergreifung Dtr Täter ausgesetzt. Die Polizei hat sich der Angelegenheit mit aller Energie angenommen. Gleichzeitig wird gemeldet, daß auch aus dem alten jüdischen Friedhof in Krefeld mehreer Grabsteine beschädigt worden sind. Nachdem erst kürzlich in Kerpen und Newiges das gleiche Bubenstück verübt wurde; hat das Rheinland, gegenwärtig der Mittelpunkt der nationalsozialistischen Agitaüon, den traurigen Ruhm, innerhlllll kurzer Misl vier MiMMlWDuMn MMiM zu können. _ 28; ■ April 1927 Seidenn. Garn-Handelsgei m.l).lt 47 Bleidensftraße 47 (früher: Grosse Eschenhelmerstrasse 3) SPEZIALHAUS in Näh« und Sftick-Seiden Hfui4erjyeUe=4eriien jeder Alt In Richerlsdorf (Regierungsbezirk Kassel) ist, nachdem erst kürzlich einzelne Grabsteine umgeworsen worden sind, die die Grabstellen umgebende Tannenhecke böswillig in Brand gesetzt und zum größten Teil zerstört worden. Die Täter sind bisher nicht ermittelt worden. Es vergeht kaum eine Woche, daß wir nicht neue Entlveihungsn ber 9luf)eftäite ber JEoiert zu rueldsrr haben. Wir bedauern, daß autzox dsn OrtsMungsn dis große deutsche Presse von diesen, das deutsche Aesehen tief beschämenden Vorgängen nicht eingehender Kenntnis nimmt und das öffentliche Gewissen wachruft. Vrstriwrich. Die Wahlen. Wien, 25. April. Die gestern in Wien durchgesührten ' Wahlen zum Parlament und zum Wiener Gemeinderat erbrachten einen Sieg der Sozialdemokraten über die Christlichsozialen. maoj heg VAlMlMN ZisfAU MsikN DTE MgklMEU PaAtlM tlU tztastonairät über 93 Mandate verfügen, die Sozialdemokraten über 72 Mandate. Bisher war das Verhältnis 97 zu 68. Die Anstrengungen der Jüdischnationalen, ihren Listenführer Baurat Robert Stricker, der schon dem ersten österreichischen Nationalrat angehörte, durchzubringen, blieben vergeblich. *?! MMN m M«Wks8l icn die bisher innegehabten 76 Sitze, während auf die bürgerliche Liste 42 Stimmen entfallen. Im Gemeinderat haben die Sozialdemokraten auch das bisher von Herrn Dr. Plaschkes innegehabte Mandat der Jüdischnationalen erobert, während sie in einem anderen Bezirk einen Sitz an dis Christlichst»zicrlsn abgeben rnußteri. Für die Jüdische Liste traten nur die Zionisten und die ihnen verwandten Gruppen ein, während die um die „Union" sich grupievenden liberal gesinnten Juden für die Demokratische Liste eintraten und die Piale Ziompen für die Sozialdemokratische Liste stimmten. (Siehe Leitartikel.) XUauen. Die jüdische Fraktion gegen das jchige Regime. Kowno, 13. April. Mit der Sejmopposition stimmten auch die Mitglieder der jüdischen Sejmfraktion für das Mißtrauensvotum gegen die jetzige Regierung, nachdem diese die Freilassung des zu Unrecht verhafteten Abgeordneten Pajaujis abgelehnt hatte. Nachdem das Mißtrauensvotum angenommert tnar, oertiircbeie ber ©ia<iisprä|,ibent bie Stujr' lösung Des litauischen Sejm. Der Zeitpunkt Dex Neuwählen ist noch unbestimmt. Amsemitischer Terror in Litauen. Kowno,, 22. April. Die jüdische Sejm-Fraktion Litauens erhielt aus dem Städtchen R a g e w e Kreis Poniewesch, die Mitteilung, daß ein litauischer' Offizierohne jede Ursache bis Gattin einks jüdischrn Bürgers erschossen UND mehrere Juden fürchterlich mißhandelt hat. Mehrere Tage lebten die Juden infolge der fortdauernden Ausschreitungen dieses Terroristen in schwerer Panik und wagten nicht, die Straße zu betreten. Gleichzeitg betrieben saszistische Ele- Wochcaklllcadcr. vom 30, April bis 7, Mai 1927, / vom 28. Nissan bis 5. Jjar 6687 Samstag Sonntag 30 Märj |Ö’3 28 29 Rausch Chaudesch Benschen Mauled Sonntag abends 6 Uhr 31 Minuten. -rr pis Montag Dienstag 2 3 30 1 Vin vrri-7 'K " " '2 Mittwoch 4 2 Donnerstag Samstag 5 i 7: 3 4 5 IIÖK jVte ->» « i’D'nn

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