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Der Israelit · 1927-04-14 · Heft 15 (14.4.1927) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 15 (14.4.1927)
Date
1927-04-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 16 Nr. 15 Der Israelit 14. April 1927 Der Leidende allem hat die Erlaubnis, Gott aus seinen Werken zu preisen. Aber alle Menschen leiden. Deshalb hat die Menschheit jenes Recht. Nur wer sein Leiden verleugnet oder vergessen will, nur dem ist es nicht erlaubt. Denn wer Sich rnsglügsn miß, der lügt aucf>, mettn er noin Ihm t^e ber (ReMt^ett iütfl et spricht. im gepriesen werden. Der Name. Der Widerspruch, daß Gott nah und fern zugleich ist, schießt zusammen in der Tatsache, daß er einen Namen hat. Was einen Namen hat, davon kann man reden und kann es anreden, je f? gjwejerrb ober anmejerxb ij±. Gott ijt m abwesend, deshalb gibt es teinen ©DitesBegriff (von den falschen Göttern gewiß, aber von dem wahren nicht). Gott ist der einzige, dessen Name zugleich sein Begriff, dessen Begriff zugleich sein Name ist. Man nennt Gott nur Gott, und jeder Name hat nur diese Bedeutung. Diß Mmllno-NlW löst üm Hinter ttttH bas Problem des Wellzwecks, uiü das sich diö Röligionsphilosophie der Zeit mühte. Alles Geschaffene hat eine doppelte Beziehung: es ist einmal ganz einfach da, hat Sein, Selbstsein, ist sich -Selbstzweck; dann aber ist es auch'üm eines andern, letzthin um alles andern willen. Irr stner seiner Selbsthaftigkeit erfährt es den nahen, in dieser seiner Gebundenheit an andres den fernen Gott; denn der Ferne ist der Gott der Welt, die immer bas ©ange xirtb ein ©atijes aus lauter änöerin ist, der Nahe der Tos. des Hergens, des Herzens, das nie so sehr Selbst und nur Selbst ist wie wenn es leidet. Es fällt .auf, daß in dem zweiten Zweizeiler, der den Gehalt des Gedichts am kürzesten und einfachsten formuliert, für das welthoch-weltferne Sein Gottes bas anftyaulu^e SBott „töoljnen* gebraucht wird, das g¥«be das Ur Gattesherrlichkeit auf Erden, unter ihrem Volke, in ihrem Hause bezeichnet, hingegen für das Wohnen im zerschlagnen Herzen, sogar in Abweichung vom zugrundeliegenden Bibelvers (Jes. 57, 15), das denkbar abstrakteste Wort „Sein", dies richtige Philosophenwort, das die abendländische Scholastik sich mit ihrem „Existieren" — „Dasein" müßte man strenggenommen übersetzen — angeeignet hat. Dieser Widerspruch erschließt eine letzte Siefe bes iubifijen mi (PfcUßlUI. Ä5? „Baure Aulom", der Weltschöpfer, meint hier nicht, wie man denken sollte, etwas Fernes, das er doch seinem Inhalt nach bezeichnet, sondern ist im Volksmunde ein ganz gefühlsnahes Wort; und bei dem Gott des Herzens vergißt das Herz doch keinen Augenblick, daß er der „Seiende" ist. So springt hier der Funke nicht bloß zwischen den beiben ^jSoten ber ^Jerne unb Nähe hin unb her; sondern die Pole selber sind jeder noch einmal geladen mit den beiden polaren Elektrizitäten, nur in verschiedener Anordnung. Der welterhabene Schöpfer schlägt „Wohnung" auf, und der abstrakteste Gott der Philosophie hat „Sein" im zerschlagnen Herzen. Als Hermann Cohen noch in Marburg war, setzte er einmal einem alten Marburger Juden äii LMssidss ssir-M Ethik aWinandör. Mr WM ehrfurchtsvoll zu, nur als Eohen fertig war, fragte er: „Und wo bleibt der Baure Aulom?" Da antwortet Cohen nichts und brach in Tränen aus. Frau Welt. Das kleine, mit einem ungeheuren Explosivstoff geladene Gedicht nimmt den allgemeinmittelallerliöjßn Typus Der „Frau WM" auf. Wer weder sein Verhältnis zur Frau noch sein Verhältnis zur Welt erlaubt dem jüdischen Dichter, wie es der christlichmittelalterliche Meister in Wort und Gebild tut, die Frau schlechthin und die Welt schlechthin als Versucherin darzustellen. Er muß das Bild vielfach spezialisieren, damit es jüdisch stimmt. Das Mittel zu solcher Spezialisietzibt chm Im Gzsztz. Nicht das Weib als Derfucherin, sondern eheliche Verhältnisse bilden den Stoffkreis der Gleichnisse. Die gegenseitige Verschmähung, die in der Mitte des kleinen Gedichts das allgemeine, ehegesetzlich unbelastete Wort der Gattenwahl gebraucht, legt sich in den Eckzweizeilern in zwei Bilder ganz spezifischer Verhältnisse des jüdischen Ehegesetzes auseinander: in dem wie Hammerschlag nied erfüllenden Eingangsvers die leibliche Unreinheit 931. 40^.^ Me letit -eignen (Baiten und nur ihm, chm aber absolut,, jede Berührung der Gattin verwehrt; in dem messerscharf schneidenden Schlußzweizeiler die Zeremonie (5. M. 25, 5 ff.), mit der die Bruderswitwe den Schwager, der sie nicht zur Ehe nehmen will, als „Barfüßer" verächtlich macht. Beides beruhend auf einem natürlichen Gefühl, beides vom Gesetz unaßDßiißr flßflßiößrt Dai o i n o MliH Mit Mir die Naturgrundlage hinaus zur die Hälfte des Ehelebens beherrschenden Vorschrift, das andre aus einer vom Gesetz geformten natürlichen Reaktion auf eine freiwillige Handlung zu einer den Empfang der nun durch Brauch und Gesetz geforderten und erzwingbaren Weigerurtg be|iäiigert^etx bfoj^ert (flejie, zugleich aus einer immerhin individuellen Situation zu einer allgemeinen Norm. Und beides doch im Rahmen einer in Gesetz und SUte gleichmäßig gegründeten Heiligung der Ehe. Einer absoluten Heiligung, nicht Äost eiyer xelatw zür^„jner^' lichen Schwäche". Das ist nun in aller Genauigkeit das jüdische Verhältnis zur „Welt". Es ist voller Askese und doch gar nicht askettsch. Prinzipiell ist es sogar llMZlklW: 8ik Wklk ist 8kM Mim MM i\s gru Sünde lücköttdö Vuhlökin, svWrrn. dar rmgeW^ ligte Eheweib. Aber sie ist „unrein" geworden, und das Gesetz dehnt den Zaun um die Enthaltung von ihrem Götzendienst so weit, bis schließlich die halbe Welt dem Juden verboten ist. Aber das ihm Erlaubte soll er nicht „haben, als hätte er es mct)t", säubern tmr££tct) haben; ungezählte Speisen find ihm verboten, «ber der erlandten soll er sich freuen, und für den Sabbat fordert das Gesetz die gesteigerte Freude des Mahls. Und nun muß das anfängliche Blld als unzureichend verlassen werden, denn es drückt die dramatische Wechselseitigkeit des Verschmähens nicht genug aus; und das Gedicht steuert los auf sein Schlußbild: die Welt, ihren Verächter verachtend; was ursprünglich Leiden aus freier persönlicher Tat war, Martyrium des Propheten. bas wirb nun zu gewvbn^m Leiden aus gewohnt-pflichtgemäßem Tun — Judenschicksal. Well aber Gewohnheit, deshalb wieder nicht als Askese empfunden, sondern als das natürliche Leben, das gar nicht anders sein kann. Das Wissen, daß die Welt „eigentlich" ihm gehört, zu Arbeit und Genuß, läßt bei aller Askese keine asketische Stimmung aufkommen, jonbern allenfalls bert trotzigen Kampfrhythmus dieses Gedichts. Während das Bewußtsein des mittelalterlichen Christen ganz voll Askese ist und grade deshalb in seinem.Leben die Askese nur einen ganz geringen, noch dazu sorgsam ständisch abgegrenzten Raum einnimmt und — einnehmen kann. Feindesliebe. . Dian tmrb bem „Qtefeei eure Feinbe" her Bergpredigt so wenig wie anderen großen Wirklichkeiten gerecht, wenn man es als ethische Förderung, also unter dem Gesichtspunkt der Unwirklichkeit, ansieht. Die christliche Feindesliebe ist eine Wirklichkeit, wo sie — nichts andres sein kann. In diesen Stand des Nichtanderskönnens tritt sie da, wo die Kirche oder der Einzelne dem Urgebot des Christentums folgen: zu MWMMH Die FkludMikbe wird da die stärkste Waffe der Weltbegwingung, der Feind geliebt als der künftige Bruder.. Jüdische Feindesliebe muß also wohl etwas ganz andres sein, wenn sie wirklich sein soll. Denn hier ist die Wirklichkeit nicht die einer mit den Gnaden des Siegens, sondern mit denen des Unterliegens begnadeten Gemeinschaft. So Mich FsindöLlköbö an dsm Punkt sntfWn. den Jehuda Halevy in diesem Gedicht enthüüt. Denn um ein Enthüllen handelt es sich; das Wirkliche ist selten das unmittelbar Ausgesprochene; das Wort fällt, wenn es objektiv zu werden versucht, leicht m die Unwirklichkeit. So wird die objektive Wahrheit enthüllt, grade weil nur ganz subjektiv gesprochen wird. Der Jude liebt im Feind den Vollstrecker des göttlichen Gerichts, das. weil er es auf sich nimmt — unb es MetM ihm im ©eg^nfab 3« «ÄfH «nWtm Menschen nichts andres Übrig, denn er als einziger hat nicht die- Juden zur Verfügung, die daran schuld sind —, zu seinem eigenen wird. Die Liebe, mit der ein Mensch Gott liebt, wird zum Lebensgesetz aller Liebe, mit der er Menschen lieben kann, bis hinaus in das Extrem — aber gibt es für die Liebe ein Extrem -— der WlMÄWß. „Von ßh mm m m mm Himmelsveste. . Amerikanisch-jüdische Literatur. Central Conference of American. Rabbis Yearbook. Volume. XXXV. Cincinnatti, 1925. ZWMj Rff SMll SlMkli W Nimmt man einen MUlhl Uber ein DerfnnMlMg neologer Rabbiner zur Hand, die etwa vor 80 Jahren stattfand, so stehen neben Debatten über die Notwendigkeit des Hebräischen beim Gebete, über Mussafgebet, dreijähriger Zyklus der Thoraverlesung, Orgel usw. imnerversammlung wolle erklären, daß bei. Men ihren, die religiösen Anordnungen betreffenden Debatten, die uns von Gott in der Thora offenbarten Lehren und Gesetze die alleinige Basis ihrer Beschlüsse bilden. (Getan t^at TTtart'5 nidjtj. Sjeute im Qeii-alter Ves me«-kN'yönschttM'ijcr«mN Crvnernn's anderer Probleme und eine in Eineinnatti im Jahre des Heils 1925 stattgefundene Central-Konferenz amerikanischer Rabbiner muß gemäß den Erfordernissen der modernen Zeit über Dinge verhandeln wie da sind: Revision von Hymnen, Religionsunterricht in öffentlichen Schulen. gute Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden, die Schädlichkeit kinematographischer Vorführungen, Kadbisrh und 'Secjensfpracfj über S^ora, ^andbnck» Jür Profeitjtenj rnternatfonatey »as sägt iffe Religion an den Universitäten tun? usw. Gestehen wir gern ein, daß wir beim Durchlesen des Buches neben dem Kummer über manche aus großer Unwissenheit vorgenommene oder vorzunehmende stupiden Reuerungerauch Freude über die Offenheit ■ empfanden, mit der manche Rabbiner in ehrlichem Wagemut versuchten, die- Schäden aufzudecken (meistens vergebens). Man hat den Eindruck, daß man frühsr viel gründlicher die Probleme erörterte und mehr auf Quellen zu-- rückging, während heute mehr Unwissenheit an der Tagesordnung steht, die durch schöne Redensarten verdeckt föfö ÜMM &8Ff niü mwmn mmj baß ßi&i Den alirn MrsammNmgöii MoioM Waööiner mehr böser Wille mitgebracht wurde, der . leider oft ge-- nug zum Siege führte. Bei den modernen amerlkanichen Rabbiner-Versammlungen herrscht leider erstau-- nenerregende Unwissenheit; doch möchte man mit'. Shakespeare sagen: „his meaning is good" daß die Meinung, d. h. die Absicht gut ist. Man schaut bei olchen Erörterungen Abgrund neben Abgrund. In letzter Zeit scheint man etwas mehr zur Erkenntnis gekommen zu sein, daß. es ohne Lernen,nicht abgeht. Möge- Der glltk Wlllk ÖD© ffUÖ) SWir fÜWü.' Alll MM5 öMstiily gölllM lvarvö. Dünn kann' SS' nilyi WM, üatz. die Erleuchtung den Weg der weist. Und so schließen wir uns denn dem im. Jahrbuch S. 44 ausgesprochenen Wunsche an: „Whal we need is knowledge and yet mors koovledge," wobei wir freilich bas Wort „kaewledge" in unserem Sinne deuten.. Israel by Tudvig bevisobn, kle-wyork, 1925. Bom Liveright. , _ WL^-ni> ilkerntt In jWf-^n QImJ&Z* onvers Wert darauf gelegt wird; zu betonen, "daß man in erster Linie Amerikaner sei, tönt in' dem Buch „Israel" von Ludwig Lewisohn, Rewyork 1925; aus Amerika elbst der Ruf, daß eine Hintanstellung des Judentumshier eine konventionelle Lüge bedeutet und bewirken müsse, daß die Kinder dem Judentum' Mmählich völlig! entfremdet werden. Lewisohn gibt in seinem in meisterhaftem- Stilge- 'chriebenen Buche eine kühne kritische Darlegung deri^i|tijrijd^en'^i&ejji-el^ungeii gioijd^en bem Baden unb ber- Wett unter ötfDnöercr Berücksichtigung der hentigM Berhöllmsse. Juden und Nichtjuden wirb lein Spiegel oor-> gehaUeN. Der Verfasser kommt zu dem Resultat, daß, wenn auch in den. verschiedenen Ländern das Gvlus -ein ver-- chiedenes Gesicht zeigt, Golus ists und in Amerika sowohl wie in Europa sieht es sehr trübe aus. Lewisohn ist viel in der Welt herumgekommen, hat Land und- Leu.^ gesehen und gewann die Ueberzeugung, daß auch in llen Länmn Des OfWns trotz Mt sity gkitzknSkr w Wchsr EtgMllN schwM AbhllMgMt Mrscht. Der Verfasser sieht als einzige Rettung Palästina an und er empfiehlt uns warm, uns in Palästina anzusiedeln, welches noch heute für uns das Land sein kann,.

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