Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1927)
- Date
- 1927-04-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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14 ApM 1927 Da? 3 s r fl 11 it -Nr. 15 Sett» 3 Die Alenorah-Konferenz in Tlew-Pork. In den Tagen vom 29. bis zum 31. Januar I. fand eine von Vertretern aus ganz Amerika -suchte Konferenz der Menorah-Gefellschaften iratt, die sich an den verschiedenen amerikanischen Orten etwa nach Art unserer Literaturvereine mit }y;'r mmmMg jüDpEr mmm aut mmw: her Basis befassen. Gegenstand der Konferenz r/.ar die „ geistige Lage der Juden in % m e r i k a." Alle geistigen Strömungen innert .itö der amerikanischen Judentums, von der Orl-odoxie bis zum Radikalismus, vom Zionismus ö-s zur Assimilation, waren vertreten. Daß bei r-ner sollen Äuskmanöerfe^UllZ itfpnÖIDiQ bestimmtes und zu praktischer Arbeit führendes jüdisches Bildungsideal herausgearbeitet werden kann, daß eine Verständigung zwischen Weltbelrachtungsweisen, die von den entgegengesetzten Enden des Denkens ausgehen, überhaupt unmöglich ist, liegt auf der Hand. Es handelte sich also inehr oder minder um einen ästhetischen Genuß, der darin befand, die hervorragendsten geistigen Vertreter der verschiedenen ÄiÄungen ilire Reinungen entwickeln und sich aneinander messen ZU hören. Wir geben im folgenden die Rede wieder, die Rabbi Dr. Leo Jung, der so ziemlich als Einziger die Orthodoxie vertrat, auf der Konferenz gehalten hat. Dr. Jung sagte: „Ich muß bekennen, daß ich glücklich bin. diese MenorähiKonfrrcng Jll sehen. Es ist wunderbar schön, daß man die Menorah-Bewegung jetzt als eine Art Mittelpunkt für die verschiedensten geistigen Bestrebungen ansehen kann. Ich habe mich lange Zeit gequält, festzustellen, wie man unsere Intellektualisten definieren kann. Heute nachmittag, als Herr Dr. Wechsler WH, Wn m mir. Dag ich DW Ltttellttlnallstkn definieren könnte als Pendel, die zwischen einem jüdisch-religiösen Jnferioritäts - Komplex und einem persönlich-intellektuellen Ueberlegenheitskomplex hin- und Herschwingen. Ich muß ferner sagen, daß ich gestern abend viel lernte. Es schien mir ein schöner Versuch, mm nicht auch ganz DW Dwnar. Das öuDp tum, eine Zivilisation oder Kultur von vielleicht viertausend Jahren, in einer ziemlich rasch herabgelesenen Ansprache von einer Stunde zu rekonstruieren. Ich kam mir vor wie auf einem Schlachtfeld, rings herum Leichen, Opfer der glühenden Einbildungskraft eines Redners: Die jüdische Tradition: tot; die jüdische Religion: tot; die Offenbarung auf dem Sinai: ni egeboren. Ich beabsichtige, diese Leichen mit einem magischen Stabe zu berühren, um zu merken, daß sie letzten Endes nicht so ganz tot sind. Sobald man nur etwas gewöhnlichen Menschenverstand, etwas Vernunft und etwas wissenschaftliche Urteilskraft auf diese „toten" Dinge anwendet, wird man finden, daß sie recht lebendig sind. Diese Art von Rekonstruktion jedoch, wie sie hier angewendet mürbe; so Hef sie auch in einer starken Selbstsicheryeit veran?er1 fiemt rulji «üf aussetzungen, auf vorurteilsvollen Verdammungsurteilen. Wir können die Feinde des Judentums 'auf ihrem eigenen Gebiet bekämpfen^ Rehmen Sie z. V. die Frage der Bibelkritik. Meiner Ansicht nach besteht eine wissenschaftliche Haltung in finfF fffroiffen maßvollen Bescheidenheit, in einer gewissen Demut Der Beurteilung, in einer gewissen Würde, die sich sagt: „Ich werde mich nicht mit rasch geäußerten Vorurteilen in Dinge mischen, die ich nicht ganz verstehe." Es gibt nun in Newyork City nur einen einzigen Mann, der kraft seiner Gelehrsamkeit, seiner Erfahrung über Bibelkritik sprechen kann, ohne als Dilettant bezeichnet werden zu dürfen, und dieser Mann war gksma ara WMMbk"*Me abwesend. Es scheint mir, daß wir dem Judentum, unserer .eigenen Tradition, unserer eigenen Bibel, doch etwas mehr schulden als platte Allgemeinheiten, die in den Diskussionen unserer Intellektualisten eine so große Rolle spielen. IMH8? W mMlMMir übersehen, daß David Hofsmann sich nicht nur bemüht hat, den Einfluß Wellhausens bekämpfen, sondern daß er nach Wellhausens eigenem Zugeständnis die Unrichtigkeit eines großen Teiles der Wellhausen'fchen Behauptungen erwiesen hat. Ist es gerecht, die Tatsache zu übersehen, daß . die Schüler Wellhausens sowohl lllls eigenen Studien, als auf Grund übefwSltigsnDen Zeugnisses Der Archäologie eine große Zahl ihrer eigenen Feststellungen über Bord geworfen haben? Es ist durchaus nicht gerecht, die Tatsache zu übersehen, daß eine große Zahl hervorragender Bibelwissenschaftler Heute den historischen Charakter der Patriarchen-Geschichlk mojatjdpe Autorschaft des Pentateuchs akzeptieren. Demgegenüber nun zu sagen: „Wir können uns in biblischen Angelegenheiten nicht mit der jüdischen Tradition abgeben, wie können sie nicht einmal beachten" (nicht weil wir sie sorgfältig studiert haben, nicht weil wir gründlich uns bemüht und geduldig gestrebt haben, die Wahrheit zu finden, sondern weil diese Tradition nicht mit der gegenwärtigen Laune Der allgemeinen Zerstörungssucht übereinstimmt), offenbart eine durchaus unwissenschaftliche Oberflächlichkeit, die durchaus nicht in Uebereinstimmung steht mit der Stufe, auf welcher diese Intellektualisten zu stehen behaupten. Etwas anderes, was mir als recht eigentümlich ausfiel, ist die unwahre Annahme oder Unterstellung, daß jedes andere Leben oder weltanschauliche System ohne ein a priori arbeite, daß nur das Judentum durch ein Dogma gefesselt sei, roaltfäiä iM mm Haltung DiefsniQe Ul sMkli Forschung sei. Das ist durchaus nicht ausgemacht. Sie wissen, daß Spinoza, der Halbgott der Intellektualisten in aller Welt, der eigentliche dogmatische Philosoph ist. Es gibt kein einziges Bildungssystem, das nicht irgend welche Vorausj c u n 9 e n bot, bis unbeweisbar bleiben, weil sie Dem Zeugnis der Sinne fidj eii^UfySM, wie die Offenbarung am Sinai sich heute dem Zeugnis unserer Sinne entzieht. Wenn ich den jüdischen Intellektualisten von heutzutage analysiere, so finde ich, daß der Glaube an die Offenbarung durch einen grenzenlosen Glauben an die göttliche Weisheit des Menschen ersetzt worden ist. Man gibt jüdische Ideen oder OTnsipicii ln Dkl mm Mt ®rimb bcs Ergebnisses tiefer Studien auf. Wsllhaufen sagte: „Ich habe den Talmud 20 Jahre lang studiert, trotzdem kann ich nicht damit fertig werden." Ich möchte gerne den jüdischen Durchschnitts-Intellektualisten sehen, der offen genug wäre, zu sagen: „Ich habe die jüdische Bibel von beiden Gesichtspunkten aus studiert, tcf) Habs mich mühsam beflrevr. pro unD contra rennen zu lernen, unk k!n nun vollkommen vertraut mit dem gesamten Komplex der in Betracht kommenden Probleme und bin zu dem wissenschaftlichen Ergebnis gekommen, daß die jüdische Thora ein auf unseren verschiedenen Wanderungen zusammengeflicktes Machwerk ist, und nicht das heilige Buch, das einheitliche Ganze, als das sie die jüdische Tra- Difißfl MralM." ZalaiM Sie Mt sa Wl8k88ll° gen sind, haben Sie als Intellektualisten nach Ihren eigenen Voraussetzungen kein Recht, ein Urteil abzugeben. Denn Sie verdammen sonst das Judentum nicht aus tiefer Kenntnis, sondern auf tiefer Unwissenheit heraus. Ein anderes Ding, das Sie nicht genügend beachten, ist die Tatsäch-, ich 41 i\M ftp Mi» rige Aufgabe ist, die Synthese von Thora und Derech Erez zu vollziehen. Man braucht dazu geistige Sympathien ebenso wie gefühlsmäßige. Man kann das Judentum nicht verftehen, wenn man es nicht lebt, und meiner Meinung nach hat die amerikanisch-jüdische Intelligenz infolge ihres Milieus, infolge ihren ©agunaen unter Leben regeln. um?r diesem Gesichtspunkte spricht uns das dritte Symbol die Sprache der Hoffnung. Das nna festigt unsere Zuversicht, daß am Ende doch alles soziale Leid nnd sittliche Weh aus Erden weichen und der Tag der dauernden Erlösung das T»nyV nos anbrechen wird. Jemehr ° wir derer gedenken, die des Lebens Bitternisse erfahren, um zu überbrücken die Kluft zwischen Arm und Reich und den Dürftigen und Beladenen Befteiung von Itjven borgen imb^9rtötett zu bringen, desto mehr iiinöet in uns bst W* göMcheü J34&I, wir immer wieder Erlösung bringen, bis neu an-- dricht der Tag der Freiheit für alle, die dem htmmifchen Vater zujubeln: nh »in nos* Ein Peffach ist :s, Gott geweiht. — Das ist ja wohl auch der Sinn des wundersamen Brauches, mit dem wir den Propheten Elijahu am *no in unserer Mitte grüßen. Er kommt zu uns. wo heilige Andacht über uns UTxJ> Jubet nttb Frohsinn unsere Wohnungen erfüllen, kommt, -u nähern und zu reinigen. - Walten Frieden und Heiligkeit wie am Peffach in den jüdischen Zelten und Familien, dann spüren wir einen Hauch von oer verheißenen glücklichen Zeit und Elijahu weilt unsichtbar in unserer Mitte. Möge dieser Geist ullenthalben in Israel an unferm Feste heimisch werden und Peffachs Weihe auch nachwirken allenthalben draußen im Leben. — kleines Feuilleton. Sabbat Crew Peffach. Eine kalendarische Studie. In Nr. 46 des „Israelit" Jahrgang 1926 hatte ich am Schluffe meines Aufsatzes „Kalender-Betrachtung zum Oaijre ööüt Mg MEllf fnrroiienr **** tetten,e Fallen van non ny aufnaw seine Erklärung Mts Grund der Wahrschernllchkeitsrechnung finden fann. vwnxr tmn sei dies im Folgenden näher ausgeführt: Die Wahrscheinlichkeitsberechnung für vorliegenden Fall ist etwas kompliziert, da hierfür sowohl diev^m'ni v'i als auch die trapn i"v '3 n"ni zu berücksichtigen sind. Es erscheint daher zweckmäßig, von dem Fall auszugehen, daß mvn hinauf Dienstag fällt, was stets zur Boraus- Wuns UND zur FliW Dar. Daß Der 0ßF8nppng?ne nos o->- auf mw fallt. Jnfalgö Der genannten nrm müssen wir für unsere Berechnung drei Kategorien von Jahren unterscheiden: 1. Schaltjahre; 2. gewöhnliche Jahre, denen ein gewöhnliches Jahr vorausgeht: 3. gewöhnliche Jahre, denen ein Schaltjahr vorausgeht. Zu 1.: In sämtlichen Schaltjahren, deren °ntw rna zwischen Montag Mittag 12 Uhr und Dienstag Mittag 12 Uhr fällt, ist n"3 am Dienstag. Da die Woche 168 luiffl Dffi: MM m -7 LHsstjghMN an mm\ m Dratag mm Zu S. In gewöhnlichen Jahren, denen ein gewöhnliches Jahr vorausgeht, fällt n"-> auf Dienstag, wenn der nwn lfm gwkMki MkMllff 12 und Dienstng früh 3 Uhr 11 xfs Minuten ist, ntfe n>ährend- «ng«fa^r 151jr, Stunden. Im Durchschnitt würde demnach bei 11 gewöhnlichen Jahren, denen ein gewöhnliches Jahr vorausgeht, ° einmal auf Dienstag fallen. Zu 3.: In gewöhnlichen Jahven, denen ein Schaltjahr vorangeht, ist n"-> am Dienstag, wenn der 'ivn il-i» fällt zwischen Montag früh 9 Uhr 32 i:,/m Minuten und Dienstag früh 3 Uhr 11 Vs Minuten, also ungefähr während 17 y2 Stunden. Im Durchschnitt würde somit bei 9 bis 10 gewöhnlichen Jahren, denen ein Schaltiadr DoranCTet.t, n—> einmal auf Dienstag fallen. Nehmen wir mm ^!a»n l>e!!sl>!^on ZeilaDsHllitt Zff. z. B. 10 B'itp nmnn gleich 190 Jahre, so sind in diesen 190 Jahren: 1. 70 Schaltjahre, 2. 50 gewöhnliche Jahre, denen ein gewöhnliches Jahr vorangeht, 3. 70 gewöhnliche Jahre, denen ein Schaltjahr vorangeht. 1 fftaäj unserer Rechnung müßte n»i mährenl, dieses Zeitabschnitte ans Hiensta^ fallen- 1. 10 Mal in Schaltjahren, 2. 4—5 Mal in gewöhnlichen Jahren, denen ein gewöhnliches Jahr oorangeht, 3. 7—8 Mal, in gewöhnlichen Jahren, denen ein Schaltjahr vorangeht, insgesamt also 21 bis 23 Mal wäre n"i am Dienstag und dementsprechend noo ny am nie:- Vom Jahre 5511 bis zum Jahre 5700 fällt tatsächlich n"-> 22 Mal auf Dienstag und zwar 9 Mal in Schaltjahren, 8 Mal in gewöhnlichen Jahren nach einem Schaltjahr- und 5 Mal in gsmöhnlichsn Jahren nach einem!." «I l □ i ‘ ®ärl ZllUtz.