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Der Israelit · 1927-04-14 · Heft 15 (14.4.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 15 (14.4.1927)
Date
1927-04-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Teile 2 Nr. 15 D L 2 9 s ä e l i I 14. April 1&7 vorstand bleiben der satzungsmäßigen Kompetenz der einzelnen Gemeinden überlassen, so daß in ersterer Hinsicht wenigstens eine Gewissensbedrückung gesetzestreuer Gemeinden vermieden ist. Man wird sich zu merken haben, daß die zionistische Volkspartei in dieser wie in anderen Fragen vor einem rücksichtslosen Hineinregieren in die Gewissen nicht zurückschreckte und daß es nur der toleranten Stimmung der Liberalen zu Nnlcn war. W Dir intmurf vor MM SWM fleck bewahrt blieb. Höchst erfreulich ist die obligatorisch gemachte Gleichberechtigung der ostjüdischen Gemeindemitglieder bei der Wahl in die Gemeindevertretungen: man darf annehmen, daß sie sich infolgedessen auch für die Vorstände in der Praxis durchsetzen werden. Die über -en Anstritt stsch verändert geblieben: man soll also aus religiösen Bedenken austreten können, ohne daß eine anderweitige Besteuerung durch die Landesverbände erfolgt. Wie in voriger Woche gemeldet, liegt nun auch dem Halberstädter Landesverband ein ausgearbeiteter Entwurf vor, der demnächst veröffentlicht und der Kritik unterbreitet werden soll. Nan barf wohl annehmen, daß die beiden Verbände alsdann bemüht sein werden, sich über eine gemeinsame Vorlage an die Staatsregierung, die ja schließlich allein über den Gesetzentwurf zu entscheiden hat, zu verständigen. Die Kris? m WkMsüiiis, Die liberalen Rabbiner Deutschlands haben in Berlin eine Tagung abgehalten, um zu der für die Jugend der liberalen Kreise brennenden Frage des Zionismus Stellung zu nehmen. Das Ergebnis war folgende orakelhafte Resolution: „Die Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands" erklärt^ daH der drunvchlrraktes religiös ist und bleiben mutz. Sie lehnt jeden Dörflich der Deutung des Judentums als eines ausschließlich nationalen Gebildes entschieden ab. Sie überläßt es dem persönlichen Verantwortungsgefühl eines jeden Einzelnen, welche Stellung er gegenüber dem Zionismus einnimmt. Sie hofft, daß die Besiedelung Palästinas in einem Geiste erfolgt, der eine Belebung der jüdischen Religiosität verbürgt." din Miss in Don WryaMllligMriHL Mt, daß die Resolution den tiefen Gegensatz zwischen der älteren und jüngeren Reformrabbiner-Generation verkleistern soll, der in Wirklichkeit unüberbrückbar ist. Der gesamte Liberalismus ist mit dem Zionismus einig in der Leugnung der für Volk und Individuum ewig verbindlichen Autorität der jüdischen Glaubenslehre und des Thoragesetzes. Die alten Kämpen der ♦urvnn jöt Das Pessachsest als Zeit unserer Befreiung. Dllll MDiner Dl. W. mit in Ks«Mz. 'p7x '■»7 nvs nwi »th nx ->i»w. Beobachte den Monat des Frühlings und feiere Pastach dem Ewigen deinem Gotte . So mahnt das Schriftwort. Das bedeutet zunächst, daß das Fest unserer Volkswanderung zugleich als Lenzesfeier begangen werden soll, damit Natur und Geschichte in das gleiche Halle! ausklingen auf den ewigen Meister mm\ m m komm zu eriöiai imn llllMrWM. Das will über auch sagen? Wie bei Frühling immer von neuem seinen Glanz und seine Pracht entfaltet und in seinem tausendfältigen Leuchten und Strahlen immer wieder zum Preise des Schöpfers aufruft, so sollen auch wir Pessach nicht nur als ein Fest begehen, das der Ei innerung geweiht ist, sondern auch als unnn ]öt als die Zeit unserer Befreiung. Cs mutz uns das Bewutztfein beseelen, datz Er. >7X12?' der Israel aus dem mehrhundertjährigen Winter ägyptischer Tyrannei befreit hat, 7x°w 7x13 der ewige Erlöser Israels bleibt mb man Dioi 3§rati§ MNI. nmnem MMUM DQI ®ams nnv SBIi Büß! BßdkÜKtSn ünl Verfolgten. Das ist der Ewigkeitswert des Pessach für die Gesamtheit der Menschen. Reform wollen aber auch von der historisch gegeben en nationalen Eigenart des jüdischen Volkes nichts wissen, vielmehr die Anpassung der jüdischen „Konfession" an die christlichen Konfessionen restlos vollziehen, indeß die Jüngeren teils aus Ueberzeugung (Wiener, Maybaum), teils von propagandistischen Gesichtspunkten bestimmt (Baeck) die absolute Vereinbarkeit eines modernen jüdischen Nationalismus mit der Negation aller p.o|UloifBligtB[«n XiaDüiß: n en elnsehen und sie erstreben. Die liberalen Laien nun — das ist das Interessanteste an der Geschichte — rebellieren aus politischen Gründen gegen diese idealistischen Seitensprünge ihrer Seelsorger. Sie sehen die Emanzipation gefährdet und bekunden offene UnguErlkbcnbest mit bcn gwmstercnben Uesormrabbmern. Wer in die Tiefe sieht, wird das Bündnis zwischen Reform.und Zionismus für ein unvermeidliches Stadium der geistigen Entwicklung betrachten, das allerdings die Aussicht auf furchtbare Bruderkämpfe auf dem Boden des heiligen Landes eröffnet. Möchte die gesetzestreue Judenheit Erez Jrsroels sich rechtzeitig r ii ji e rt jair bieje Kämpfe. „Denn von Zion geht die Thora aus". Es wird eine schmerzliche Enttäuschung für all diejenigen sein, die in ehrlichem Hoffen die Einweisung der Universitö MllsülW mls Zrm Gedanken an obiges Work bsglsitsk habsn, wenn sie nun gewahr werden, daß von dieser Zionshöhe Thoraleugnung ausgeht und das Wort Gottes von dieser Stelle aus, „wissenschaftlich" zerlegt, beschnitten und kritisch beleuchtet, verkündet wird. Die Bibelkritik an der Universität ist das ewige Thema, das die Besseren in Palästina sowie in der Diaspora immer und imstM mißösy jum Püötzstt tzäSLUAsöv-M. Mssrachi und Oberrabbinat protestieren. Als ob fo viel Scharfsinn dazu gehörte, von vornherein in der Universität die Stätte zu sehen, an der die Methoden des Jaffaer Gymnasiums, in erhöhtem Maße und vertiefter Form, fortgesetzt werden sollen. Warum mußten erst Jahre in die üllllöä ßii Äüösren, tn -er suche eines Sinnes mit uns, daraus kamen, was wir schon bei und vor der Einweihung voraussahen und voraussagten? Ein rechtes Wort zur rechten Zeit spricht Herr Rabbiner Tobias Horowitz in einer der letzten Stummem des Warschauer „Jud" zu dem unerquicklichen Thema: Man hat Menschen aus aller Herren Ländern für Mit b^ü» JHm mit dem Freihsitsmorgsn. fc« Israel nach schwerer Golusnocht an der Wiege seines Volkstums anbrach, ist d e r g r o tz e we l terlöiende Gedanke geboren, datz Einer lebt, der auf rüe Tränen und Stoßseufzer der Bekümmerten achtet und von Druck und Sorge, von Kummer und Not befreit. An diesem Gedanken sollen wir uns an jedem nss von neuem ausrichten, dann werden wir die Fo deruno voll begreifen, die in dem Worte unserer Lehrer begründet ist: ijvts rnu jnnn um* a* imW. m iöh tdh m m kennen: Auch uns hat Er von ds». - aus Um Schmelztiegel Aegyptens — herausgesührt. Es soll eben ein jeder die ganze Beseligung durchkosten, die der Freigewardene empfindet, wenn sich ihm die Bande der Knechtschaft lösen. Es braucht gerade nicht Sklaventum zu sein, das einen gedrückt hat. Not und Kummer. Schmerz und Trauer, das sind nicht weniger schwere Fesseln, die Eößls MMt i» DZUtzzn schlngen. Wewlrb da nicht jubeln und preisen und Gott als feinem Erlöser danken, wenn diese finsteren Mächte geschwunden sind? . . . Und wer über die engen Grenzen von Haus und Familie hinausschout und die allgemeinen Nöte überdenkt und da doch manchen Lichtstrahl wahrnimmt, wie hier Hatz und Zwietracht allmählich weichen und dort sich soziale Nöte mildern, wird er nicht von neuem den Becher erheben Gott zum Preis und Ruhm? Go wird unser Fest zum persönlichen Erlebnis, und es gewinnt förmlich Wirklichkeit für uns das Wort: ]b«m tansnittu 3« Mll^ ist einst iriost worden, im Nissan sollen sie auch in Zukunft erlöst werden". — Unser Fest erhält aber noch seine besondere Note, die Universität interessiert und bemüht, Gelder in der ganzen Welt gesammelt. Der praktische Wert des ganzen Unternehmens ist bis heute gleich Null. Es gibt weder eine medizinische noch eine juristische Fakultät. Fragt man: Wo bleibt die Medizin an der Universität?, so lautet die Antwort: die Orthodoxie und die Rabbinen erlauben nicht das Sezieren von Leichen.! Man kann keine Anatomie errichten. u(m. Als» MfijMt m s» W M trn fitt. und der Orthodoxie. Demgegenüber hat man ohne Bedenken eine D u d a i st i s ch e F a k u l - t ä 1 errichtet „für die Thoralehre", mit Lehrern vom Schlage Josef Klausners, die eher auf den Lehrstuhl eines christlichen Priesterseminars gehörtsn^ wo eben dis Person und die Lehre des 2t!sters ben ersten Platz einnehmen. Also nicht die großen Jeschiwaus, wo man Tag und Nacht unter Aufwand aller Kraft und unter Zugrundelegung der jüdischen Geistesarbeit von Generationen der Thoraforschung obliegt, soll fortan Zentrum der Thora sein, sondern die Judaistische Fakultät mit ihren auf 35 Minuten bemessenen Vorlesungen. Aber diese ijalbe Stunde Vibelkri^sf ÜÜif} ^ffi antisemitischen Methoden von Wellhausen unanderen genügt vollkommen, um die Köpfe zu verwirren und geistige Verheerungen anzurichten, die schlimmer sind als alle Zerstörungen, die das heilige Land je gesehen hat. Der Protest des Misrachi mag ehrlich gemeint sein^ aber er wird wirkungslos verhallen.!v!«ng? mkvnskMkNi blrwi und M'N der anderen Hand Mehr gibt, als er mit der einen nimmt. Ein ernster Kulturkampf wi.'d in Erez Jisroel zwischen den Vertretern des historischen Judentums und den Wortführern der nationalen Idee geführt. Es geht bei diejenl Kampfe um Erez Jisroel, es geht um das jüdische Volk, es geht um all das, was uns zu Seinem WkksMWW Dvlle gemacht Ml. in Mem Kampfe Müßte Mrsrachi an unserer Seite stehen, in Einheitsfront mit uns das bedrohte Thorajudentum verteidigen. Der Kampf gegen den unjüdischen Geist in der 'Hochschule ist nur ein Teilkampf, der, losgelöst von dem großen Kulturkampf, der jetzt in Palästina um jüdisches Tkin unö Nichlstin ötfiiürt nnrD, MlMls mm Vs-eulutrg sein, geschweige denn einen Sieg bringen kann. Wir haben dem nichts hinzuzufügen. mit. . -iö ächt jüdische Note, durch die Spräche der unfern Sedertisck weihenden Symbole: mm »nos Sie verkörpern uns so wundersame Ideen, daß wir uns gehoben fühlen und wir mit dankbarer, jubelnder Seele von neuem bekennen: awa x’Xin Ja, auch wir sind frei geworden, frei für alle Zeit, frei von Wahn der Selbstoergötterunq und von der Ileberschätzung fremder Macht. Da sehen *wir das Erinnerungszeichen an das einstige Pestachopser vor uns. und dieses belehrt uns. datz sich Israel durch m WMU88 ütnsi zMMtt G;bsiLs Weg \n die Freiheit gebaönt hat, daß es aufhörte, des Pharao Sklave zu sein, um für alle Zeit Gottes Diener zu werden. Da wird es aber auch einem jeden der Feiernden klar, datz allein die Hingabe an das Ewige uns frei erhält und läutert, und die Fülle der mix» uns die Krone edlen Menschentums aufs Haupt setzt. Wie schwinden da all' die Sorgen des Tages und wie fühlen wir uns geadelt und geweikt. 8lK •»ja lüikKIich §re!s, erzÜhll uns die ^agada unserer geschichtlichen Rückschau, datz nur die Liebe Gottes uns erhalten, datz wir trotz Druck und Verfolgung geblieben sind das Volk der Religion, das durch seinen Opfermut und seine Glaubensstärke den andern den Weg zu den Höben gewiesen und selbst mit wahrem Heldentum alle Anfechtungen überwunden. Die ns», das ungegorene Brot, kann uns ein Sinnbild sein für das Himmelsmanna, mit dem uns der Allweise begnadet hat, aus datz wir gefeit bleibeu gegen ■ gegen be« AM üllMi figsnsn Trusst mr MW Sun: uemitBtct nun alles Heilige enilveiM. Das ist die ewige Erlösung, die uns die ns» verheißt, wenn wir von dem Lichte der Thora unfern Lebenspfad erleuchten lasten und nach

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