Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1927)
- Date
- 1927-04-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 14 Der Israelit 7. April 1927 Seidenu. Garn-Hflndelsges. m. b. H. 47 Bleidenstraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) SPEZIALHAUS in Näh- und Slick-Seiden Handarbeits-Garnen jeder Art aus der Notlage der Gegenwart heraus in erster Linie geboten zu fein scheint, Dis Generaldebatte ergab in den Grundzügen vollkommene Uebereinstimmung. In tatti« schen Fragen, in dem Verhalten zu anderen Organisationen, gingen die Meinungen auseinander. Es wurde ein provisorischer Arbeitsausschuß eingesetzt, der sich aus folgenden Herren zusammensetzt: Dr. Ist Kahn, Siegbert Seckelsohn, Bruno Galewski, Max Bauer, 7fr MMilMH, MiMitt dlvMi Sh WM galt, Moritz A. üoeb, alle aus Berlin; Rechtsanwalt Horovitz-Frankfurt a. M., Justizrat Hirschberg-Breslau, Dr. M. Lissauer-Köln, Cmanuel Pinczower-Beuthen, Direktor Hermann Marx-Königsberg r. P., Dr. I. Möller-Altona, Rabbiner Dr. Neuhaus-Mülheim (Ruhr), Felix Struck- Berlin. Die Konstituierung der Jüdisch-Konservativen Vereinigung •erfolgte einftimmig, ebenso diie Annahme der Entwärst für T«tzzmMN und Programm, mit der Einschräm kung, daß die in der Debatte zu Tage getretenen Wünsche betreffs Zusätze und Abänderungen von dem Ausschüsse bei der endgültigen Redigierung nach Möglichkeit zu berücksichtigen seien. Nach einem die Resultate der Arbeit zusammenfassenden Schlußworte war die Tagung gegen 4 Uhr zu Ende. Son Der öüDiföjiloniioafiDien »remiauna Berlin tvivb uns werter unter hem 4. Äprll geschrieben: ^n Nr. 13 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie die Mitteilung über das Jnslebentreten unserer Vereinigung. Sie knüpfen daran die Bemerkung, daß es sich um eine Konkurrenz der Achduth handle, deren misrachistifche Tendenz einem Teil ihrer älteren Führer nicht zusags. Wir erlauben uns, hierzu zu bemerken, daß diese Nachricht in feinem Punfte zutrifft. Unsere ^Bereinigung ist vpn d?n kvnstrvativ^u Mitgliedern des Rates und der Delegiertenversammlung des Preußischen Landesverbandes ins Leben gerufen worden. Ihr Tätigkeitsfeld berührt sich mit dem der Achduth nur in untergeordneten Punkten. Die Achduth bezweckt in der Hauptsache die Wahrung der Gleichberechtigung und gleichen Wertung aller Gesetzestreuen, unbeschadet ihrer Stellung zur Frage des Austritts.- des Zionismus usw,. unter Ausschluß jeder gerneinbepollll^chen Tüllgkell, 5>as flPHPFf cinigung ist die Sammlung der aus traditionellem Boden stehenden Kräfte zu gemeinsamem Vorgehen auch aus gemeindepolitischem Gebiete. Der Umstand, daß zwei Mitglieder des Präsidiums der Achduth der Leitung unserer Jüdisch-Konservativen Vereinigung angehören, beweist am besten wohl, daß ein Gegensatz zwischen beiden Organisationen nicht besteht. Traurige Skakrskik van Eltts Island. Berlin, 23. März. Die Zeitschrift von Hias-Emigdirekt „Die jüdische Emigration" bringt eine Statistik über die in den Jahren 1920 bis 1925 aus Elis Island zurückgeschickten Emigranten. Danach hat sich der Prozentsatz der zurückgestoßenen jüdischen Wanderer im Verlauf der genannten Periode oerachtfacht. 1921 wurden 6,8 Einwanderer pro Tausend zurücfgeschickt; 1922 schon 22.2 pro Tausend; 1928 27,1, 1924 28,6, 1929 aDcr schon 79,1 pro TllUsenD der Einwanderer. Hauptursache war das Fehlen zureichender Dokumente, aber auch der Gesundheitszustand war vielfach Grund für Zurückweisung. Unter den aus sanitären Ursachen Zurückgeschickten stellten die Juden den gehren Prvgxgffgg; MW MlWlWrm WMlMtz flßfr ff&UtfiH fl 5 Ulltöt d-öll &U£ Moralischen Ursachen oder wegen Analphabetismus Zurückgeschickten. Aus sanitären Ursachen wurden z. B. 1925 3,0 pro Tausend der jüdischen Emigranten, wegen Analphabetismus 0,4 aus wirtschaftlichen Ursachen 5,3 pro Tausend zurückgeschickt. „Menschen seid menschlich" Berlin. 28. März. Unter kW Mm „MMHsrr sM ruMMich" sänd gestern aus Einladung des Landesverbanves Groß-Berlin des C e n t r a l - B e r e i n s deutscher Staatsbürger jüdischen 8 saußewL lim M«Mws»t' iw Jen Spichernsälen des Berliner Westens statt. Die weiten Räume waren von mehr als tausend Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach den Reden des Vorsitzenden des Landesverbandes Groß-Berlin, Herrn Dr. Bruno G l a f e r f e l d und Herrn Justizrat Dr. Brodnitz, des Vorsitzenden des C. V., spricht Landtagsabgeordneter Oberpräsidialrat a. D. Dr. Grzimek und weist auf den immer steigenden Boykott und die gesellschaftliche Aechtung in so manchen Provinzen unseres Vaterlandes hin. Der Kcrrn^ um den ÄBen^ck^lic^keitsgednnken n«rf> reicht iy^ Berlin ausgsfochten, sondern in den Provinzen, wo aufrechte Bürger nicht einmal wagen dürften, sich zur Bersassung zu bekennen. Deutschland muß zu jener Volksgemeinschaft kommen, in der einer vor dem anderen Anspruch auf Achtung hat. Oberstudiendirektor Dr. Hans Henning wandte sich Möll öio WrWung in Wille unü WlWllle nnö Reichstagsabgeordneter Gesandter a. D. Hildenbrano betonte, daß in der Arbeiterschaft der Antisemitismus keinen Nährboden haben könne. Ihre Einstellung: Achtung vor allem, was Menschenantlitz trägt, bedeutet Kampf gegen die moralisch-niedrige Gesinnung des Antisemitismus. Zum Schluffe forderte Dr Ludwig Holländer, der Direktor des C. 23., eindringlich niftjt nur yyu klaren und zu Xrmfieren, fonDiem in eiyohwr MtiviMt und mit warmem Herzen für die Sache des Rechts einzutreten. Dem Schmutz der völkischen Verleumdungen muß die Emrüstung der gesamten öffentlichen Meinung entgegrnstehen, damit solche Ungeheuerlichkeiten, wie wir sie in Wort und Schrift erleben, überhaupt nicht mehr möglich sind. Die deutschen Juden müßten ihre christlichen Volksgenossen durch die Tat von der Wertigkeit des jüdischen Wlenschen überzeugen unb allezeit für die Ehre des jüdi- Mn Rarnrnz lcvcn. . Landesverband gefehestreuer preußischer Synagogengemeinden. Halber st adt, 4. April. Der Ausschuß des Gesetzestreuen Landesverbandes trat gestern zu einer Sitzung zusammen, um über eine Reihe vom Vorstand vorbereiteter wichtiger Vorlagen zu tzzllziäll. H^rr Pechtsanmalt 2r, Birnbaum^ Berlrn legte den von einer Kommission ausgearbeiteten Entwurf eines preußischen Judengesetzes vor, dessen Grundgedanken, insbesondere soweit sie von dem Entwurf des Berliner Verbandes abweichen, gründlich beraten wurden. Der Entwurf ging nochmals an die Kommission zurück und wird einer erneuten Durcharbeitung zunächst der öffentlichen Diskussion unterbreitet werden. WMg SßraiimsßPOünftänM «men Ms UuMZmrz der jüdischen Lehrer an den Akademien, die Frage einer Studien- und Prüfungsordnung für Religionslehrer sowie finanzielle Angelegenheiten. Näherer Bericht folgt. Die „V. z. W. "Versammlung in Mosbach. Mosbach, 4. April. Sm allen MMAll. wn noch DDerall uns 3lnöenfen an &en Jahrzehnte fang hier wirkenden Naw Dr. Leopold Löwen st ein ^"Lrlebendig ist, bewies im Rahmen der Tagung des „Vereins zur Wahrung des gesetzestreuen Judentums in Baden" sein Nachfolger, Rabbiner G r e i l s h e i m e r - Mosbach, mit einer wirkungsvollen und tiefempfundenen Rede, daß ihn der gleiche Geist von Thauro und Jiroh beseelt wie seinen Vorgänger. Nachdem der Vorsitzende des „V. z. W.". Herr Eduard Bauer- 2Nannheirrr, die aus ÄNcisback, und dem ganzen HMterianD zahlreich erschienönen Anwesenden begrüßt und nachdem der Vorstand der israelitischen Gemeinde Mosbach, Herr Synodalabgeordneter und Bezirksältester Louis Fr a n k, im Namen seiner Gemeinde der Tagung guten Erfolg gewünscht hatte, ergFiff fijm Mrfsraöölner ®r«rs|)ieiimer kW Wort zu seinem Thema: „Rasttage AUM Peßachsest". Eindringlich und klar legte er an Hand zahlreicher passend gewählter Stellen aus d"M Talmud die Verpflichtungskraft des göttlichen Gesetzes dar. Der Versammlung, die nach langer Unterbrechung den israelitischen Gemeinden des badischen Hinterlandes und den von dort Erschienenen wieder von neuem beweisen sollte, daß 8er „93_ z, W." rüstig und rührig, neuen LebensnllLen geigt unh g« LMi «Us7Uft, wohnten viele DorstkmdsnvMMr aus dem ganzen Lande, eine große Anzahl Lehrer aus dem Rabbinats deM MsLllsch M, uwi M TlllmhmSr tllb Interesse den Ausführungen des Herrn Rabbiner Greils heimer und des zweiten Referenten, des Herrn Professm Darmstädter - Ladenburg, der in seinem Resera „Was führt uns zusammen?" vom Verein und seiner Zielen sprach. Die zündende und eindrucksvolle Art und Sprache des Redners vermochte den Versammelter zum Bewußtsein zu bringen, daß auf der Jugend unsere Hoffnung begründet sei, die den Alten, den Siegelbewahrern der Emünoh, folgen müsse. Die Aussprache, die den 23orträjjen |otgtej beroies tro|j des Aff?Mfsllsssj Stch-Vevlierens m örtliche und die Gemeinden des Hinterlands betreffende Erörterungen, wie anregend die Problemdarstellungen der Referate gewirkt hatte. — Dr. Würzburger aus Heilbronn, unser Württembergischer Gesinnungsgenosse, unser treuer, anhänglicher Freund, dankte dem Vorstand für die Einberufung der IßorfammlunQ, Me leMipfnig Mr> und Mßtem ÄwWzsfL begegnete. Jugendlich und lebendig wiesen alte, ergraute Mitglieder des Vereins — waren doch Herr Sal. Marx aus Bödigheim, nur um der Versammlung beiwohnen zu können, von Frankfurt und unser Freund Rothschild aus dem fernen Randegg gekommen — auf die Nöte der nnvrr in dey Kleingemeinden hin. Erschütternd wirkte es, wie ein anderer der „alten Garde", Herr Leopold Bär aus Bilden, Crc fff Jugend für Tau roh und JMschkÄt därlsgiz und ra llüs die Ansicht vieler widergab: Wir wissen kein Mittel zur Abhilfe mehr ... — Der Erfolg der Tagung? wird mancher fragen. Wenn, was gesagt wurde, nur aufgerüttelt und viele, Lehrer und Laien, Männer und Frauen, Alte und Junge zum Besinnen und Nachdenken veranlaßt hätte — wir sagen mit dem Worte der -mn: J’i — für diesmal wäre schon das genug gewesen... VH4H. Eine Karaiten-Abordnung beim polnischen Bildungsmimsier. Warschau, 22. März. Eine Abordnung der in der ostgalizischen Stadt Halicz lebenden Karaiten-Gemeinde erschien beim polnischen Bildungsminister und ersuchte um Vorschüsse, durch welche ihnen Nr Mslillung iorer rcasiöfen SeDürfniffe, inso besondere der Neubau ihres Tempels in Halicz, ermöglicht werden soll. Dieser Tempel ist bereits mehr als 200 Jahre alt und beherbergt historisch und kulturell sehr interessante Objekte, so u. a. eine Bibel, die der polnische König Sobieski den Karaiten zum Geschenk gemacht hat. Der Minister versprach, der Bitte der Karaiiten zu willfahren. Sitatwn. Die jüdischen Bauern Litauens gründen eine Landwirtschafksbank. K o w n o, 6. März. Die zweite Konferenz der jüdischen Bauern Litauens, der 104 Delegierte beiwohnten, ging zu Ende. Nach Annahme von etwa 20 Resolutionen und nach der Wahl Der neuen yrntrattätmHums mvU iU einer jüdischen Landwirtschastsbank beschlossen. Die Statuten der neuen Bank wurden angenommen und eine Verwaltung gewählt, der Vertreter des Verbandes Ort, >der jüdischen Sejmfraktion und des Verbandes der jüdischen Volksbanken angehören. Dreitausend jüdische Unternehmungen in Litauen zugrunde gegangen. Nr mmt ■ 2Ü6 matstüslls Lügö dör jüblschen Bevölkerung in Litauen verschlimmert sich zusehends. Laut der Statistik der Handelskammer sind im Jahre 1927 dreitausend Handelsunternehmungen weniger als 1926 registriert. Die verbliebenen Handelsunternehmun-gen arbeiten mit DerrinßMom lanitaL Dis ^suchte tu Negierung, die Zwangssonntagsruhe abzuschaffen, die Steuerleistungen zu vermindern, um den bestehenden Handel nicht noch mehr dem Ruin zuzusühren. Die Regierungspresse aber hetzt weiter gegen das jüdische Handelselement und die Regierung zwang die Kownoer Stadtverwaltung, die Steuern um 20 Prozent zu erhöhen. Eine Versammlung jüdischer Kaufleute hat die OEttifenhung einer 2££>ortmun<j an öie ^Regierung beschlvssrn, um Mcscwc ü&er Den ruinösen Manv Des Handels auszuklären.