Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1927)
- Date
- 1927-04-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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De r Israelit Nr. 14 Seite 3 7. April 1927 _. __ 1 tzung bei der „Resher-Fabrik" in Haifa; 4. Jnt ikvenNon Drt Der MgMUM öaß BLisÄ cn den Sabbattagen ööwt DiSttst befreit merDen: : * Intervention bei der Zionistischen Exekutive, - ,'im Keren Hajessod, Jüdischen Nationälfonds . nd bei der amerikanischen Judenheit, daß strenge Maßnahmen gegen die Sabbatentweihung er- - - iffen werden. Zu diesen Beschlüssen paßt schlecht eine durch .ugenzeugen bestätigte Mitteilung im „Kol Jis- : oel" aus der religiösesten der Kolonien, P e - ach Tikwah. Dort besitzt der sefardifche : Wäk&itU? m MttsMNI, HfltOB' MSI r; Grundstück, auf dem der Makabi-Verein seien Sport- und Spielplatz hat. Es hieß, der Beuger habe die öffentlichen Spielveranstaltungen iun Sabbat auf seinem Terrain verboten. Allem, delegierte des Sabbat-Vereins konnten sich aus inerter Anschauung überzeugen, — und Hunderte aus Der Bevölkerung ^4 Angäbeü m allen Teilen — daß am Sabbat aus dem Platze des Herrn Oberrabbiners nicht nur die Spielkämpfe ausgetragen werden, sondern auch Eintritt erhoben, die Koupons der Einlaßkarten abgerissen, geraucht, Erfrischungen verkauft und auf jegliche Art und Weise der Sabbat zum Wochentage gemacht wird. Es darf nicht verwundern, daß unter diesen Umständen das Spielverbot des Herrn Oberrabbiners von vielen in Petach Tikwah IHU ktllk jjur eigene« Rückendeckung empfunden wird, die von keiner Seite ernst genommen werden muß. Um so mehr, als auf eine Anzeige des Vertrauensmannes des lNvw» na» Rabbi Jakob Meir die Antwort gab, er kenne keinen Rabbi dieses Sabbat-Vereines und glaube die Sache nicht eher, als bis ihm Bericht vom Ortsrabbiner, Rabbi Citron, zugegangen fei. Warum blieb dieser Bericht wirklich aus? SaJot» SJietr sorvohl mU Rabbi Citron, missen nicht um Diese Subbav entweihung. Aber in diesem Nichtwissen des ersteren, der neben seinem rabbinischen auch das Herrenrecht auszuüben hätte, und des letzteren, der die Pflicht hätte, zu wissen, was in seiner Gemeinde und unter seinen Augen vorgeht, liegt eine schwere Unterlassungssünde. Und so lange solche Sünden von berufener Seite begangen werden, bleiben all die vereinigten Konfemim unD WIM MAMk mfflii Kleines Feuilleton. kleine Geschichten. Von Sasy Geis in Tel-Arvirv. Gleiches Recht für alle. Es mar in Lern Büro eines großen jüdischen Wohl- MWMSSMNL.. Eimr Mn Mtefjor ßattie mich zu einer Besprechung gebeten; doch ä-r tvär gäi'AdA ist HlvöM der anderen Zimmer beschäftigt.. So setzte ich mich denn und beobachtete die Vorgänge. Im Büro war außer dem Sekretär nur noch ein Vorsteher anwesend. Dieser Vorsteher, ein dicker, elegant gekleideter Herr mit einer dicken goldenen Uhrkette auf seiner Weste, fuhr in seiner eleganten Equipage jeden Morgen vor. Nach einem tätigen, materiell erfolgreichen Leben hatte er sich nicht entschließen können, mm öqf NuA ZU MWM. mm u OisDer feinen Ser* dienst Im MätMMön, ss msMs Sk nun auf Dieser GruM; läge feine Verdienste im Ideellen sich erwerben. Dieser Zug seines Charakters hob ihn über andere, die sich in der gleichen Lage befinden, doch nach dem Zurückziehen von ihrem Berufe sich nur zu einem Kegelverein, einem Bergsteigeklub, einer Spielergemeinschaft im Kaffee aüfschwingen. Wer sich aber seit Beendigung seiner Schulzeit vierzig Jahre hindurch nur um Familie und Beruf gekümmert - rptj Penn ein jotd^er syienjcf) pef, bcxrtrt - nicht als Schüler, fbnbcrn als Meister, trsr verfügt — «vtf ein so schmieriges Gebiet Wie bas sozialer Ausgaben begeben? Das Berechtigte dieser Frage sollte sogleich eine charakteristische Szene erweisen. Vor dem Büro standen und saßen in einem engen H&ff *en geistigen Nachlaß 5. R Hirsch- ^"ST- Von Rabbiner sth. Fischer in öarospakak, Ungarn. II. i Und daß unsere religionsphilosophischen Schriftsteller von Philo, dem Alexandrier, bis zu Mendelssohn über kn'Lün '»vv schrieben, darf als jedem bekannt vorausgesetzt werden. Eine erschöpfende und systematische Darstellung der mrrvn'vvvbei den verschiedenen ReligionsphiloloWn wärt eint m MMnUW Mkit???' einem Fachgelehrten. Auch daß ein gkößsv Teil der kabbalistischen Literatur die Ergründung des geistigen Gehaltes, der.ms», sich zur Ausgabe stellt, darf, ich als bekannt voraussetzen. Auch ist es eine bereits von allen Historikern genügsam gewürdigte historische Tatsache, daß der ChasstriEUL M ssinsm MWbm feine züiMlwe Werbekraft neben anderen Umständen, gu einem großen Teile dem zu verdanken hatte, daß er seine Anhänger lehrte, wie sie bei der praktischen Ausübung der gesetzlichen Vorschriften dieselben, nicht wie die große Volksmasse als eine ms» rnöi^ö D’tm als einen leblosen Mechanismus handhaben, sondern vielmehr dieselben mit einem Ideengehalt, natürlich kabbalistischer Richtung, beleben und durchdringen sollen. All dieser« -px|oIge’t»äre es gerniß ««historisch UND gegen Den Sinn Des Meisters, so wir bie Behauptung aufstellen wollten, daß S. R. Hirsch mit der von ihm geleisteten und geforderten geistigen Durchdringung des Judentums etwas ganz Neues, bis dahin noch nicht Dagewesenes geleistet hätte. Solches zu behaupten wäre aber nicht bloß gegen den Sinn des Meisters und den historischen Tatsachen entgegen, sondern eine solche Behauptung — wir wagen das kühne Wort und fürchten skfsfst, darüber »er?«««! DÜDiiMl - BPfltfjfß auch den unsterblichen Meister um den nimmerwelkenden Ruhmeskranz, den eben das traditionelle Judentum um sein Haupt windet. Denn -im EnnV nwn ma: px nnsr» bleibt das unerschütterliche Grundpostulat des traditionellen Judentums. Wäre nun das von Hirsch mit solch beispiellos zündender Kraft vertretene Prinzip der Durchgeistigung des Judentums etwas ganz Neues, dann wäre . <*» CII fr es eben ein Bruch mit der Vergangenheit, und solches wollte der Meister am allerwenigsten. Daher nein! Tausendmal nein! Hirsch fußt mit dieser seiner Forderung und Bestrebung auf dem Granitsockel einer Jahrtausende umspannenden heiligen Vergangenheit! Auch hierin waren die hehrsten Gestalten unserer geschicht- NällittZ LU «Mssligs MMOölMMk. M einen hallen keine Arast mehr gur Arbeit utti däZ tägliche Brot, die anderen hatten keine Gelegenheit zum Arbeiten gefunden, und wieder andere hatten nie solche Gelegenheit gesucht. Darum galt es für eine zweckbedachte Hilfe als erstes Gebot, zu individualisieren. Wie individualisierte nun der Mann mit der dicken goldenen Uhrkette? Einer Frau in sauberer Bekleidung, der man die bessere Herkunft und die einstigen besseren Tage ansah, war es peinlich, unter den herabgekommenen, MlumWn MMlM zu Worten UND ihre »entartsn ättzuhdt'ött, bis sich das klÄ'ns Schiebefenster nach Dem Büro öffnete und ihre Nummer aufgerusen würde. Sie faßte sich daher ein Herz, öffnete die Tür und ging ins Büro. Dort blieb sie bescheiden am Eingang stehen. Der dicke Vorsteher sah sie kaum, als er sie anschrie: „Wer hat Ihnen erlaubt, hereinzukommen? Können Sie nicht warten, bis draußen die Reihe an Ihnen ist?" Die Frau erwiderte: „Es ist mir unangenehm, draußen zu stehen. Ich bin diesen Gang zu Ihnen nie gewohnt Wwkfen." Ml Ml Wut 10)1® DSF Bummi sk lMW?, daß sich seine Stimme im Schreien Merschlug'. „Wenn Sie uns in Anspruch nehmen, haben Sie sich genau so behandeln zu lassen, wie die anderen Leute, die zu uns kommen Sie gehen sofort aus dem Zimmer und warten!" Die Frau schlich nach draußen. Der Vorsteher sagte zu dem Sekretär: „Gleiches Recht für alle!" Ich aber dachte: „Gleiches Recht für alle kann zum größten Unrecht führen, wenn dieser Grundsatz aus dem Rahmen der Rechtsprechung ins Leben chinübergveift. bem Sticfjier borf ss fetrt ötnfe£>eri bet- Person geben, unb darum muß ihm?\m wn stHN-he« Aesl-hts. punkten geleitete Nechtsbehandlung zur Richtschnur fein. In den sozialen Beziehungen der Menschen zu einander ist aber die Nächstenliebe das bestimmende Prinzip. Das Judentum hat für Haschern Jitbarach zwei Begriffe, lichen Vergangenheit seme leuchtenden Vorbilder und Vorläufer. Seine Riesengröße besteht Zbzp Häsin, Daß er wie Irin zweiter Die unter dem SchutIgerb l l e hingeschwundener Ja.hrtausende aus den heiligen Schriften derVergangenheitnurspärlichhersickernden Bächlein der jüdischen Thoraforschung derartig mit seine mgottbegnadetenGeniebefrucht e t n-n dausgebauthatte,daßdieErkenNtnis des geistigen Ideengehaltes des Gesetzjudentums nunmshx miß oin gißwllll'lger Qirom über Die verborgensten Verzweigungen des jüdischen Gesetzes dahinrauscht, Leben und Wärme, BegeisterungundHingabefürdastrad i t i o n e l l e I u d e n t u m e r w e ck e n d. Ja, der Meister hak das kiefste Sehnen seiner Seele, Un Vu-hstcrbe« rlnl DlM «SvtzWSNDßN Symbol, verbunden mit Dem, was sich zu einzelnen gerettet", den „Geist" zu erschließen, — in einer fast beispiellosen Forschertätigkeit von über einem halben Jahrhundert befriedigt. Er hatte aus einzelnen Lichtsaaten, die. „sich zu einzelnen gerettet," mit dem Zauberstabe seines divinatorischen Geistes volle Lichtgarben hervorgebracht, aber auch dort, wo er vielleicht nicht einmal Anlehnungspunkte und Keimzellen für seine tiefere geistige £r|a||uttg »orf cm-b, verstand er 65 mit gotterleuchteter Intuition, Helleswasser ber Erkenntnis aus dem harten Felsgestein hervorzuzaubern. *) Er hat mit dem Flammenschwerte tiefernster wissenschaftlicher Forschung jedes unverantwortliche, leichtfertige Spiel bei dem Symbolisieren religionsgesetzlicher Gegenstände und Handlungen, jede prinziplose Unbesonnenheit bei der symbolischen Auffassung und Deutung derselben, die dieses Gebiet der Erforschung des geistigen?L.eengehalis ler KM 4ll fßlÜI, MküD trollierbares Feld betrachtet, aus dem ein Jeder seine ersten besten Einfälle' in die Bestimmungen des göttlichen Gesetzes hineintragen könne,') — weit weg von sich gewiesen. Wie er auch jenem Mißbrauche den Zutritt verrammelt hatte, der in der symbolischen Auffassung eines Gesetzes das Recht erblickte, sich von der Erfüllung desselben dispensieren zu können. Die- J) „Diele? von Hirsch? Forschungen und ihren Ergebnissen, insbesondere in seinen Erläuterungen der symbolischen Gesetze. Opserhandlungen und Tempelgeräte mutz aber als etwas-- — ganz einzig Dastehendes. Neues bezeichnet werden. Usw." I. Nosenheim im Jsr. 1906, Nr. 24, S. 4. 2) Einl. zu den Grundlinien einer jüd. Symbolik, Ges. Schriften S. 229._ Ml mmo imü (Dort mm mElltt: mr öuoe wi Gott nacheisern; darum vor dem Recht Die Wahrung Des Rechts, sonst aber: Liebe deinen Nächsten, denn er ist wie du Gottes Wesen." Ich erzählte nachher dem anderen Vorsteher, einem Mann, den Menschenliebe und Selbstbeherrschung zu seinem Amte befähigten, den Vorfall und fügte hinzu: „Auch die öffentliche soziale Tällgkeit verlangt einen Befählgungsnachweis. Reichtum aber erschwert eher diese Befähigung, denn Reichtum macht leicht verständnislos fiir fiif SM? Hm bxisteng ringienverr Menschen. Ist Dach sur Dcn Ncichcn schon vcr Begriff „Nächster" gefährdet!" Der billige Kauf. Die Familie saß um den Tisch. Das Töchterlein, eine angehende junge Dame, wandte sich an den Vater: „Weißt du, Vater, daß ich heute zum ersten Mal selbständig auf dem Markt eingekauft habe und billiger als Mutter, Mutter handelt selten; ich aber habe nicht eher geruht,?ii? *0) einey 9tedjrmrig non gro-ei SDiarf gtoctrt^ig bie Wnnzig' Pfennig noch abWhrn könnt?. Sir Frnn <??- hauptete zwar, sie verdiene dann nichts mehr, ich aber blieb fest!" „Also die Mutter kann von ihrer Tochter noch lernen?" „So meinte ich es nicht! Ich wollte nur ein Lob von dir einheimsen." „Einen Tadel verdienst du!" rief der Bruder, ein Lehrling. „Meinst du, die Marktfrau steht darum um fünf Uhr d-ss Morgens auf und setzt sich bis zürn Mittag auf Lrr BJlaJi Firn »Ws zu üMilKl«? NiMUt m sie eine Witwe, die Ihre $mber von Ihrem Sferblenfi mühselig ernähren muß!" „Wenn du so denkst, wirst du es als Kaufmann nicht weit bringen. Da sattle lieber noch setzt um!"