Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1927)
- Date
- 1927-03-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450455--73933-2531373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 4 Nr. 13 D er I s r aei it 31. März 1927 hier keine lockere Handhabung Platz greifen. Es darf beispielsweise nicht Vorkommen, daß die Herrschaft verreist und die jüdische Küche auch nur auf Stunden nichtjüdischen Dienstboten lange treue Anhänglichkeit in einem gewissen Vertrauensverhältnis zur Herrschaft stehen. Und daß selbst ein jüdisches Beimädchen nicht unter allen Umständen als zuverlässig gelten kann, bedarf nicht weiterer Beweisführung. Es sei uns gestattet, zwei Vorkommnisse zu registrieren, die das Verhängnisvolle allzugroßer Vertrauensseligkeit brastisch illustrieren. In einer strenusrom? men Familie — der Fall liegt allerdings etwa 50 Jahre zurück — hatte die Hausfrau im Winter Sauerkraut zugesetzt. Es mundete' gut und nahm sich besonders fett aus. Der nichtjüdische Dienstbote erzählte hierauf ganz harmlos und in naiver Unschuld, er habe ein wenig Schweinespeck beigegeben. Das Entsetzen kann man sich ausmalen. Und l-ier lcr^ keinerlei bösnriUi^s fjT£>jtc^i oder Aöhnliches zugrunde. Das Dienstmädchen hatte auch nicht heimlich und heimtückisch gehandelt. In einem andern Falle, der sich vor etwa 15 Jahren zutrug, holte ein nichtjüdisches Mädchen aus einer christlichen Metzgerei des öfteren Wurst für die Herrschaft. Der jüdische Laden lag ihm in der , Großstadt zu weit entfernt. Erst nach längerer Zeit > tm M HMschH Ijiti!« Ji« ffl. Uz die größere Schuld? Am jüngsten n,,hi mir wurde seitens der gesetzestreuen Rabbiner Bayerns allgemein m' ]üj? 11S2 angeordnet mit dem Ersuchen, womöglich ganz zu fasten und abends?rri zu leienen und zu beten angesichts der unserer hl. nv'Nw-Jnstitution drohenden Gefahr. Wahrlich, eine Maßnahme von erschütternder Tragik! Und wenn über unsere Lippen sich die innige MU m^i utatitoö böä - -12'2'irr 135*?» «'S« •rntfp nmi wbvn - „Unser Vater, unser 'König, wende von uns ab alle schlimmen Verhängnisse — mache zunichte die Gedanken unserer Hasser — zerstöre den Rat unserer Feinde", — so wollen wir die lapidare Einleitung dieses seierli«t> ernsten Gebetes nicht übeiseheni yisV iiRsn laaVa iras Unser Later, unser König, wir haben gesündigt vor Dir! Suchen wir zunächst bei uns selbst die Schuld, legen wir zuerst die Hand auf das eigene Herz in offenem Bekenntnis, in reumütigem Schuldbewußtsein. Es ist vieles zu bessern, gar manches muß anders werden. Raffen wir uns auf zu dem heiligernsten Geiste, den das Wort m-nrnin sich schließt. Dann wird reicher Segen in Israels Häuser und FamUm ßinfßfjMn. vwwi Seidens. Garn-Handelsges. m. b. H. Korrespondenzen « naebriebten. Deutsche» Reich. Die Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge. Berlin,' 19. März. 55-cr joe£>ert erjcf)ierterte S^äixjf-ei±s&ertcl,i 5>er fteile für WkNstyö 2BanDerfürforge für me Zell vom 1. April 1925 bis 31. Dezmber 1926 gibt ein umfassendes Bild über den Aufbau der gegenwärtigen jüdischen Wanderfürsorge Deutschlands. Von den durch hie Hauptstelle zusammengefaßten Unterverbänden sind während der Berichtsperiode im ganzen ca. 25 000 Wanderer erfaßt worden. Es handelte sich zum allergrößten Teil um Personen, die die Reise nach ihrem Heimatsorte an- Älchtttt. (10000 WM») 3100 pöjSKI« 81fanden sich auf der Arbeitssuche, ca. 2000 Personen wurden zum Arbeitsantritt befördert, der Rest waren Auswanderer und Personen, die zu ' Anverwandten reisten. An Reisekosten wurde ein Betrag von ca. 140 000 Mark aufgewandt, Unterstützung wurde in Höhe von 60 000 Mark gewährt. . m neuen mmmm will Die iMWkllk WO ®r enbtgwng bet firgamfaiionsarbeUen insbesondere bem Problem der Produkt!Vierung der jüdischen Wanderung ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Bedeutende Fachleute haben der Hauptstelle Gutachten über die Errichtung einer Arbeiterkolonie für jüdische Arbeiter zur Verfügung gestellt. Die Generalversammlung der Hauptstelle, die am 8. Mai d. I. in Berlin stattfindet, wird endgültige Beschlüsse über diese Pläne fassen. -47 Bleidens(ra߀f 47 (Tranen Grosse Esonennoimerstrasse a) SPEZIALHAUS in Näh-und Slick-Seiden Handarbeits-Garnen jeder Ar& Tagung der jüdischen Hoteliers in Wirb ^ijjtttgett. 58 ab V er eint Alt« g icah tihmelkg e?ei| ei§ iceitei: Saiiraer Deutschland. Berlin, 24 .März. Die Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands versendet ihr auf Grund des neu herausgegebenen Deutschen Arzneibuchs ausgestelltes Verzeichnis von Medikamenten mit Angabe ihrer Verwendbarkeit am Peßach. Die Arbeit §ibt über -stroa -400 Strgnetmtiiel fotute über «lls in Bsttllchl tommenDen AtWeifvirnen AuffchlW »ntz wpfi zum Gebrauch für Rabbiner, denen ein beratender Fachmann nicht zur Verfügung steht, eine besondere Liste von sogenannten Hausmitteln. Das Büchlein dürfte allen Rabbinern, Aerzten und Apothekern willkommen sein. Nichtmitglieder, die es beziehen wollen, mögen sich an die Adresse Dr. Meier Munk, Berlin N. 24, Linienstraße 147 pt. wenden. Der Kostenpreis ist exkl. Porto auf Mk. 1.— pro Büchlein festgesetzt. iff2£ Am 15. März ^sand im „Hotel Seelig" in Bad Kissingen die Mitgliederversammlung des „Vereins jüdischer Hoteliers und Restaurateure" statt. Der Vorstand gab nach., der Begrüßung der Erschienenen und der Verlesung des. Protokolls der letzten Sitzung einen Ueberblick über die - Tätigkeit im Berichtsjahr 1926. - 5)cr SSox-j'tartb fjeti: in jjafjlr-etcfjert 3>rie|-ert mit b-em. . „Dsrsin zur Förderung ritueller Speisshäuser" korrespondiert und die Interessen seiner Mitglieder vertreten. Soz. B. bei den lange dauernden Verhandlungen über die Aufnahme-Bedingungen und den Revers, über die Frag e - des Koscherweins, Beitragsleistung ufw. Durch den Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser ^wurden uns Rerkaufsoffsrtsn für Hotels und Benfionen. Gefuche von - Apch- und ^llnrrlkhttintzkn uslv, übermittelt. An der Mitgliederversammlung des „Vereins zur Förderungritueller Speisehäuser" in Homburg v. d. H. nahmen drei Mitglieder des Vorstands teil. Durch Notizen an - die Presse hat der Vorstand versucht, die Oeffentlichkeit' für die jüdischen Gaststätten in erhöhtem Maße zu interessieren, muß aber mit Bedauern feststellen, daß diesen: Bemühungen der Erfolg versagt bleiben muß, wenn sich, die jüdischen Zeitungen nicht mehr dieser Sache annehmen, als es bisher der Fall war. Einige Zeitungen haben, ftlchz Mfil Äiüilt dbMW. Das Referat über die wittschastliche Notlage der De-", triebe in den Kur- und Badeorten war sehr pessimistisch- Wenn auch der Besuch in der letzten Sommersaison gegenüber den Vorjahren eine kleine Zunahme erfahren hat, so ist doch die Vorkriegsfrequenz noch lange nicht erreicht. In der Hauptsache leiden wir unter der geradezu - . erschreckenden Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit lmMM WiML Mfi gi&uiöluu iiu üüuittiu Dttm. den. So kommt es, daß große, einstmals blühende Gaststätten ihre Pforten schließen mußten. Den Schaden hiervon hat nicht nur der betreffende Wirt, sondern die Allgemeinheit. Der Verein jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure lenkt die 'Aufmerksamkeit der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit auf diesen Zustand, Auch' die großen jüdischen Organisationen, gleichviel ob sie politisch, philantropisch, sportlich, religiös-liberal oder konservativ fiUfffftfnf M M MM, UM kW MiOM geschah, allein noch nicht, um Israel nach allen Seiten hin der Erlösung würdig und zu einem nbrv vv zu machen. Wohl war die herrliche, durch nichts zu unterschätzende Handlung unserer Vorfahren in Aegypten nur ber negative Ausdruck ihrer Gesinnung, nämlich die entschiedene Verneinung der ägyptischen Religion, die Leugnung der Wahrheit ihres Glaubens und der Macht ihrer Götter. Doch diese Verneinung, dieses Aufgeben unn Magen Braum nm ahm wmms ein MMW in die Glaubensgemeinschaft Israels zur Folge haben: denn wer die ägyptische Religion aufgibt, kann sich, wenn er die Absicht hat, auch dem persischen, dem assyrischen oder irgend einem anderen Glauben zuwenden, darum mußte zu dem negativen Ausdruck in der Gesinnung noch eine positive Handlung kommen. Diese positive Handlung aber, durch welche der Wille der Zugehörigkeit zum alten Bunde allein nur einwandfrei bekundet werden kann, das ist und bleibt ausschließlich die die Vollziehung des Bundeszeichens an unserem Körper, W ist Jflf Ira*' unsere^ &eJonl>eren 2tng«= Mlglcil an Dtn iott Mrähäms,' an "ösn ‘ nir irfr n pw v'»v. Und die Thora sagt: n« nvn «b iv« tu bnvi -nvn »nm ns n»nsm s’nn vma nman *ien „Ein männlicher Unbeschnittener, der die Vorhaut seines Fleisches nicht beschneidet, diese Person hat sich aus ihren Stämmen ausgeschlossen, hat meinen Bund zerstört." Darum mußten Israels Söhne, bevor sie zur Erlösung reif und würdig waren, die ni"» an sich vollziehen; erst nach dieesr zweiten Handlung waren sie «v'np spbim eingegangen, hatten durch die positive Tat unwiderleglich den Willen der Zugehörigkeit zum Judentum kundgetan. S*ü|) (f’pff IO ^ai OTnmen Jakobs irrt Laufe Der Jett mit Der Veobuchiung von nm mm gebrochen hatten, das lehrt die Peßikta, die zu den Tharaworten »in i!»» op’i erläuternd bemerkt:«^ »«ni» i’nns pan ,n>’n nna nsn onr a>ja naa 'ra „Die Erklärung dieses Thoraworts haben die Rabbmen eingeleitet mit dem Hinweis auf das Prophetenwort (Hosea 5, 7), das da lautet: „Gegen Gott waren sie treulos, denn entfremdete Kinder haben sie gezeugt", das will besagen, daß Israels Söhne nach dem Tode Josefs den Bund der Beschneidung gebrochen haben." Und nach diesem Bruch erfolgte naturgemäß der Bruch nm Dem Lmmum, »it »ii m UM mO m -achten Gelegenheit haben. Ohm Mm m teil noo on beide gehören aufs innigste zusammen, und darum verfügt die Thora ia ‘>as’ s*> ^n» ‘ov „Ein Unbeschnittener darf vom Fleisch des Peßachlammes nicht essen." So tritt das Peßachfest mit der ernsten Mahnung an uns heran tp^k -n oy Tnn ci'vn „ganz anzugehören dem Götte Israels", damit man uns nicht die Wnrte des Propheten Elijahu entgegenrufe w bv owos vnrr ->m iy o’sson „Wie lange wollt ihr nach beiden Gedankenreihen schwanken?" Mit der Negation alles Unjüdi- Jcf^en uni) b-em -Spojitiuistrms des Subentums urts 8er TchimmukirnnmÄtt nny -nss fest begrüßen: dann wird auch uns aus Himmelshöhen der zweifache Ruf entgegentönen: T>»na ,">n “[’ana Kleines Feuilleton. (Die Hürlier in der jüdische« Literatur). Prof. Dr. Isaak Markon, ein bedeutender, zur Zeit in Berlin wohnender jüdischer Gelehrter aus dem Kreise Von OSoroTt ©mSberg utib SSartiaDij» irr £)öt eins für Forscher emo Laien gleich inteeeffanie und lehrreiche Schrift unter dem Titel ..Eine Benennung der Türkei in der jüdischen Literatur" herausgegeben (Itzkowski & (to., Berlin N. L4), die man lesen soll. Die ersten Kapitel befassen sich mit den K a ra it en und deren letztem geistigen Führer Abraham Firkvwitz. aber auch mit dem Deuter Firkowitzs, Daniel' Ch w ols on, beiden viele Ungenauigkeiten, besonders in kalendarischen Angaben nachweisend. Spannend ist die Abhandlung über das Land Uz. Ts stellt sich heraus, daß später, unvon betti: btblifdpeTt Hg irtt 93ru^e'^jbb, bie Bezeichnung für Die Türkei oder Das frühere Bpganz neben denanderen bekannten Bezeichnungen, wie um* Könmrr gebraucht wurde. Dieser Name erhielt sich bisauf die letztere Zeit. So beginnt Rabbi Jakob Emden in feinem Werke nun die Biographie des Sabbatei Zewi mit den Worten: „Ein Mann war im Lande Uz, in der heiligen Gemeinde Ismir, die Smyrna genannt wird". Ein Historiker und Forscher, mit allem wissenschaftlichen Rüstezeug ausgestattet, spricht zu uns in diesem^ wnwmi tm nm mm fmtm w m der statatten um totst gtgm Das ttaotttonsas Judentum gerichtete Pseudonnffenschaft Meter. —tz. (pte Weichte und der Weformtempel). Reverend- Samuel Thurm an vom United Hebrew Temple von St. Louis teilte mit. er habe für die Mitglieder feiner Synagoge die Institution der Beichte ein-- geführt und habe hierfür bestimmte Stunden der Woche festgesetzt. Alle, die das Bedürfnis haben. Entlastung für. ihre Sünden und Sorgen zu finden,, mögen zu ihm. kommen und im Beichtstuhl^Erldichtöutn} |tnbc»t. gegwB&er örrßerte fl<^ Reverend Thurman dahinter wolle dmch die Institution der Beichte ein engeres Derhältn;s zwischen^