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Der Israelit · 1927-03-31 · Heft 13 (31.3.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 13 (31.3.1927)
Date
1927-03-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Teile 2 Nr. ,3 ffioiroeni)igteii. Rsichlichs SBermettbitrtg Haifaot t» ftfjen Kulturgutes ist nach Schneider nur in einer katholischen Schule möglich, die freilich unbeschadet dessen auch anderen Bildungsstoff an die Schüler heranbringen müsse. „Denn alles, was außerhalb des Katholizismus wahrhaft gut, schön, edel ist, läßt sich mit seiner Weltanschauung vereinen." Aber die Wiedergeburt katholischer Dichtung und bildender Kunst sei nur möglich aus dem religiösen Erlebnis, dieses entzünde M WjMPlM HUP SN Bl« INtWHMlN KUltUSwerten. Das Christentum sei ein ebensolches, wenn nicht stärkeres Bildungsgut wie die Antike und der moderne Europäismus, demgemäß müßte neben die Typen des Gymnasiums und der Oberrealschule auch der eines bestimmten Christentums treten. Nur in einer solch rvolt- «rnschäülrch ern^srllrchsn Schule fei es aucij moej» lich, wirklich zu konzentrieren und den Religionsunterricht vor unpädagogischer Isolierung zu bewahren. Setzt man in dieser Begründung jeweils an die Stelle des Wortes „katholisch" das Wort „jüdisch" ein, dann können wir Wort für Wort unterschreiben. Noch wertvoller erscheint uns, was der Autor auf den stärksten Einwand gegen die konfessionelle Schule erwidert, dagegen nämlich. Äsß sil Bll nrtisnzli Ei»M uusiviL fßaL fes gefährde und die konfessionelle Zersplitterung verschärfe. Erstens stellt er fest, daß die weltanschauliche Einheit seit der Reformation auch unter den Christen Deutschlands nicht mehr da sei und durch eine Einheitsschule nicht hergestellt werde. Wie wenig übrigens die nationale Einheit damit zu Ü1H Sflfiß, Wfiö iM LMMl EMSKöL. 3M besteht ein völlig uneinheitliches gerllüsteles Schulwesen, natürlich auch die Trennung nach Konfessionen, und denoch eine viel stärkere nationale Einheit wie in Deutschland. Sodann betont er, daß religiöse Lauheit und Halbheit, wie sie in der Simultanschule dadurch erreicht werde, daß der Charakter der Konfessionen nicht zur Geltung komme, auch kein Verständnis für fremde uni> Karte S&eltanfcffauunaerr auftammen taffe. . I.. ...J,....4..y«.. ......i». ««»II». Mw önölich hat fa vis Nation sine Trennung in Weltanschauungsgruppen gar nicht zu fürchten, nur die Atomisierung, das Auseinanderfallen in Einzelpersönlichkeiten. Die Konfessionen aber bilden Gruppen, die, jede für sich, geistige Einheiten darstellen. Gelingt es, die Gruppen als solche geistig aneinander zu binden — gemein* jame 5Btfbim<£sj’£o|j:e, QStfburtgsgtefe irrtb Sc^ulorgaMsatwn können dafür sorgen — so miiD die Volkseinheit auf dem Wege über die Gruppeneinheit erreicht. (Schluß folgt.) «21v bin T ~ Don K. Wachmann in Aktona. Bei freudigen Gelegenheiten pflegen sich jüdischfühlende Herzen den Glückwunsch zuzurufen 21V Via! Möge ein glücklicher Stern die sreudespendende Tatsache bescheinen! Da das Judentum allen astroloaiichen Deu- Mllgkll UBDOID ift MV MG VkM dlVlMkll Sll8ß. wra tz» mm»»- allen nlanstattschen Konstellationen mit Gleichmut entgegensieht, so ist die Wunschsormel ms Via nur in ganz besonderer Auffassung. vielleicht nur in übertragenem Sinne zu verstehen Der Talmud ventiliert die Frage, Vrnff'V Via ff’ Vrnff'V Via j'K irr und kommt zu der endgültigen Anficht: Vrnff'V Via f'K- Israels Unabhängigkeit vrm Einflüsse der Himmelskörper anzunehmen. Alber selbst aus der Meinung der Gelehrten welche sich bsr gegenteiligen Ansicht znneigen, lätzt sich ber §chlnh hießen, sie ben lsesilrnen keinen dtnstutz aus Charakterbildung zuschreiben, das dürste aus dem blafstschen Beispiel erhellen, welches an der -besagten Talmudstelle angeführt wird: rrVmn |Ka 'Kn D'nKaa, Wer unter dem Rötlichen geboren ist.d.h. unter dem Mars, der einen rötlichen Schimmer besitzt, Der Zsraelit 1^ Ivochenrundschau. Wie sich Rumänien rehabilitiert 8!c ium8n!!4c Äcglrrung!sl UI VUH’1 wllyr» hast wenig beneidenswerten Lage: Sie hat nicht die Kraft, vielleicht auch nicht den Willen,, der antisemitischen Sturzwelle im Innern Einhalt zu gebieten, es ist ihr aber auf der anderen Seite ein Gebot der Selbsterhaltung, nach außen, insbesonbere b-em föollarlanbe gegenüber, als Rechtsstaat dagustchru- Der moralischen — wie wirtschasv Uchen — Kredit verdient. So verschrieb man sich einen in der Politik nicht unbekannten Herrn aus Amerika, Oberst Ament, ließ ihn in C z e r n 0 - w i tz und K i s ch i n e w, also im Zentrum der Judenhetzen in der Bukowina und in Beßarabien, jüdische Delegationen feierlich empfangen Und von ihnen die Erklärung entgegennehmen, daß in Rumänien alles nach Recht und Gesetz zugehe, daß alle Berichte über PoZronre. Ausschluß. Ent- PlHtüü^ -HAU? Ällillisltlliärchött sötsü, srfttttBett von Männern, die Rumäniens Verderb wollen. Kein Engel ist so rein ... Es genügt zur Charakterisierung der Komödie, anzugeben, daß der Empfang der Delegation und die Aussprache in Czernowitz in Gegenwart des K a b i n e t t ch e f s des M i n i st e r p r ä s i d e nt e n . des Generalsekretärs der Präf ö k I ij? üb& MINIS hzHzistMirr kn vor sich ging! Der Führer der. zur Audienz beorderten jüdischen Delegation, Obertabbiner Dr. Mark, antwortete auf die an ihn gerichtete Frage, ob die Juden in Rumänien gleichberechtigt seien, sehr vorsichtig: „Wir sinb nach dem Gesetz e gleichberechtigt". Ein anderes Mitglied der Delegation fügte hinzu: „Eigentliche Pogrome haben nicht stattgefunden". Ueber ihre Hoffnungen llll? fraffHimgin fiffsgtj 8MW8N stk ~ m Gegenwart der hohen Herrschaften —, daß Ministerpräsident Averescu versprochen habe, den Juden vollen Schutz angedeihen zu lassen und daß sie auf ihn vertrauen. Ueber die Grenze zwischen „eigentlichen" und „uneigentlichen" Pogromen, über die Behandlung der Juden jenseits des ihnen Gleichberechtigung gewährenden geschriebenen urtb anberes metjr ist weiter nitfjt gesprochen worden. Herr Amens wird beruhigt hinüberkabeln können: „Alles in bester Ordnung!" In diesem Sinne äußerte sich wenigstens der 31. März 1927 Syerr D£>etfi auf einem SBanfett am QCbertb, b-em auch ein jüdischer Stadtrat beiwohnte. In K i s ch i n e w ging diese von oben arrangierte Audienz nicht ohne kleine Störung ab, was wiederum dem bösen Oberrabbiner Zirelsohn, diesem notorischen Spielverderber, zur Last gelegt werden muß. Dort erschien Oberst Ament im Stadtrate, mitten in einer Sitzung, und stellte schlankweg seine delikaten Fragen an die jüdischen Stadtratsmitgliedsr. Gegen disss W z» »MIM Lurftrz;fz als Stadtrat anwesende Oberrabbiner Z i r e l - s 0 h n und beschwor die übliche Entrüstungswelle von seiten seiner Ratskollegen herauf, wie er sie schon so oft über seinen Kopf hinwegfluten sah. Ob er diesen Mut mit seinem Stadtratssiß bezahlen rvird. rois er seinerzeit der Wahvheilslrslis fein §enalarmandal NVf^ nicht fest. Das Zusammenspiel klappt indes in Rumänien. keineswegs. Denn zur gleichen Zeit klirrten in Jassy wiederum Fensterscheiben jüdischer Häuser und wurden jüdische Passanten von Studenten schwer mißhandelt. Militärpatrouillen hatten alle Hände voll zu tun. Es war genau am gleichen Abend, da' Oberst Ament im Festsaale zu Czernowitz seine Lobrede auf den vielmrmrmffii imö MimmiimMM utoöMtnat Rumänien hielt. Die „jüdischen Stimmen" in Erez Jisroel. Nirgendwo lag so sehr die Notwendigkeit für die jüdische Stimme vor, sich Gehör zu verschaffen, wie im heiligen Lande, wo so viele destruktive Kräfte am Aufbauwerke tätig ftrtb un^ ^ie jinntmen Slajjenj aus alter Seroo^Tt^eit zum Teile, aus Unkenntnis moderner Taktik, in Ermangelung * der im politischen Kampfe gebräuchlichen Waffen, den wenigen den Markt beherrschenden Wortführern bislang ein Schweigen entgegensetzten, das vielfach als Zustimmung oder Ohnmacht genommen wurde. Als sich dis Situation in Palästina zuspitzte und die Männer des alten Jischuw doch aus der vornehmen mtm llisslk zum Einflmn für M mmum jüdischen Interessen, damals erhob sich die „jüdische Stimme" mit dem „Kol Jisroel", einem Organe, das mit der gleichen Waffe, der hebräischgeschriebenen Presse, mutig den Kampf aufnuhm für die stark bedrohten jüdischen Interessen, für all das, um dessentwegen die Alten alle pi* 'Tjd' Vrnff' auf sich nahmen. Bor fünf Jahren, nach der UUU?ÜWU8 MWMUM vllSieWkllWMl neue günstige Winde den ZiMistrschsn Mühlen brächte, entstand dieses Blatt dank der Opferfreudigkeit orthodoxer Kreise im Lande. Fünf Jahre sind im Kan Kiffn min Kirr, der ift zum Blutvergießen prädestiniert. Um aber eine wörtliche, mißbräuchliche Auffassung dieses Ausspruches gleich im Keime zu unterdrücken, fügt ein Talmudlehrer gleich hinzu Kbna ik KnaiK iK. Kinn ik d. h. das Blutvergießen ist nicht irn Innslnufigen Sinne gu verstehen, «ls ob der Eetresierrde derrr beschicke eines Nffßi entrinnen könnte, vielmehr ist das Blutvergießen in weitester Auffassung des Wortes zu nehmen. Wobl ist dem Betreffenden auf fein-r Lebensbahn Gelegenheit gegeben, den blutigen Beruf eines Räubers und Mörders zu ergreifen, ik Kan Knffn Kinn- Aber eine Neigung zum Blutvergießen mutz sich durchaus nicht durch Tötung von vernunftbegabten Geschöpfen dokumentieren. Das blutige Handwerk kann sich auch auf das minder gemiedene Schlachten der Tiere beziehen, und lvürm m folEift unfoiß Mms» ZgmsLnslls«. Bis Um schzrfrn Mrffr» Zum Opfer fallen, 1K. Und wenn der Arzt in der humansten Absicht, dem Kranken Linderung der Schmerzen und Genesung zu bewirken, zu seiner Lanzette greift, um einen heiloersprechenden Einschnitt vo zunehmen, so läßt sich sein Vorgehen auch unter die Rubrik des Blutvergießens einreihen KnaiK ik- Wenn die Operation zur Ausnahme in den Abrahamsbund vorgenommen wird, fließt auch Blut. Allerdings ist der gewissenhafte Mauhel mit allen ju Gebote jteljenben 2Nittelrr uerjetjeiij xirrt nxtx Minimum ssn Vim s« vngirMnj Ivöhl füm'cr sich in seinem hehren Berufe als Bote seines bimmlischen Gesetzgebers, nach dessen Diktat er das scharfe Messer führt; aber seine Tätigkeit fällt nichtsdestoweniger unter den Begriff des Blutvergießens ik sSnia- Das Blutvergießen erscheint eben in so vielen Variationen, daß der Täler unsere tiefste Verachtung bis hinaus zu unserer höchsten Anerkennung erzielen kann. Es hängt nur davon ab, was für Veranlassung dazu vorliegy welche Triebfedern dem HarrdelvdeTr das SNe^er irr die ^cpb PWsßfsst Ö? TimviÄllung dn Anlagen eines Menschen, nach dem Grade der Selbstbeherrschung, nach der Neigung zum Materiellen oder Ideellen können sich die anqeborenen Kräfte betätigen. Jedenfalls bleibt aber das Gesetz der menschlichen Willensfreiheit unangetastet, und „in Deinen Händen liegen Deines Schicksals Sterne". Selbst die Vertreter der Ansicht. hKIff'^ ^>ra ff’- stimmen darin mit überein, daß höchstens die äußeren Verhältnisse einen gewissen Einfluß auf das Tun und Lassen eines Menschen ausüben können, und 8«st wm 8M MIMIMM GUI kill MÜM8 Maß irvümn. ivMninm gaigam vefmigl msivm kann. Die jüdische Energie, die als eine Charaktereigenschaft Israels bezeichnet wird nw hKNff' DiaiKiffkann zu einer Tugend werden, wenn sie sich würdigen Objekten zuwendet und erstrebenswerte Stele verfolgt, ebenso wie sie zu einem verabicheuungswerten Laster wird, wenn fie in der Ausübung des Verwerflichen beharrt. Wenn man daher 2lv Via wünscht, verbindet man damit die Idee, daß dem Beglückwünschten «M M SLMM M8M8M, Slk klllMMWkll NS wmt seiner umgevung vm Triev zum Gulvn fördern mögen. Daß es sich dabei nur um geistige und seelische Vorteile handelt, dürste schon aus dem Talmudspruche hervorgehen n'aff hKTa m ö’aff 'n’i Vin, daß» die Willensfreiheit des Menschen sich auf solche

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