Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1927)
- Date
- 1927-03-17
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450453--73912-2531350- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
V 17. März 1Ö21 D er Is r a e l i t Nr. 11 Seite 19 Aus einer Emheizgememde. Die liberale Mehrheit der Gemeindeoertreter hat „geschlossen" gegen die Subventionierung der vom Jüdischen Schulverin aufgebauten Jüdischen Volksschule, und Jüdischen Höheren Schule" gestimmt, weil dieselben auf traditioneller Grundlage geleitet werden. Das Siegel der Breslauer Gemeinde zeigt die Hand des Propheten Ezechiel, der zwei Hölzer in feiner Hand zusammenhält und trägt in Hebräisch die Inschrift, daß beide „in deiner Hand vereinigt" werden sollen: ein Symbol für die Eintzeitsgemeinde, die beide Richtungen Zusammenhalt. Trotz des Hniweifes auf dies Siegel bewilligte die libeffllE MMW IM?”T?” . *Vm richt, aber nur für den geringen Umsang, vm an chftsi lichen Schulen: im ganzen eintausend Mark ... Dahingegen hat dieselbe Gemeindevertretung siebenundfünfzigtausend Mark für Erneuerung der Heizanlagen in der liberalen Synagoge bewilligt und dokumentierte hierdurch, daß sie den Grundsätzen einer Einheizgemeinde huldigt: wenn das Gemeindesiegel auf eine Einheilsgemembe Jjtnbeufcett mollte, rvarum denn gerade zwei ipä Ui MmMan? mim fimffi man doch zum Einheizen... Auch ein „Unterschied". „Kennen Sie den Unterschied zwischen liberalen und nationaldeutschen Juden?" '. - „hvaantz" aa?aß aaq uahrjsnsqsvu -o;;M srq qun hvaotz raLstz aaq fqia-a; ua-ivaaqiF ai<x Purim und Weihnacht. „Aber ich' bitt Sie, Herr Cohn! Bei allen Festen frört W Wsji e?ii ^enb- ®*eak* Sei Purim dm Atzend hinket dkm Tage?" „Nu wenü schon, Herr Scholz! Ihr feiert ja immer den Abend hinter dem Tage, und Weihnacht auch gerade umgekehrt. „Eigentlich haben Sie recht, lieber Cohn.... ‘ v „Ra kennen Sie die Gründe?" Also: Ihr verdankt Weihnachten einem Juden, darum, macht Ihr es an Weihnacht wie wir; wir verdanken Purim'einem Goj, darum feiern wie es wie Ihr." . Mvrbcchat iittft HtlMS«. Von D. P. in Frankfurt. " ' . i. /; Der den Mord'chai wollte töten — Haman — war in argen Nöten, Denn der König hatt' befohlen: „Sollst den Juden Mordechat holen, Aber rasch und ohne Säumen! , Sollst das Königsrotz ihm zäumen. ^hn irr mstneri IsiNiPNp klÄNN. Stvigt er auf, hast' ihm den Bügel. Und führ' selbst das Rotz am Zügel; Und so laß ihn ruhig reiten Ueber Märkte, durch die Straßen; Und verkünd' den Volkesmassen: „So dem Manne widerfährt, Den der König wünscht geehrt!" G'nau wie selbst du sprachst, so sei <Bs getan an W!ordschai," * ] I Ql ' ~ ~ So 06t Kvmg- D'« Machte ihre Reverenz, Trollte sich dann eiligst fort. Zu erfüll'n des Königs Wort. II. Unser Mord'chai unterdessen Hatt' sein Frühstück schon gegessen; Wollt' — wie's seine Pflicht — soeben Sich zu seinem Dienst begeben: Da klopft's an die Tür' — „Herein! Schon Besuch? Wer mag das sein? KO' w rußt? — Dkk f/fff minij^vl (Und wie aufgeregt doch m sr!) Mein Herr Haman, bitte sehr, Was verschafft mir diese Ehr?" Haman ächzt: „Wie macht' mir warm Dieser Mantel auf dem Arm! Damit soll ich Sie umhüllen, Das ist so des Königs Willen. Draußen steht das Königsroß Und ein ganzer, Dienertroß. Bitte, ich will's Ihnen zeigen: Dort das Roß soll'n Sie besteigen. KAM MM ~ KD Ws' beu asürt' ftyte selbst Dag Tier am öugft. g' den Mantel Ihnen an. Und wir geh'n hinaus alsdann." £), Exz'llenz müh'n sich zu sehr! War' mir auch zu groß die Ehr." Doch, eh's Mord'chai könnt vermeiden, Tat ihn Haman schon bekleiden Mit dem Krönungspurpurmantel — Ski, das nenn' ich einen Wandel! flamm Skk mannr Da©r gilw' edM Nicht . Hastig drängt er den Genoß. Zu besteigen jetzt das Roß. III. Als nun Mordechai oben faß, Macht' es ihm nicht wenig Spaß, All', die draußen staunend stehen. 1 Ao non o£üi ZU tzSMg. (Svimmtg fc^au'n bte Antisemiten. Wie der Jud kommt angerriten. Und was man tat für 'ne Bläm' an Ihrem Oberhäuptling Haman. Der schaut links nicht, schaut nicht rechts; Unter Stöhnen und Geächz Zieht er durch die lauten Straßen, Muß sich auch verspotten lassen; Schreit, nach seines Rex Befehle, Stets aufs neu mit heif'rer Kehle: „Der da auf des Königs Pferd Wird vom König so geehrt!" So passiert der selt'ne Zug Vierte Straßen. Gassen enge. «n 18 MKMM MMWI Endlich, endlich war's genug — Endlich konnte Haman geh'n; Ach, er trug im Herzen Schweres, Eilte heim zu der Frau Seres, Zu erzählen, was gefcheh'n. Mord'chai aber tat sich gütlich; Und dann ging er ganz gemütlich M NS MMMEW Nahm dort seinM Posten ein. Rabbinische Geschichten. Als Rabbi Akiba Eg er zusammen mit Rabbi Jakob. L i s s a zum erstenmal in Warschau ankamen, um sich an der dort tagenden Rabbinerkonferenz zu beteiligen, war der größte Teil der Gemeinde draußen vor dem Stadttore, um die zwei Größen würdig zu empfangen. Als ber (Hafamagen in bie Stadt elNfuhr, waren bie «Strafen oon 2ß<m[4>ert JHfSSfÜUL ÜU ißlSIffllÜEI Begeisterung spannte die Menge bie Pftrde NU5. UM den Wagen durch die Straßen zu tragen. Rabbi Akiba dachte: „Diese Ehrung gilt selbstverständlich Rabbi Jakob.". Da machte er sich leise und unbemerkt aus dem Wagen und tauchte, unter der Menge unter, ja half sogar, den Wagen tragen. Im gewaltigen Gedränge blieb dieses unbeachtet. Rabbi Jakob dachte: „Die Menge will den großen Rabbi Akiba ehren, wie komme ich dazu, teil an dieser Ehrung zu haben?" So stieg er zur anderen - Seite ifft ijtinab, jubelte mit bei- Menge und trug mit. Erst «am Hotel aNgklaNgt, merken bie üetxUr SflP Wagen leer war. In Warschau wohnten die beiden gefeierten Lehrer in einem Gasthof, der von morgens bis abends belagert war von Menschen, die die großen Führer von Angesicht zu Angesicht sehen und begrüßen wollten. Eines Tages trat ein Mann ein und blieb bescheiden an der Türe stehen. Rabbi Jakob war gerade nicht im Zimmer. „Wünscht ihr war?" ermutigte Rabbi Akiba den betroffen Dastehenden." „Ich möchte den großen Rabbi Jtßmr ))2fi mW iijr jcijon eine Weile warten der große UtaDDi roirD bald kommen", sagte Nadkn Akü,«. In der Synagoge. die die beiden Thoragrötzen «m Sabbat aufsuchten, war man in Verlegenheit, wer von den Beiden den Ehrenausruf zu „Scheltschi" erhalten soll. Man einigte sich schließlich dahin, daß man Rabbi Akiba den dritten und Rabbi Jakob den sechsten Aufruf zukommen lasse. Rabbi Akiba war nach Schluß des Gottesdienstes, über diese Bevorzugung seiner Person betrübt. Dann heiterte sich aber sein Gesicht auf und er miß m jttmm KMMl .*& ,5forchauee. daß Posen eine größere Stadl fei als Lisi«? — * * Rabbi Chajim aus Sans kehrte am Freitag nachmittag gerade vom Badehause heim und schickte sich an. die Sabbathkleider anzuzrehen. Da stürzte eine arme üdische Marktfrau ins Haus und jammerte: „Rabbi, helfet, ich bin arme Händlerin. Der Tag ist bald vorbei, und. noch habe ich keinen einzigen von meinen Aepfeln verkauft. Woher soll ich die Kosten für den heiligen Sabbath nehmen?" Ohne zu zögern, warf sich der Rabbi in seinen (saßMßmaiiM: MM ffi ffipfn „Gut, wie aus dem Paradieseaber keiner kaust. „So komm denn mit." Rabbi Chasim begab sich mit der Frau auf den Markt, stellte sich vor den Korb und rief laut in die Menge: „Sabbathobst, Juden, kaufet Sabbathobst, feinste Sorte!!!" Die bekannte Stimme und die überraschende Tatsache, daß Rabbi Chajim in höchst eigener Person Aepfel auf dem Markte feilbiete, zog alle Vorübergehenden mit unwiderstehlicher Macht an. Alles kaufte, und in wenigen ffiMttn MT M Krrk ""d die Tasten ber ernten Frau voll genug, daß sic noch in Stande alles Notige für den Sabbath besorgen konnte. * # Rabbi Salman Uris war einer von den Besten der Gemeinde Wilna, allbekannt durch feinen Reichtum und seine Wohltätigkeit. Eines Tages trat ein unbekannter Mann in sein Haus und flehte ihn um ein Darlehen von 300 Rubel cm. Er hätte Gelegenheit, ein einbringliches Geschäft abzuschließen, wenn ihm diese Ssif stände^ in spätestens bret Monaten wollte er Das Mw zurück erstatten. „Könnt Ihr mir einen Bürgen stellen?" fragte Wabbi Salmann. „Ich kenne hier keinen", gab der Andere traurig zurück. „Dann tut es mir leid", wies ihn Rabbi Salman zurück. 2t-M.ges entjernte sich f>er Frernbe. Da rief ihn Navdi Salman prü«, „Habt Ihr denn gar keinen Freund in der Stadt, ber sich Eurer annimmt," „Keinen, außer den lieben Vater im Himmel." „Der ist mir als Bürge gut genug." Spruchs, nahm einen Bogen Papier, schrieb darauf die Worte des Psalms: „Es leihet Gort, wer sich des Armen erbarmt", und händigte dem Fremden den Betrag aus. Den Schein legte er zu seinen Wertpapieren. Nach drei Monaten kam der Mann freudenstrahlend zu Rabbi Salman und erzählte ihm, daß das Geschäft wohl gelungen sei. Er habe über Erwartung verdient und wolle jetzt mit Dank die' 300 Rubel zurückgeben. Rabbi Salryan weigerte sich aber das Geld anzunehmen. •Mt WM U mü r^iTr rre cr- ... „Meine Schuld? Wer soll sie bezahlt haben?" „Der von Dir gestellte Bürge hat bereits für Dich bezahlt. . ." Aber auch der Fremde weigerte sich, das Geld zu behalten, und es blieb nichts anderes übrig, als es einem anderen wohltätigen Zwecke zuzuführen. Rabbi Akiba (Eger mürbe von feinem Sohne Rabbi <§4(«wne LUüngV^4 eillM Äs EstzMswllrvigkölkm Warschaus anzuschauen. Hm Museum brachten die Beamten einen antiken herrlichen Sessel mit kostbaren Schnitzereien herbei, auf daß der ehrwürdige Greis bequemer die Bilder und Gemälde bewundern könnte.' Rabbi Akiba machte es sich bequem, schloß die Augen. und sofort fingen seine Lippen an sich, wie immer, wenn er allein saß, in Thoraworten zu bewegen. Wie Rabbr Schlaumo, der gerade etwas besichtigt hatte, zum Vater' zurückkam, war dieser -in seinem Sitz -eingenickt und er. wagte nichts it>n ju n>ecfen. Da armachte Rabbi Aklbn und sagte etW«? bringt man eiZSsik-- lich das Kind nicht?" ' - Er glaubte als Gevatter auf einem Briß zu fein. - * * ... . - In Posen starb ein reicher Manu, der nie an den Lasten der Gemeinde mitgetragen hatte und auch sonst sich kaum zur jüdischen Gemeinschaft zählte. Die Gemeindeverwaltung stellte nun an die Erben das Verlangen, 500 Reichsthaler für den Begtäbnisplatz zu zahlen. Sie wollten sich auf diese Weise in den Besitz der vom Verstorbenen stets verweigerten Beiträge brinßfli. M MM, Mch roie ber yschwskten sich Bern ©taBtOauptmami, und dirstt sitß Wn Rabbi kommen. „Wie hoch ist die Summe für Begräbmsplätze festgesetzt," fragte der Präsident. „Je nach den Vermögensverhältnissen, 10 bis 50 Reichsthaler." „Und warum verlangt ihr nun die immense Summe von 500 Thalern?" „Wir", sagte der Rabbi, „glauben an eine Auferstehung der Toten. Wir geben den Verstorbenen nur mkülswöisk nnrn Mg ah Sis gm Ms^s^^s ebeh, uud Bie Miete Darf nicht so hoch bemessen fein, Bn unserem Falle handelt es sich UM einen MüNN, der NN die Auferstehung nicht glaubte, der sie nach feinem Lebenswandel auch nicht zu erwarten hat. Cr will einen Friedhofsplatz für alle Ewigkeit. Da sind- 500 Reichsthaler gewiß nicht zu viel. Das leuchtete dem Stadtoberhaupt ohne weiteres ein. tzSMW HUst pharaa heim babylonischen Turmbau. Es soll zunächst gar kein Purimwitz sein, sondern es ist dieses klar und deutlich im Koran, dem Gesetzesbuche der Mohammedaner zu lesen: „Und es sprach Pharao: Wehe Haman! Erbaue mir eine Bürg so hoch, daß ich auf ihr bis zur Himmelshöhe gelange und durch die Pforten des Himmels schauen kann, was mit dem Gotte Mosis sei — ---" An einer anderen Stelle des Koran: „Wehe Haman! Kn-ets hen ßefjm und brenne die Ziegel uni) errtc^le mtr JiU ffUflü. lÖJ ßÜWUf fWQfll kann, um den Hott Mosis zu sehen, dem ich Nicht traue —-" Wiederum an anderer Stelle des Koran wird sehrausführlich und umständlich erzählt, wie Haman als Bettler nach Mizrajim ham und sich in seiner Notlage dem Begräbnisorte zuwandte, diesen, in Beschlag nahm und für jeden Toten, der zur Bestattung kam, einen Köpfzoll einzog, woraus er sich große Reichtümer erwarb. Zum Schluß wurde er vom Pharao wegen einer Tüchtigkeit in den Hof geholt and zum Vize- (ontg gemacht. Für M.L uküm EszWlM BofinDöt sich tira 2fiioi alogie im Mibcafch (§ep^er HäjäschLt? ZU hV. aÜlh Zitiert in „Seder Hadoroth".) Nur heißt dort der eingewanderte Bettler, der vom Tode lebte, nicht Haman, sondern R a k a j o (rrpil' und der König von Aegypten, dem dieser Leichenfledderer so mächtig imponierte, heißt Osiris, in der hebräischen Schreibweise, »nwnwas die Phantasten der arabischen Religionsbücher vielleicht dazu geführt hat, aus Osiris einen Ahasveros und dann im melieren Ausbau aus dein Rakajon einen Haman zu Wenn Mn. Kenn schon! ..MlM" ][t Uiinr chg, merk es doch heißt MlschS« U' „Mlttw0lh" . . . ' Köstlich bleiben doch aber die ersten Angaben, die Haman, Pharao und den Turmbau zu Babel in einen Topf werfen. Aber sollte man sich über den „Koran" wundern, wenn ein Graetz beispielsweise die Entstehung der Megilloh auf die Makkabäerzeit verlegt? Oder wenn