Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1927)
- Date
- 1927-03-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Vene 6 Sk. 11 Der Israelit i7. März 19v 7 harmlosen Hörer in den Synagogen in Trauer ihre Kleider zerreißen würden, wenn sie ihnen zu Ohren kämen. Magnes trägt disen Erwägungen Rechnung, wie er auch selber zur Bibelkritik stehen mag. Professor Einstein glaubt aber, das ganze Gewicht seines 'Weltrufes in die Wagfchale legen zu müssen für eine Sache, die ganz und gar oußerbatb der Sphäre seiner SKürffam Mt Itagi ' Ztmrrif a« Die Frauen- und Kmder-Bill. Newyork, 7. März. Das Repräsentantenhaus des Kongresses der Ver einigten Staaten hat am 3. März die vom Einwande runAskornitse oargefchlagene Bill, xoona&j ©otiinneny so wie Kinder unter'ri Johren von MisilMnisHen SMnls bürgern außer der Quote in die Vereinigten Staaten ein wandern dürfen, angenommen. 'Dieses Gesetz sah auch vor, daß Botinnen, sowie Kinder unter 21 Jahren von Deklaranten (Bürgerschaftsanwärtern) in der Ouotenliste an bevorzugte Stelle kommen sollen. Die vom Repräsentantenhaus angenommene Bill wurde sodann dern Senat vargelegt. Der Senat Ic f/ n t mir einer Mehr heil vieles D«IbesseIunM g es etz ab. Die Annahme der Bill scheiterte andem Widerstand eines Senators. Da der Senat sich sofort vertagen mußte, blieb keine Zeit übrig, der Widerstände Herr zu werden. Die Annahme einer Verbesserung des Jmmigrantengesetzes ist erst beim Zusammentritt des Senats im Dezember 1627 möglich. Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden. (Nach Schluß der Redaktion eingetroike»'. Fürth, 13. März. Die Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden wurde am 13. März unter dem Vorsitz von Oberlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberfchmidi durch einen Einleitungsakt im Fürther Berolzheimerianum eröffnet. Der Vorsitzende wies auf die bisherige erfolgriidjß läfiflMt M wöMM hin. zrs nurrtmhrteu gehe, die inneren Verhältnisse der Einzelgemeinden durch Mustersatzungen zu regeln. Die Tagung wurde durch Kommerzienrat Bechmann im Namen der Israelitischen Kultusgemeinde Fürth bewillkommnet. Oberregierüngs rat Metzger vom Bayerischen Kultusministerium überbrachte die Wünsche des Ministeriums für einen gedeih fßiHl&Uf fcer üEagumjöterregiertingsrai ^rct^ef entbot die Grütze des Regierungspräsidenten Md der Kreisregierung von Mittelsranken. Oberbürgermeister Dr. Wild sprach im Auftrag des Stadtrats Fürth begrüßende 'Wortein denen er auf das historisch begründete gute Einvernehmen zwischen Juden und Nichtjuden in Fürth hinwies. Auch der demokratische bayerische Landtagsabgeordnete Eisenbert bekundete in einer kurzen Ansprache sein Interesse sür die Verhältnisse des bayerischen Judentums. Der Vorsitzende teilt mit, daß Kommerzienrat Braunschweiger (Würzburg). und Katzenberger (Nürnberg) in m fWfintrmni m 2» iraDin jrnwf Möintr Dr. Behrens (Fürth) zu einem Bortrag über'„Das Ideal religiöser Lehre und religiös-sittlichen Wandels im Geiste der jüdischen Religion", wobei er die Freude "an" der schöpferischen Tat und die tief wurzelnde Liebe zur Gemeinschaft als treibende Kräfte hervorhob. Der Eröffnungsakt endete mit einem Bericht des Präsidenten dss Dsrbandss. Oberlandesgerichtsrats Dr. Hieraus wandte sich Präsident Dr. Neumeyer aktuellen politischen Fragen zu. Zur Schächtsrage betonte er, daß früher in den Schächteinrichtungen der Gemeinde seitens der Behörden ein wesentliches Merkmal der jüdischen Gemeinde erblickt worden sei. Nun sei durch den Landtag die Regierung zur Einbringung eines Gesetzes gegen das betäubungslose Schächten aufgefordert worden. In der Liebe zu den Tieren ließen sich die Juden von niemandem übertreffen. Solange aber Methoden für eine Titurf* SSeiim&zmgsart &er ssW gtfHlM föwn, bedeute ein Gesch einen ©«mjfms* zwang. Selbst wenn wir in diesem Kamps zeitlich unterliegen sollten, aus die Dauer würden die Schwierigkeiten dank dem jüdischen Optimismus überwunden werden. Besonders ernst, weil von innen kommend, sei die Verringerung der jüdischen Bevölkerung in Bayern von 54.000 auf 49.000, also um 10-Proz. Der Redner apel lierte an die jüdischest Mütter. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten habe sich zu einer Aktion für landwirtschaftliche Betätigung der Juden rntschlossen. Dieser Aktion stehe der Verband mit größtem Interesse gegenüber und werde, wenn erst genauere Unterlagen uorfiegen, au cf; tiidji mit größeren zurückhaMn. (2000 Mk. wurden hierfür bereits bewilligt.) Die antisemitische Bewegung in Bayern sei, nicht zuletzt dank der energischen Haltung der Staatsregierung zurückgegangen. Hinsichtlich der Verhältnisse an den Hoch schulen sei es besonders der Rektor der Münchener Uni versität, Geheimrat Dr. Boßler, gewesen, der bei den jungen Kommilitonen den Gedanken der GerechtiQtiit MMherMtM hülle. WWizrv »LH älkk Krage des Antisemittsmus ist die des Asemilismus, des Ausschlusses der Juden aus der Gesellschaft. Hier sei die Gefahr, daß die Juden aus einem Gefühl beleidigten Stolzes Schranken zwischen sich und den übrigen Mitbürgern errichten. An dem Zustandekommen einer - Reichsorganisation, der deutschen Juden mitzuwirken, fuhr der Redner fort, flößt Dir öirDQÜiD DM MM MINNA «hm stH rusbrängen zu wollen. Der Rat des Preutzenverbnndes habe den vorgelegten Entwurf gebilligt. Die Landesoersammlung habe ihn a b g e le h n t. , Die Hauptaufgabe der diesjährigen Tagung fei die Schaffung von Mustersatzungen für die Gemeinden: die Gemeinden könnten diese annehmen, abändern oder auch verwerfen. Ein Eingriff in die Selbstverwaltung sei nicht UMWlgl. Dm A eines Der Wien und schMAzsts» Gesetzgebungswerke des Verbandes, durch das jahrhundertealte Weltanschauungsgegensätze und -Kämpfe zum Abschluß gebracht wurden. Uebrig bliebe nur noch die Bezirksgemeindeordnung. Die Verhandlungen der Tagung begannen am Sonntag nachmittag 4 Uhr und behandelten zunächst den Etat und die sozialen Aufgaben des Verbandes. Personalien. Overravmner Dr. Hl. Lerner siebsnzig Jahre alt. Altona, 15. März. Am Purim d. I. feiert Oberrabbiner Dr. M. Lerner einen 70. Geburtstag. Die Gemeinde und die vielen Institutionen, deren verdienstvolles Ehrenmitglied Dr. Lerner ist, wie seine zahlreichen Schüler und Verehrer, hätten gerne Verantafjimg genommfjy, ftffffn Kggx vkm chrwürsiigkn Oberrabviner Dr. Lerner in Altana. Jubilar in einer entsprechenden Feier die Gefühle ihrer Dankbarkeit und Verehrung zum Ausdruck zu bringen. Aber aus Gesundheitsrücksichten hat die Familie eracht, von jeder öffentlichen Feier abzusehen. Da aber der 70. Geburtstag eines Mannes wie Dr. Lerner nicht nur für die Familie, sondern für die weitesten Kreise der gefetzestreuen und thorakundigen Judenheit ein freudiges Ereignis ist, so sei durch diese wenigen Zeilen auf die Bedeutung dieses Tages hingewiesen. Neidern Sy. Sern« m sfjjM WgWWWss W «M MixWch-mit pletB Dem „äernßif widmete, erwarb er sich frühzeittg ein großes, talmudisches Wissen, das durch seinen Scharffinn und sein gutes Gedächtnis sich immer mehr vertiefte und erweiterte. In kurzer Zeit eignete er sich-dann so viel profanes Wissen an, daß er fein Abitur und als Hörer des Berliner Rabbinerseminars gleichzeitig seine Universitätsstudien absolvierte. (Sr Aahlts halb zu feen bedeutendsten Schälern r>an Dr. E. Hildesheimer und war der Lieblingsfchüler Dr. Hoffmanns. Schon als Hörer, des Seminars verfaßte er 1879 das Werk „Mekvr BereschitRabbo", Anlagen und Quellen des Bereschit Rabbo, das später Fachgelehrte als gründliches Quellenstudium zitterten. (Siehe I. Theodor.) 1882 ist im Magazin-für die Wissenschaft des Judentums feine gelehrte i-atmub-ifcfye Abhandlung über die r,nL& 1 «kgebrurtt. 23om Jahre 1883 ist feine Trauerrede über Frau Dr. Esriel Hildesheimer, die er im Rabbinerseminar hielt, veröffentlicht. Er war zuerst von 1884—1890 in Witzenhaufen Rabbiner, dann in London bei der Federatton of Synagygues, wo er in 23 Synagogen teils englisch, teils deusich predigte, und wurde 1894 als Nachfolger von Dr E. Löb m Altona zum Oberrabbiner gewählt. Was und wie Oberrabbiner Dtt M. Lerner. in mehr als 30 Jahren in Altona gewirkt, hat in treffenden Worten nnlühli^ der vvn Ll: 9. MlÄllA, Vorsitzendc ocr GemeMbe. Herr GllMMtsmt Dt- L. Frank geschildert, indem er unter anderem sagte: „Wir zollen ihm unvergänglichen Dank für die treuen Dienste, die er in unserer Gemeinde geleistet, sein Name ist unauflöslich mit ihr verbunden, denn die geistigen Führer sind es, die der Gemeinde Bedeutung verleihen und Wertgeltung in der Welt." Diese inhaltsreichen- Worte skizzieren kurz und. kernig am besten die Wirksamkett Dr- Lerners als Oberrabbiner., der es verstanden hat, die Gemeindeinstitutranen und öeg DES ÄssÜMIk öbxrravMMs lebendig zu rihvllsn und zu ökhöMe Von seinen Werken sei noch auf folgendechmgewiejenr 1886 verfaßte er „Die ältesten Mischna-Komposittonen", gedruckt im Magazin für die Wissenschaft des Judentums. 1891 feine Refponfen „Hadar Hakarmel", wo Nr.' 11—12 eine nawrii nVs» über künstliche Ernährung am Jom Kippur darstellt, die er an den Großväter sener Frau, Samson Raphael Hirsch gerichtet hat. ' In der Jubiläumsschrift zum 70. Geburtstage von Dr. Geriet ^ild^^eimer m such von Iflm talmudische Arbeit aDgeDriitft. 1900 MröMnlüchts er fein Werk nbw "n eine eingehende halachische Behandlung und Gutachtensammlung betreffs des Verbotes der Leichenverbrennung und Beisetzung der Aschenurnen. Von feinem großangelegten Werk Torath hamisckma ist der erste Teil 1915 erschienen. Der zweite Teil beendet sich im Druck. In der Festschrift zum 70. Geburtstag von Dr. Hoffmann ist feine „Grundlage zur Mischna" und in der Festschrift zum 40jährigen Amtsjubiläum von Dr. S. Carlebach Lübeck eine halachische Abhandlung über jvzarn ra gedruckt. Viele seiner geistreichen inhaltsvollen und formvollendeten. Vredigten sind suf Wunsch und auf Kasten [einer MöM pBnuli ml l^ iEriL ^r(e^ tätigen Zwcken zugeführt worben. Qiniqt talmudtsche und agadische Werke, wie seine zeitgemäßen Responsen sind druckreif geordnet und sollen demnächst veröffentlicht werden. ■ ■ Als Mitglied der Rabbiner-Kommission der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" hielt. er am 7. Junr 1906 in Frankfurt a. M. ein ausführliches Referat Über Uie 'd?fnnssvlAÄIl![ölj6ss kn jützischrn Gsmxmven Preußens, gedr. 1806. Muigs Jahre später wurde er und die verstorbenen Herren Rabbiner Dr. S. Breuer in Frankfurt und Dr. H. Ehrentreu in München als talmüdifche Autoritäten in den rabbinifchen Rat der Aguda gewählt. - ' Möge es dem verehrten Jubilar noch viele Jahre in geistiger Frische vergönnt sein, im Rückblick auf sein arbeits- und erfolgreiches Leben einen heiteren Lebensabend zu genießen. •T,rp Duisni B»3«nr na'va pau' -ny Aacob ^»cfs Emden, 7. März Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust zu verzeichnen. Am vorletzten Sabbath starb nach kurzem Krankenlager im Alter Pon 77 M sllllWtzM vxrMxnstovllr crsix DvrfMrr ver Gemeinde, Zaeod P e l s. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat Herr Pels das Geschick unserer Gemeinde mit der ihm bis zuletzt eigenen Tatkraft und Willensstärke kraft der ihm angeborenen Führergabe geleitet und ihre Entwicklung gefördert. Entsprechend den Traditionen unserer Gemeinde und der konservativen Gesinnung, die ihn selbst beseelte, ist er stets für eine übertieferungstreue Gestaltung der GeMLrnVssinrlchtungen eingefreien. An alten Jnstituhzf 4^ lvesentlrch mrtgemirft^ den Äall Heimes und des Waisenhauses mitbegründet und auch die übrigen Vereine warm gefördert: Seine Wirksamkeit und sein Einfluß erstreckten sich auf den ganzen Landrabbinatsbezirk, auf feine Veranlassung schlossen sich die Gemeinden bereits vor Jahren zu einem Verbände zusammen, dessen Vorsitz bis zuletzt in seinen Händen lag. Ebenso gehörte er dem Vorstande des Provinzial-Verbandes hannöverscher Gemeinden und des Provinzial- Derbandes für jüdische Wohlfahrtspflege an. Als der Preußische Ländesberband. gegründet wurde, ward auch Herr Pels zum Abgeordneten gewählt; er schloß sich dort der konservativen Fraktion an und hat an den Arbeiten MD Munfftn nKniiM MMMmn.; Fast 40 Jahkö lväk Ä? äls Vurgervorfleher IN der Stadtverwaltung tätig und hat in mancherlei Dezernaten und Kommissionen eifrig mitgearbettet und das Vertrauen seiner Mitbürger gerechtfertigt. - Von der großen Achtung, die er in allen Kreisen genoß, zeugten die warmen Nachrufe, die die hiesigen Zeitungen über ihn brachten, die überaus große Beteiligung feiner Bestattung und Ute Trauerseierfic^keiten^ pt? QM