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Der Israelit · 1927-03-10 · Heft 10 (10.3.1927) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 10 (10.3.1927)
Date
1927-03-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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D e r Israeli! Nr. 10 Sette 3 10 März 1927 Das Ding an sich. Eine volkstümliche Darstellung. 3W Willy Wals in fiötn. (Schluß.) „Dir.ge an sich" gab es somit der jüdischen Auffassung gemäß nur in den sechs Schöpfungsagen. Nur damals waren die Dinge dieser Welt -n vollkommenem Maße das, was ihr wahres Wesen bildet. Sie waren es damals, weil sie in -lern Zustande verharrten, in Welchem sie als Er- Uv fmm Cchöpftrtm öd« aus Dem Nichts geschaffen waren und weil somit das Spiel der Naturkräfte ihren Zustand noch nicht zu verändern vermochte. Diesem Spiel gab Gott erst Raum, als Er am Schöpfungssabbat Seine Geschöpfe den Naturgesetzen, deren umfassendstes I das Gesetz von Ursache und Wirkung ist, unterstellte. Aus allsdsrn ergibt sich, daß die Natur als solche beim Dllllf) den Schöpfer selbst in gewissem Sinne auf eine niedrigere Stufe gelangte, indem sie der Unmittelbarkeit enthoben wurde, durch welche sie bisher mit ihrem Schöpfer verbunden war. Doch diese Erniedrigung erfolgte um des Menschen willen. Die stofflichen Geschöpfe verloren, der Mensch gewann. Er gewann die Fähigkeit, die Geschöpfe zu beherrschen, seiner Bestimmung getreu der Erdwelt zu dienen und sie zu behüten. Um ihr Dienen m Mmm!?n?r imf4cwbe feiTv fe f* beherrschen. Sein Dienst besteht in der Weihe, die er ihnen verleiht, da er sie zur Erfüllung des ihm geoffenbarten göttlichen Willens verwendete und sie auf diese Weise auf ihre ursprüngliche hohe Stufe zurückversetzt. Zur Beherrschung der Geschöpfe dienen ihm die Natur gesetze, die, soweit wir wissen, seit jenem Schöpfungssabbat auf <£rben rotrfert. ^fiir |etrten Dis n ft cm bett (Se=. schöpfen besitzt er Gottes sittliches Li? noachidischen Vorschriften und die Tauroh. Beide Gesetzesarten, die Tauroh und das Naturgesetz, sind in der unmittelbaren Beziehung zu Gott geblieben, welche während der Schöpfungswoche das „Ding an sich", die gefchöpfliche Welt, aufzuweisen hatte. Hier tritt in unsre Erinnerung, daß Plato nickt allein für die dein Naturbsreich angehörsn- I: . 000 C( den Dlttge, sondern auch für die vom Menschen gefertigten Gegenstände, für den Tisch und das Bett, für den Stuhl und den Herd ein „Ding an sich" erforschte. Demgegenüber gedenken wir der Stelle in den „Sprüchen der Väter", die eine Ueberlieferung festhält, nach welcher Gott auch die erste Zange herstellte und wir werden uns bewußt, daß diese Zange „das Ding an sich" für alle Dinge bedeutet, die der Mensch zu irgend welcher Zeit verfertigte, von der unscheinbaren Stecknadel bis zum imposanten Hochhaus. Gott schuf diese Zange in der Dämmerstunde zum erstien gafräai, m WWD non Der MMlNWKMf und als Beginn der Aera, in welcher der Mensch als. Verwalter Gottes die Natur betreut. So haben wir in unsrer Betrachtung die wichtigsten Punkte berührt, die der Gedankengang des „Dings an sich" auf seinem weiten Wege durch die Geschichte der Philosophie darbietet. Wir waren dabei von der Absicht geleitet, — im Einsatz Dajjii — auf einen MiwMDaMkn m der „Welt als Schöpfung und Natur" hmzuweisen und gleichzeitig an einem interessanten Beispiele zu zeigen, wie die profane Wissenschaft nach langer Irrfahrt manchmal nahe am Ziele steht und gleichwohl nicht dorthin gelangt, weil ihr die Voraussetzung aller Forschung fehlt: Die begriffliche Scheidung der Schöpfung von her 9laiur! Zum Kapitel: „Die Not der Landgemeinden". Von S. Kifsirrger, Hauptlehrer a. D., Zlrspringen. Herr I. B. Levy, Frankfurt a. M., führte vor kurzem in einem Artikel „Die Not der Landgemeinden" u. a. aus: das Vorlesen aus der Thora oder das Leienen in dem weitaus größten Teils der lehrer- und kantorlosen Gemeinden fei einfach SEUijlf) BOI Wssßlst spiel. Ich möchte hinzusügen, es ist das Leienen in solchen Gemeinden nicht nur eine Farce, sondern eine Verächtlichmachung der Thora, ein Zerrbild sondergleichen, eine Perhorreszierung des wichtigsten Teiles des öffentlichen Gottesdienstes, gegen die mit allen Machtmitteln angekämpft werden muß. Die Vorschrift lautet; daß Wim I|3üS.l8P[8jSH Bin k>W WllMllM IfBfll gelesenen Fehler verbessern soll; bei dem Leienen, wie es jetzt oft üblich ist, wäre man fast versucht, dem Bal-Koreh, der einmal einen Vers richtig liest, einen m mr?" zuzurufen. Welchen Eindruck das geschilderte Thora-Vorlesen bei den Zuhörern auslösen muß und welche Geringschätzung der Thora daraus resultiert, kann sich Jeder selbst ausmalen. ts Xt M Sis pp; nm mnn Bim Uebelstande abgeholfen werden?" Zunächst ist es die Pflicht der zuständigen Rabbiner, dahin zu wirken, daß nur derjenige leient, der auch leienen kann bezw. bereit ist, sich während der Woche für die Sidroh gründlich vorzubereiten. Wer diesen Dienst nicht unentgeltlich übernehmen will, insbesondere seine kostbare Zeit während der Woche nicht umsonst daran setzen kann, der muß entsprechend seiner Arbeitsleistung eine Vergütung erhalten entweder von der Gemeinde, die ja während der Vakanz ihrer Lehrerstelle fast keine Ans^crke sür ihren Kultus hat oder V0M Verband, der ja diesen ^emelnBen gegenüber auch verpflichtet und gerne bereit ist, für den Zweck Mittel zur.Verfügung zu stellen. Unsere Rabbiner können die Befähigung ebenso für das Leienen wie sie dies für das Erteilen des Unterrichtes verlangen. Es wurde mir von einem Kollegen erzählt, daß eine Gemeinde in Ermangelung eines Bal-Koreh das Leienen eingestellt hat und sich mit dem Lesen der Sidroh aus Dem ©)ums{4j entschädigt. Ich stelle die Frage zur Diskussion: „Was ist besser, wenn in der jedem fn widersprechenden Weise, um mich banal auszudrücken, weiter gewurstelt oder das Leienen bis nach geschaffener Abhilfe eingestellt wird?" siomrponüenren « ßaebriebten. Deutsche» Reich. Der Etat der Berliner jüdischen Gemeinde für 1927. Berlin, 3. Minz. Die Repräsentantenoersammlimg der Berliner Jüdischen Gemeinde wird sich demnächst mit dem Etat für 1927 zu beschäftigen haben. Laut dem dem Gemeindevorstand bereits vorliegenden Voranschlag haben sich die Gesamtausgaben gegenüber dem Etat von 1926 von 8.358.000 Mark auf 9.221.000 Mk., also um rund F70.000 Mk., er- IJgjjJl Jte QJejamreirmci Ihmert jirtb um runb 15 Prag. gestiegen. Von den Einnahmen müssen 5.650.000 M. durch Steuern ausgebracht werden, Mehr als 2)4 Millionen entfallen. auf Ausgaben für Kultus- und Ritual-Angelegenheiten. Die Aufwendungen für Unterrichtszwecke und für die Unterhaltung der Gemeindebibliotheken betragen 1.080.000 Mk. Das Wohlfahrtswesen soll mit 2.680.000 Mark dotiert werden, für allgemeine jüdische Angelegenheiten ist ein Betrag von 406.000 Mk. ausgeworfen. Die aUaemeine aiernpalhmg im Safjre 1925 robb ctroos über cmgcmeiue ■««..»........fl . ) 1 Yt Millionen erfordern. Im Etat erscheint erstmalig IN diesem Jahre die Abteilung für Jugendpflege. Für den Jugendpflege-Ausschuß sind an Ausgaben 2.000 Mk. vorgesehen. In der Position „Allgemeine jüdische Angelegenheiten" erscheinen 280.000 Mk. als Beitrag für dm Preu-, ßifchen Landesverband. Die Ausgaben für Gehälter und! wer« des ’rpa als ein solcher Dienst, der Ml m W mmmt m qmm Muern mmm Gesundheit und Reichtum ZU? Folge yllt. Dies möge uns eine Warnung fein, nicht denen im Erwerbsleben unser Vertrauen zu versagen, die ihren Geist vor Sünde bewahren und nicht nur ihrer Sittlichkeit, sondern vor allem dem Sabbat zuliebe sich große erwerbliche Opfer, ja Arbeitlosigkeit und Hunger auserlegen, — also vor allem eine Waruung an jüdische Handelsleute, anstelle der aus religionslosen Kreisen stammenden, geistig und sittlich ideallosen Kausmannsjugend nur solche Kräfte zu beschäftigen, die sich durch ihr Säbbatideal als opferfähis. femüe burefj hie Reinheit ihres Herzens - MLich?» mmm ■ als wahre Anwärter auf Gefunbheli uni> auch auf gesunden, wirklichen Reichtum erwiesen haben. Wie aber erwirbt man solche Geistesreinheit? Auch das lehrt uns das rnöj?* Bor jedem Versöhnungstage wurde der Hohepriester mit heiligem Eide ermahnt, er möge nicht, gleich der äußerlich veranlagten Sekte der Sadduzäer, das möj? im Semuelöprönfe entzünden und entzündet ins AllertzsmM ttssö». fflnDQiii DortföDD mns innen neuen her Vundeslüds entzünden, damit von dort aus der ganze Tempel, sein Dorhof und, wie erzählt wird, auch die weiteste Umgebung mit dem reinen Atem des rnüj? erfüllt werde; auch für das alltägliche mop stand der Opferaltar nicht wie der Brandaltar im Hofe, sondern näher zur Bundeslade im heiligen Raume des Tempels. Denn es gibt nur einen ein- £1*82 der Gedankenreinheit, und das ist die Mtigung mit der dort im Innersten des Tempels durch die Bundeslade versinnbildlichten Thora. Nur wenn wir gleichsam im innersten Heiligtums ber nuferes? ©elftes fielen Qlteffi entzünden « »on «n: suismsäifg NW MMli ganzen Geist reinigend unb gesunbrnachend, äneifSkttd und geistig und tatsächlich in Dermögenshinstcht bereichernd; so hat auch wirklich nur der Thoraeiser unsere Väter und unsere Brüder zu allen Zeiten und in allen Ländern zum sittenreinsten und gesündesten der Völker gemacht. Nur wo Thora im innersten Heiligtume, im, Bethammidrasch lernend und lehrend ernst gepflegt und von dort aus außenwärts durch Thoraerfüllung verbreitet wurde, konnte Israel das Goluth überstehen. Wo diese Gristesreinigung versagte und fiel, schwand Reinheit aus Hbrssbrr Und Sfleicfjtum ans Israels -Käufern unö ßittftünD ein oeliutettoieü äußeres «nv sittliches Proletarierelend. Wollen wir dies von uns abwendeu, so rettet uns nur der reine Geist der Thora. Gedenken und vergessen. Von Hauptlehrer Wolfs in Aurich. Zu tot nms und ifem Volkstrauertage. i oniQQ ipnin ith mi T? nrr ~m rn „Gedenke, was Amolek dir getan auf däM WögH, dll ihr aus Aegypten zöget". Aufgrund dieses Thoraworts haben die Weifen des Talmuds angeordnet, daß am Sabbat vor Purim ein „Gedenksabbat" stattsinden soll. Dies Gebot ist denn auch seit urdenklichen Zeiten in Israel geübt und ausgeführt worden, und es hat sich dabei die Sitte herausgebildet, daß Glaubensgenossen, die in Ortschaften wohnen, in welchen an diesem Tage kein öffentlicher Gottesdienst mit Thoravorlesung stattfindet, in die. Nächstliegende Religionsgemeinde kommen. um die Verlesung von toi rsns anzuhören. So wichtig hielten unsere Alten diese Vorschrift, daß sie die Beitimmimfl innen: MMM ftsn §m ksinök hatte sich fern bei Der MMliHen Erinnerung an die Schicksale unseres jüdischen Volks. Aus ähnlichen Gedanken heraus ist für uns auch ein gesetzlicher Landesgedenktag festgesetzt worden. Es gilt, der im Weltkriege ' gefallenen Väter, Söhne und Brüder zu gedenken, und wahrlich, kein geeigneterer Tag als der 1137 na» hätte zu diesem Zwecke erwählt werden können, der es uns geradezu zur Pflicht macht, die Erinnerung an Gottes Führung und an Israels Geschick, im Volke wachzuhalten, „damit das Andenken daran nicht schwinde bei ihren Nachkommen". .Siroeierler aber toirb aus in berrt »erfeferjert Slbfsbmll -ö". * * «*• .» l> ,« zur Pflicht gemacht: t«t nm sollst gf^nrvnr' «nt nn»n „Du sollst auslöschen": Wir wollen beide Bestimmungen einer näheren Betrachtung unterziehen. "vot „Gedenke, was Amalek dir getan". Amalek war eine von Efäu, dem Bruder .^kobs, abstammende Nation, also ein Volk, stammverwandt mit Israel. Wegen dieses Umstandes hätte man wohl voraussetzen dürfen, daß es sich dem Brudervolke gegenüber brüderlich betragen würde. Doch als Israel nach dem Auszuge aus Mizrajim den ersten Schritt in die Welt der Freiheit mamn WM. llü war & MM tMWk öos mit Dem Schmorts femdllch ihm emgegemiut, ihm den Weg zur n^>n versperrte; und während fremde Nationen, staunend, zitternd Gottes Wunder sich zu Herzen nahmen, und es nicht wagten, Jakobs Söhnen auch nur ein Haar zu krümmen, erhob allein sich dieses Brudervolk, die von Gott erwählte Nation zu stürzen. Da mußte Israel denn auch das ungewohnte Schwert ergreifen und auf Gottes Hilfe sich verlassen, die ihm im Augenblick zuteil geworden. Mit wenigen getreuen Helden zog Josua aus, dem Feind entgegen, besiegte Äma-

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