Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1927)
- Date
- 1927-03-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 10 Der Israelit Mizwaus-Ausübenden bereits vorhandenen Gefühles. Die jüdisch-religiöse Form, die auf den Unfrommen und Außenstehenden in der Gegenwart häufig den Eindruck der Starrheit und des Willkürlichen macht, wirkt dann natürlich, selbstverständlich und für das Thora-Judentum wer- VM. Soll dem Judentum also die Seele zurückgewonnen werden, so beginne man mit dem nrrnann (dem Alleinsein mit sich selbst). Wer die Stufe des mystischen Gebetes erreichen will, muß täglich morgens und abends die Kraft seiner Seele üben, insbesondere des Morgens vor Beginn des Morgengebetes. Die allmählich stärker werdende Kraft seiner Seele ml seittett gättZen öllichströmen und auch aus die Handlungen seines Tagewerkes ausstrahlen; er wird immer mehr den Eindruck eines im Sein und Sollen einheitlichen und vollkommenen Menschen, machen und vermittelst seiner seelischen Kräfte suggestiv aus seine Umwelt in gleicher Richtung wirken. Di- Vereinigung solcher Beter im Gorreshause wird eine gemeinschaftliche Seele schaffen, die bem Gottesdienst eine gang andere Arast und Wirkung verleiht als 4>er schale und inhaltsleere Synagogendienst unserer Tage. Das jetzt häufig gedankenlose Hermterbeten und Singen der vorgeschriebenen Gebete wird aufhören; die Predigt wird nicht ästhetischer Genuß, sondern der äußere Ausdruck des brausenden Gebetsakkords der Versammelten sein. Eine innige Verbundenheit der Gemeinschaftsseele mit Gott wird alle durchströmen. Lebendes Judentum wird ausstrahlen aus dem Gotteshause WW in m TkMkinWst m RklllkiMkNi M Organisation und der Gesamtjudenheit, „und neues Leben blüht aus den Ruinen". Wochenrundschau. Jüdische Schiedsgerichte. Die Rechtsnot der Juden in Deutschland veranlaßt einen Mitarbeiter der Zeitschrift „Der Schild", Organ des Reichsbundes jüdi-!Vkk Vs8Nkl8k8 8kkN: MW ZSjik8ß: ge richte vorgufchlagen zur Schlichtung von Rechtsstreitigkeiten von Juden untereinander. Bei der Einstellung der meisten deutschen Richter und bei ihrer Gewohnheit, Fehler und Verfehlungen einzelner Juden der jüdischen Gesamtheit zur Last zu legen, wäre es ratsam, die Juden möglichst dem Gerichte fern zu halten. Beleidigungsprozesse unter Juden hinterlassen, auch nachdem sie im Vergleichswege erledigt worden sind, bei dem christlichen Richter den Eindruck, als sei der Jude von Haß und Rachsucht beherrscht, woran er bei WiMMMln unser ütiöffiuDen im mim mirD, weil er nur jüdische Fälle verallgemeinert. Neben den jüdischen Ehrengerichten würden in noch höherem Maße jüdische Schiedsgerichte für Zivil Prozesse eine hohe Aufgabe erfüllen. Innere jüdische Streitigkeiten würden dadurch dem Auge der Welt mehr entrückt bleiben. So weit stimmt in den Ausführungen des Herrn Dr. s. Lonvon im ,,©ö)iir alles ganz m nau. Es wird uns auch darin nichts neues gesagt» denn von altersher hatte jede jüdische Gemeinde ein B e s d i n , das, aus Mitgliedern des Rabbinates zusammengesetzt, als legales Gericht für min •»w* wie auch alsSchieds - und Ehreng e r i ch t (rrns) für alle Streitfälle unter Juden zuständig war. In den Ostländern, aber auch in London und Amerika, werden diese jüdischen äa&) gzu Zell auÄwU. und hochgeschätzt, zuweilen sogar von Richtjuden angerusen. Wo ein solches Besdin zu Recht bestand und besteht, war und ist es verpönt, »rrniKany in Anspruch zu nehmen, solange die Gegenpartei sich einer Entscheidung des Vesd'm zu unterwerfen bereit ist. Man durfte nach alldem erwarten, daß Herr Dr. London als Fazit seiner höchst beychtsamen Ausführungen die Erneuerung des B e s - b i rt aixd^ in den Gemeinden Dent^«^lands nor» fchlagen würde. Statt dessen — man höre und staune! — sieht er den R e i ch s b u n d j ü d ischer Frontsoldaten als das einzige Forum oder die einzige Organisation an, die berufen sei, solche Schiedsgerichte zu bilden. Die braven Soldaten vom R. j. F. in Ehren! An ihrer Tüchtigkeit und Tapferkeit, auch an ihrer Neutralität in jüdischen Dingen raird keiner zu zweifeln wagen, Ahnen aber die Befugnisse eines Vesdin, die sie sich selber gewiß nicht anmahen werden, zuzusprechen, geht doch über das Maß dessen hinaus, was uns auch unter dem deprimierenden Eindruck der jüdischen Rechtsnot in Deutschland zugemutet werden kann. Ford und Fritsch. m mmm ra® m N« m\ — am m Purimzeit — and) nicht der Aktualität, die Auseinandersetzung zwischen Ford und Fritsch in Sachen des Antisemitismus. Henry Ford, Jedermann bekannt als Fabrikant von kleinen, leichtbeweglichen Autos und 10. März 19a7 eben so leicht beschwingten antisemitischen Schriften, hat doch eingesehen, daß der Antisemitismus bei weitem nicht so viel einbringt wie die anderen Geschäfte, und so kommt es denn, daß er durch seine Vertreter in Deutschland mit dem „Zentralverein" über seinen Antisemitismus verhandelt unll klNkll Aom mit iWvor grillet). Dem Inhaber des „Hannner"-Verlages, der die deutsche Ausgabe des. Fordfchen Buches „Der internationale Jude" herausgebracht hat, wegen Textfälschung ankündigt. Ins Rollen kam die Sache durch eine der C. V.-Zeitung (ausgerechnet!) zugesandte Anzeige der Ford-Motor Company, die das Blatt, das im schwAön Kämpft gWN Don Antisemitismus steht, naturgemäß zurückwies. — Das Berliner „Jüdische Gemeindeblatt" brachte die Annoncen ohne Bedenken. — Darauf erhielt der Zentralverein von der Generalvertretung der Ford-Motor Company in Deutschland das besagte Schreiben, in dem Fritsch und sein „Hammer" einzig und allein dafür verantwortlich gemacht werden, daß Henry Ford in den bösen Ruf l&M ülnttftntitt^inu^ sei. Eine tssberjjjchsung habe sestgestellt, daß die im Hammer-Verlag erschienene Ueberfetzung des Fordfchen Buches absolut tendenziös gefärbt, ja, stellenweise ganz umgestaltet sei. Gerichtliche Schritte gegen Theodor Fritsch werden in Aussicht gestellt. Zum Beweise dafür, wie frei Ford von Judenhaß sei, wird die Tatsache angeführt, daß viele Tausende jüdischer Mitarbeiter im Fordfchen Rieseukonzern — zum Teile in leitender Stellung — miiiäiig jeien. Daß die Ford-Agenten in Deutschland solange gewartet haben, ihren Herrn und Meister, der ja schon seit Jahr und Tag als der Schöpfer des amerikanischen und eifrigste Propagator des Weltantisemitismus in aller Leute Mund ist, von dieser Schuld reinzuwaschen, ist verdächtig genug. Bemerkt muß noch werden, daß auch nach Aballer non |Jriunternommenen |^äljcf^ungen in dem Buche „Der internationale Jude" genug übrig bleibt, um als Quellenschrift des internationalen Geschäftsantisemitismus zu dienen. Daß Ford und seine 'Freunde, durch die Textfälschungen von Fritsch und Konsorten über das wahre Gesicht des deutschen Antisemitismus aufgeklärt, vom Ekel vor diesen Herren befallen sind, halten wir allerdings für durchaus möglich. MM ES WM mkWWZM der „Hammer" die judenfeindliche „Aufklärungsarbeit" der Ford-Presse in Amerika begeistert lobte und insbesondere die von Ford finanzierte Wochenschrift „Dearborn Jndepedant" als Muster herausstrich. Vom Don M. tz. Eins der bedeutungsreichsten täglichen, von der Thora gebotenen Opfer des p"»na war das miöp : Räucherwerk. Schon bei der Errichtung der Stifts- Hütte wurde für den Ort seiner täglichen Darbringung norgefor^t, rtömUtfj ber aj-nTF 773773 im Inneren bes ...o-i'-oi •> Mi in i nmhm 8......... ... pWD» Mlcr Des Dm emajtet. <rs orsiano aus 11 Pflanzen, die in pulverisiertem Zustande beim Brennen erfrischenden Dust erzeugen. Es waren vier große Teile zwischen diesen n: rttn'jnm pisxm '1LN n» v'vaV ^VV» nua^ni. Balsam. Nelke, Harz und Weihrauch zu je 70 Teilen. Gleich ist diese Zahl der des höchsten Synhedrion, der geistigen Vertretung Israels. Der Balsam ist das schönste, das zu Gott emporsteigen bann, nämlich die Sehniuefji fc^ntetäctfüflier Seelen nach halsamgleicher Llnbernng burch Äntles ^nabe. tlrifchelndarlrelt und rinausdringlichkeit, durch die dustarme Nelke versinnbildlicht, find Zierde des Gläubigen vor Gott, Das penetrar.t und unschön duftende yia^n-Harz erinnert uns daran, daß wir in die Bitten und Butzgebete der heiligsten Tage des Jahres auch solcte Mitbrüder miteinbegreifen dürfen und sollen, die Unschönes begangen haben und noch nicht zur Butzes gelangt sind; der Weihrauch nia^ aber daran, daß auch die Sündenreinsten (tnn1?) der göttlichen Gnade bedürfen. (Fehlt doch nur auf der nm» der nviv). _ m rrn umnin srsmi Ttnöcn iDtr mcfeiDe Mwenwlgc nr>xpi no mv nvp. nv»V iVv NVN Vpp» öiaiai; auch hier fteöt die an Sünden erinnernde Tii-n^atP an dritter Stelle. (Cant. 1.12 im |na 'NN2 iao»a *]V»iw “rs? wird auf nBW» bezogen). Reine Würze ist hier nur t,» Myrrhe, — aus diese ein schmerzlindernder Trank, nv^p von unbedeutender Wirkung und mam Kukumer ein Mittel zum Goldensärben, also auch hier, wo offenbar die äußerlichen Menschen und ihr Werdegang versinnbildlicht sind, die Reihe: Schmerz - Demut — Buße — Reinheit. Die ^ofta erinnert cm öte ^Q3a&r&eit o »•(«*« 18 J H 38 881- 0000000000 0t$t +*> »04)00)000 Kt?u>p üls höchstes Jdsül d» zwölf StSwwe Jsrüels. die Würzrinde nsibj? an die drei Grundsünden T'tzn w Götzendienst, Blutschuld und Blutschande, die auch Schalen ber Seele heißen, und Zimmt nswn fiajp an die jwitPn Errettungen Israels, die vor der endgültigen 10. tust stattfinden sollen. — Die Gesamtzahl der Teile des m&p' das außer den genannten Bestandteilen ttotSj ffiiitbemiitel rote uitb j« «nthrttt, 368,jWop7i 3e^ für U? profanen Jahres, das auch unsere Däter für gewisse ackerbauliche rc. Dinge rechneten. — um die Weihe des Alltages, zu symbolisieren, und drei weitere für Jomkippur. Zur täglichen Darbringung des mt,p durften nur solche v'ina ausgelost werden, für die es das erste Mal im Leben war. Denn es war Ueberlieferung, daß das m»p reich macht. In der min selber hören wir nur, daß das m»p die Bestrafung der Ueberheblichen (mp my) und die Heilung der Kranken (&*>n»n rai d"nn f'a a»yi) bewirkt, und Ms m NW m kZ killt mmi rnr M mm Gövankmmmwn roni. Wie mmmsn nun diese drei Wirkungen überein? , Die Seele, sagen unsere Weisen, hat von allen anderen Sinnen nicht im gleichen Matze Nutzen wie vom Geruchssinne. Wo reiner Atem ermöglicht wird, da leben auch die reinsten Gedanken. Der zukünftige Erlöser wird nicht visN' r»jpy nm»^ xb nw vaTK y»^»*? kVi nach Augenschein und Hörensagen richten, sondern n nKi’a inmi von Gott gleichsam mit einem Geruchssinne für das Ei kennen zwischen falscher und echter Gottesfurcht begnadigt werden. So verabsckisden wir uns von guten MM88,M mm mm WH WWW. mm auch vergänglicher Blumen, von unserem unsterblichen Gaste aber, nämlich der Königin Sabbat, durch dürres, aber stetig duftendes Gewürz. Wollen wir nun der Seele die Reinheit selber sinnbildlich vorsühren, so kann dazu nichts geeigneter sein als das nn&p, wie es im ppa und im p"»,Ta geopfert wurde. Gesundheit und Reichtum wiederum sind erst Folgen der Seelenreinheit. Daß sündhafte mmn sb>n Slegungcn bes ©erseits, felfefi bei geringer JE' ’1 ’ - > « » _ i j. j > i ä» || » . «u v?r des braucht wohl dem erfahrenen Erzieher nicht erst bewiesen zu werden. Daß der Weg. der über stetige Strebsamkeit und. hingebenden Eifer im Erwerbsleben zu ehrlichem Reichtum führt, nur für den von sündhaften Regungen a^>n mmn des Herzens freien Menschen gangbar, dem in Gedankensünden Verstrickten aber versperrt ist, sagt uns gleichfalls . der Verstand. Darum galt mit Recht das Räucher-