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Der Israelit · 1927-03-03 · Heft 9 (3.3.1927) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 9 (3.3.1927)
Date
1927-03-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 9 Der Israelit ster Inbrunst immer und immer wiederholt. Es spricht Jemand. Alle lauschen. Die suchenden Seelen haben nun für eine Weile einen Sammelpunkt gefunden. Wie Chassidismus so weiß auch der Mussar, daß jedes Ding seine eigene Seele hat, und es gtHj in den Kern dieser Seele einzudringen, aber Nicht um es mit Licht zu füllen unb gu umbüürn, sondern um die Schlacken zu entfernen. Es muß viel weggehauen und weggeschafft werden, wenn das Kunstwerk des echten Menschenbildes in seiner Vollkommenheit dastehen soll. In der Auswirkung laufen aber beide Systeme zusammen: Reines Menschentum und Gotteenähe auf Erden. Der Chassidismus atiettei vw oben nach unten, Muffar von unten nach oben. Auf der Mittellinie begegnen sie sich. Am besten beweisen es die Geschichten, Episoden und Anekdoten, die in fast gleicher Weise, zuweilen sogar wörtlich gleich dort, in Lemberg und Berditschew von Chassidimrabbis, in Kowno und Wilna von Rabbi Israel oder Rabbi Simcho Sisel erzählt Werden. Von -einem ^rpjjen ütebben mtrb erzählt: er ließ, in den letzten Zügen auf dem Sotenietle Regend, Spielleute aufspielen, seine Chassidim noch einmal die lieben Chassidimgesänge singen und mit den Thorarollen Hakosaus aufführen. — Rabbi Israel Galanter starb in einer armseligen Dachkammer in Königsberg. In seinem Zimmer stand eine alte ausgediente Schwarzwälder Uhr, die mit ihrem müden, monotonen Tiktak den Kkllnkm Mls Man moHtr s!k. au fl® [sin Zuffatiö verschlimmerte, entfernen, Rak-bi Bsräil aber wehrte ab: Sie ist mir Freundin in den letzten Stünden, sie erinnert mich mit jedem Schlage, mit jedem Takte, daß ich um eine Minute dem Richterthrone näher bin und ruft mir mit jeder Bewegung in Erinnerung: WN'» vs*? nw „Kehre zurück vor deinem Tode!" So stirbt der Lehrer des Muffar. 8m i^ßpatß km (Hjafpim murDen naß) Mi Tode des Rabbi Kämpfe um die Erbfolge geführt. — Rabbi Israel Galanter, der hunderttausende für seine Ieschiwaus und Thoraunternehmungen gesammelt hatte, hinterließ als Erbschaft — einen alten Beutel mit Talis und Tefillin ... Und noch ein Wort über den Muffar von Mlk. Der Muffar ist in der Folge vollkommen in dem RabbimsMus cmfgegangen, ihn stark befruchtend und'beeinflussend. Es gibt heute nirgends mehr eigene „Muffarstüblech". Aber jede Jefchiwo hat eine Stunde für Mussar übrig, und er - würzt in kleiner Dosis das Ganze'gerade so wie es Rabbi Jsr'aöl gewünscht'hatte. Die Rabbiner, die i von drüben zuweilen, herüberkommen und die wir als Jdealmenfchen, als Jdealjuden so hoch verehren, sind samt und sonders aus dem Musfqrmilieu hervorgegangen. Aber was noch bedeutsamer und erfreulicher ist, das ist die Tatsache, daß mittels des Muffar sich auch die Gegensätze zwischen Rabbinismus und CH afsid ischus immn Mtzö ZbWifSK. M SULlllM Psür tim mer begraben. Man hat in Litauen früh genug eingesehen, daß es. mit dem bloßen Lernen nicht getan ist, und man tat auch etwas fürs jüdische Herz, aber ebenso rasch ist man im chassidischen Polen zur Einsicht gekommen, daß es mit der Inbrunst allein ohne Thoralernen nicht gehe. In Liiauen rnirg Mllsftv gSpslögt, IN WlM öMMeN aber große chassidische Jeschiwaus für intensives Thoralernen. Damit ist alles gesagt. Allein, an dieser Synthese muß noch weiter gebaut und gearbeitet werden. Gäbe Gott, daß sich bei der jetzt überall vor sich gehenden großen Auseinandersetzung zwischen Judentum und Kultur sich den drei Devisen die vierte pbwn nx sn sich unterordnend hinzugesellt. Nicht als ob dis Meister des Muffar Welt und Leben sich verschlossen. Äber für sagen sie, flüchte dich von der Welt in dein Eigenes und Inneres, halte Zwiesprache mit deiner Seele und: Erkenne dich selbst!- Wochenrundschau, Für das jüdische Kind in Erez Jisroel! Der Kampf um das j ü d i s ch e K i n d in Palllsilna m Der tarnst am ils f? f itu " f'r c s Volkes, um die Zukunft Eksz JisroM, und er muß ausgefochten werden, auch wenn er schwere Opfer erheischt, wollen wir teilhaben am Aufbau des Landes der Väter für unsere Kinder. Der materielle, wirtschaftliche Aufbau wird ein toter Komplex von Holz Und Stein bleiben, wenn dein Gebilde nicht die Seele mit der jüdischen Schule eingehaucht wirb. m*, Wtttt dem Organismus Lebensodem eingehaucht würde, und der wäre nicht der LebensodeM, der unser Volk durch all die Stürme und Nöte der Golusjahrtausende frisch und lebendig erhalten hat. Wie viele Parteien ringen auf heiligem Boden um die Seele des jüdischen Kindes! Jüdische Arühlingsbokschafl. Don Rabbiner Dr. W. Lervin in Kamvnrg. nsr~r mp* nV’VV vi». ..Geht Tag ftcvmt Yfrn andern das ODbri |il und liiii Nacht gibt der andern die Kunde". Welches Wort und welche Kunde? Doch wohl von Ihm, dem ewigen Weltenschöpfer. — der nicht nur einst gebildet und geformt, sondern immer neu schafft und gestaltet n'VX-Q NVvv Tön qy> Vsa ivwa Vnnön „Der in seiner Güte an jedem Tage ständig das Werk der Schöpfung verjüngt". Wie sich die Sonne mit jedem Morgen aus dem Dunkel zu Licht und Glanz erhebt und nach vollendetem Tagewerke wieder unferm suchenden und forschenden Auge sich emzikblr m Öl« TIßtUI um llsiM feigen Weisel von Tag unv Nacht, von Finstcmis und Lchit nicht ein eindringliches, vietsprechendes Zeuanis von Gottes Macht und Weisheit? Aber das Alltägliche und Regelmäßige spricht nicht zu einem jeden — das sind gottbegnadete und gotterfüllte Dichter und Sänger, deren größter David gewesen, die diese Sprache überall und zn allen Zeiten vernehmen und sie vielgestaltig zu deuten vermögen. — Doch einmal rüttelt die Natur ein jedes Menschenkind auf. Einmal vernimmt etn jeder ihre Sprache. Das Ist MIHI, IDEM fll Ii«Ä ift VlMl??ssiger Starre zw neuem Leben erwacht. wenn Feld und Wald sich von neuem ist ihr Festtagsaewand hüllen' und ein tausendfältiges Keimen und Blühen vö'n den Kräften kündet, die auch mitten inr Winter im Schob der Wz WWsM MllL - MW illMll all unv mno und bekenn!, daß „alles so schön sich gestaltet hat seiner Mit". ' Dieses Frühlingserwachen, das da den Menschen zur Anbetung und Verehrung des Schöpfers ruft, — will Israels Kinder noch besonders vorbereitet und gerüstet treffen. Nicht nur jauchzen, nicht nur jubilieren sollen wir, nicht nur preisen und anbeten, rühmen und verherrlichen. Auch aus dem Boden llüMkS MMslllkll MlMS m ff NIE unb datz w» schassen nnv miftm für Me EwigüMsiürm unserer Thora und so den ewigenFrühling auf Erden herbeisühren helfen. Dazu wollen uns alljährlich vor dem Feste des Lenzes die n nvuns begeistern. Als Frühlingsherolde grüßen ste uns mit ihrer Botschaft von der sieghaften Macht, der Wahrheiten unserer heiligen Lehre, die allein den Frühling der Ewigkeit hervorzaubern kann.... Der Frühling in der Natur, so schön und fiealücfvenb er auch sein mag. bmiernb ©eil nnb (Seoen mm«B nicht gir sllstenllüäL stützt iS JißBH. wenn Die Menschen wohl des Himmels Bläue und der Sonnenglanz, das duftige Grün an Baum und Strauch und der muntere Sang der Bügel in den Lüsten begiistern,sie innerlich aber zerrissen sind, weil nicht Friedest und Eintracht aus Erden waltet, der Bruder dem Bruder mißgönnt, daß er neben ihm frei atmet und die Völker nicht abrüsten und mit der Macht der Waffe einander bedrohen. Und was bedeutet alles Jubeln und Jauchzen draußen in Gottes Natur, wenn ber SFtenfd} bisse öle 3. März 1927 Schulen französischen Geistes mühen sich die Kinder, aus dem kleinen altväterifchen Milieu in die lichten. Hallen der europäischen Kultur einzuführen. Eine Mission arbeitet wiederum mit allen von einem „höheren Zwecke"'geheiligten Mitteln, nicht zuletzt mit demchingehaltenen Brotkorbe, zur Gewinnung der jungen Seelen für die Kirche, und DtC MiMMllW M W'Sfllfcf leistet Ujv die wirksamsten Hilfsdienste. Möser arböim mit mehr» oder weniger Energie und Erfolg der Nationalismus entgegen mit Schulen, die, des religiösen Charakters entbehrend, dem neuen Palästina einen Nachwuchs zuführt, der es gelernt, hat, in lebendigem Hebräisch die Religion als Privatfäche zu erklären: Die 1013881 SkkkH £if m grnis^ew Mission, Alliättes und Nationalismus ihre Kinderlieber auf der Straße herumlausen lassen oder in ungeeignete unkontrollierte Chedarim, ohne Lichd und Luft und Lehre, schicken, trägt gewiß Nicht, zur Besserung der Situation,, zur Abhilfe der schreienden geistigen Not bei. Die Agudas Jisroel will am Zentralpunkt des jüdischen Lebens in Erex Jisrael bauen und sie hat bereits herrliche Ansätze zu verzeichnen. Das ganze Problem könnte zum. für ^anbe Dsrnel ^etö^k. t&evbenrr mnn dis matemUm Voraussetzungen Da wären. Es sind deren fo viele in Palästina, die nach der gutjüdischen Agudaschule schreien, daß die Kinderin den Fangarmen der unjüdischen und antijüdischen Erziehungsstätten demgegenüber nur einem kleinen Bruchteil bilden würden, der aber noch) immer weiter abbröckelte zu Gunsten der jüdischem Pflanzstätte. Alle ideellen Voraussetzungen für: ZUszn Nzttunzzskk im Wnsksn dinno sinä m& den. Wann ist aber eine große Sache im Judentum, von der Sein nud Nichtsein unseres Volkes abhängt, an materiellen Mitteln gescheitert?! 1200 Kinder werden in den Schulen der Agudas Jisroel in Palästina zurzeit unterrichtet, 12 000 Kinder könnten es sein, wenn wir die Mittel zum Ausbau unseres großen Schulwerkesin .Spänben hätten. Sn Tel-Arnirn, dieser einzigen reinindisrhen Mittelstadt mit ZroWstb!-- charakter, wo die Jugend am meisten dem Kulturwerben Europas auf Kosten jüdischer Reinkultur ausgesetzt ist, drängen sich zu Beginn eines jeden Semesters.die Schüler derart zur Aguda- Schule, daß mindestens die Hälfte aus Mangel an Raum und' Lehrkräften draußen bleiben muß, fük Dis MaDöll in Diofor GkäU kroß dein schreienden Bedürfnis, und nach guifüdlfcher- Mädchenexziehung fühlbar ist, überhaupt noch Nicht gesorgt werden konnte. In Tibetiys und S a f e d unterhält die Aguda umgekehrt vortreffliche Mädchenschulen, die Knaben gehen leer att§„ in H a i s.a konnte bis zür Stunde bei allem Dränseinen Gott anspricht und auf seAe Kraft und Einsicht baut und sp den verleugnet, der sich-als Erlöser mch Erretter Israels und aller Bedrücktem und Geknechteten bewährt hat und immer nest he- MW? NS SMgsll sie d-rrn bie ^vrer .Stoßen Sädbate". die wie der Frühling draußen» fo auch das Nahen des nvs ankünden, wundersame Lehren, die da beherzigt werden müssen, damit auch der Lenz ins Menschenherz einziehe —, Hoffnung und Zuversicht auf dauernde Erlösung von all den finsteren Mächten und Gewalten, die Gottes schöne Erde verunstalten und die Menschheit zerklüsten.. - v'v/2' Kb nn*r» X^> »Der Reiche nicht mehr unb ber Arme nicht weniger", so tönte lme fittS des ersten der 1 FßützllllAHtzßkAld^ entgegen. — der uns an die Gleichheit aller Menschen vor Gott erinnert und auf ihrer aller Berufung zu Recht und Freiheit, zur Bewährung und Betätigung verweist. — An die Völker, die unter Waffen starren, um den Schwachen noch mehr niederzuringen, wendet sich des zweiten Botschaft, wie er ihm laut und eindringlich das 112t zuruft: ^Gedenke,, nrwn Vergiß es nicht!" „Nicht durch Kraft siegd der Mann!" Gerechtigkeit gibt Festiakeit der Erde und beglückt die Menschen und. Völker.. — Und' roer man m msmstn mums bie sexbenf^a|t in feiner Brüll, dieweil er man vm Allwsifm «nfikennt, dessen Gesetze Maß und Ziel werden sollen für unser Wollen, dem kommt der dritte Sabbab mit seiner Mahnung: rrwm npn nxt der Lehre Wurzel und Blüte — ist der Glaube, daß Geist vom ewigen Urgeiste in uns lebt und webt — und daß der Thora Satzungen uns an die gottentstammte Natur des Menschen immer von neuem mahnen unb uns der Gotteskindschaft würdig erhalten wollen- Sind erst diese Lehren begriffen. — dann verstehen

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