Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1927)
- Date
- 1927-03-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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?; s»D>N Ii^ ilüilll3;-' Wz-! t.i!> jsj.!iL .3 (t :i. : (E: ■.! « L 2? ' ■ v':. c H8. Jahrgang. Frankfurt a. ZU., den A. März 1927 29. Adar I 6687 Nr. 9 >>» Begründet von Dr. Lehmann in Main-. Abonnement ab Januar 1924: Deutschland 1 Goldmark monatlich; Ausland: Viertelg»rpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Ber- «des) Deutsch-Österreich: Schilling 6.—; Avterika 1 Dollar; England 4 sh.;,ad t.Lkült anlreich 28 Fr.; Belgien 7 Belga; Holland 8 fl.; Italien 30 Lire; Jugoslawien 68 Din.; tauen 7.50 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmart zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 8 Fr.; Tschecho-Slowakei 28Kronen; Ungarn 80000 Kronen; Dänemark 5 Kronen; Norwegen 6 Kronen; Schweden 3.8V Kronen. . Einzelnummer dreißig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldvf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bei Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 30 Df. Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Textseite 1.60 Mk., vorletzte Textsette 3.— Mk.; Ehtffregebühr in Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jeder-. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit G. m. b. H., Franks, a. M>, Gr. Eschenheimer Straße 33, Tel. Hansa 6842 sow. durch sämtl. Annöncen-Exved. des In- und Auslands. Alleinige Jnferatenann. für Franks, Geschäfts«»-.: Jul. Schmidt, Lange ftr. 7,H, Tel. Hansa 484t. Platzvorzchr. ohne Verbindlich!. . direkt än den Verlag —5arTc^«i' 97r. 190757.— _. vrrirsM - Mtrlr m MrM iMams Erkenne Dich selbst! des Muffar in, der ihm von R. Israel Galanter und R. Gimcho Gtffcl gegeBehen?ßrSguttg titelt groel Senanniert den dritten seit Begründung des Muffar. Ihm sei dieser Aussatz gewidmet. Zu Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts standen sich im Judentums von Ost und West drei Strömungen scharf gegenüber: Der Rabbinismus vom Geiste des Wilnaer Gaon mit dem Rufe: minn nx ui (Erkenne die Thora), der Chassidismus mit der Losung D’j^xn nx sn (Erkenne deinen Gott) und die Berliner Aufklärungsgruppe mit der Parole: nx U7 (Erkenne die mm o m tarn m MMM Mö mu 8Wk 8lk böttzött äkstgöttsuM» Dsvifsu zu übsrsshsn; v>? ■pss? nx (Erkenne dich selbst!) Fünfzig Jahre nach dem Tode des Gaon und den schweren Kämpfen um den Chassidismus kommt der Mussar, vielleicht als Korrektiv, vielleicht als Wiedergutmachung angerichteter Schäden. Äl? SFf?? ©aoyi ste^ nat^ bej^rt Tob 'Wilna, SB d I o s 31 ri, bas choravurchträntte Litauen. Und es stand zu befürchten, daß die große Kultur des Geistes und die Entfaltung der Verstandeskraft ungeahnte Gefahren zeitigen könnten, eine Vergeistigung.auf Kosten der tieferen Verinnerlichung. Die geistige Aristokratie stand dem Volke zu fern; es konnte sich ergeben, daß die Jugend, die hier nicht ganz auf ihre Kosten kam, sich in die Arme der Aufklärung stürzte, die ihr Lik Wklk swfmtii Mk Lkm LHöMiMM gr 'MM, Bß? chs Bsn Hjmmßl ßrschloß. Da kam Dßi Muffar und schlug die Brülle vom Geist zum Gemüte, vom Rabbinismus zum Chassidismus. Zwischen Wilna, Woloszin auf der einen und Ladi, Verditfchew auf der anderen Seite trat ausgleichend S l o b o t k o. Muffar ist Produkt des jüdischen Gemütes wie Chassidismus und ist dennoch etwas anderes. Gernsrufarn hat er mti ihrn, dah auch er cru das Herz axpLüikN mh ans sich richtst, mithin ist Muffar der Chassidismus der Misnagdim. Als Begründer der Muffarmethode gilt Rabbi I s r a e l S a l a n t e r, der 1810 geboren und nach langem Wirken in Litauen und auch in Deutschland 1883 in Königsberg gestorben ist. Reu ist das System gerade nicht. Die bekannten Muffarbücher wie „MeMäth Jeschorirn", „Chowoth chalwowoth", „Scheweth Muffar", x „Cheshbon Hanefesch", „Goren Rochom" sind Mit dem Heimgang R. Rote Zwr,' u ' 9f/ö . n ' m Finkels verlieren die Jünger nun 133^ Muffar zum Yft e m, — " ' ' ' zur Method >e gemacht, ja zum Zentrum des jüdischen Denkens erhoben. Ein Weg und ein gilt MMH: ChafstdisMUs sägt: SH CkköMß däittäll Gott! Muffar spricht: 1QLV rix V7 Erkenne dich selbst! Chassidismus bedeutet das Verbundensein mit den Sphären, dem „Ensof", er will in der Kombination von Chessed und Gewuro, Tifer e t h , die Harmonie gewinnen und sich als Teil des großen Ganzen begreifen. Woraus sich das gehobene Gefühl von Stolz und Wonne ergibt, der Optimismus, die Lebensbejahung in allen Belangen. — Muffar spricht: "N nai '2X na „Was km:H llnz msi Ifi mm QzUtä" (fi.giit B85 eigene Ich an der Größe des All zu messen, zu erkennen, pttmi pn jr>^ nmv nnx '» „woher man gekommen und vor wem man Rechenschaft abgeben wird." Selbstverleugnung und innere Zerknirschung sind die Folge. Chassidismus lehrt: Sei gut und vollkommen und froh, weil du ein Stück der Völl- Jommertl^etl: leine Seele des ettil^ett Qt^Ieü und der großen Freude. ein Teil ist. Muffar lehrt: Sei gut und menschlich vollkomm e n — weil du so klein und so winzig, ein Wurm bist, und die Reschomo der beständigen Läuterung in dem Kerker des Leibes bedarf. Der Chassidismus hebt den Menschen die zehn Stufen hinauf, von Chessed bis Malchuth und noch weiter oben bis zu *inD zur „höchsten Krone". UNnffcxr £>It<$± jur HLk)e aus der Ttest und vkr Gksunrenykil mr'nschlichcn Dllscino und sieht die Kluft ungeheuer. Er hat andere zehn Stufen, die schon in der Mischna Sotah genannt sind und auf die sich die Lehre des schon genannten „Messilas Jefchorim" aufbaut. Sie heißen: Achtsamkeit, Eifer, Lauterkeit, Zurückhaltung, Reinheit, Frömmigkeit, Demut, Furcht vor der Sünde, Heiligkeit. Das stsht ja alles schon in den Mnssarbüchern. ÄSkm hxr Kündsr dirstr MsthLdr, drr Srn Drg zum Ziele macht, ist Rabbi Israel S a l a n t e r. Ein großer Kreis in Wilna, in Kowno, in Memel, Königsberg, Berlin, Halberstadt, später sogar in Paris, sammelte sich um ihn, lauschte seinen Lehren und bildete kleine Zentren, wo diese Lehren auch in seiner Abwesenheit fleißig gepflegt und ausgebaut wurden. In einer eigenen Zeitschrift nrnn.i werden die Jdeengänge des Muffar popularisiert und propagiert. „Rechenschaft der Seele" und „Reinheit des Gedankens" nrittman rnntri wsjn ppn stehen im Mittelpunkte. Es gilt, alle Gedanken üllMM di roimMMM, Daß man m ißüß lat und jedes Wort wird Rechenschaft ablegen müssen, und alles Böse zu meiden, wie man Gift und Verwesung haßt und meidet; sich immer in Kontrolle zu haben und sich so zu erziehen, daß nicht der kleinste Raum in der Seele bleibt für Neid, Haß, Leidenschaft, Ehrgeiz. Die Seele, die uns Gott rein gegeben hat, gilt es unablässig zu läutern, wie man das Gold von den Schlacken befreit. Herr werden über seine Begierden. Am schlimmsten in seiner Auswirkung ist die Selbstgefälligkeit aus dem Gefühl der Guttat geboren. Hiß 3u stau Düntßr unn llßDßMDnllll fllUl. Das Allergewöhnüchste« die setöstverständiichstk Psllcht des Tages rufe man sich doppelt eindringlich in Erinnerung, weil man grade dieses am meisten übersieht. „Hüte deine Zunge vor Bösem!" Auf dieses Motto baut der vornehmste Vertreter des Muffar in unserer Zeit, der „Chofez Chajim", sein ganzes großes Werk auf. ' t Dß? QMPigmiiE Mt mifß (Sanaa. Z1M Den Einzelnen in den Ttrahlenglang seiner Ideen und Betätigungen. Muffar ist individualistisch. Wie jeder Kranke sein eigenes Leiden hat, sein eigenes Heilverfahren erheischt, so muß jeder seelisch Leidende seinen ei genenMussar haben, der d a einsetzt, wo es am meisten fehlt. Wie der Chassidismus feine e r g -e n e M -e l od i e und M e l o d i e rt ohne Worte hat, so hat auch dar Muffar seinen ÜHggun. der von der ö^^anmrn ^?rnmrl?d!r rrhrölich ist, diese Melodie, im Gegensatz zum Chassidim^ gesang, elegisch, in Moll gehalten, ganz aus das „Erkenne dich selbst!" angelegt. Zum Wesen und Leben des Chassidstübel gehört auch ein lustiges Wort, eine Stärkung, auch ein Tänzchen bei der „dritten Mahlzeit" am Sabbat, besonders wenn sie gemeinschaftlich an des Rebben Tafel gehalten wird. Dm MaffarslÄrl rrrsammrln sich a^rr in der Dämmerstunde die Teilnehmer; jeder hat seine eigenen Gedanken, jeder sein eigenes Wort, jeder sein eigenes Sefer. Schluchzende Stimmen treffen sich, streifen aneinander und vereinigen sich. Spontan erschallt ein Teschuwahwort durch den Raum und es wird zur Parole, von allen in tief-