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Der Israelit · 1927-02-24 · Heft 8 (24.2.1927) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 8 (24.2.1927)
Date
1927-02-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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u i v\. Seite 4 Nr. 8■ Gemeinde hat sich demnach nicht nach Begrissskategorien einer ihr fremden Welt, sondern nach den vom Judentums selbst geschaffenen, zu orientieren und aufzubauen. Was wir unter einem im im Sinne des Judentums zu verstehen haben, darüber kann ein Zweifel kaum mehr bestehen, denken wir an den Lehrsatz, den ■"» 'Wj ^>a« rroWj» »r p^s aufftellt. Es dopt: N1LVN ^1V 1P1S1V DHI im *>211» V'DIISN N18QN ^22 pl virriir 'IN NIVII» -»mi nroaa M2 N2'V1 nvnnan 112221 moKn i»»2 pxyV pm *>:22 |,i Alle diejenigen, die sich vom Lebenswandel der jüdischen Gemeinde lossagen, d. h. die Leute, welche das Joch der göttlichen Gebote von ihrem Nacken geworfen und sich mit der jüdischen Gefam*5?ft mff fiftffflTfifrn m hsf AMiikMg pss göttlichM Gebote, in der Heiligung und Derchrung der Festtage, in dem dauernden Verweilen in Bet- und Lehrhäusern, — die gelten als eine für sich gesonderte zügellose Klasse, bei deren Tode die jüdischen Liebes- und Trauerpflichten nicht Platz greifen. Diese Stelle ist in mehrfacher Hinsicht außerordentlich lehrreich. Sie stützt sich auf einen Lehrsatz in ninvv N2vv als auf ihre Quelle. Son Mt cs gang turgiiZL ’3~na man wDerscwe Begriff begegnet uns auch an verschiedenen Stelt len des nso und der xi»3' Eine nähere Definition wird uns in all diesen Quellen nicht gegeben. Diese sind auf dem nationalen Boden mitten im nationalen Leben entstanden. Eine Definition verbietet sich da ganz von selbst, handelt es sich doch angesichts dessen um notorische Tatsachen lediglich. Jeder Zweifel hierüber ist ausgeschlossen. Die hier gegebene Definition rührt vorn selbst her. Aür ihn und für seine Zeit war sie eine Notwendigkeit. Lebte er doch in der Diaspora, in Aegypten, in stets harter Fehde mit der Sekte der Karäer. Das ergab für ihn die Notwendigkeit, die Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft in ihren besonderen Merkmalen, zu erfassen. Er stellte für sie auf seine wahrhaft geniale Weise zwei Kriterien auf: 1. Dis Gsrnsinschaft der Geistesrichtu-ng, 2. fordert er, dah sic aüsgcbaut sei aus dcr VasiZ des Religionsgesetzes und von der dem entsprechenden Lebensweise in den charakteristischen Zügen bestimmt. Hier findet sich v"2»i, was beiläufig erwähnt fei, in schönster Uebereinstimmung mit dem, was die moderne Soziologie über den Begriff der Gemeinschaft zu sagen weiß. Wer demnach in Bezug auf die jüdische Gemeinde mit dem Begriffe der Körperschaft öffentlichen Rechtes operiert, bringt sie damit in die Kategorie von Aktiengesellschaften und ähnlichen Unternehmungen rein geschäftlichen Charakters. Mit Absicht ist hier Kategorie unb rtxcJjt Klasse gesagt. Fstep l^aud^st fj? sists Der Israelit um die religionsgesetzliche Würdigung der Sachlage, nicht um ihre politische Seite. Das Judentum legt jedem Juden die Pflicht zum Anschlüsse an das im seines .Wohnortes auf. Daß dieses, politisch genommen, den Charakter einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes besitzt, ist für die Beurteilung der Frage unerheblich. Ebenso örnvcht eine ven Huden geöstde.te Körperschaft des öffentlichen Rechtes längst nicht in die Kategorie des Begriffes zu fallen, den das Religionsgesetz unter im versteht. Leitet jemand aus dem Umstande, daß es sich um eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes lediglich handelt, die Unbedenklichkeit einer Beitragsleistung her, so hat er ihr implicite den Charakter des im im Sinne des Religionsgesetzes ab- und damit gleichzeitig die Pflicht des Anschlusses an das örtliche -,i2rr anerkannt, bemnach das Gegenteil dessen bewiesen, was er beweisen wollte. Als solches Unternehmen betrachtet, wird das Judentum sich bald als sehr unergiebig und reif für den Abbruch erweisen. Das Judentum würde dadurch seines gemeinschaftsbildenden Charakters völlig entkleidet, in dem doch eigentlich die tiefsten Wurzeln seiner Kraft ruhen. In letzter Linie liegt darin schließlich die gänzliche. Verleugnung seiner ervigen Sendung an die Welt. Vollends ungereimt wird die Sache, sieht man sich vor die Wahl gestellt, ob man den Anschluß bei einer Gemeinde suchen solle, mit der man ein Gemeinschaftsleben bis in die letzten Verzweigungen hinein, unterhalten kann, oder einen solchen an eine Gemeinde, mit der man lediglich in rein geschäftsmäßig steuerrechtlicher Verbindung steht. Läuft es denn nicht auf einen leibhaften Widersinn hinaus, wenn einer erklärt: ich baue eine jüvischs GsmsiM, d. h. sin nm mit ClsmMN auf, bei welchenim miv nnzriD also Elementen, bei welchen die Negation des im die oberste Maxime bildet?! Wie weit muß es schon gekommen sein, wenn man derartige Thesen überhaupt noch zu verteidigen wagt?! Wer hier nicht aus eigenem Verstände heraus schon die richtige Wahl und Entscheidung zu treffen weiß, mit dem ist hier überHaupt nicht Möhv zu ttchts».-. 24. Februar 1827 BW , Der Untergang der kleinen Gemeinden. Von Kantor Soifer in Buk (Posen). Das Problem der kleinen Gemeinden ist kein spezifisch deutsch-jüdisches, ist vielmehr in allen Ländern anzutreffen. In Ungarn, der Tschechoslowakei, in Jugoslavien und Posen trifft man Trümmerstätten — Ueberreste einst blühenden MWll Sf??nsi -- Die vielen Jahrzeitsstiftungett, die man in solchen Gememden mehr oder weniger antrifst, zeigen darauf hin, daß die Vorfahren dieser armen zusammengeschrumpften Kehilos nicht im gering-? sten daran -gedacht haben, daß 20—30 Jahre später kein Minjan mehr vorhanden fein wird,. welches btefer Verpflichtung nur halbrve^s nü'^ kommen tonnte. — - Wer soll Mischnah lernen, wenn kein Lehrer mehr da ist? . .Wer soll Kadisch sagen nach einem unbekannten Wohltäter,: wenn am Schabbos und Jomtow keine Andacht stattfindet; wenn die paar Balebatim nach ihren verstorbenen Eltern kein V'ip mehr sagen können! Wenn man so eine Synagoge in einer Halb¬ oder ganz verlassenen Gemeinde betritt und die vielen Zwecktnäßigen Vorkehrungen beobachtet,. ble ben Awcck Donwsanrntwn haben, die von frommen Leuten, die mit einer gewissen Seelenruhe ins Grab gestiegen sind, indem sie eine namhafte Summe zu Keren Kajemes hinterlyffen haben, ergreift uns ein Schauer der Verzweiflung über die Vergänglichkeit alles Irdischen; über den Untergangvon dem es keine Rettung mehr zu geben scheint ... lt-nb tüertrt es jo metier gelpert joltiey roertrt der Auflösungsprozeß der aliehrwürdigen Gemeinden weiter um sich greifen sollte i"n wohin steuern wir? Kein Landesverband wird imstande sein, durch bloße Besetzung der Lehrerstellen neues Leben hereinzuhauchen, Zuerst schuf Gott den Menschen aus Staub von der Erde, nachher blies Er ihm lebendigen Odem ein. Was kann ein Lehrer ohne Kinder? ein Kantor ohne Minjan? ein Wanderprediger — und fßino WPW?-- — , Was den kleinen Gemeinden in erster Reihe fehlt, ist: Zuwachs! Die jungen Leute, die. Männer wandern' aus, die Mädchen heiraten nach der Stadt oder bleiben „sitzen", und das ist schlimmer als zu Zeiten Pharaos, vielleicht schlimmer als Inquisition, es ist M a s s e n s e l b st m o r d im schrecklichsten Sinne dieses Wortes ... Hu ben großen Städten leben viele junge Leute ohne feste Existenz, während sie in den kleineren Ortschaften bei etwas Fleiß und Bescheidenheit ein achtbares Leben führen, Familien gründen und unser Volkstum erhalten — dauernd erhalten könnten. Erst Schüler, dann Lehrer; erst Publikum — dann Prediger! ... Die Scheidewand zwischen Ost- und Westjudentum; zwischen Ungarn, Polen und Deutschen muß durchbrochen werden, wollen wir nicht dem Siechtum verfallen. Die weltlichen Grenzen haben mit Juden und Judentum nichts zu tun. Uns einigt vaZ Band dcr brüderlichen WflllmnlUM. Kleines Feuilleton. Vom Esra. Die soeben erschienene Schewat-Nummer der Führerschaftsblätter des „Esra" geben auf kleinem Raum ein ziemlich umfassendes Bild der im Bund wirksamen geiMgM ®trömimgen, alWschm MWchl doh Her äußersten Rechten (der Ausdruck natürlich relativ genommen), die stilgemäß durch mwi »nai hätte vertreten sein sollen. Felix Munk und Erich Rosenblüth repräsentieren die allezeit unzufriedene Revolution, die reiigionskritische und die sozialkritische, Bsrthold Strauß den Uebergang vom Stürmen zur Prinzipientreue und Ernst F r e i m a n n die besonnene Erkenntnis der religiösen Tatsachen dxs Judentums. Sie streben alle ohne Ausnahme gewiß zur Thora hin, aber wir möchten glauben, daß das Hohelied der an der Erscheinungswelt haftenden kritischen Vernunft, wie Munk es singt, weit besser dem Individuum in seiner Selbsterziehung oder allenfalls dem Austrag zwischen Individuum und Lehrer überlassen bleibt, als daß es zum Programm eines Jugendbundes erhoben wird. Sache einer gesellschaftlichen BeranstciltirnA. bi-e sich an die ©ejamtfjeit ro-enbet uub vvn ihr ^eeteaaen heischt, kann es nicht fein, einem möglicherweise aus dem Judentum hinaussührenden Kritizismus über sein normales Sein hinaus auch noch werbend die jugendlichen Gemüter zu öffnen und höchst unglücklich zu tun, wenn die Seelen, die am Sinai gestanden, nun in intuitiver Klarheit, ohne alles Jrrlichtelieren, der immer noch lebendigen Gotteswahrheit zufliegen. Hormon i f ch e jüdische Persönlichkeiten im Sinne des Thora- SÄiali zu iai Mii» l&m XU AufzM ,£mtt fein ünd das natürliche Mittel dazu bleibt eben das Milieu. Wir empfehlen dem an Munk orientierten Teil der Esraführer die Lektüre des vor etwa Jahresfrist erschienenen Dinglerschen Werkes „Der Zusammenbruch der Wissenschaft", das in feinem kritischen Teile, ohne dem Kenner der Dinge viel Neues zu sagen, doch geeignet ist, auch die Bedenklichkeiten der jungen Esra-Jntellektualisten restlos zu beruhigen. Rosenblüth vertritt ziemlich genau den Ernst Simon schen Sozial-Kritizismus, mit dessen gefährlichen Konsequenzen wir uns bereits mehr- Mllls uusöinllMstWsn. Ms OMsMis muß »sch ihm sozialistisch (ttatürlich nicht marxistisch) werden, um thoragemäß zu sein. Auf dem Wege über die Vorstellung, daß es in Erez Israel leichter möglich fein werde, diesem sozialistischen Ideal zu leben, wird dann der Sozialismus zum Misrachismus. Gegen die sozialistische und die palästinensische Tendenz ist an sich als Bestandteil jüdischen Bewußtseins gewiß nichts zu sagen, solange diese Strebungen nicht zum zentralen Mittelpunkt des jüdischen Fühlens werden und so die Vorherrschaft des eigentlich religiösen Gefühls, des Gefühls der Verbundenheit mit Gott durch die Tot a l i t ä t seines Gesetzes, durch ZiZis, Tefillin und Sabbat so gut wie durch Zedoko und Mifchpot, vernichten oder gefährden. Hier zeigen sich auch die inneren Berührungspunkte des Organisatorischen mit dem individuell. jyteligiöjen. Die org-amjatorijdj-e Einheit junger^ im Geiste öcr Tradition erzogener Menschen nM iraMtionslosen Genossen in Gemeinden und Körperschaften zwingt die ernsteren Naturen zur Auffindung, ja zur sorgsamen Pflege von inneren G e m e i n s a m k e i t en und führt daher leicht zu einer bewußten oder unbnwußten Bevorzugung jener idealen Werte zweiten Ranges vor den eigentlichen viw« ben „SBurjel fräfien bes religiösen WewußtfsmS". RerstÄrki totrX Xlej« Innere 3!erjc^>!e£!mt^ ßss stellj^err Gleichgewichts durch die in unserer Umwelt leider natürliche Opposition der jüngeren Generation gegen die ältere, und wenn dann noch scharfe Kämpfe hinzukommen, diedie Solidarität der Gesetzestreuen untereinander beeinträchtigen, dagegen diejenige mit den „Stammesgenossen" stärken, dann ist in ungünstig gelagerten Fällen ein völliges Abrutschen nach links leicht möglich. Es ist ganz, gut, daß die Ideen, die in den Köpfen unserer Jugend leben, in den Esra-Führer-Blättern zum Ausdruck komm«n, vorausgesetzt^ daß. wie bisher so auch wsiterhin, ber- WM ztim 3lMiW»'4lU» sWMllMW» Wr^!z imÄ. alles Nechtbehaltenwoüen jederzeit überwiegt. ' (Zum hundertsten Todestag Pestalozzis). Aus der Fülle der zum hundertsten Todestage des großen Priesters der Menschenliebe erschienenen Literatur heben wir den schmucken Pestalozzi Band der „Bücher der Rose" hervor (Pestalozzis Leben in Briefen und Berichten. Mit zeitgeschichtlichen Verbindungen von Adolf Kaller Ebenhausen bei München.. Wilhelm Langewiesche-Branüt). Aus Tagebuch-Aufzeichnungen. Briefen Pestalozzis, briefl chen Aeußerungen und Berichten der Zeitgenossen erhebt sich ein lebensvolles und dabei von aller Sübiektivität befreites Bild der grasten Persönlichkeit MMüiziL. mm M MssHö WMWt M EWIU ßrone eines t^ivn moiiQiF Ton zuerkenni. Aus der eigenen Seele hat er den Sinn des vqs nnw geschöpft und die Grundlagen geschaffen, ans denen alle moderne Pädaaogik weilerbaut und die sich der Erziehungsweisheit der Thora harmonisch einfügen.

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