Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1927)
- Date
- 1927-02-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2450442-2450450--73851-2531285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- «• - 81 ItlMf D 3 s r a e 1 i i TT: schreiende Jugend zu den Quellen derselben zu führen, dann hätten, sie es heute gar nicht nötig, so lange und so weit danach zu suchend ' Daß aus der Konferenz gar kein'er aus den Gedanken verfallen ist, dieser echt jüdischen Anstrengungen, dem religiösen Suchen und Sehnen am eri£ cm ijd^exx jübijdpert Iirgenb entgegenzn- MIINWN. nur um einem zernnc gu traiätjns»; Zur Austrittsfrage. Von einem norddeutschen Rabbiner. Es ist sehr zu begrüßen, daß in Nr. 4 des „Israelit" die Austrittsfrage aufs neue zur Verhandlung gestellt worden ist. Tatsächlich sind die letzten 50 Jahre nicht spurlos an den hier in Frage kommenden Dingen vorbeigegangen, In vielfacher Hinsicht haben sie uns vor eine völlig neue Lage gestellt Wir sehen sie in zwei wesentlich entschei- \tv,Un {psi riMlilP lSöflA Das M beralismus war vor 30 Jahren noch längst nicht so deutlich in seinen charakteristischen Umrissen erkennbar, wie dies heute der Fall ist. Vor 50 Jahren hatte er noch auf den Rechtstitel Orthodoxie Anspruch erhoben. Damals arbeitete er noch immer mit der Fiktion, seine Einrichtungen in Kultus und Geben, feine Tendenzen der Lehre entsprächen ^em, was S&el un& <?Il ß8|?“ inhalt darbieten. Heute hat er selbst diesen Standpunkt als unhaltbar aufgegeben. Er hat ein System sich aufgebaut, welches diese unverrückbaren Grundlagen des Judentums — eben Bibel und Talmud — in das Museum für Altertumskunde verweist. Wohin die Richtung geht, zeigen die „Richtlinien" mit unverkennbarer. Deutlichkeit. Noch viel deutlicher läßt sie das Programm von London erkennen, unser welchem der Liberalismus der ganzen Welt unter lebhafter Zustimmung des deutschen sich zusammengefunden f)8|j exri?j3rocjrctrrtrn ictnrt jtcf) -mti bemf eifeen Rechte an das Neue wie an das Alte Testament anlehnen. Es erscheint völlig ausgeschlossen, daß Rabbiner S. B. Bamberger angesichts eines abgeschlossenen System/des Abfalles, wie es „Richtlinien" einerseits und deren Spielart von London andererseits aufweisen, noch mit dem Begriffe prrm^ i»i/2 gearbeitet hätte. Dies kann hier um so weniger angenommen werden, als doch unser Religionsgesetz für eine Geistesrichtung geprägt hat, und die hier gweifeüos gutrstst. So erklärt auch Maimonides pis ü'2wi mia) I ausdrücklich, daß in einem so gearteten Falle die erstere Kategorie keine Anwendung mehr findet. Unsere Liberalen selbst finden auch gar kein Haar darin, sich zu dieser Auffassung zu bekennen. Im Leben nehmen sie eine vom Religionsgesetze völlig losgelöste Haltung ein und verfehlen keineswegs, sie als vollkommen im Einklänge mit ihren religiösen Anschauungen hinzustellen. In Berlin beispielsweise hat man die Errichtung jüdischer Schulen nur aus einem einzigen Grunde heraus von liberaler Seite bekämpft. In aller Oeffentlichkeit erklärte man ohne den Rovbehcrlt: Seijön trt Mß öffentliche Meinung müßte die jüdische Schule am den Unterricht aussetzen. Würde man ihn . zum Unterrichtstage machen können, dann ließe sich über die jüdische Schule leicht zu einer Verständigung kommen. So aber könnten die Kinder hierdurch auf eine Beobachtung des hingelenkt werden. Das muh aber unter allen Umständen verhindert werden. Heißt das noch prrmb nam?? — — Das führt wiederum auf einen zweiten nicht weniger bedeutsamen Punkt. W3«n J'mt jx(f) j'iill|cfemeigertb baran gemahnt, unferm liberalen Moßgememden — sofern fie einen konservativen Kultus und sonstige konservative Einrichtungen zugestehen — als religiös-neutrale Gemeinden hinzustellen. Das Verbleiben in ihnen soll alsdann als religiös unbedenklich erscheinen. Sie verteilen, wie man annimmt, Licht und Schatten nach beiden Seiten hin gleichmäßig. Das f^nff*?****1^ >3wbeniwrrt be^inbst ^i«^ tri bereit Blitts im Genüsse ungeschmälerter Rechte. So liest man es immer wieder in den publizistischen Organen. Die Dinge liegen aber keineswegs so. Ueber den Charakter einer Gemeinde kann doch lediglich nur der Inhalt ihres Statutes entscheidende Auskunft geben. Zieht man den zu Rate, so stellt sich sofort heraus, daß mit Ausnahme von Hamburg die Statuten überall durchgehend dem Liberalismus auf dm Leib zugWitten sind, Das konservative Judentum ist lediglich auf Konzessionen widerruflicher Art gesetzt. Je nachdem es die Verteilung derlNajoritätsverhältnisie für angezeigt erscheinen (H§{, MM sie op mnm umimmn wieder eingezogen bezw. beseitigt werden. Nicht selten stellen sie nur Zugeständnisse an die Person und den Einfluß des betreffenden Rabbiners dar. Wir müßten doch dem Heimgegangenen Rabbiner Bamberger ein bitteres Unrecht antun, wollten wir ihm unterstellen, daß es seine Absicht war, derartige Einrichtungen mit seinem Namen als dem jüdischen Religionsgesetze entsprechend zu beeten. . - _ Ms »mt Die IMsralm GioWMMbkn vllvvll entfernt sind, sich auf neutralen Boden wirklich zu stellen, zeigt am klarsten deren Handhabung des Unterrichtswesens. Hier haben wir doch recht eigentlich die große Schlagader des religiösen Lebens zu suchen. Was ist denn ein Judentum noch., dem die Zukunft abgebaut wird, das seine Zu- . __Nr 8 Seite 3 kunft sich selbst abgräbt?! Daraus ist es doch a^er durchwegs in diesen Gemeinden abgesehen! Nach der Richtung hin erweisen sie sich als unerbittlich. Hier werden Konzessionen grundsätzlich verweigert. Man denke an Breslau, Köln a. Rh., Berlin usw. Bor wenigen Jahren war ein konservativer Rabbiner in Berlin sogar gezwungen, sein AM mellmMgen. weil, er Ttöj auMMiM fnh, liberale Lehrer oört dei? ihtii gälsitstsN Rölis gionsschule fernzuhalten. Die aber erklären es ausdrücklich als ihre Gewissenspflicht — was man ohne weiteres .verständlich finden wird — die ihnen anvertraute Jugend darüber aufklären zu müssen, daß das Lehrsystem der min längst überwunden und erledigt sei. Man denke an die jüngsten Vorgänge in Köln! Können alle die gedachten Konzessionen noch irgendwie um den Preis solcher Opfer als eine Vergünstigung erscheinen?! Tatsächlich zeigt ja schon jetzt ein Blick auf die tt Uv sznsMkltMn MiilMllll m m Grotzgemeinven, daß ihr Jungholz vöstig ausgerodet ist. Sie steht da wie ein Wald schütter besetzt mit einer Anzahl alter Stämme, dem das Jungholz vollkommen fehlt. Wer sich anheischig macht, eine Entscheidung im Sinne unseres Religionsgesetzes zu treffen, von dem wird gefordert, daß er ■m»»1? r>*r n eine gerechte Entscheidung auf Len UfS® NHMPlt WM ' schnitten fälle. Nie, wie unbemerkt, pi h *]*t U2V) omiv eine Entscheidung auf Basis eines fingierten Sachverhaltes.. Vollends unhaltbar wird die Bambergerfche Auffassung, denken wir erst an das Wesen der jüdischen Gemeinde. Sie bedeutet nichts anderes, als die jeweils örtliche Vertretung der gesamten israelitWen Nation im Sinne ihrer ewigen Sendüng an die Welt. Dies erhellt aus der einfachen Tatsache, das in der begrifflichen Kunstsprache des Religionsgesetzes für beide dieselbe Bezeich- WM M Wllllchl GM M Ist ßlfB BBHfBm men abwegig, sich darüber dm Kopf zu zerbrechen, ob die jüdische Gemeinde als öffentlich-rechtliche Körperschaft zu werten sei, oder nicht. Hier geht die Frage um etwas ganz anderes.- Was ist die jüdische Gemeinde im Sinne des Judentums?! Auch können wir uns nicht einmal hinter der Tatsache, wir hätten es mit einmal gegebenen Verhältnissen zu tun, verschanzen. In Preußen ganz unb gar nicfyi. £y\er fiebert mir erfi »or einer gesktzlilUn umtrcgctUTi’g diksrr iingv. - ««4 in den übrigen Staaten des deutschen Reiches liegen sie nicht anders. Der Staat und seine Organe betrachten uns längst nicht mehr lediglich als Objekt der Gesetzgebung, sondern als deren Subjekt. Es liegt ihm jede Tendenz fern, uns unter ein fremdes Joch zu beugen. Die jüdische Dort, wo die Toten le'en, die Stammväter sortleben in der Treue ihrer Nachkommen, in einer Reihe m't ihnen stehen und M't ihnen gezählt wer- ^jj|-‘ l)jtt i|t das 3ttbentum. »Im Schatten Gottes". Zu ’rnp’i 'S- Von Rabbiner Dr. Kermann^KternIn Werlin. nvs'? -,in p put p 9'sVxa #n rrip iny »S heiles hat Gott mit Nauen B^elel, dm Soh i öftii KWl? be,r“fert gti Dicfct Steife BeumRin W-iseu *« .-o» n»j mva. datz Btzalel diesen Nauen wrgen seiner Weisheit erhielt, denn als ihm Äoles den Auftrag er eilte, er möge die Bu tdeslade, die anderen Geräte und die ganze Woonung verserligen, da svrach er zuihm: ^2 inrri n'2 N212 airr ptbai ü'^21 piK nm nmrr nnKr.D’^ ö’jd» najpn *]V im p ksv dv'Iarr p’.p nvis '2NV nsn’i n",i bp b'i'i i*? nn» v'^21 sinx pwa nur» -Es ist doch sonst -Bcau-{). eri't bie 333 3E) rtU.itg hsrAU» ) ftfifffl “rl^> dcrrrrt dis Sirlie ttrtäaletlll?!! ÖB8 811 | erleiist m r den Auftrag, er>i die Bandeslade Uüd die Geräte zu oerfertigen und erst dann die Wohi nung zu erbruen, vielleicht lautet auch der AuNraq Gottes datz zuerst die Wohnung und dann erst die Geräte angefertigt werden f. llen. Da spmch Moses zu ihm: »Du warst vielleicht im Schatten Gottes, datz Da es weißt'. Diese Talgrudstelle enthält eine ganze Reihe, von Schwierigkeiten, die von den Kommentatoren zu lösen »etsu-hi inurben. Ich ^möchte nur auf eine Schwierigkeit aafmerksam machen, die meinesWissens außer in dem Werke apy |vsr zum apsr’ psr nirgends heroorgehoben wird und deren Lösung ich in den 333 arten: ,Vielleicht weiltest Du im Ställen iii fta8ßH aiau^e. 3go nämlich an die lschivlerigdsst, die e genlllch schwierigkeit dieser Stelle sein dürste, warum gab Moses nun wirklich den Auftrag, erst die Geräte und dann erst die Wohnung herzustellen, wenn der an ihn von Gott ergangene Auftrag umgekehrt lautete. ^olgsnder Gedankenganq därfle uNs vielleicht der Lösung nähervringen. Das Zelt mit seinen heiligen Geräten hattm unzweise hast eine symbojjnS? Vr8M87Sl m die «Ssttes ll^kr imicrai DM UW »nint p""- fättta veranschaulichen, uns den Weg zeigen, wie wir das Ziel erreichen können, das unserem Leben gesetzt ist und das kein anderes ist, als ^2 TivpT, als das innige Ausgehen in Gott und das stetige v)rbündensein mit Gott, so wett Menschen dies überhanpi zu erreichen vermögen. Don diesem Gesichtspunkte aus gesehen, haben pw und eine höhere Bedeutung 'als das pw», das ihnen 'zur Stätte blerite; inie ja be-m (Sontbol die Idee das WsfsuillL: M8 DstBM M M8 ÜäQ Wllwlll fflDtt das Zekunb'lce. Nadsk Nä»Z3kdNUNS Svk fMi dolischm Bedeutung der Geräte und des p^a nehmen pns und die anderen Geräte wie mvi» eine höiere Stufe eia. wie das Zelt selbst. Denn die. hettigen Geräte.zeigen den ganzen Weg für den ganzen Menschen, der zur Heiltgkeu, also zum Hochziel jüdischen Strebens führt.' Sie stad also in der Idee das Primäre, und da ja beim Symbol die Idee das Wesentliche ist, so konnte rw» zuerst jvm und trta nennen, da sie ja der Idee nach primär sind. In der realen Welt "£^15? VtP unto" wi d zuerst das Haus gebaut und dann die Geräte und so sollte ja in Wirklichkeit auch bei dem Bau des It>eri>elt' Es sollte Alterst die 5>iitte Asdsut und dann All ivllwn vie Gemie nmittemgr werden, aber wollte d'm weisen Werkmeister doch zeigen, datz bei dem Aufbau des Heiligti'MS die Wi KUchkeit nur der schatten ist, den die gökt-- tichm Ideen wsksen. In der Welt der Ideen aber, die «ür den Aufmu des Heiliatums die wahre W>rKlichkeit sind, kommen und in erster Reihe. Wah end" im normalen Leben die realen Dinge das 3öirslicije Jint> unt> ipenn biefen realen ©innen iTgsitörefftij?;ßbccrt diese die wirklichen Dinge als deren Schatten begleiten. so ist es bei den Symbolen des Heiligtums umgekehrt. Bezalel. der sicherlich mit feiner Bemerkung, datz der tto bw unjüi' die Wirklichkeit, den Bau des Zeltes als e--sts Ar leiterfordere, recht h'tte, war aber mit seiner Wirklichkeit ^L2 »im Schatten Gottes", denn öek'^en'göttlichen Symbolen sind die Ideen das Wesentliche und deren Auesübrung nur der .chatten, der dte Ideen begleitet. Ts besteht kettr ^rulscheri ber ^Inftrcgse teiliXTtg ÖT3 nia «nv S» nur datz eden der autzsühcenbe Bezalel mit seiner realen Arnett im Schatten Gottes stand, im Schatten der göttlichen Ideen, denen er die realen Symbole in Weisheit und Erkenntnis mit Geist und Gemüt, mit Verstand und Herz erbauen sollte. j