Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 8 (24.2.1927)
- Date
- 1927-02-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 8 Der Israelit 24: Februar l 8^7. Als „Mischen" Denker hat man Baruch Spi-, "°jia s«$ üs nratn ÄkUÄM auf ftn Höhen des Skopusberges zu feiern nicht unterlassen, dort wo der revolutionäre Pseudonationalismus unserer Tage Zwingburgen zur Niederringung des alten jüdischen Geistes und zum Kultus der autonomen Menschenvernunft errichtet: in den Hallen der hebräischen Universität. Herrn Dr. Klausner, dem dort allmächtigen WortMrgx. kann man m am wMiastsni wenn er Barnch ^pinaga, den Gebannten, als Heros des Judentums feiert — in ihm darf er den geeigneten Eideshelfer erblicken, um auch den Stifter des Christentums, weil er von einer jüdischen Mutter geboren ward, in das zionistische Walhalla einzuführen und die völlige Loslösung des neu erstandenen jüdischen Volkes von der Grundlage seiner Existenz, von Gottes Thora, vorzubereiten. Wochenrundschau. Äeukialitöt. Kurz nach den Herbstfeiertagen haben wir uns in einer zusammenfassenden Betrachtung u. a. auch mit einem Vortrage über den „Wert des Neutralitätsgedankens" beschäftigt, den Frau Elfriede Bergel-Gronemann im „Jüdischen Frauenbund" gehalten hat und der die eigentliche Aufgabe dieses Bundes in der „Erziehung zur Neutralität", b. h. zur Ablehnung jeher religiösen „Kollektivgesinnung", zum Hinauswachsen der Persönlichkeit über die festgebundenen Inhalte des angeblich „Partsirnäßigsn" erblickt. Daß das 851 i <<< w « elingeui einer solchen Erziehung, sofern gesetzestreue Kreise ihr Objekt sind, gleichbedeutend wäre mit der völligen Preisgabe des absoluten Wahrheitswertes der sinaitischen Offenbarung, das heißt des Judentums überhaupt, läßt sich unschwer erkennen. Nun ist die Diskussion über das Thema in den Blättern des Frauenbundes inzwischen fortgesetzt worden. Frau Berget hält an ihrer Auffassung fest, daß der Frauenbund Sörr alle. oraknslvnonllle Arößil sSistö ößött skizzlö^lö Bölkserzlehitiigs-Ausgabe zu stellen habe. Andere treten ihr entgegen, aber nicht weil sie die zersetzende und traditionsfeindliche Kraft des „Neutralitätsgedankens" erkennen, sondern grade umgekehrt, weil sie sich einreden, auch .inderpraktischen Arb eit das große ErgikWRLMW WkW«8«WWWl «kMM lichen zu können. Frau Karmrnski glaubt z. SB., das Jfenburger Heim des Frauenbundes sei ein Musterbeispiel der Neutralität — weder zu liberal, noch zu orthodox, noch zu zionistisch; überhaupt müßten wir zu einem Lebensstil kommen, der „weder orthodox, noch zionistisch, noch liberal, sondern schlechthin — jüdisch ist." Man gsslft sich vsvWMdM r» Mjls rb dieser Logik. Was „jüdisch" heißt, will man wissen und erhält als Antwort darauf: weder orthodox, noch liberal, noch ‘ zionistisch — sondern jüdisch. Eins ist gleich eins — ein analytisches Urteil von überwältigender Gewißheit. Da kehren wir doch lieber zu Frau Berge! zurück, die ihre Ablehnung der neutralen Praxis (offenbar vor Vollendung der planmäßigen Neutralitätserziehung) mit folgenden einleuchtenden Worten begründet: „Ich möchte für bos, txxxs ich meine, ein SBeifpief an» f^re«. 8s [off irfltmUlire gtjtffflffSn werden, und selbstverständlich trisst der I. F. 23. die Einrichtungen in den Formen religiöser Vorschriften. Die Erziehung aber wird nicht in konservativer, sondern in gemäßigter, sagen wir „mittlerer Linie", beabsichtigt. Sofort werden sich die Gegensätze der Anschauungen geltend machen. Es ist kein Argument, daß, da es Anstalten jeder Richtung gibt, jeder für sich wählen könne. Jeder, der einer bestimmten Ueberzeugung anhängt, kann nicht daran Tniiar&eiien, ba^ <xuc£> nur -ein ^inb anS>ers -erlogen roirb^ als er es für richtig hält. So wird an dieser mittleren Linie sowohldie Li berate Anstoß nehmen müssen, die in jeder Konzession an das für sie veraltete Zeremonialgesetz eine Hemmung jüdischer Entwicklung sieht, als die Orthodoxe, die ein laues Kompromiß ablehnen, oder die Z i o n i st i n, die eine national betonte Erziehung fordern muß. Das ist nicht Intoleranz, denn sie lehnen nicht die Existenzberechtigung der anderen Auffassung ab, sondern was sie ablehnen müssen, ist ihre Mitarbeit — tuet! sie in diesen Ueberzeugungsdingen eben' lein« Konzession machen können. Weltanschauungen können nicht neutralisiert werden." Wenn Weltanschauungen wie hier zutreffend ausgssiihvt.!fyrem Sßßefeit rtcttiy, nicht rtettirctltfteri werden können, dann möchten wir'wissen, welche psychologische Berechtigung die gepriesene „Erziehung zur Neutralität" in religiösen Dingen überhaupt haben soll. Jede Gemeinsamkeit der Weltanschauung bedeutet Kollektivgesinnung; baut jedes einzelne Individuum, wie die Verfasserin in ihrem Vortrage es wünschte, ein höchst persönliches eigenes. Weltbild auf, so daß es von der tatbestimmenden Kraft der gemeinsamen Weltan- [cöaiiima, von Der slWnanMn „MMMWM Gebundenheit" frei wird, dann yerfchwindet letzten Endes — sobald man nur zu Ende denkt — auch jede Besonderheit der jüdischen Gemeinschaft (wie immer man sie definieren möge) inmitten der Völker und wir brauchen keinen jüdischen Frauenbund mehr. Das „Neutralitätsprinzip" als Prinm lMlMlltzkll MMsiMM Wt W WktMs: .. ' _ ___ . .... . Das religiöse Amerika noch nicht entdeckt. Auf der Jahreskonferenz der Gesellschaft „Menorah" in Newyork, der über 500 Professoren, Rabbiner und Intellektuelle aller Fakultäten Rlmig vMlktzkw WM MM so ttmus wie mm isHrsi nach NsliZisn. Dsr DsüsitzMBe. Dr. H u r w i tz, konstatierte, daß sich die amerikanische Intelligenz jetzt in einem geistig Unruhigen Zustand befinde. Sie suche ehrlich einen Weg zum Judentum durchReligio n, Philantropie und Nationalismus, ohne ihn recht zu finden. Das' Ziel der Konferenz sei es, dieser Intelligenz ein . geistiger Berater zu sein. — Prof. ErHmann von der Columbia-Universität schilderte den tragisch-zwiespältigen Seelenzustand des amerikanisch-jüdischen Intelligenzlers, der in assimilatorislM WhllUMZvM IDi¥D UHD M ffgffi Mi jüdische Gewissen erst spät erwacht. Viele amerikanische Juden, fuhr Prof. Erdmann fort, kommen erst dann zum Bewußtsein ihrer jüdischen Zugehörigkeit, wenn man sie in ein'christliches Hotel oder einen christlichen Klub nicht aufnimmt. Andere kommen zum Gefühl ihres Judentums durch eine mystische Kraft. Sie wenden sich an die ResgWMMM, m si; nltzt UfrUMiij Orthodoxe können sie nicht mehr w e r d e n, da sie „zu sehr Schüler der modernen Wissenschaften geworden sind". >— Als dritter sprach Prof. M. A. Kaplan von der Unmöglichkeit, mit P h r l a n t r o p i e die Judenfrage zu lösen. Die Juden Amerikas müssen das jüdische Leben in Schule und Heim zü verstärken suchen. Das Resormjudentum, welches einen Mischen Nationalismus verneint, hat Mißerfolg gehabt Auf dem großen Bankett, das die Jahreskonferenz abschloß, wurde bekanntgegeben, daß die timm Mks gk!k: trums für jüd ische Wissewschast und Forschung in Amerika beschlossen hat. Das Institut wird den Namen „Menorah-Foundation" tragen; ihr Ziel ist die Förderung und Verbreitung von Kenntnissen des jüdischen Schaffens in Vergangenheit und Gegenwart. — In Amerika gibt es seit einigen Jahren so etwas wie eine religiöse Bewegung, die sich weniger in Konferenzen. Banketts und sagsnannten 8!i[[^n[chcr[tlichorr ^eniren aus^rüJ| a}s in Gründung und Erhaltung von I eschiw aus,' in Propaganda für den Sabbat, Verbreitung gut jüdischer Schriften und ähnlichem mehr. Wenn es den 500 Intellektuellen der Menorah-Gesellschaft wahrlich darum zu tun ist, die nach Religion Historisches Zudenkum. Betrachtung zum Wochenabschnitt von Rabbiner Dr. Wichalski, Karlsruhe. „Wo bleibt Moses? Warum kehrt er nicht zurück?" Laut tönt diese Frage in Israels Lager va vas DM dir RffMsvr öee Sflöiom ümt „TOICO IßllTomBg ®8DiIÖßi BBW!R Bm Wölkö'np! Sieht es nicht aus wie ein Sargso ruft jemand nach oben deutend. . Moses liegt in dem Sa'g, kem Zweifel, die Engel tragen ihn zur letzten Ruh! Diese Kunde pflanzt sich von Mund zu Mnnd, Dermutung zur Gewißheit erhebend. Zu Aaron stürmt das Volk: ..Aus muche uns Gölür. die vor uns hergehen sollen, denn dieser Mann Mose, der uns aus Aegypten geführt, wir wissen nicht, was ihm geschehen ist'" Aus tausend Kebün dringt drohend m MM SN ASsSlS Syk MklMllklW lllllüM AarvUi mim zu müssen, raas um zu Ißllßll Iss. glaubt nachgeden zu dürfen, für Moses Ersatz zu schaffen, um den Glauben an Gott zu erhalten. Doch Kaum ist es fertig das Kalb, von Aaron, um Zeit zu gewinnen, langsam mit dem Griffel gemeißelt, da lautet ganz anders der Ruf, mit dem es vom 0 Midrasch rabbah z. St. c. 41. ■i ii! iütää! Volk wird umiubelt : „Dies sind Deine Götter. Israel. die Dich aus dem Lande Aegypten herausaeführt!' Dies Kalb, vor ihren Auaen mühsam gefertigt, doch nur, um den Weg zu zeigen, den es vor ihnen ..hergehen* sollte, soll ans Aegypten sie geführt haben noch eh' es entstanden war! 2 Aus dem mmtffft tin numn m cm MM rm Dklllmllßlli Heit aus arm MMvr durch die Wüste ein Gsst B5I» Belreluna geworden. Dbler Schritt, den das wohnbe'örte Volk blitzschnell in Gedanken rurückaelegt hat. sollte dem Abfall den Schein der Berechtigung geben, die Gegenwart mit der Vergangenheit verknüpfen, nicht eine neue Reform sollte es werden sondern die Fortsetzung des historischen Ju^entr ms, in andere Badnen aelenkt. So veraewallloen sie Me fffiöfirfiett utib bk ©e{<£>lc£»4e, nnt bas €&nbenb.E-If-X.— bemn6i(etn 31t [tbeuaien. Die gerechte Strafe Gottes hölte Israel vernichten wüsten, wäre nicht dem Gottee gesetz in Moses ein Vertreter auf Erden erstanden. Den Staub des zermalmten Kaltes gibt er dem Volke zu trinken, auf daß es die N'chtiabeit des von ihnen mit Göttlichkeit umkleideten Machwerkes erkennt. AufMosts Ruf. Wer zu Gott hölt. zu wir", sammelt sich um ihn der Stamm L vi, tritt in der eigenen Familie für das Gesetz Got'es ein, um es vnr Entstellung beToatjTeit. ^Ie!n i|t bie aai-j «Volt, fc£jir»Pr »st vsit Tfiifrt rs nnv TOcucOt zurück ihre Gegner". (V. v. M.?3 9-1i). Im ergreifenden Gebet fl'kt Moses zrvor um Gnade für das Volk, doch Gott verlangt 2), daß wie bei Sodom noch 10 Gerechte im Volke seier-, die nicht sich versündigt haben. In höchster Angst —r -nErrm 2) vgl. Midr. rabbah z. St. c. 44. zählt Moies: Amon, Eleafar, Ith mar, Pinchas Josua, Kalest. Moses selbst. — drei fehlen noch an der Zasl, Le^en die Toten?" fragt Moses bebend. .Wirst auch Du zum Zweifler?" antwortet Gott, gew ß. sie leben". .Nun denn", so betet Moses beali'ckt. oedenke an Abraham. Jlok «nb £ibfeob. Die Me MM? lllMSM» - MB «ttB dstirt Wenn Israel an knüpfen darf an das Leben der Stammväter, wenn es in ihren Bahnen wandelt und ihrer würdig sich zeigt, dann ist es das historische Judentum. J°raels Gegenwart zeigt ein gleiches Bild.' Männer sind erstanden, denen ein Mo^es nur im Reich der Wolken schwebt, nicht aeetgnet mehr für bas Sieben irx *5* *beit. beneix «in 32tofes Im SaTCje lieg*, gur erolpen SFtvt^e p^etrogertj ^fUl scvoffen sie ein neues Juvenmm, ..tos vor ihnen dergehen soll", ovf daß es Ersatz sei sür Moses; doch kaum ist's entstanden, da.ist es nicht mehr ein Neues, cin eben beschaffenes. Blitzschnell wird ein weiterer Schritt im Mahne zurückgelegt, um dem Abfall den Schein der Berechtipung zu gebrn, um die Geaen« wart mtt der Derganger heit zu verknüpfeu. Nicht eine Reform ist es ihnen wehr, sondern das histor sche Judentum, in andere Bohnen gelenkt. So vergen»aHfg',rt fie bk 9Bof)t^ek unb Me Geschichte, ntn ' ^21 SÖttBenBenliBtfeln 311 ft^enrten. - N»r wer bie Nichtigkeii j?bes mit Göllüch^eit umkleideten menschlichen Machwerkes erkennt, wer auf den Ruf Moses hört, .wer zu Gott hält, zu mi'", tritt in der eigenen Familie für das Gesetz- Gottes ein. um es vor Entstellung zu bewahren. Klein ist die Schaar. Gott signet sie, schwer ist das Werk, ©olt_ fördert es und scheucht zurück ihre Gegner.