Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1927)
- Date
- 1927-02-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 7 Der Israelit 17.'Februar 1827 aufgefordert hatte, schloß der Versammlungseliter, Dr. S. London, gegen Mitternacht die überfüllte DerfcrrrziTtlurcj- Zweite Lesung des Iudengeseh-Entwurfs im Preußischen Landesverband. Berlin, 14. Febr. Der vom Rate des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden gebildete Ausschuß setzte unter dem Vorsitz des Herrn Justizrat Makower am 13. Februar 1927 die Beratung des Entwurfs eines neuen Gesetzes betreffend die jüdische Religionsgemeinschaft in Preußen nunmehr in zweiter Lesung fort. Alle Paragraphen, welche &le i^ortjilitiierurtg Ler Sjjnagog-engemembeUj Upr nie zum Staat, ferner die Gemeindeverbände usw. behandeln, wurden erneut besprochen Ein wiederholter Antrag, im Gesetz zu bestimmen, daß jede Synagogengemeinde einem öffentlich-rechtlichen Verbände angehören müsse, wurde wiederum abgelehnt. Jedoch wurde — vorbehaltlich endgültiger Fdrmulierung— ein Antrag angenommen, nach dem. falls ein Viertel der §tin>nrderachtrgtsn -einer f&emeinbe einen Antrag bei ihrer Gemeindeverwaltung stellt, eine Urabstimmung über den Beitritt zu einem öffentlich-rechtlichen Landesverbände stattzufinden habe. Bei dieser Abstim mung soll über den Anschluß mit einfacher Mehrheit der erschienenen Stimmberechtigten entschieden werden. Mit Bezug auf die Wahlen zu den Vertretungen der Gemeinden fand ein Antrag die Billigung der Mehrheit, der festlegt, daß das aktive und passive Wahlrecht zur Ge meindevertretung bezw. die Teilnahme an der Gemeindeversammlung nicht von einer längeren als höchstens zweijährigen Mitgliedschaft in der betreffenden Gemeinde, ferm 81$ 888 » MOP« MiMMsLnz 881 SSS einer bestimmten Staatsangehörigkeit abhängig zu machen sei. In Gemeinden mit mehr als 1000 Seelen sollen die Wahlen nach den Regeln der Verhältniswahlen yorgenommen werden. Zu der bereits in erster Lesung angenommenen Festlegung, daß ber aus her örtlichen Gernslnbe ütus^etreiene der aber dem Judentum weiter angehvrt, einem ösMtlilhrechtlich anerkannten Landesverbände weiter steuerlich verpflichtet bleiben soll, wurde die Zusatzbestimmung angenommen, daß der Ausgetretene dem Landesverband gegenüber erklären darf, für welche bestimmten, im Haushalt vorgesehenen Zwecke des betreffenden Verbandes seine Beiträge Verwendung finden sollen. Weiterhin sprach der Ausschuß den Wunsch aus, daß möglichst bald eine Regelung des Beamtenrechts durch den Landesverband stattfinden müsse. Stt fr-or ®efomt<j6fiimmung tuurb« bann bet ganse ®e sktzknnvurs angenommen und zur endgültigen Lesung noch einer Kommission, die aus den Herren Justizrat Makower, Justizrat Lilienthal und Rechtsanwalt Dr. Kollenfcher besteht, überwiesen. Der Entwurf wird sodann dem Großen Rat des Landesverbandes vorgelegt werden.. Versammlung der Gegner des deutschen Pro Palästina-Komitees. - Berlin, 9. Febr. Ein Ausschuß der Gegner des Deutschen Komitees Ws DMtins M fös kzrr 8. Frbsuz? äLrrrrZ tll Ui Logenhaus Joachimsthalerstraße zu einer Kundgebung mit Aussprache ein, deren Thema lautete: „Das deutsche Volk und die Gefahren der Palästinawerbung". Zu der Versammlung wurden nur Anhänger der Gegenbewegpng eingeladen. Als erster Redner ergriff das Wort der Prediger der jüdischen Reformgemeinde zu Berlin, Herr Dr. Rosenthal, der ü. a. ausführte: „Die Palästinafrage ist eine der wichtigsten im jüdischen Lebendste möge leidenschaftsiss iS! :y: TUM kKAA 8f zuzugeben, daß sich der Zionismus um den Ausbau des Heiligen Landes große Verdienste erworben hat. Ein jüdischer Nationalismus muß aber antireligiös wirken. Ein jüdisches Volk können wir nicht anerkennen. Wir stimmen einer Arbeit in Palästina zu, soweit nicht ein jüdischer Nationalismus in Betracht kommt. Wir sind nicht in Deutschland zu Gaste, wir sind im deutschen MolU zu §Zu\e. £Uul[Jjfanli 1(1 «nffF Die mchtjüdischen Mitglieder des Pro Palästina-Komitees waren nicht genug informiert. Der Zionismus hat eine tiefe Kluft im deutschen Judentum gerissen." Als zweiter Redner sprach Herr Pfarrer und Privatdozent Lic. Dr. Haack (Breslau), der ausführte: „Christentum und Judentum, beide sind Instrumente von wundersamem ewigem Klang. Was soll uns voneinander trennen? Die deutschen Juden können, nicht aus ***" ffiWi Mky W M M FkllfNl M Kriege waren Juden tapferste Soldaten. Die Antisemiten bringen das Argument der Rasse ins Treffen. Wenn Raffe unterscheidet, so fallen wir Deutsche in Splitter auseinander. Unsre Devise ist: Einigkeit und Recht und Freiheit. Wo aber wäre das Recht, wenn einem ganzen Volksteil das Deutschtum abgesprochen werden würde? Die Mache. Berlin. In Berlin wurde ein „Verein der Deutschjüdischen Berufstätigen" ins Leben gerufen. Der Verein gibt als Zweck an: Zusammenfassung der auf dem Boden des deutschen Volkstums stehenden Männer und Frauen. — In der Stadtverordnetenversammlung besteht die Absicht, eine Straße im Innern von Vernit IM kißlll MlMk Ml MlAlWsllssllllg „HUH0 PvSUL-Sieäße" zu benennen. — Die „Jüdische Rundschau" veröffentlicht den Brief des Polizeipräsidenten an den Vorstand der jüdischen Gemeinde hinsichtlich der Wahlbeschwerden. Hiernach sind die Beschwerden in fünf Fällen als berechtigt anerkannt und eine Nachprüfung der Wahlen angeordnet wordene 'Die .„Rundschau" glaubt, daß die Streichung der ungültigen Stimmen an dem Ergebnis der Neuwahlen nur insofern etwas ändern wird, als der poale-zionistifche Listenführer, Dr. Oscar Cohn, gewählt fein wird. Darmstadt. Beim Landesgewerbemuseum zu Darmstadt wurde eine j ü dis ch e A b j e i l u n g MMWii MM» ffiffi MM MMUW Schriftsn und Mucks, nsds» m& Anzähl non Teppichen und Kelchen mit hebräischem Texte, enthält. Karlsruhe. Auf dem israelitischen Friedhof zu Kuppen he i m bei.Rastatt wurden von bübischer Hand 18 Grabsteine umgeworfen, darunter auch das E h r e n m a l d e r G e f a l l e n e n. Wien. Der berühmte frühere . Äetntor ber 9lombatb>€nnaqoge *u 58ub<tt>efi, a j « '' r . i TI stimmt Grunwald» verstarb infolge eines Nervenzusammenbruches. Er war kurz zuvor im Schnellzug Hamburg-Berlin von Banditen überfallen und ausgeraubt worden. Der Tod ist eine direkte Folge der ausgestandenen. Schrecken. Paris. Die Sozialistlsche Internationale beschloß, die Untersuchung der Gründe, die zum Anschlag Schwarzbarts auf Petljura geführt haben, in die Hand zu nehmen. Belgrad. Die j u g o f l a v i f ch e Regie r u n g erließ eine scharfe Verordnung gegen die Proselytenmacherei der Judenmkssion. Jerusalem. In Tel-Awiw wurde 7^7 (LI M SlHffIUIn 811 Minelsinnves m Pnlaslina Mgrundel. — Nach einer ausgestellten Statistik entfallen auf jeden Juden in Palästina 6,6 Dunam Boden. — In der Nacht zum 11. Februar fiel dichter Schnee, so daß die heilige Stadt, seit 1921 zum ersten Male wiederum Morgen ganz in Schnee gehüllt war. Kiew. Der Rabbiner von Brawar, Wilenski, wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt, weil er seiner Gemeinde untersagt hatte, in der Konsumgenossenschaft Fleisch, das keiner rituellen Aufsicht untersteht und unkontrollierbarer Herkunft ist, zu tan|en.. Jlero^ott. 5?ie in eieottanb tflg«nbe Ö? imu u « n f? v e n g «msiiranis$tr Rabbiner erließ einen Aufruf gegen das Treiben der Judenmission in den jüdischen Zentren. Der Appell wurde auch dem . Präsidium des „Bereinigten Komitees für Freundschaft zwischen Christen und Juden" zugestellt. — Die amerikanische Ern wanderungsquote bleibt nach Senatsbeschluß noch ein Jahr bestehen. Kairo. Der Präsident der jüdischen Gemeinde, Josef Cat tau ni Pask^r, wurde in Anerkennung seiner Verdienste für Aegypten zum (Senator ernannt. Der Zionismus ist für manche eine heilige Sehnsucht, aber es ist die Sehnsucht des Ahasver. Palästina ist nicht das Judenland, es wird von England verwaltet. Der Völkerbund kontrolliert, aber was kann heute der IBöIf'er&unb? Drs Arastsr merben Palästina nicht j»nsisgsöen, Es ist eine Tragikdaß das Juvenkum gepalten ist, nur die Religion kann es einen. Man soll sich weder durch den Antisemiten noch durch den Zionisten beirren lassen." In der „freien Aussprache" wurde Rechtsanwalt Dr. Klee, der sich als Vertreter der Z. V. f. D. gemeldet,, das Work verweigert, dadie Mitteilung, daß der C. Ä. f, D. eine Einladung erhielt, vom Beisitzer,! Herrn. Dr.. N au ma n n., angezweifelt wurde. — Alssich inu 78mm m MlliWn mu SEi »mann iirni. *ifiort gemeldet hat, verließen die drei ziomstlfchen Vertreter den Saal. Es sprachen dann Dr, Max Meyer, Unger^ Dr. Naumann und Dr. Bruno Weil im Sinne der Einberufer. Besonders Naumann erging sich in Beschimpfungen des Zionismus und' nannte Tel-Awiw einer „Schieber- und Schacherstadt". Auf Antrag des Vorsitzenden wurde eine Entschließung angenommen, in der gegen, die Palästinawerbung in Deutschland Einspruch erhoben, wird. (Siehe Wochenrundschau.) Mmfirr Sw* üöet bcu Uecfaffungstampf in der Studentenschaft. Berlin, 12. Febr. Im Hauptausschuß des Preußischen Landtags kam Kultusminister Dr. Becker wiederum auf die Entwick-- lung des Vers a sfung s ka m p f e s in der S t u d e nt e n s ch a f t zu sprechen und führte aus, in der Studentöt-e .in K&r Jugsni» xtoxv sin gewisser NaMkalisrnus herrsche, den Mser Jugend, niemand verübte. Aber der Radikalismus dürfe nicht soweit gehen, daß gewisse Gruppen versuchen, sich über die Autorität des Staates hinwegzusetzen. Der Standpunkt des Ministeriums in der Frage der Vereinigung aller auslandsdeutschen Studentengruppen sei unbeirrt. Dia Linie der Politik des Ministeriums könne nicht dadurch verwischt werden, daß durch eine geschickte Verwechslung, der Begriffe „völkisch" und „Volkstum" die Oeffentlichkeil zu beeinflussen versucht würde. Der Minister wisse sich in dieser Frage mit der großen Mehrheit des Landtags^ eins. Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der süddeutschen jüdischen Landesverbände. Stuttgart, 7. Febr. Die Vertreter der Israelitischen Religionsgemeinschaften und Landesverbände in den Ländern Bayern, Baden, FAMMMS M li l M ö: ötürunr IM in Stuttgart zusammengetreten und haben, vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Organe, die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft beschlossen. Die Vertreter der Landesverbände sind nach wiederholter eingehender Prüfung zu der einstimmigen Auffassung gelangt, daß die Bildung «ines- Reichsverbandes erstrebenswert ist, aber nur auf dem Wege über die Landesverbände geschaffen werden kaum Schochtim-Verband. Würzburg, 16. Febr. W MN MWNN WN: M MM M M WW sig Zeug« von den Beratungen unserer jüdischen Veamten gewesen, wurde heute ein langjähriger Traum zur Wirklichkeit, der Zusammenschluß der bayerischen S ch o ch t i m. Die gut besuchte Versammlung legte Zeug- Ab Samstag den 19. Februar 30 o o (Rabatt auf sämtliche len, und Rurzwaren Zeit 127, gegenüber der Hauptwache y.’r/x^W?'