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Der Israelit · 1927-02-10 · Heft 6 (10.2.1927) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 6 (10.2.1927)
Date
1927-02-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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59PU0 § ttr. 6 Der Israelit 10. Fedruar 1927 lrpzn uns sszshlr«. Grtt mit Jjilfi vr» »WM sitz in. sich zurückgezogen Hai, um einen Raum für eine irdische Welt in der grenzlosen göttlichen Geistessphäre zu schaffen, so hat auch Gott in der Sphäre der heiligen Thora und ihrer Ewigkeitsgebote eine freien Raum für die Legislatur der Vergänglichkeit gelassen. Hat also die Thora Verständnis gehabt für die Zeit, für das praktische reale Leben Und für die Forderungen unseres Gesellschaftswesens, insofern M Sfttgemeinfjeii «mfnfji — fe!fi es wm {o1 mehr unsre Pflicht, wenn wir dessen bewußt sind, ihren Ewigkeitsgeboten zu folgen, der Ewigkeit, die keine Zeit kennt, einer Ewigkeit, die keiner Vergänglichkeit weicht. Korrespondenzen Racbricbten. Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Frankfurt a. 271., 4. Febr. Einige jüdische Blätter wissen von einer „Spaltung Ml AMK MMMKg" UttÖ Öfiffl luitritt Mtzrsrsr führender Persönlichkeiten aus dem Vorstand zu-erzählen; hiervon ist nur soviel richtig, daß der bisherige stellv. Vorsitzende, Herr Jacob Rosenheim, sein Amt im Vorstande aus persönlichen Gründen niedergelegt hat. Im übrigen ist keine Veränderung der Leitung oder der Tendenzen der „Freien Vereinigung" «ingetreten. $!f rMkM in MgttküfM FkSkkKkkNkSRW Berlin, 31. Jan. Die Tagung der Studentenschaften der preußischen Universitäten in Magdeburg hat eine Entschließung angenommen, in der zunächst festgestellt wird, daß die in dem Erlaß des preußischen Unterrichtsministers vom 24. Dezember 1926 angeführte Auslegung in dem Wortlaut der Ministerialverordnung von 1920 nicht klar zum Ausdruck kommt, weshalb von einem Verstoß gegen diese Verordnung nicht ausdrücklich gesprochen werden tonne. Dann bet{ji es: J5n her Frage her Zugehorig-?>> , i i ui •<> ii » •«••••;«; »> eit ausfanbsbeuiji^er Shibiereriber gug- Studenten^c^ci^t sind dis pvsußWsn EinLsl-Stlldsntenschastsn durchaus bereit, an einer Neuordnung der fraglichen Bestimmungen im Sinne einer Mitwirkung des Rektors mitzuarbeiten, bei der sie jedoch die Gewährleistung einer selbstänanderen Seite: das kreuzt sich, mischt und—bekämpft sich in ihm. Sein Charakter hat nicht die blühende Farbe, den schlanken, geraden' Wuchs der Gssundbert. ist befleckt und mmm- ®n MMMMiyW Wy p zu. Nachdem er Frau, Kind und innerlich.auch seinen Glauben verlassen und sich mit einem — kranken — Mädchen verlobt hat, wandelt er sich aus einem eifrigen, geistvollen, wenn auch manchmal überstürzt hastigen Journalisten zu einem Bankbeamten, jeden Tag in der Gefahr, auf die Straße gesetzt zu werden. Altruismus und Egoismus, sittliche Empörung über prassende und wuchernde Banken, dem Mitleid zu ihrem Gegenpart, seinen armen Eltern und Hausgenossen gesellt, neben zu reicher Selbstbewertung treiben ihn zu dem Diebstahl. Auch dieser vermessene Eingriff in die göttlich konzipierte und von der getarnten Kulturrnelt akzeptierte Nechisnorrn des „.QJletn un£ ifj aier ojjTW? Jlvfljt wU an diesem Schwächling. Er gebärdet sich wohl wie ein vorweggenommener Nietzsche, ahnt freilich dessen „Umwertung aller Werte", bringt schließlich auch den Mut zur falsch bemäntelten Tat auf, allein an dem von Nietzsche verherrlichten, von uns als verbrecherisch erkannten stark bewußten Kraftüberschwang gebrichts ihm. Anderes nimmt man bei dieser Gelegenheit wahrr-sie ist die zweite Etappe auf der abschüssigen Bahn hinter der ersten: der Abtrünnigkeit von seiner Religion. Haltlos stürzt er weiter. Er hat zwar nicht den energischen Trotz des Verbrechers, ^e^teht o6er tro^bcmj feine Reue über jeine Tut 0« «mpfinäsn uns wird von Loflosiwstt sanft und doch deutlich deshalb zurechtgewiesen. Ihm wird nicht zuteil und zum Heil, was D. am Schluffe von Raskolnikow ausfagt: „Und damit begann die stufenweise Erneuerung seines Innern, die Entwicklung und Gestaltung eines neuen Menschen, der Uebergang von einer Welt der Hirngespinste zu wahrem Leben." Im Gegenteil, die Welt der Hirngespinste bevölkert und verdichtet sich ihm so weit, aigiR EMMS b*» IiftM iuö EMzutMchrsi W UN-. erlätzlich erachten ... Eine unterschiedliche Behandlung der Ausländsdeutschen nach ihrer augenblicklichen Staatsangehörigkeit ist für .sie dabei undenkbar .'. . . den Vertretern der Preußischen Studentenschaften erscheint der vom Kultusminister beabsichtigte Weg, eine Aenderung der an den auslandsdeutschen Hochschulen bestehenden Verhältnisse durch die Preußischen Studentenschaften herbeizuführen, nicht möglich. . - - SU ölgetveuWe <5Ma?js tStaef» Berlin, 2. Febr. Ueber die infolge einmütigen Protestes des demokratischen Deutschland abgewendete Gefahr, daß der von den Deutschnationalen präsentierte Führer ihres völkischen Flügels Graef-Thüringen die Führung des Reichsjustizministeriums übernimmt, wird der „Voffischen Z itung" aus Juristenkreisen geschrieben: „Der Schmerz, an der Spitze der Justizverwaltung des Reichs Herrn Graef zu sehen, ist dem deutschen Volke erspart geblieben . . . Die Tatjac^e P^ient für «ttr MM fMshnMn M werden, düst M DeMstznatwMlen Made für Mse Stelle einen Mann vorgeschlagen haben, der, aus dem.Kreise Liebermanns v. Sonnenberg hervorgegangen, dem deutschen Reichstag früher als Mitglied der von diesem ausgesprochenen Antisemiten geführten Fraktion angehört hat und der noch heute seine mit der verfassungsmäßigen Gleichheit vor dem Gesetz unverträgliche Gesinnung durch die Leitung des völkischen Ausschusses seiner Partei betont." SHUM--Herein gegen ^MtMliksWr notjD". ütopSMili ÜRU WIWWliMePW-WlL, als „Hebräer" eintragen. Das ist ihre.urMenfle Angelegenheit, die uns jüdische Deutsch« nicht im mindest«»^ betrifft und für uns und die Eintragung auf dem Fragebogen vollkommen bedeutungslos ist. Damit aber nun ganz klar wird, was gemeint ist, veröffentlichen wir Heute einige Sätze aus einem streng vertraulichen Rundschreiben des „Norddeutschen Lloyd", d s uns einHüNstigeWufall nM'den 'SchreibDchWh^L- ^Der Norddeutsche Lloyd erlaubt sich, anscheinsuh für seine Agenten, «nguvrtrnen; Nicht als Llrutfchs» sondern müssen als Hebräer ang-egMn werden". Das ist eine unglaubliche Herausforderung eines Privatunternehmens, die wir üns entschieden verbitten. Zu welchem Volke wir uns zählen, hat unser Herz und unser Wille schon seit Jahrhunderten auf deutscher Heimaterde entschieden, und die Anordnungen von Schiffahrtsgesellschaften und Einwanderungsbehörden sind uns dabei äußerst gleichgültig. Wir fordern daher alle unsere Mitglieder und Freunde, hie rteteJ) SImertfa reifen, ener^tfcf, au| in die Spalte 1v ires MllgelwMW als VollsMgrhöNgMl MI „DMsiM" einzutragen und mit dem Gleichmut der besten Ueberzeugung allen Folgen entgegenzusehen." Ratssitzung des Preußischen Landesverbandes. Berlin, 4. März. Der Engere und der Große Rat des Preußischen Landesverbandes haben sich in ihrer letzten Sitzung insbesondere mit zwei Fragen von größerer Bedeutung befaßt. Die Frage des Reichsverbandes, .die einer Lösung. &ur<^ eines Ä«c^r>er!>«n^s ker ^SN° Berlin, 4. Febr. Die „C. V.-Zeitung" schreibt in ihrer heutigen Nummer: „Die amerikanischen Behörden haben einen Einwanderungs-Fragebogen entworfen, der 33 Rubriken aufweist . . . Wenn die Spalte 10 lautet: Raffe oder Volk, so ist für Einwanderer in die Vereinigten Staaten dieser Sprachgebrauch (Raffe) bei der vom völkischen Gebrauch MUlltll'ng U; englishen rt.ce keinesruegs schwer zu nehmen. Zu dieser Spalte 10 werden als Erläuterung 46 verschiedene Raffen- oder Volksbezeichnungen aufgeführt, von denen man eine für sich in Anspruch zu nehmen genötigt ist. Daß unter diesen 46 auch die für unser deutsches Sprachempfinden etwas ungewöhnliche Bezeichnung „Hebräer" für Juden gewählt wird, gibt schon zu denken. Es taucht sofort die Frage (die ja für uns keine ist) auf: Mit welcher Beziehung soll sich der jüdische Deutschs eintragen? Da diese Angelegenheit für uns gmiTtSfäijfctcfj tfi, fo ficfy ber ’(£. W. -an bie ^apag nnw n«ch Bin reinigten Nitraten mit Der MM uni rift» löse Aufklärung gewandt. Die Bescheide, die wir erhielten, sind ungenügend. Wir würdigen es, wenn ostjüdffche Auswanderer, die in einzelnen Staaten des' allen Rußland als Minoritätsvölker anerkannt find, und die sich als desverbände nicht zugeführt werden konnten, nachdem das einstimmige Votum der Preußischen Landesversammlung sich gegen eine solche Regelung ausgesprochen hatte, beschäftigte die Sitzung in erster Linie. Zur Diskussion stand vor allem die Möglichkeit, den Reichsverband auf dem Wege über den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund zu schaffen. Nach einer längeren Diskussion, an der sich namenttitf} b'tö i>erren Qilhettifyett, br Q MW'-. Kareski, Ministerialdirektor Dr. Badt und Dr. Horooitz- Frankfurt a. M. beteiligten,, wurde fast einstimmig eine Resolution Dr. Klee angenommen, wonach der Eygere Rat des Landesverbandes mit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund in Beratungen eintreten solle, auf welche Weise die namentlich in Süddeutschland bestehenden Widerstände zu beseitigen seien. ' . , Die Frage des Judengefetzes, d. h. einer Reform-des- Gesetzes von 1847, wurde einer Spezialkommission überwiesen; Reisen in die sogen, neuen preußischen Provinzen (Aannoeer. Äeffen=3taf[au) äu RncTspmcherr LHer Oie- . o < i ( ) - II- .II...4 U« «:<«-IJ»• ««A-tzK-jM" i MchlMgö llllö Die göwüTlWtM MMms« «MM M Aussicht genommen. Für'die Volkspartei , würde Lehrer- Steinhardt-Magdeburg, für die liberale Fraktion wurden Dr. Soldin-Schneidemühl und Oberkänto.r. Zivi-Elberfeld zu stellvertretenden^^ Ratsmiigliedenr bestestü- .. daß er 14 Thesen der Ungläubigkeit formuliert, die indessen auch vor der letzten Konsequenz zurückschrecken, nicht hte ffjlffsnj Gloiles an unh für sich leugnen, sondern nur ISISS2S, ia| pe j^lni uni |og«r von einer möglichen Fortsetzung Äs Menschendaseins über den Tod hinaus sprechen. Hier brechen in dem 60jährigen wieder Jugendeindrücke .und Jügendanschauungen hervor. Sie walten und wirken auch in seiner leidenschaftlichen und sympathisch herzhaften Verteidigung der Rechte der Juden gegenüber Dostojewski. \ III. Dostojewski und die Juden. .*) „Scheide dich aus von den Völkern und bilde deine Besonderheit und wisse, daß du von nun ab allein bei Gottbist. Die rinderen nernii^te oder mai|e Jie gn dei- «sn Tklaven oder deute sie «us. Gluube än Minen'Mg über die ganze Wett, glaube, daß alles dir untertan sein wird. Alle anderen Völker sollst du verabscheuen und mit keinem von ihnen Umgang pflegen. Und selbst wenn du dein Land und deine politische Persönlichkeit verlierst, selbst wenn du über die ganze Erde hin unter alle Völker verstreut sein wirst — gleichviel: glaube an all das, was dir verheißen ist, ein für allemal, glaube, daß es also geschehen werde, — inzwischen aber lebe, verachte, beute aus und —erwarte, erwarte, erwarte . . Das ist die Quintessenz dieses status in statu." Dostojewski in einem MM jjfföfäi in fföitn Auch Wi? iitt ZöZSttfäMchär Dualismus, ■eine seltsame Zwiespältigkeit, auch hier teilweise aus der Zeit begreiflich, *) Die Skizze stützt sich nur auf die Veröffentlichungen des Buches, mit welcher Gattung-von Juden D. in engere Berührung kam und ob er jüdische Gestalten in seinen Werken schilderte, weiß Referent nicht. letzten Endes aber rätselhaft. Der Mann, der bis zünr Rande mit Mitleid für die Armen und Bedrückten, für- bis aefeflfcbofHtA' (^«ädiieien unb ftcuxilicf; 23-eirf-efrmi-en aesw ' . \; i% 1 r.> 1 v -8 füllt war, der Mann, dem dieses Mitleid nicht nur runfllerisches Phantasiespiel, sondern, auch in konkreten Fällen betätigte Herzenssache war: dieser Mann steht stumm undsteinern dem damals gerade in Rußland besonders tragischen und hochgehäuften Judenleid gegenüber. Ja, mehrnoch, er sucht es zu rechtfertigen, hat nichts dagegen einzuwenden, daß es unverändert und konstant bleibt. Allerdings: zwei widersprechende, nicht folgerichtige Entwicklung darstellende Phasen 'seines 'Lebensganges erweisenihn selbst als eine Doppelnatur. Erst zum Tode verurteilter und nach Sibirien begnadigter Revolutionär und. dann — zarentreu bis in die Knochen, Säule und Stütze der- FM»i m WölffSlist.- s8sk als PampWNfl. Daher wohl auch im tiefsten Grunm seine Abneigung gegen die Juden, die für einen fo großen. Anatom der Seele erstaunlich fadenscheinig. und brüchigmotiviert wird. Freilich: „Feuer und Schwert", wir-würden sagen: Scheiterhaufen und Kreuzzug lehnt er aus dem Sinne seiner Rellgion ab. Was die tiefste Wesenheit des Judentums, das, was D.'s eigenem Glauben von vornherein Stütze und Halt gab: daß es Träger und Weckerder Gottesidee und des 27lonotheismus war, ahnt er woht als Geheimnis, erkennt er aber nicht. Sein Argwohn hinsichtlich der — sagen wir es mit einem kurzen und proslliMkff WN -- DaurrMflQMt ösr AiW. Die irlums pWrt hat. wo onNke starke und anscheinend auf HSchste?. Kulturstufe stehende Völker längst verschollen und versunken sind, schweift nach anderer Richtung und schweift nach», anderer Richtung aus. Die Juden bilden'in allen Ländern einen Status in statu (Staat im Staat), der durch; geheime Gesetze zusammengehalten ist, daher ihr« Macht,, daher ihre gewollte Unverschmelzbarkeit. „Ein Volk, das-- vierzig Jahrhunderte auf der Erde existiert, also fast feit

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