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Der Israelit · 1927-02-03 · Heft 5 (3.2.1927) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 5 (3.2.1927)
Date
1927-02-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Veite 6 Nr. 5 Der Israelit 3 Februar 1927 OeUer's Bibliithek Frankfurt u.M., RaUienauplaiz 8 (TLeaterpiatz) ca. 100.000 Bände — Telefon Hansa 9365 — ca. 100.000 Bände Alle Neuheiten Eintritt täglich Abonnement pro Monat M. 1.50 - Abonn. für Neuheiten pro Monat M, 3 - Das Abonnement berechtigt zum einmaligen Umtausch an jedem Tage, ausgenommen Sonn- und F »ierl g Maultiere, Schweine und Hunde, die geschlachtet werden, vor Beginn der Blutentziehung zu betäuben sind: 2. durch gkskWEk IMorDniinnen WMlWllM. ta| ii&eiall mo cs möglich erscheint, die Betäubung des Schlachtviehes statt durch freien Kopfschlag durch mechanisch wirkende Geräte (Schußbolzen usw.) erfolgt, die geeignet sind, die Betäubung oder den sofortigen Tod des Tieres herbeizuführen. Dieser Beschluß des Landtags ist bis jetzt nicht ausgeführt worden. Zwar ist der Entwurf eines Gesetzes über das Schlachten von Tieren vom Ministerium des Innern schon vor längerer Zeit ausgearbeitet worden, der Ministerrat hat aber den Entwurf noch zurückgestellt, um das Ergebnis der im Gange befindlichen, den rituellen Schächtvorschriften genügenden Betäubungsversuche abzuwarten. Hon öen MionolföpfpH ist KUMP rin Steg eingebracht worden,' daß ein Gesetzentwurf im Sinne des Landtagsbeschlusses vom 8. Juli 1926 ohne weitere Verzögerung vorgelegt wird. Berichterstatter Abg. Dr. B u t t m a n n (N. S. G.) erklärte es als eine Verpflichtung des Landtags, dafür zu sorgen, daß der Wille des Parlaments durch die Reatcrima erfüllt kiqfüü. Mrtberichterstatter Abg. Dr. Scharnagl (B. Vp.) bemerkte, er habe immer noch die Auffassung, daß man hier auf eine schiefe Bahn komme und betonte, man dürfe sich über die Bedenken vom Standpunkt der Gewissensfreiheit nicht so leicht hinwegsetzen. Auch müsse die Frage der staatsrechtlichen Zulässigkeit eines derartigen bayerischen Gesetzes aufgeworfen werden. Er verweise in dieser Beziehung auf das Gutachten von Professor Dyroff, das zu dem Schluffe komme, daß eine reichsgesetzliche Regelung vorliege. Der Vertreter der Staatswgierung teilte mit, datz Dein bereits fertiggestellte Gesetzentwurf zurückgestellt wurde, um die im Gangs bsfindlichsn Vstäubuugsusrsuchs abgutvarlen. SßsvjHtU würden hauptsächlich mit chemischen Mitteln, mit Cloralchydrat, ausgejührt und feien noch nicht abgeschlossen. Das Gutachten von Prof, Dyroff komme zu dem Ergebnis, daß eine Zuständigkeit geben fei. In der Aussprache ging Abg. Dr. Högner (Soz.) auf die mrschiMrHW Frage ein und beinerkie, die Staatsregierung habe sich nicht geweigert, den Land- WMWW DiinDMiiDrßn, Baöe es Mk fü? 8D?Wlrch gehalten, etwas zuzuwarten. Die Gründe, die von der Regierung oorgebracht werden, feien beachtlich. Ab g.'Do erster (V. Bl.) warf die Frage auf, was die Staatsregierung dann tun werde, wenn die Versuche mit den Betäubungsmitteln negativ ausfallen, und stellte einen Abänderungsantrag, wonach der Landtag die alsbaldige Erledigung des Landtagsbeschlusses vom 8. Juli vorigen Jahres erwartet. Auf Befragen teilt ein Vertreter der Regierung mit, es fei selbstverständlich, daß nach Ablauf der Versuchsfrist sich der Ministerrat neuerdings mit der Vorlage befassen müsse. An ein Zurückstellen der Vorlage auf un- Diriimmto M lei Mt MrM Abg. Dr. Hilpert (Deutschntl.) erklärte seine Zustimmung zum Antrag Buttmann. Wenn die Versuche, die jetzt mit so überflüssiger Gründlichkeit durchgeführt werden, beendet seien, dann werde sich das orthodoxe Judentum doch nicht zufrieden geben. Nach weiterer Debatte wurde, nachdem die Abggr Dr. Högner (Soz.) .und Frau Aschenbrenner (KPD.) erklärt hatten, daß ihre Fraktionen sich der Stimme enthalten werden, der Antrag Dr. Vuttmann mit knapper Mrßeit üWIOnt. dg? Untres MgflLizlltM^sög-ü. dagegen mit 13 Stimmen bei Stimmenenthaltung der Sozialdemokraten, der Kommunisten und des Bauernbundes der Antrag Dr. Scharnagl (B.Vp.) angenommen, der lautet: „Die Staatsregierung wird ersucht, den in Ausführung des Landtagsbeschlusses vom 8. Juli 1926 geforderten Gesetzentwurf vorzulegen, sobald die Versuche über eine den rituellen Vorschriften des Judentums entsprechende Vstäubungsart zürn Slbschlutz 82f8B18?28 Eire foü au 4> au^ rnogf-id^|i &at&ig«TT Abschluß dieser Versuche hinwirken." Die Woche. Frankfurt a. IN. Der Mörder Josef Grebenaus ist am Samstag nachmittag von der Kriminalpolizei in der Person eines langjährigen Zuchthäuslers namens Schultheis aus Wisselsheim bei Bad Nauheim ergriffen und verhaftet worden. Berlin." Aus Anlaß des 25jährigen Jubiläums -der Bibliothek der Jüdischen Gemeinde, die auch über eine große Handschriften- und Kunstsammlung verfügt, wurde beschlossen, die Bücherbestände noch zu vermehren und das Bibliothekwesen zu fördern. — Zu den neuesten Hetzreden der Deutschvölkischen im Preußischen Landtag gegen die ostjüdischen Ein- Möcmberer auf ©rurtb non arrgebfid^ oerljapeten ^okainschrebern", leM Rechtsanwalt Sr. K le e mit, daß es sich bei der Verhaftung um einen Mann handelt, der in Paris unerlaubte Exportgeschäfte betrieben haben soll, der aber, nach Ueberzeugung von Dr. Klee, der seine Verteidigung übernommen hat, vollkommen unschuldig ist. — In Berlin bildete sich ein Komitee zur F ö r d e r u n g j ü - bifter satu\it. Pli lö still 8: Llk Mt F?gwng getjt von PiosesM samt* Schon ous Moskau aus. Neben diesem stellten sich an die Spitze des Komitees die Herren Dr. Bernhard Kahn und Staatsrat Teitel. — Der Ausgang der Landtagswahlen in Thüringen hat die bisherige Mehrheit der nationalsozialistischen Gruppe unter der Führung Dinters zerstört, sie hat nur noch drei Mandate, während die einheitliche bürgerliche Liste 19 und die Sozialdemokraten 18 Sitze erhielten .Einschließlich der gemäßigten Konservativen zählt die gesamte Rechte im Landtag 27 Mandate, denen 29 der anderen Parteien gegenüberstehen. Oldenburg. Dem Oldenburger Landtag ist eine Eingabe zugegangen, wonach man Juden den Zutritt zu den oldenburgischen Landtötrif^ofls f cf? ulen oerhiefen jolffce- Der lemmt natürlich von deutsch-völkischer Seite, die behauptet, das Judentum plane die Vernichtung der deutschen Landwirtschaft. Kaunas. (Telegr.) Rabbi Nathan Zwi F i n k e l, der Begründer und fonjjjä|tij)f W Iw ktt StöWiifr .Wums, zuletzt in Chewraun, ist nach mehrmonatlicher Krankheit in Jerusalem verstorben. Budapest. Der OberrMmer der Mapefter orthodoxen Gemeinde, Koppel Reich, der als der Vertreter der orthodox«»» Judsuschaft ins MMN MM MM W BUB daß er mit Rücksicht aus seine geschwächte Gesundheit nicht in der Lage sein werde, der Eröfsnungszeremonie beizuwohnen. Amsterdam. Im Alter von 65 Jahren verstarb hier der Professor für Kinderheilkunde an der Amsterdamer Universität, Dr. I. de B r u i n. Unter der Judenheit Amsterdams war er sehr geachtet und als Vorstandsmitglied des Vereins für den Schutz schwächlicher jüdischer Kinder >,Vergstichting" übte er eine segensreiche Tätigkeit aus. — Aus Anlaß der 200jährigen Gründungsfeier der Synagoge in Amerfoorts spendete die Königin von Holland einen ansehnlichen Betrag zur Re- MMuns m alten MlMth. Die von einem ihrer Ahnen der Gemeinde gestiftet wurden. Saloniki. Die Salonikier zuständigen Hilfsstellen appellieren an den Joint, den 900 jüdischen Familien, die beim großen Brande Haus und Habe verloren haben, zum Wiederaufbau ihrer Existenz zu verhelfen. Warschau. Das Oberrabbinat im Einvernehmen mit dem Exekutivkomitee der jüdischen. Gemeinden in Polen appellierte telegrafisch an den Präsidenten der Union, C o o l i d g e, len Frauen und Kindern von polnischen Ernignmfni Die in 2finmfa um MMnernng harren, zu gestatten, autzex Nr Ouvts in Amsrika einreisen zu dürfen. Jerusalem. In einer von englischen und amerikanischen Unternehmern in Tel-Awiw abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, eine neue große Plantag e-G e se l l s ch a f t mit einem Anfangskapital von 100.000 Pfund zu gründen. — Der bekannte amerikanische Philantrop Felix M. Marburg, Präsident der amerikanischen Joint, ist in Palästina sin, UllllMn. ÜBE MlllM LMLS3lk8«sllI fÜ? Plllllstlstü, Dr. Ottö d e Hu bi «kl, würbe von seinem Posten abberufen. Er war ein ausgesprochener Freund des jüdischen Aufbaus. Münchener Brief. 3ß ti « e « , 88. - Aus der Münchener Lokalpresse ist zu ersehen, Latz die Hetze gegen das Schächten weiter geht. Wenn auch die Regierung, wie aus dem Landtagsbericht ersichtlich, sich bemüht, loyal vorzugehen, und sie die Versuche über eine etwa.zulässige Betäubung der Schlachttiere abwartet, so ist doch zu befürchten, daß das unablässige Drängen der Gegner sie veranlassen wird, Maßregeln zu ergreifen, die diese Dränger befriedigen, oder wenigsten beruhigen^ und die uns zum Nachteil gereichen werden. Die Ausführungen des Prof. Müller in den M. N. N., der Doktor aller Fakultäten zu fein scheint, und der das Schächten nicht nur mit ten aus feinem Spezialfach entspringenden. Gründen, sondern auch mit philosophischen. theologischen, ar- H88i8AifHM 'üh& andern Zwesten U^ampft, spricht ja deutlich genug. Nachdem er in seinen früheren Artikeln sich bemüht hatte, sachlich zu bleiben, spricht er nun schon von den „Doktoren des Talmud", zweifelt die Sachkenntnis der Rabbiner an, die „nur Theologen" sind, fetzt die Aussagen der Schächtfreunde herunter, die natürlich „nur Theoretiker" sind, und den Schächtakt nie gesehen haben. Md ßSHUfii MMM Ml lMelhelse- Ins ffiu^ sLes jmiC nicht bekannten- Dr. Wiener, eines Abtrünnigen, wie aus den Zitaten des Prof. Müller deutlich hervorgeht. Weitere Helfer entstehen den Schächtgegnern in der Gestalt eines in unfern Kreisen nicht bekannten Dr. Hertz, anscheinend ein Ethiker, Pazifist und weltfremder Schwärmer, der die Naivetät gehabt hat, sich mit dem Ersuchen an die Kultusgemeinde zu wenden, diese möge das Schächten einftellen lasten. Ferner ist ein sehr auffälliger Artikel in den „Neuesten Nachrichten" zu erwähnen, der anscheinend mit dem Schächten gar nichts zu tun hat, sondern |W> mit dm ZuMm im Wiener ElhlaWnus befchäftigt. Da diese Verhältnisse an und für sich nur lokales Jntürssss beanspruch SU köuuts». sa t»äre nüf>i etngufefjerx, rpgK Uv im politischen Leite dieser ZMUW zu MN hätte. Es liegt aber der Verdacht nahe, daß auf diesem Umwege die Wiener Behörden auf die angebliche Notwendigkeit hingewiesen werden sollen, den Vorgängen in W>'. den, und es ist klar, daß man auch tm antisemitischen Stadtrate der Hauptstadt Oesterreichs sehr bald auf die IchMHe" Aalen des geWchte!« Wes zu M«, kommen wird. Auch sonst sind die Judenhetzer nicht unlälill. MfflnflB fioöt man misSg? m Schaufenstern usw. kleine Handzettel mit einem dicken Hakenkreuz und einem mehr oder weniger sinnlosen Spruch, der immer aus die Aufforderung hinausläuft, die Juden zu vertreiben, sie zu hängen oder mindestens den Verkehr mit ihnen zu unterlassen. Die Polizei ist gegen diesen Unfug und gegen diese eindringliche und intensive Hetzarbeit natürlich machtlos, ebenso wie sie nicht imstande ist, zu verhindern, daß die Juden in ihrer Gesamtheit dadurch diffamiert werden, daß auf jedem Plakat, das eine antisemitische Versammlung ankündigt, mit dicken Lettern gedruckt steht: „Juden ist der Eintritt verboten". Das sozialdemokratische Organ hat zwar kürzlich diese Bemerkung! als aroöen Unfno MennzMnek. iW Iseteifi? iur MuZ. iage tyaben es aber nicht für nötig erachtet, bei passender Gelegenheit im Landtage darauf hinzuweisen, obwohl sie doch sonst genug bewegliche Klagen über die Plakatzensur, zu führen hatten. Die Partei hat sich auch bei der Abstimmung über den Antrag auf Beschleunigung der Vorlage über den Betäubungszwang der Schlachttiere der Stimme enthalten, um damit aufs neue zu bestätigen, daß. sie an religiösen Fragen kein Interesse habe. Man sieht immer wieder, daß ungeachtet aller schönen und gewib kUllch mmmton Reden de? WW?. au$ m Sozialdemokratie ber Antisemitismus bis tief in die Reihen ihrer Anhänger geht, daß außerdem in der Sozialdemokratie starke Strömungen gegen die Ueberlieferung und für Vegetarismus, Leichenverbrennung und andere Dinge vor" Händen sind, die sich in der von diesen Kreisen verlangten Form mit Anforderungen des Religwnsgefetzes nicht vereinigen lasten. Außerdem ist den Sozialdemokraten das . Wesen des Judentums genau so sremb wie hen anbemn WMM. eai. fremdet oder sie hüten sich ebenso. ängstlich wie die in anderen Parteien tätigen, sich mit jüdischen Fragen zu beichäftigen, und schließlich ist immer die bequeme Maxime

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