Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1927)
- Date
- 1927-02-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 5 Der Israelit 3. Februar 192,7 Willensstärke und rvissensr siche Meister der neuen Mische Mani^t», UW ÄÜ Üfilü «llö Lungen hinausgehenden Erfolge zu erklären. Der jüdische Weizen war m diesem Jahre der beste in der Ukraine. Allein die Chersoner jüdischen Kolonisten lieferten 3 Millionen Pud und erzielten die höchste amtliche Preiskategorie. „Ich erinnere mich" — setzte Dr. Singalowsky fort, — „an eine Unterhaltung in der Kolonie Jidendorf (Kreis Cherson), einer der zahlreichen neuen jüdischen Siedlungen, die ich auf meiner Mise Dein ne. Mn einer Mn» Mi» scher Bauern umgeben, hörte ich einen von ihnen seine Odyssee erzählen . . . Wie es war, als man von Wolhynien hier ankam. Wo gegenwärtig das schöne jüdische Dorf steht,war damals noch öde Steppe. Nach einer Nacht, die wir zusammen mit den mitgebrachten Pferden unter freiem Himmel zubrachten, traten wir in aller Frühe unter dem Kommando des Instruktors zum Eggen an. Draußen regnete es, düster und trübe war uns ums Syers- Pf erbe urtb Pflug rvolltsn bem Klsrnstadtjyben von gestern noch nichl gehorchen. Vorderziehende nichtjüdische Bauern hielten an: „Sehen wir mal zu, wie Juden arbeiten!" Gutmütig spöttelten die Bauern: „Ihr wollet hier säen?" „Jawohl" — erwidert mein Nachbar — „säen werden wir und ernten und Ihr werdet noch erstklassige Weizensaat bei uns kaufen!" So fertigte er sie ab. „Und er," schließt der Erzähler, auf einen voll Wind und Sonne gebräunten, breitschultrigen Juden weisend — „er hat richtig prophezeit. Aus Len entfernen LLrfern lrnnen?™Tisn ime unseren Weyen ab unb zahlten 1.20 Rubel pro Pud." In den Kleinstädten stieß ich fast überall auf Resignation und Niedergeschlagenheit; in den Kolonien aber fand ich überall Zuversicht und Schaffensfreude. Die schwere Vergangenheit gerät hier allmählich in Vergessenheit. Hier heilen mcrrcd^e o||ene unb ner^tecfte SQSurtberc. SÜT-ij^ciUercb ist hier auch das Vertrauen gur Negierung, das Sicherheitsgefühl und das Selbstbewußtsein des Vollbürgers. Bei meinem Besuche in den jüdischen Kolonien des Odesiaer Rayons, wo „Ort" seine Tätigkeit nach einem klaren System und Mit weitem Ausblick entfaltet, gereichte mir die Tatsache zur großen Genugtuung, daß hier die Bevormundung der Kolonisten bereits aufgehört hat und diese ein erhebliches Maß von Selbständigkeit in Bezug auf die Verwaltung ihrer wirtschaftlichen Angelegenheiten erreicht haben. UnnergMich li mir Dan MD Dor znsnrn? menhängenden jüdischen Kolonien im Chersoner und Kriwojroger Kreis und in der Krim, wo (mit Ausnahme der Ozet-Bezirke Schalachow und Eupatoria) Agro-Joint seine groß- 3fioiQß KnlMisniilmüMinM omianei. Aus meiner Reise durch den Ehersoner Nühdtt, wo sich heute das größte jüdische landwirtschaftliche Zentrum der Welt befindet, in dem . 49 jüdische Kolonien mit einer Bodenfläche von 100.000 Desjatin dicht beieinander liegen, verspürte ich den Atemhauch einer neuen, eigenen, durch und durch jüdischen Lebensart. Eine größere Anzahl von Kolonien im Odes- Tatr; Wemner unß KMM8M SW8n um in der Krim haben bereits eine höhere Stufe vött Wohlstand erreicht. Einige derselben seien hier erwähnt: „Friling", „Schalem-Alejchem", „Jidendorf", „Erster Mai", „Ratndorf", „Najleben" u. ä. In diesen Kolonien findet man bereits einen jüdischen Dorfrat und Institutionen wie eine Kreditgenossenschaft, einen genossenschaftlichen Verkaufsladen, einen (nicht allein von der Jugend besuchten) Klub ,eine öffentliche Bibliothek, eine Schule, ein Minjan und einen Schachet. In einigen der genannten Äölöiii^ii säiid ich 4M nes Postamt (so in der Kolonie „Schalem Alejchem"), eine öffentliche Fernsprechstelle und eine Radiostation. In einer neuen jüdischen Kolonie lm Kriwojroger Rayon, wo ich übernachten mußte, lauschte ich am Radio dem Vortrag eines berühmten deutschen Naturforschers in Berlin. (Schluß folgt.) “? “? ft. März *?? Wochenrundschau. Die Ausbildung der jüdischen Lehrer. Das Problem der Ausbildung der jüdischen Lehrer in Preußen unter der Herrschaft des Systems der „Pädagogischen Akademien" ist an dieser Stelle in den letzten Jahren wiederholt besprochen worden. Vom pädagogischen Standpunkte aus haben sich eine Reihe berufener Fachmänner zu den besonderen Fragen der jüdischwissenschaftlichen Ausbildung unsrer künftigen 3ngßnDßrMßr ößünfjßrl nnp m ist nnfßiiio bis kannt worden, daß die gesetzestreue Eiudenheit eine dem allgemeinen Zensus zwar gleichwertige Lehrerbildung brauche, daß aber darüber das unumgängliche Minimum von Th 0r aw is- I e n mm ein mtarimum rer in in ferme s in r nungstpsus nicht MböhvtwsiHsn könne. Wir selbst haben in der ersten Januar-Nummer des vorigen Jahres, sofort als die Pläne der Regierung hinsichtlich der Errichtung der Pädagogischen Akademien in deutlicheren Umrissen bekannt wurden, folgendes geschrieben: „Man darf wohl annehmen, daß Preußen neben zwei evangelischen Akademien für Lehrerbildung (zweijähriger Lehrgang nach Ablegung ber ätbiturtentenjjrüjMng an einer 9Sottan|tatt| eine katholische in Bonn und eine simultane in Frankfurt a. M. errichten wird. Das Nächstliegende dürfte daher für die gesetzestreue Judenheit Preußens der bereits früher geäußerte Gedanke sein, in Verbindung mit der Bonner Akademie das jüdische Lehrerseminar in Köln zur Ausbildungsstätte für die jüdischen Volksschullehrer ins Auge zu fassen. Die guten Verbindungen zwischen Köln und Bonn würden eine Kombination räumlich mohl ermöglichen. öie Gewrnnunß der nötigen 6lunöenHä^l für die Religionssächer neben dem Akademiebesuch gewiß Schwierigkeiten bereiten, aber doch kein unlösbares Problem darstellen würde. Freilich sind wir darüber im klaren, daß derjenige jüdische Lehramtskandidat, der in den jüdischen Disziplinen kein vollendeter Stümper bleiben will, sich zu einer Verlängerung seiner Gesamtausbildungszeit um mindestens ein Jahr wird entschließen müssen. Dieses eine Jahr, das am besten ©^TTma|iaf6e|uc^ unb S&f ab ernte e t n g esHovön wnrvö. mMe Dem intensivsten' Lernen sowie der Ausbildung im Kantorat, eventl. in Schechita, sei es im Kölner Seminar, sei es an einer Jeschiwa mit angepaßtem Lehrplan, dienen. Auch diese Form des Bildungsgangs genügt aber nur dann, wenn die jungen Leute schon während der Gymnasialzeit sich einen Fonds gründlichen jübischsn OLisssns ertuorben habsn. fo hetfj Qe^rerctmsblUmnc^ etgenlll<^ Jc^on rrttl {»ent ' vierzehnten oder fünfzehnten Lebensjahr beginnt. Die in jahrzehntelanger gewissenhafter Arbeit erworbenen und heilig gehaltenen Lehrerbildungstraditionen Kölns prädestinieren diese Stadt zweifellos vor allen anderen jüdischen Zentren auch für die Zukunft zum Mittelpunkt der Lehrerbildung für den gesetzestreuen Teil der preußischen Judenheit, und wir können uns denken, daß der allgemein religiöse, leichtfertiger Skepsis abholde Geist einer katholischen Akademie wie Bonn mir Demienioen Der Miner WiWn »tan m ßtnor durchaus harmonischen Synthese sich vereinigt." Die natürlich entscheidende Frage, ob für die maßgebenden katholischen Instanzen die Auf- Die Stangen am p“iK und jn1?^ Zu narm 's. Don Rabbiner Dr. Kermann Klein in ZSertin. An den und den m^V in der Stiftshütte waren bekanntlich ü'12' Tragstangen angebracht, die dazu dienen sollten, die Bundeslade und den NW keim ASttllS ves SlMZgklm zu tarnen, IkboH lautet me DMminuug fM vte rniü beim Xrax und jnVi? verschieden. Während bei den Tragstangen des jm die Bestimmung lautet: rw nxtpV am jnxni heißt es bei den inbwrt na: Da kspji irrtwn DX' Die Form des rrV2i mit nrr bereitete schon den alten Erklärern Schwierigkeiten. Wenn rrV2l die passive Form von kwj sein soll, wie zur Stelle erklärt, so ist das r>K überflüssig und sprachlich auch kaum zu rechtferrigerr. ' Das r<V2l fcEjeint eher ber zu fein unb bcbeulet: man hrßz fit Bin Tisch. HhB uiiHiIAt BünfU f*Igender Gedanlrengang die Verschiedenheit der Pestimmungen erklären. In dem Werke des Rabbi Jefajah Horwitz ^"Lt- N'tan rnni^ '2V zu navin 'S findet sich über die Tragstangen der Bundesiade folgende Bemerkung: D'-nn üm i2aa iiiv' mb }*nxn ns owun anan tai« t»sn anaiVn N' D^p’tnan D’na 'VsraV tan ia.V j'Vapa am *j'^nxa taVV'i farrrra jViat naV N"NN Dos- ..Die Stangen. bie bie ffiunbeslabe tragen uni) nicht non ihr n>sichen dürfen^ lontU find die Kaufleute gemeint, die die Thorabkfltffenen unterstützen, von denen cs heißt: »Freue dich ^iat bei deinem Hinausziehen ins werktätige Leben und 12VV' in deinen Zelten^ und sie erhalten den gleichen Lfhn wie die Thoralehrer und deren Jünger". Die?rvm 'j?'tna sind in der Tat diejenigen die das Forttragen der Thora ermöglichen. Ihnen verdanken die Jünger der Thora die Möglichkeit, sich unpestört dem Studium der Lehre sich hingeben zu können und es ist nicht mehr als gerecht wenn auch sie on dem Lohne der nmn naiV teilnehmen. 12VV' war stets aus augeruteseu^ aber auefy «rrrg^^j^ fiiüs Dtme ^SVV, ntcDt dmtzvar. Welchm Weit hätte die Tätigkeit im Erwerbsleben stehender Brüder, wenn sie nicht die Förderung der höchsten und heiligsten Ziele im Auge hätten. Das Erwerben von irdischen Gütern ist im Sinne der;vY,n nicht Lebenszweck. Weihe und Würde erkält das Erwerbsleben erst durch die gottgeoffenbarten Zwecke, dem es dienen soll. Und es ist sicherlich nicht zu gewagt. in den Tragstangen des sN^V, der ja auf unser Erwerbs- und Genußleben symbolisch hinweist, die ’T’lifal 3“ erblicken^ bie ben tragen. saoeu ta tmfete löetTeu, mnnn vbtvn '2a rt2'2N. daß die ganze Welt durch das Verdienst eines Rabbi Chanina b. Dosa gespeist und ernährt wird. Diese v'aan 't'a^n sind ober nickt bloß einfache Träger des sn^V, sondern ihre Tätigkeit hebt und adelt das ganze Erwerbsleben. Durch ihre Tätigkeit steht ein jeder sn^V vor Gottes'Angesicht und wird jeder Erwerb zur msa, jede Tätigkeit zu einer Pflichttot und dos ganze Vroiane Leben zu mm LMn Der DMMM unD Der meinfieit üöttDs ienö Qß m Den yrnt» i*ts dohsr ganz einfach heißt am sinrr,n nrr ttrrVb» denn die sind einfache Träger und Förderer des flirr» sie helfen bloß den rrrw aber ihre Tätigkeit vermag die Heiligkeit des si-,rr nicht zu erhöhen, heißt es bei den sn^V 'ta mit vollem Recht fn!?Vn m Da rrV2i, man hebt durch sie den Tisch, denn die sn^VN 'ia sind ja die D'aan 'rna^N'. die das ganze Erwerbsleben erhöhen, weihen, adeln und heiligen. Durch sie wird das ganze profane Erwerbsleben in die Sphären der NVip. in den Kreis der gotthuldigenden Tat ge° Üößöü. Eis all» Nicht «uv Tvrzsv. fsuhsvu «tuch Erhöher des sie allein bewirken, daß isaa Dik dV i2ttdV der Tisch zu einer Stätte der Sühne wird, durch sie und ibre Tätigkeit bleibt der M^V rein und dient den höchsten und erhabensten Zielen der Menschheit. Kleines Feuilleton. Herr An-nym«s.... Wenn sich H? m einhrit mit Heigh ert in rinem Bunde vereinen, dann entsteht daraus der anonyme Brief. Männer, die im öffentlichen Leben stehen, insbesondere aber Redaktionen aller Zeitungen können davon ein Lied ja ein ganzes Liederbuch singen. Zuweilen sind diese ano-