Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1927)
- Date
- 1927-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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I 68. Jahrgang. Frankfurt a. 11t., den 3. ^eöruar IN? 1? Adar I b‘687 Nr. 5 BrgrLndrt von Dr. LeMmm M Mainz. Abonnement ab Januar 1924: Deutschl»yd 4 Toldmark monatlich; Ausland: Vierteltahrpreise (entsprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Versandes) Deutsch-Österreich: Schilling 8.—; Amerika I Dollar; England 4 sh.; ab 1. Juli Srankreich 28 Fr.; Belgien 7 Belga;Holland2 fl.; Italien 20 Lire; Jugoslawien 58 Din.; ttauen 7.50 Lit.; Rumänien 200 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 j 5 fff'] g9ßn>nenj tlngum 50000 Dionen; $Snematl‘ 5 Sivonen j 5 STPiteRj ©^weben 350 ßcpnett. (Efrtjelttummer dreitzig Äoldpfennige. 1 Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 40 Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Famtlienanzetgen nur 30 Pf. Die 76 mm breite Rettamezetle: letzte Textseite 1.80 Mt., vorletzte Textseite 2.— Mk.; Chiffregebühr in Höbe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den J&CTla j Z>es Israelit m. &. ^vantj. «. (pr. @tra|e S^| Sei. ^aitp&8ia gto. bxxrcfp fämtl, 9txxTxonceTt«=^wet>. 5«* unb Sltt^lanb^ 9{ffeini^e pv ^raitjCf, eschciftsarrz.: -3ul. H<h«rtdt, Langestr, 7, iI, £et. Jgawfa 46il. Ptatzoor schr. ohne Äerhjirdtichr. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) ftc. 19802. — Außerdem an: Postsparkasse W-ea Nr. 79804. — Postspackasfenamt Budapest Nr. 18421. — Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7SS4 — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 24869 — Böhmische Unionbank in Prag — öanea Marmarosch Blank & Co. in Bukarest - Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Z rhlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Die Juden im heukigen Rußland. Herr Dr. A. S i n g a l o w s t y , Mitglied des 'Präsidiums der Zentralverwaltung von „Ort", Der nach mehrmonatigem Aufenthalt in Rußland nrach Vorlin Arrrückkshrts, sntrvarf bsnn Wsrtnstsr Lei Jüdischen Telegraphen-Ägentur ein klares ' Bild der Lage dieses großen und wichtigen Teils Des Judentums, der sich gegenwärtig in einer sehr bedeutungsvollen wirtschaftlichen und geistigen Amschichtung befindet, das in seinen Hauptzügen jestgehalten werden soll. Seinen Gesamteindruck -faßt er in den kurzen Worten zusammen: Im .Zusammenhang mit der in der Sowjetunion vor sich gehenden allgemeinen Wiederaufbauarbeit pks MkhkMfhW pss jüdischen Massen in einem Umfange intensiv und zielbewußt durchgeführt, wie es noch in keinem anberen Lande je der Fall war. Dieser Wiederaufbau trägt den Charakter einer Reorganisation, einer Wesenswandlung des ursprünglichen jüdischen wirtschaftlichen und politischen Lebens. lieber die Lage der Städte bemerkt Lr. Singalowsky: „Ich habe drückende ArfHiif in Don Qrnßön und namMilich in Den fieii Tien Stadien gesehen. An Weißrußland, wo offiziell 30 Prozent der jüdischen Bevölkerung als berufslos bezeichnet ist, lebt tatsächlich die. große Mehrheit der städtischen jüdischen Bevölkerung in tiefstem Elend. Nur ein geringer Prozentsatz Des Handelsstandes widersteht dem gewaltigen 'Steuerdruck und der Konkurrenz der Konsumgenossenschaften; die übrigen fristen ein Hungerdasein. Ihre gegenwärtige Position ist haltlos, , in ä Mknnst droht ihMU Der nölligü Untergang. . Die Lage der H a ndwerke r hat sich in den letzten zwei Jahren dank den . politischen Zugeständnissen und dem Wachstum der Han d wer - ck er- Kr ed ii* und Pr o d u k ti o n s g en o sste n s ch ä f t e n wesentlich gebessert. Ihre Zahl erreichte durchschnittlich die Vorkriegsziffer (35 Prozent der jüdischen Gesamtb^völkerung). Absolut wird für Sowjetrußland die Gesamtzahl der jüdischen Handwerker auf 200 000 (ohne Fami- AMMgWrigL) MgggMn. m Mgiiiißfiofgit unter den Handwerkern ist in den letzten wahren .Zurückgegangen, das Einkommen ist gestiegen. Dessenungeachtet ist die Lage der jüdischen Handwerker keineswegs als normal zu bezeichnen. Eine 'Teilumfrage unter den jüdischen Handwerkern in Kiew ergab z. B., daß 9 Prozent ein Einkommen won 25 Rubel monatlich hatten. Eine Ausnahme bilden die Schuhmacher und ein kleiner Teil der Schneider, die mehr verdienen. Im Zusammenhang mit dem von „Ort" getroffenen Abkommen über die Einfuhr von Werkzeugmaterial nach Rußland behufs kreditweiser Versorgung der jüdischen Handwerker konnten wir m MrM ru Psrruktir»?. Mitteln unter den jüdischen Handwerkern festste!-- len, Eine Stichprobe in einem Städtchen im Odessaer Rayon bewies z. B., daß mehr als die Hälfte der jüdischen Handwerker über keine Maschinen verfügt. Eine Ermittlung bei einer Kreditgenossenschaft in Moskau, unter deren Mitgliedern sich auch 800 jüdische Handwerker befinden, ergab, daß nur 321 das erforderliche Werkzeug besaßen. Das jüdijl^e fjanbxvert ist obendrein aüdj tedjnisH sehr rückständig. Man vermißt das Aufkommenvon neuen Handwerksfächern, die den neuen Anforderungen der bäuerlichen Konsumenten zu entsprechen hätten. Es müssen auch verbesserte Arbeitsmethoden zur Einführung gelangen. In den interessierten Kreisen in Rußland herrscht gegenwärtig allgemein die Auffassung vor, daß „Ort" auf diesem Gebiete zur Erfüllung einer Aufgabe Riff II flii M-M KilMM Ms HKS m lktzM gm relativ sich verlangsamende CntrviSlungLtempo der russischen Großindustrie eine stark aktuelle Bedeutung zukommt. i Die Zahl der jüdischen I n d u st r i e a r b e it e r in Rußland hat in den letzten zwei Jahren eine bedeutende Steigerung erfahren. In einer großen Industrieanlage in Jekaterinoslaw z. B., wo früher die Juden keinen Zutritt hatten, konnte ich gegenwärtig bei einer Besichtigung über 2000 jllr Meiler feftitetfen. Die DMimzahl D r jüdischen Qötyttävbeiiet üöltb gegenwärtig diif dä. 400.000 beziffert (360.000 sind in den Gewerkschaften organisiert). Cs ist indessen eine Tatsache, daß die aus den Kleinstädten sich rekrutierenden jüdischen Lohnarbeiter infolge mangelhafter technischer Ausbildung sich hauptsächlich als unqualifizierte Arbeiter betätigen, deren wirtschaftliche Position erst noch befestigt werden muß. Ein besonders trauriges Bild bietet die Lage dLS WisHz» 8up«r. m Löweit sie nicht an Ort und Stelle oder in den neu n Siedlungsgebieten der jüdischen Vinnenwanderer der landwirtschaftlichen Arbeit obliegt, legt sie den Drang an den Tag, sich für die Jndustriearbeit zu qualifizieren. Es ist bezeichnend, daß in der Ukraine,, wo die Juden insgesamt 6 Prozent der Gesamtbevölkerung bilden, der Anteil des jüdischen Elements in den Fachbildungsanstalten 31,5 Prozent erreicht. Dessenungeachtet bildet die Fachausbildung der jüdischen Jugend in Sowjetrußland ein überaus aktuelles und dringendes Problem, das noch einer Lösung harrt. Den Gipfelpunkt des in der jüdischen AufbaugfMt MkWklktt mm sti wtwsiBwstg in bsi rtäütn jüdischen Landwirtschaft. In ans Wunderbare grenzender Weise wird hier die Grundlage zu einem neuen Leben gelegt, dessen segensreiche Auswirkung auf das gesamte jüdische Leben noch nicht in vollem Umfange zu überblicken ist. JmVerlaufevön2^ Jahren entstanden mehr als 170 neue jüdische Siedlungen. Für die Zwecke der planmäßigen jüdischen Kolonisation wurden in Msom MiMchnitt üöer 200.000 ijafinr SnDon für die Ansiedtung von 12.000 Familien bereitgestellt. Im Laufe von 1925 und 1926 wurden 10.570 Familien auf einem Areal von über 180.000 Hektar angesiedelt; davon 6740 Familien in der Südukraine, 1853 in der nördlichen Krim, 1877 in Weißrußland (einschl. Homel und Retschiza) und 100 Familien im nördlichen Kaukasus. Diese Ergebnisse erforderten einen Aufwand 88» MLZzssM 0 SIMtsiu« 9hiM. SUk fcüfim Betrage brachten Die Siedler selbst 2 Millionen Rubel auf. Weitere 3 Millionen Rubel stellen staatliche Kredite dar, während der Rest von den jüdischen Organisationen, mit dem Agro-Joint an der Spitze, beigetragen wurde. Der wirtschaftliche Erfolg der jüdischen Kolonisation gibt dieser schon jetzt die Bedeutung eines wichtigen Faktors des allgemeinen l 3 nöWivtsHsftlichLtt $ * »* [4 » U U * in Rußland. Der innere wirtschaftliche Ausbau der jüdischen Siedlungen ist noch nicht vollendet, namentlich in Bezug auf die Entwicklung neuer intensiver Kulturen; die Förderung von außen ist zum Teil noch unentbehrlich. Während aber die neue jüdische Kolonisation noch vor wenigen Jahren Gegenstand von Fragen und Bedenken gewesen war, sind diese Zweifel sowohl nach der allgemeinen- UeberZeugung der staatlichen larrdLrrliüfchafilichsrr ais jüdischen und nichtjüdischen Sachkenner heute nicht mehr am Platze. „Nicht wir, sondern der jüdische Kolonist hat die schwere Probe bestanden. Die Intelligenz, der ungewöhnliche Fleiß und der Pioniergeist des jüdischen Siedlers haben den- Sieg davongetragen" — mit diesen Worten versuchte der hervorragende Agronom Lubarsky, dieser 1