Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1927)
- Date
- 1927-01-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- M-Mnüär 1927 __ memSß^&fefiojist^Tö^Dit ^.Offd.OOO Drachmen. umdie aller- W*a«4ÄU' ,M pp . Schulen in Baracken' unkergebracht sind. DieTalmud- . Thora, die" 1917 (vor der Zerstörung) 26 Klassen mit 1200 Schülern zählte, verfügt heute über nur 7 Klassenzimmer,, von denen 4 unbewohnbar sind. . ~ Hufclanfe. Eine neue Rede Oitrvakows. Moskau, 11. Jan. Der Emes-Redakteur, Litwakow, hat auf der Konferenz der jüdischen Sektionen erneut eine scharfe Rede Mtt m MW SDuroQDiiTtß unD m WislM KteNlük lismus gehalten. Mit diesem letzteren verbünde sich der Zionismus, um die religiösen Gefühle der Massen für seine Zwecke zu benutzen. Litwakow führt als erschütternde Tatsache die Forderung der Lemngrader jüdischen Gemeinde an, die verlangt habe, das jiddische Staatstheater solle am Jom Kippur nicht spielen! Der Rabbi von Lubawrtsch lasse, so behauptet Litwakow, im ganzen Lande. Gelder für die Jeschiwoth und für die Jeschiwa-Heime IflHMiBin. Alls Mö mmmi mtröcn; meint m giisnstj keine lange Existenz haben, aber ihre „Tendenzen und ihr Appetit" seien bezeichnend. 'V Das Ergebnis der Volkszählung in Palästina. — 158.000 Juden. Jerusalem, 23. Jan. Soeben wurde das Ergebnis der am 1. September 1926 in Palästina flatgefundenen Volkszählung durch die Negierung veröffentlicht. Danach betrug au dem genannten Tags dis Zahl dsx allaemeinen Bevölkerung Palästiuus 887.686, ^arünlsr ö4i.000 9ß8I.l88lifflr 131.000 Juden, 78.000 Christen und 10.000 andere, meist Drusen. lieber die im Oktober 1922 stattgefundene erste Volkszählung von Palästina berichtete Sir Herbert Samuel, fr« damalige Oberkommiffar für Palästina an die britische In w Wallung in den Jahren 1920 bis 1925. Nach dem damaligen Ergebnis betrug die Gesamtzahl der Bevölkekllllg WlWsW TDTilOf)’ NIMM mm???;??? kemiten, 83.794 Juden und 73.024 Christen, sowie 9474 Angehörige kleinerer Stämme, meist Drusen. Amerika. Die Einigung zwischen Ioint und Zionistischer Organisation^ Newyork, 18. Jan. In »iner großen Kundgebung zur Eröffnung der neuen 71/2 Millionen Dollar-Kampagne für Palästina.wurde das nunmehr erzielte Ueberemkommen zwischen den Jointkreisen und der Zionistischen Organisation hinsichtlich der Äwish AMcv MM AllWSTkN WligmiiNU? Marshalls gefeiert. Praktisch wirkt sich das llebereinkommen zunächst in der Entsendung einer unparteiischen Sachverständigen-Kommission nach Palästina aus, die das Wirtschaftsleben studieren und einen Bericht vorlegen soll zwecks Neuorganisation des Systems der Aufbauarbeit. Alsdann erst will man an die formelle Bildung einer neuen Jewish Agency Herangehen, wobei mehrere Persönlichkeiten. die sich an der Londoner ökonomischen Palästina-Konferenz beteiligten, herangezogen werden sollen. Personalien. Joseph Grebenau n"v- Frankfurt a. M., 26. Jan. Mit lähmendem Entsetzen vernahmen wir am Sonntag vormittag die Kunde, daß Joseph Grebenau, den wir noch am Freitag in vollem Eifer seiner Tätigkeit sahen, der noch am Sabbat in der Weihe des Sabbats mit uns vereint war, am Sabbat, an dem im Gotteshause noch einmal wie vom rauchenden Sinai das nx->n ab zu uns. zu der gesamten Völkerwelt ertönte, von mrMunnter »mann in imm aIS er die Post durchsetzen wollte, : umgeorächt wwm, Tieferschüttert stehen Die Geschwister, die Verwandten, die Freunde, steht die Stadt, die 'Welt, durch die die Presse diese Botschaft getragen, vor dieser Schreckenstat. Aber weinen wollen wir hier nicht allein über den. edlen, lieben Menschen, den Freund, den innerlich ausgeglichenen Jehudi, noch mehr wollen wir weinen über eine Zeit, in der solches geschehen konnte, -eine Zeit, die sich der höchsten Errungenschaften rühmt, 3000 Jahre, nachdem das ii»nn «b ,n»n &b ,nsnn rn s o erdröhnte, daß es alle Völker und Menschen hören konnten, und in der sich solches aus reiner Gier nach Gold und Gut ereignen konnte. Weinen wir um uns selbst, die wir diesem Der Israelit : aus - blutigen .Kriegsjahren. zu uns .noch hineinragenden MM-tilWf MllMM fafcp ©bef, opfer aus unserer engsten Stute zuführen müssen. , Wir schätzten Joseph Grebenau als Mann von Welt und Wissen/von Geist und Vildutig. Ein denkender Jude war er. Wir wüßten, daß er bei -aller Kraft und Tüchtigkeit, die er für den Ausbau feines Geschäftes entfaltete, der Perlen höchste sein eigen nannte, von der die Schrift sagt tcn mp’ „sie ist kostbarer, denn alle Kleinooien". Wir wußten, daß sein Fleiß und Arbeitseifer im Sabbat, der aus die Ewigkeit weist, seinen Damm erhielt: daß sein Streben nach materiellem Erfolg, nach Geldoerdienen gemildert wurde durch Taten der stillen Liebe und des Wohltuns im Großen und Kleinen; wie fein Alltag vom warmen Strahle hingebungsvollster Verwandtschafts- und Freundestreue umspielt war. Wie fano fein Men unn iratottn immtr MZ Bim MWAll Leben den Weg zum Geistigen, den Weg zur Thora. Wie oft sahen wir ihn im Vortragssaale als eifrigen, verständnisvollen Zuhörer bei religiöser und wissenschaftlicher Belehrung, wie oft hatten wir Gelegenheit, im Gedanken- . austausche ihn als klardenkenden und feinfühlenden Menschen kennest und schätzen zu lernen. Möge die der gewaltsam durch Mörderhand gebrochenen Hülle entflohene Seele in den Lichtregionen Gottes mit allen T&tp mrim d e s Tages harren, da sie auferstehen zu einem besseren Leben, in einer besseren Welt, jyj JYY ^proj7^etenix>ort |eirte (£r jaitfung gefunden k)<r 1: .'vip in ^a mw» «-i in jo * * * Die Beerdigung fand am Dienstag mittag auf dem Friedhöfe der Israelitischen Religionsgesellschaft unter einer Beteiligung statt, wie wir sie hier noch nicht gesehen haben. Die Massen, die die-Halle schon eine halbe Stunde vorher nicht fassen konnte, drängten sich bis ans Außentor. Treue Freundschaft, Verehrung und Entsetzen vereinten sich zu einer erschütternden.Trauerkundgebung, an der sich auch nichtjüdische Kreise sowie die Behörden beteiligten. An der Bahre sprach Herr Red. S. Schachn o NI i tz lind gab, selber tief, ergriffen, dem Schmerze der Familie und der Tragik des Falles ergreifenden Ausdruck' MD?», 18. W. M mr-ponD m Wl oaroö. W raelitische Religionsgesellschaft e. V. in München teilt uns mit: In Nr., 2 Ihres gefch. Blattes findet sich ein Aufsatz unter der Ueberschrift: „Persönliche Erinnerungen an Dr. H. Ehrentreu". Der Verfasser führt in demselben u. a. aus, daß unserem Raw in früherer Zeit seitens der Leitljl Oer UIIWkMch! Wt «Wftwg Würdigung zuteil geworden ist. weiche seiner ÄekkügeniiM Persönlichkeit entsprach. Wir glauben es dem Gerechtigkeitsgefühl des Verewigten schuldig zu sein, demgegenüber UMMM 880 TOT AM We tretungskörper Der Gemeinde diesem gegenüber eine völlig andere war. Dies ist sowohl durch Einräumung der Stellung des orthodoxen Rabbiners wie durch besondere Rücksichtnahme auf seinen Gesundheitszustand und durch Ehrungen bei festlichen Anlässen zum Ausdruck gekommen, nicht zum wenigsten aber in den Bekundungen der Trauer bei seinem Ableben. München, 20. Jan. Schon wieder hat unsere Gemeinde „Ohel Jakob" einen schweren Verlust zu beklagen. Nach Verlauf der nsav für unserenV'xr rnpaa psin-m haben wir wieder einen v’v’i ipn, einen Mann, der trotz seines hohen Alters von 77 Jahren von den awpv» in unserem war, verloren. Rabbi Schrmeon Rothschild war ein Münchener Kind und hat sich durch ein konsequentes und strenges Festhalten an nw min ganz befonößFß miöQOTdjniL dr mar ein MMMiM nuk». mochte es sein v'ivn d-'»; NM .trrvm nmnn nrn oder andere ms», immer bis ins hohe Alter hinein zeichnete er sich durch.eifrigste Betätigung aus und trug mit seinem ganzen Leben das Motto zur Schau: . '«mi p'nn vi'p In den letzten Jahren seines Lebens trug er sich no chernstlich mit der Absicht, sein Leben in ns zu beschließen, was aber durch verschiedene Umstände, Inflation usw. nicht zur Ausführung kam. — Nun fehlt uns )er Mann, der ständig den letzten Platz im rama,aber als einer der ersten, besetzt hielt, ein Mann, der mit seinem »mV nv'pn wahrlich mix» war und wir rufen mit Der trautrnDin ü«mms mt 'TTOnwia «7i piafi-T 77 Möge sein Andenken gesegnet sein. maasan- Fürth, 24. Jan. Gestern, den 23. ds., fand hier eine erhebende Trauerfeier für den verstorbenen großen -7’v^n aar,' Rabbiner Dr. Ehrentreu in München, statt, an welcher eine überaus große Anzahl hiesiger sowie auswärtiger Gemeindemitglieder teilgenommen hat. Auch ein Sohn des Verstorbenen war hierzu erschienen. Die Gedenkrede hielt der ehemalige Studiengenosse und langjährige intime Freund des Verblichenen, Direktor Dr. Deutsch. In einem eineinhalbstündigen, . von herrlichen nrn» mai durchzogenen Hesped entwarf der Redner ein teb-enbiges oon bcr liefert §rommt$fi-6ttr umfaffenbölt tätigtest des Heimgegangenen ("1-' rn rnelchern er <!tUch einige Streiflichter auf die überragende menschliche Peronlchkeit des Heimgegangenen fallen ließ. Tiefbewegt verließ die große Anzahl der Teilnehmer das Gotteshaus. Mayen, 22. Jan. Am 19. Januar beging der 1. Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Hermann Treidel, seinen 75. Geburtstag und gleichzeitig sein 40jähriges Amtsjubiläum als Gemeindevorsteher. Aus diesem Anlaß veran-" 'tältete die, Gemeinde einen Festgottesdienst im Rahmen des Freitag-Abendgottesdienstes. In seiner Rede würdigte der Herr Lehrer an. Hand des Wochenabschnittes die 40jährige Tätigkeit des Jubilars, in treffenden Worten legte Seitens Nr. 4 er dar, was es bedeute, so lange Zeit in einer Gemeinde 5' crtt fe-er Spitze zu st^hsn. Nach, rht» .fand dsr 2. Norstedsr, TiwW ^arimann, sllenfälls HÖB?(S llö Mi- J erkennung, besonders die Zusammenarbeit mit den üdri» f[ gen Vorstandsmitgliedern und den Repräsentanten be- '% tonend. ■ . - - , Rach beendetem Gottesdienst am Schabbos Morgen gratulierten Vorstand und Repräsentanten, denen sich der Bürgermeister der Stadt angeschlossen hatte, in der Woh- N nung. Dort brachte i Herr Hirsch als Vorsitzender der Re- Präsentanten noch einmal die Glückwünsche der Gemeinde f;;.; dar. Der Jubilar dankte mit bewegten Worten für die ss ihm von allen Seiten bereiteetn Ehrungen. trny- Vrikskast-«. | Ä) och enblatt, Frankfurt. Etö können be- $ ruhigt sein. Kein einzipes der 7200Fami!ienhäupter, H die mit ihrer Unterschrift für die Aguda-F..rderungen zum palästinensischen Gemeindegesetz ein getreten sind» wohnt autzerholb Erez Iisroels. Die htestge Aktion für den „Waad hoir afchbenasi" trägt ausschlieblich religiös-philantrl pischen Charakter und will das Zusammengehtstiakeitsgesühl zwischen Gaulo und U Erez Iisroel stärken. :• 11 ""BM-Hg- FamMeMachrichten. | Barmizw: Hermann Rosentbal, Sohn des A Herrn Jonas Rosenthal (Lonnerstädter), Haßfurt O am Main, narm n^ns* — Jsak Eschanan. Sohn A des Herrn Jakob Erlanger-Bollag. Luzern. Parscho W Mischpotim. W vermischtes. Vayreukh, 17. Jan. Der Viehhändler Sigmund Strauß von Kulmbach hatte vor 2% Jahren mit dem Vausr-N Johann Orth von Autengrün ein Bferdegeschäft zöjsllzl uhb maniDiDDi^fDl in jouiung ginDirnnrn. MZ Orth einen Wechsel nicht einlöste, verklagte ihn Strauß. Orth wendete ein, Strauß habe den Wechsel auf einen höheren Betrag als den vereinbarten ausgefüllt. Strauß, der religiöser Jude ist, wollte wegen der verhältnismäßig harnilchen Angelegenheit nicht schworen. Er schob dem Ml) toll W (jUfilti Jlßif WpklMyW m^rer« Zeugen kam Orih zum Schwur und gewann den dkl>zel Für den „Stürmer" war der Prozeß Strauß/Orth ein willkommener Anlaß zu einem Hetzartikel. Freilich konnte 8iljfm8i JJ<&turmr'e” rticljt roie&er mit feinem atien Ladenhüter kommen, daß der Jude, um einen „Goy" zu betrügen, einen Meineid. schwören dürfe, — Sigmund Strauß hätte ja durch sein Verhalten das Gegenteil bewiesen! — aber das konnte sich ein Blatt vom Genre des „Stürmer" natürlich nicht versagen, den Juden als den Wechselfälscher, Betrüger und Wucherer zu bezeichnen. Natürlich war für den „Stürmer" der Bauer Orth, der sich mittlerweile unter die Nationalsozialisten beg.'ben hatte, der „Ausgebeutete" und der Jude Strauß der „Ausbeuter" gewesen. Die Folge: ein Strafverfahren gegen Strauß wegen Blankettfälschung und Betrugs. Die erste Verhandlung pielte vor dem Schöffengericht Bayreuth und gab Anlaß genug zum Kopfschütteln. Dem Bruder des Angeklagten mürbe nicht geglaubt: ein unbeteiligter Zeugs, der Strauß nllästeU, ÄllM mzz» M MMUm Ml BWlMnnn einfach nicht beeidigt. Und die Krone des Schöffengerrchtsurteils bildete endlich das Argument: hätte Strauß ein gutes Gewissen, so hätte er Orth wegen Meineids angezeigt; weil er das nicht getan hat, ist er schuldig. Strafe: Ein Monat Gefängnis! In de rvor der Strafkammer Bayreuth angesetzten Berufungsverhandlung, in der der Angeklagte von den Rechtsanwältey D r e f s l - Kulmbach und Dr. W sichle l b a u m - Bamberg verteidigt wurde .erfuhr Sigmund Strauß eine glänzende Rechtfertigung. Es stellte sich heraus, daß er das Pferdeseschäft in erster Linie um SLLwillM oQtätiQt HM. um tzkrn Mttz tintn MfMll m tun: Sträutz nahm dem Orth ein Pserv ohne CnischüDl'. gung zurück, das Orth nachweislich in seinem Wert gemindert hatte. Ein unbeteiligter Bankdirektor stellte dem Angeklagten das Zeugnis eines streng reellen, rechtlich denkenden Mannes aus .dessen Unschuld unter seinen Bekannten allgemein außer Frage stehe. Selbst ein sogenannter „Belastungszeuge" mußte bei feiner Vernehmung schließlich zugeben, daß Orth und Strauß sich vielleicht über den Preis nur mißverstanden hätten. Nachdem die Entlastungszeugen des Strauß diesmal ordnungsmäßig beeidigt worden waren, sprach das Gericht nach etwa siebenstündiger Verhandlung den Angeiioflion frei unter Dir uuMMlMn Nmirnngi s?y «nzerlayte merDß nutzt mangels DemNsrs smgrsprvly'sn, das Berufungsgericht sei vielmehr bei der Persönlichkeit des Angeklagten und angesichts des glaubwürdigen Eindruckes, den der mitanwesende Bruder gemacht 'habe, von dervölligen Unschuld des Angeklagten überzeugt. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Mit diesem Urteil der Bayreuther Strafkammer ist nicht nur der Persönlichkeit des Unschuldigen die wohlverdiente Rechtfertigung widerfahren; es ist auch ein unverständliches Urteil des Erstrichters mit einer entschiedenen Geste beseitigt worden, die der deutschen Rechtsprechung zur Ehre gereicht. 31 v'at M s B