Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1927)
- Date
- 1927-01-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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mm ■ §>eite 8 Der I s r d fs^ { t 'Ä Januar 16: 7' Der Nerein, der feit tzahrgrhn^n für ^iL NöMst l! feiner Schützlinge aufs Tatkräftigste sorgt, ist wegen allzu großer Inanspruchnahme von seiten der armen Blinden und infolge der allgemeinen wirtschaftlichen Krise gegenwärtig aller Barmittel gänzlich entblößt und daher außerstande, selbst in den traurigsten Fällen helfend einzugreifen. Er erlaubt sich daher, die jüdische Bevölkerung um Spenden für die Aermsten unseres Vdlkes zu bitten. Jede Spende, möge sie noch so klein sein, zählt und ist dieselbe entweder an die Redaktion dieses Blattes unter der Bezeichnung „für jüdische Blinde" oder an das jyiljsoereins ber jüdischen SBlmbere, Wien II, Nembrandtstrüße 18, Postscheckkonto Berlin-. 106 619 zu richten. Mitbrüder, die jüdischen Blinden rufen Eure Barm Herzigkeit an, lassen Sie diesen Ruf nicht unerhört an Euch vorübergehen. Die polnische Regierung kommt den jüdischen IhKumUm FoMriiiigM nilmfliuitti entgtgeni Warschau, 23. Jan. Der neuernannte Unterrichtsminister Dr. Dobrucki empfing die Vertreter der jüdischen Presse und sprach sich ihnen gegenüber über die Beziehung der Regierung zu den jüdischen nationalen, religiösen und kulturellen Forderungen aus. Der Minister betonte, er werde die liberale Politik seines Vorgängers, des Vizepräsidenten Bartel, hortsetzen und die jüdischen Forderungen allmählich erfüllen. Es soll eine normale einheitliche und demokratische 0rgamfation der jüdischen Gemeinden ganz Polens geschaffen werden. Er habe in einer Verordnung die Bestim- MWls Bi? toegerx bei: ©»grereifctiiore jüdischer Gemeinden in den Ostgebieten erweitert und auch auf Galizien ausgedehnt. Inzwischen werden die jüdischen Gemeinden ihren rein religiösen Charakter beibehalten. Die Regierung beabsichtigt, einen Obersten religiösen Rat jjjj jf|ß[[W| dkl sille jüdischen Gemeinden der Republik repräsentieren soll und dem jene Munitionen obliegen I len, die die einzelnen Gemeinden nicht ausüben können. Betreffs ies jübischsrr. S/Hnln>sseno erflärte ber 9Rinister, daß die Negierung die jüdischen schulen mit polnischer Unterrichtssprache ohne jeden Rückhalt subventionieren wird. Aber auch die Schulen mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache werden entsprechend den Vorschriften über die Schulen der nationalen Minderheiten subventioniert werden. Er, der Minister, werde keinen Anstand nehmen, den Mittelschulen mit hebräischer und jiddischer Unterrichtssprache, insofern sie den Anforderungen entsprechen, das Oeffentlichkeitsrecht zu verleihen, wie ja schon das Wilnaer hebräische Lehrerseminar das Oeffentlichkeitsrecht hat. Dort werden die Abschlußprüfungen in hebräischer Sprache gemacht. Gleiche Rechte mirö «Uly WZ siöSiM Sffinyi?™in?r ertrrtenronntc WnMmMli nrj mW ME Men MW ein vom 10. Janüä^ Schreiben xin beit Präst- Sehiveiz. Eine jüdische Vertretung beim Völkerbundkomitee für Staatenlose. Genf, 16. Jan. Die Exekutive des Internationalen Komitees für Emigrantenschutz hat Herrn Lucien Wolf, den Vertreter des Joint Foreign Committee und der Alliance Jsraelite, ersucht. Dükschlögö zur Lösung Des AlMms Der MlllltM losen gu machen; diese Vorschläge sollen dem Sachvökständigen-Komitee unterbreitet werden. In einer Sitzung behandelte das S a ch v e rstä n d i - gen-Komitee des Völkerbundes die Frage der Pässe für Staatenlose. Es wurde die Notwendigkeit anerkannt, den Staatenlosen wirkliche, in allen Ländern der Welt gültige Pässe zu geben, damit sie in ihrer Freizügigkeit nicht behindert sind. Es wurde beschlossen, daß denjenigen,Me keinen Heimatpaß besitzen, feü<ms ihres jefetQ-e« STufenifjalfslanbes Paffs ausgefolgt jolten. Sieje ^e|c^fu||e merLere ^er ißerle|)rslelli= Mission des Völkerbundes zur Genehmigung unterbreitet werden. (ITA.) Londoner Brief. Die Woche. Aachen. Rabbiner Dr. H. Jaul u s ist im Alter von 78 Jahren verstorben. Berlin. Die „Jüdisch-liberale Zeitung" hält dem „Jüdischen Gemeindeblatt" vor daß es Reklame für Ford-Autos macht, wobei das Inserat die eretschrelbigerede SSernerfung enthält, der Firmcmnhaökr, km fyentrtj liUiy keinen Unterschied zwischen Rasse und Nationalität. — Die Organisation der jüdischen Wanderfürsorge hat in der letzten Zeit durch Versammlungen in Bremen für den oldenburgischen und ostfriesischen Bezirk sowie in Bochum zur Reorganisation der westfälischen Provinzialkasse Fortschritte gemacht. — Die Entscheidung in der Frage der Berliner Repräsentantenwahl steht bevor. Vermutlich merben die Wahlen für gültig erklärt. unD nur MM f orreminn DMNMMksi, Die möglicherweise den Paale Zion ein Mandat, sichern. — Bei dem letzten Besuche des Reichspräsidenten in Braunschweig hat die Regierung lediglich den evangelischen Landesbischof zu den Festlichkeiten eingeladen, die katholische Kirche aber und die jüdische Religionsgemeinschaft übergangen. Hiergegen ist eine gemeinsame Beschwerde sowohl bei der Regierung als beim Reichspräsidenten eingereicht worden. Die Angelegenheit wird Gegenstand einer kleinen Anfrage im braunschweigischen Landtag sein. Hamburg. Der Antisemit Kurt Schmidt wurde wegen Beleidigung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu einem 9Ko* not ©ejetregreis Dernrieift. ttöln- Die Rheire» landwoche des Zenlralvereins fand in einer imposanten Massenkundgebung im Gürzenich- Saal am 23. Jan. ihren Abschluß. München. Auf Initiative des Rektors der Universität, Geh.- Rat Voßler, hat sich der Korporationsausschuß der Münchener Studenten, um nicht die Gleichbezu müssen, aufgelöst. — Am 15. Januar hielt ' der bayerische Landesverband des Jüdischen Frauenbundes feine vierte Delegiertenvsrfommlunz in MiinW gö. Mn. Dio tsmutsQniDDiti schaft konfiszierte die neue hakenkreuzlerische Wochenschrift „Volkskampf", die an der Spitze ein den Ritualmord darstellendes Bild brachte. Bukarest. Der Kongreß der rumänischen Zionisten ist wegen der Gefahr antisemitischer Ausschreitungen von der Regierung verboten worden. — Aus den beßarabi'schen Dörfern werden neue antisemitische Ausschreitungen gemeldet. Aus Pressemeldungen geht hervor, daß diplomatische Interventionen im Interesse der bedrängten rumänischen Juden stattgefunden haben. — Die erste Sitzung der neuen Session der rumänischen Kammer brachte' vier Anfragen cuzistischer (antisemitischer) Deputierten. Dres Kegierungs - Orgore jjrotefiteri . gegen die im reeröffenilrt^lsn Pögrölll- Nachrichten und beschuldigt die Union rumänischer Juden der Urheberschaft an diesen angeblich unwahren Machrichten. Jerusalem. Eine Reihe von Landflächen sind zwecks Errichtung von Häusern und Speichern für-die Ruthenberg-Konzession enteignet worden. — In den Monaten April bis Oktober hat die Palästina- Regierung einen Ueberschuß von nahezu Lstr. 200.000.— erzielt. London. Einer der Führer der „League of British Jews", der auch sonst »reit retelen jüdischere Institutionen verknüpft war BLseZüllt B i & y ft i & ä t, Ift SMMM. lSöiM (Saliin, Lady Vearsteadl, ist ihm 24 SiUttbött tw Tode vorausgegangen. — Der jüdische Philantrop, Bernhard Baron, hat durch eine neuerliche größere Spende an verschiedene Institutionen in seinem Spendenetat den Rekord von einer Million Pfund erreicht. — Israel Dav i s, Präsident des Direktoriums des „Jewish Chronicle" ist im Alter von 80 Jahren.oerstorben.Rewyork. Die zehnte Jahressammlüng der Newyorker jüdischen Wohltätigkeitszentrale hat eine Summe von nahezu 5 Millionen Dollar ergeben. Rom. Der als entschiedener Antizionm nerannit sepuneng ist GmöilMlMsui für PlllllMu um vcm Mtz in Jerusalem ernannt worden. Toronto. Die kanadische Regierung hat die nachgesuchte Konzession zur Einreise weiterer qualifizierter jüdischer Einwanderer ab gelehnt, nur gewisse Berwandten-Kategorien früherer Eingewanderter dürfen ins Land. Das Frauenwahlrecht und der Cbiefrabbi. — Der Konflikt in Bournemouth. — Board of Deputies. — Breslau in London. London, 21. Jan. Der Presse-Sturm in der Frage des Frauenwahlrechts hat fein Ziel nunmehr doch erreicht. Dr. Hertz deuten der United Synagogue gerichtet, in dem er sich über die seit drei Monaten leidenschaftlich erörterte Streitfrage wie folgt äußert: > ljd? ist lliisd jübijtf^e,ii r©-eje|j keinerlei Eintnen^ . düng zu Lchchsn gegen die Gewährung solcher Stimmrechte an Frauen, w i e si e i n he r,d e r V e r-' sammlnng vom 31. Oktober, unterbreitete n R e s o l u t i o n e y t h a l t e n w a r e n. Gleichzeitig halte ich es für nötig, zu sagen, daß es sich hier um eine religiöse Frage.handelt, wie es jede Maßregel ist, die die religiöse Administration der Synagoge oder der damit verknüpften Institutionen betrifft. Meine. Meinung hätte offiziell durch hen Rat festgestellt werden sollen. Nach den Ansichten vieler Leute hängt je-' doch dieser Antrag mit anderen Maßregeln zusammen,. von denen tiniQi nimm MWM M, *er Verfassung muß für jede dieser Maßregeln die Ansicht des Chiefrabbi offiziell eingeholt werden. Auf dem Meeting vom 31. Oktober wurden angebliche Erklärungen mehrerer Rabbinen anderer Länder angeführt, die nicht in offizieller Beziehung zur United Synagogue stehen. Dieses Vorgehen wurde mit Recht vom Vorsitzenden als verfassungswidrig bezeichnet, sonst könnten bei anderer Gelegenheit auch Erklärungen aus aus- WNWli Buellen sölgMiW um gang Tendenzen zu unterstützen." Hiernach scheint der Chiefrabbi das Recht der Sesselinhaberinnen der Synagogues, an dev Wahl der S y n a g o g e n v o r st ä n d e teilzunehmen, für unbedenklich zu halten, während er einer weitergehenden Ausdehnung des Frauenstimmrechtes entgegentreten will. In diesem Sinne dürste wohl die Einschränkung in dem ersten Satz seines Briefes zu verstehen sein. Die Differenzen zwischen der Gemeinde B o u r n e - mouth und ihrem Rabbiner scheinen noch immer kein Ende finden zu sollen. Zwar hat das Londoner Beth Din die Gerreeirebe zn etttes? Zahlung von Lstr. 500,- QN den Rabbiner üerurtetlt und diesen letzteren zur R!cbrr!egung seines Amtes. Aber man hört, daß diese Entscheidung nun von einer der Parteien abgefochten werden soll. Die ganze Entscheidung, die auf dem Wege des Vergleiches zustande gekommen ist, bleibt an der Oberfläche der Dinge tuti « »«Ichslüs GliJltJ [fif!>t» i angerichteten Chillul hafchem gar nicht ins Auge gefaßt zu haben. 5n Bsp infiton giöuno DM B d q r D o T D t n u i i e t berichtete Mr. Lucien Wolff, der übrigens dieser Tage^ seinen 70. Geburtstag gefeiert.und bei dieser Gelegenheit verdiente Anerkennung für sein wertvolles Wirken gefunden hat, über die Lage in Rumänien. Seinen Traditionen getreu, steht der Board of Deputies in unmittelbaren Verhandlungen mit der rumänischen Regierung und lehnt es ab, durch Volksbewegungen oder Proteste beim Völkerbund Triumphe zu erringen, die sich letzten Endes leicht als Niederlagen erweisen. Auch mit der Frage der Staatenlosen hat sich das Foreign Committee besaßt. I&r. <Sd>öref elb hielt letzten Sonntag einen Portrog- Über „Reform und Orthodoxie im io, 8charakterisierte den geistigen Typ der englischen Judenheit als „Breslauertum". Dieser Typ jedoch könne keine Gewähr bieten für die Erhaltung des Judentums, für das in unserer Zeit lediglich die Maximen S. R. Hirschs den Fels zu bilden vermöchten, auf dem es sich in stolzer Sicherheit erheben könne. Ba« Msch» Schiilmison in SaUnifL Saloniki, 14. Jan: Die jüdischen Deputierten von Saloniki haben bei der griechischen Regierung dahin interveniert, daß dem um- -angreichen jüdischen Schulwesen in Saloniki eine Million- Drachmen jährlich aus Staatsmitteln zur Verfügung ge- 'tellt werden. Der Generalsekretär des Unterrichtsmini- 'teriums, Herr Nico Loüvaris, unterstützt diese Forderung. Das Problem des jüdischen Erziehungswesens in Saloniki ist ein sehr akutes. Im Jahre 1917 waren unter' brr 70.000 öuben ©afonifis Ü.OOÖ ^tnber tm tifftn MM- «der nur lovvi hSM?nU^ der konnten in den jüdischen Schulen untergebracht m\f den, während die restlichen 7000 bis 8000 ohne jede Erziehung blieben und in den Straßen verwilderten. Die jüdische Gemeinde tat sehr viel, um diesem Uebelstande abzuhelsen. Ganz ist es ihr nicht gelungen. Die Gemeinde unterhält gegenwärtig 12 Schulen, von denen nur 3 über angemessene Gebäude verfügen. Zum Bau der fehlenden 8 Schulgebäude sind 10 Millionen Drachmen erforderlich. Das Gemeindebudget des letzten Jahres wies einen Erziehungsposten von 1.600:000 Drachmen auf. Die Ge-