Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1927)
- Date
- 1927-01-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Ä7. Januar 1SL7 . 2) er SVriiiit ~ &tn«‘ m. weitesten Kreisen anerkannte außergtzwöhntilhe LWWSWA M NkkMk.kMMgMiMM MJÜ5’ neter mimuDi[ö>er Werke — vor vosürMer Verunglimpfung femerEhre in Schutz zu nhemen. Das war wohl ihr gutes. Recht /In diesen - Blättern wurde richtig vertont, daß-die Cheremvoxschrisien an sich vollkommen lefgale Waffen des jüdischen Gemeinschäftsrechtes bilden. Eine moderne Weltanschauung wird diese Vorschriften sicherlich nicht für zeitgemäß halten. Doch mag man über Men Chamkter des Cherem weicher Meinung immer sein. 'Ein Tatbestand soll nicht durch tendenziöse Darstellungen und Uebertreibungen entstellt, verschoben und verdunkelt -werden. Schon in den wörtlichem Uebertragungen der Cheremfätze — von der lächerlichen Unbeholfenheit dieser Eintagshebraisten gar nicht zu sprechen — zeigte sich die Absicht einer Diskreditierung und Bloßstellung des C h a s s i d i s m u s par excellence. Jeder Sachverständige weiß, daß es sich bei derartigen Verlautbarungen ^>m f)erförritTilicf,e JJorm-ctltsmen Ijcmtveli, b-er-ert fitlifiifcfje ^elrt^-eiiert ttriSj SBorJfplele -eilt ßme greifen kann. Es sei dies mit einem historischen Beispiel aus der jüngsten .Vergangenheit in Frankfurt a. M. zu beleuchten. Zwischen Wien und Rödelheim — den Vorgängern des rühmlichst bekannten Verlags Kauffmann in Frankfurt a. M. — kam es wegen der Ausgabe der Machsorim zu geschäftlichen Differenzen. Das damalige' Oberrabbinat von Frankfurt a. M. (Rabbi P. Horovitz^r) hat mit Bannstrahl belegt, alle, die diese'Machsorim Nachdrucken wollten. In diesen nunmehr historischen fOTTtmen Öiej’eI&-eTX |’titi|ü|c£^en 93Senö-ungen cot. »Ich vrstöUg? une^rem,. gtel4 dem großen Cherem von Josua dem Sohne Nuns, daß lsich keiner unterstehe, weder mittelbar noch unmittelbar an einem Nachdruck teilzuhaben. Nicht nur wer Liese Aebertreter unterstützt, sondern auch Käufer der anderen Machsorim unterliegen diesem Bann. Sie sollen der Strafe verfallen wie Achan der Sohn von Sarach und es sollen auf ihnen ruhen alle Verwünschungen und Flüche, die im Buche der Thora niedergeschrieben sind. Wer in den anderen Machsorim beten würde, dessen Gebet werde in Sünde verwandelt." — Es sind noch keine 80 Jahre, seitdem die Machsorim mit diesem Cherem, dem sich auch die Rabbinate von Hamburg-Altona, der Oberrabbiner Breslau von Rotterdam, Mosche Tubia Sondheimer, Oberrabbiner von Hanau, Oberrabbiner Hirschel London u. a. m. vollinhaltlich angeschlossen haben) erschienen. Oberlandesrabbiner Baneth von Nikolsburg und Oberrabbiner SÄüftS T?on 2Xrtoferc haben «üerbtngs - mit t^ret ganjölt — »...u . I > •••»* .in »! Autorität Bis Vrnrgrr Cs ist übrigens festgestellt, daß der Munkaczer Rabbiner — dessen frühere beklagenswerten Beziehungen zum Beizer Rebbe V'xt in diesem Zusammenhänge nicht aufgefrischt zu werden brauchen — am 16. Teweth, also Mige Zeit vor diesen traurigen Vorfällen, ein eigenhändiges Schreiben nach R s e ß o w gerichtet hat, in dem er mit gebührlicher Ehrerbietung vom verewigten „Belzer Zadik" spricht. In diesem Schreiben beschwert er sich darüber. daß sämtliche zionistischen Zeitungen den Heimgang Mes großen liannsi öh yfPfmrf 9*etIatt,cr invLM sie veistcheilev, daß der Velg^r späteren Jahren dem Zionismus zuneigte und anläßlich der Parlamentswahlen seinen Chassidim den Auftrag erteilt hätte, die Zionisten zu wählen. Es fei sehr bedauerlich, daß die Belzer Chassidim gegen diese Zumutung und Verdächtigung ihres großen Meisters, nicht protestierten. Daß der Zionistenführer Dr. Singer in Gemeinschaft mit dem Prager 'jüdischen' Nationalrat beim I u sti z - m ini ster i u m gegen lobn Munkaczer Cherem Protest einlegte — gibt zu denken. . Gegen die Ausnützung der bedauerlichen Vorgk'B WMiMn WrteizweSen.lst natürlich 0H|S 'j^U iefiteren- Sas Sar| af.er ntcf)t dazu führet' ven Unterschieb gu übersetzen zwischen einem vin zu ^^3 Objektiven, gewissermaßen gerichtsexekutiven Z^^cken, Pie etwa dem Rödelheimer Nachdrucksverbot, üno dem Belzer öder Munkaczer Vorgang. Das frankfurter Oberrabbinat von 5607 war an den GejÄäften der Rödelheimer Drucker weder ideell, noch! -materiell interessiert — das Besdin von Munkäez - hat jedoch seinen eigenen Oberrabbiner mit Hilfe eines tnn in Schutz genommen. Hier liegt ein zum Zwecks der Selbsthilfe vor. Mit besonderer Ahnungslosigkeit gebärdet sich das hiesige „Wochenblatt" in dieser Cherem-Anötitöcnijett: EZ gut Hm, smsn ou konstrutsrsn Zwischen der Hallung des „IsraelN' gegenüber den Munkaczer Ereignissen und — unsren Ausführungen von 2. September 1926 gegenüber der Antwerpener Misrachi-Konferenz. Wir hatten damals beklagt, daß man dem scharfen Kampf der slowakischen Rabbonim gegen den Misrachi M wenig psychologisches Verständnis sntgögsnbvinge. jenen Misrachi, der doch in der M MlMMS PSNülutionärg antirabbimsche, die s o nst g e s ch l o s s e n e E I nheit des gesetzestreuen Judentums schwergefährdende Bewegung" sei. Nun argumentiert das Wochenblatt so: Die „Bannflüche" von Bratislava deckt der „Israelit", wM sie gegen den M i s r a ch t gehn, die von Velz und Munkacz mißbilligt er, weil — Munkacz sich „vor einigen Jahren in gleicher Weise gegen die Agudas Jisroel" wandte. Bitte, liebes Wochenblatt, bemerke dir gütigst: 1. Ein Cherem oder ein Bannfluch der slovakischen Rabbinen gegen den Misrachi hat nie e x i ft i e r t; die seiner Zeit veröffentlichte ein» ggjMHp, ffloiiDiBriß mmmm atscn ßkil „Misrachi^ weist auch nicht ein einziges ÄSk Merkmale auf, die für einen oin im Sinne der Halacha erforderlich sind. 2. Die Rabbiner-Erklärung gegen den Misrachi hat es mit einer geistigenBewegung a l s s o l ch e r zu tun und ist weder zur E h r e n - rettung bestimmter Personen noch zur Werfluch u n g irgendwelcher Personen desttnkrnt; ste ist ein öfltt mustergültiger Sachlichkeit. 3. Wenn das Munkaczer Bes-Din etwa erklärt hätte, es sei verboten, der „Agudas Jisroel" anzugehören oder — wie es in einem ostslowakischen "isv gedruckt zu lesen steht — Agudisten seien y» so würden wir diese Aeußerungen hochgesteigerten Mißtrauens mit Ruhe quittiert, ja sogar— comprendre c’est pardonner — Per* — Slri 4 Sette 5 ziehen haben. Denn hierbei würde es sich immer toteier nur . um' . sachliche 13Kctnungst)ei’fi()teJ>enheilen handeln. Das Bedenkliche liegt aus^chllest lich in dem traurigen p e r j ö n l ich e n CharaMr der Belzer und Münkaczer Vorgänge und ihrer Verknüpfung mit der Cherem-Jnstitution. Wir hoffen, dem Verständnis und dem Untekscheidungsvermögen unserer jungen Frankfurter Kollegin damit ausreichend zu Hilfe gekommen zu sein. Eine mittelparteiliche Charakteristik des Liberatismus. Die Jüdisch-religiöse Mittelpartei in Köln verschickt ein Flugblatt, in dem über den jüdischen LkSsWimmuL u. o. a. föiflonDißfi gßfaQt mirü: «Kölner Judenl Noch nie hat das Judentum in so schlimmen Gefahren geschwebt wie in diesem Moment. Ein mächtiger, über reiche Geldmittel verfügender innerer Feind sucht die jüdische Religion in ihren Grundlagen völlig zu zerstören. Dieser mächtige Feind ist der internationale Londoner Liberalismus, mit dem die gesamte liberale Partei der deutschen Judenheit im Sommer 1926 ein feierliches Schutz- und Trutzbündnis geschlossen hat. Ausdrücklich Al öer LMiUM m Müm timm in ihrer öMNNichcn Bcrsnmmiung am i, Novums?r daß der Londoner Weliliberallsmus „das religiöse Leben Kölns auf neue Wege weist." Welche Lehre verkündet uns denn eigentlich der Londoner Weltliberalismus, zu welchem die Kölner liberale Vereinigung uns Kölner zu bekehren sucht?' Die liberale Weltveveinigung predigt: „Es gibt keine Gesetzesreligion, kein Religionsgesetz, sondern nur freiwillige Bindungen." Der Jude ist für seine Handlungen nicht mehr Gott gegenüber verantwortlich, da es ja kein bindendes Religionsgesetz, keine Unstekbliichkeit der Seele, kein göttliches Gericht für den Einzelmenschen nach dem Tode mehr gibt. Für 'den Juden gelten nur noch die Sittenlehren der Propheten, deren letzter großer Prophet Jesus ist, als Richtschnur. Die Thora und der Talmud sind aufgehoben. Die israelitische Religion ist eine natürliche Ausgeburt der arabijc^&n 23Sii|ie. Stfyer barf man ben - oljne m<*t. TSFii auf Bin Mrnmug rfiifg««: Kölner Juden! Ein solches KetzeNum hat es, seitdem die jüdische Geschichte existiert, noch niemals in der Judenheit gegeben. Es steht iw keinem inneren Zusammenhang mit dem von Zuntz und Abraham Geiger gegründeten religiösen Liberalismus, der eigentlich als „organische Fortentwicklung" mit dem alten Judentum fest verwurzelt, ein grünender Zweig am Baume des Judentums bilden sollte. Daher bestand in der Pflege und Kenntnis der jüdischen Wissenschaft eine der Hauptbes r'elig'iöfen Öifveralts-ttiixs, Nichts »Oll ddS- IjPiröerungen -elires Selg-ers olcr Cohens hat dieser moderne Landauer Liberalismus hochgefjalten; er stützt sich weder aus das historische Judentum noch auf die Wissenschaft. Die Wissenschaft und die jüdische Religion sind abgebaut und durch den Begriff der fortlaufenden Offenbarung ersetzt worden; d. h. jeder, der heute die Londoner Irrlehren verbreitet, ist ein von Gott gesandter Prophet, der dazu berufen ist, die gesamte Welt zum Londoner Weltliberalismus zu bekehren, jede existierende positive Religion zu zerstören. Darin besteht die Weltmission des Weltliberalismus." auf-gebahnten Wegen unserem Quartiere zustreben. Aber da droben war es herrlich. Mitten unter den ragenden -Bergen, Wachtstein, Zugspitze u. a. zum Haschen nahe, auf der andern Seite den Blick in die weit bis ins Rebel- Hafts sich debnende obsrbaysrifche Hochebene. ®ueSf »LUrjißi ii-iu Uß&nimD 311 BomimDern. Wer nur noch eines wollen wir erzählen, unssrs Fahrt nach. Innsbruck mit der Bahn, diL auf schwindelnder Höhe am Bergkolmme hoch über dem Tale des- Inn und einiger Seitentäler über^kühn gebaute Viadukte und zahlreiche Tunnels ihren /Weg nimmt. Tief drunten das Tal mit dem 'majestätlschen Flusse/ gegenüber' der Bergzug, dessen Schneedecke, unterbrochen von dem Dunkel der zahlreichen Tannen, von der Sonnewunderbar beleuchtet, uns zu unserem Entzücken begleitet, bis endlich diesinkende Nacht auf unserer Rückfahrt alles bedeckt. öcDenftn mir kinsn AMMM den Mengen) dort gibt. Ullsörs AiifmeNfMikcit. AußTFvrvmtllch r-eich sind sie, die Fremden, die zum Skisahren, Rodeln, 'Spazierengehen, Sehen und Gesehen werden dort zusam- . men geströmt sind und zwar aus allen Gegenden unseres' '4^ .Vaterlandes. Die meisten, zumal , die Jugendlichen und Jugendlichen, befleißigen - sich des Skifahrens, die ' '^'-Dgwew^fäsi zumeist in dem bequemen. Hosenkostüm. Sie '.ÄÄn'hjMffii Sportplätzen, aus den Borgen rings um '4-.HPärtenklWü.EbMs trifft man die Menge in den Ho-. ' tels' ünd'RestaumnlKfÄeren es viele und wunderschöne gibt," mit allem Komfprx,Md Luxus der Neuzeit-ausge-. stattst.- Auch da uichb MüßlU sondern eifrig mit^Da n z e n - beschLftig und dir FkMdm M'iMWgreil MM M .. Genüsse der Natur und des TÜinMälUL ikt ihr. Dll Ist alles gleich und gleichberechtigt, und nur der Herrschaft der Sitte und Sittsam!eit unterordnet. Auch unsere Glaubens- und Stammesgenofsen sind dort in nicht geringer Anzahl vertreten, so daß map,nicht selten Bekannten begegnet, und das Vergnügen hat, sitz zu begrüßen. Aber das Schönste, was wir dort oben gesehen und tzrlebt haben, war im Landhause Wolfs. Dort trafen wir liebe Freunde und Bekannte aus den verschiedensten Städten: München, Hamburg, Berlin usw., gleichgesinnte und gleichgestimmte. Da ging uns das Herz ganz auf. du Den gemüiliöj sianrimtn nn3? ^reud/teten **«"*«« üss Haufös Wolfs, bei ver bekamn vorzüglichen Berpfl?- gung, konnten wir uns ausspvechen über religiöse Fragen, über die jüdischen Verhältnisse usw. Und der Gipfel unsere Freude war die Begegnung mit einem Rabbiner aus der Reichshauptstadt, welcher der Sachwalter der Orthodoxie und des gesamten Judentums' ist. Wir konnten „Thora mit ihm sprechen", seinen klugen Gesprächen lauschen, an seinem ruhigen, überlegenen, sanften, liebenswürdigen und unendlich bescheidenen Wesen uns erfreuen und viel Freundlichkeit und Aufmerksamkeit von ihm gerttefjert- Qrgenb-mo im Midrasch ober Talmud fragt der römische ü«trt>^>sfsger UrirÜU“» IRUfliÄ Ä4M Rübbi üskiDlll „Sind die Werke Gottes schöner ober die des Menfchätt?" Und der Rabbi antwortet kühn: „die des. Menschen find schöner". Wir, die wir auf unserer Reise nach Partenkirchen uns in München aufgehalten und dort die herrlichen Kunstwerke in der neuen und, besonders der alten Pinakothek betrachtet hatten, muhtewimmer an diesen Ausspruch des Rabbi denken. Welche Füfle und welche Höhengrade von Geist, Gemüt, Kunst und Schönheitssinn hatten wir dort und an anderen Kunststätten bewundert. Doch das Höchste und Köstlichste sind die Menschen selber, wenn sie in so edler Vollkommenheit uns begegnen und mit so edler BtB&gniWHFStSffTl uni> -g^^fommetpeii rrnerfrCu«t und orquiffen. Darum sinb Bis GoWönftr» giösen Gesinnungsgenossen sich zuscimmensinden, und das Haus Wolfs in Partenkirchen mit seinen freundlichen und wirklich vornehmen Inhabern in vorderster Linie — nicht allein. Orte der Labsal für den Körper, sondern auch für Geist und Gemüt. Auch hatten wir die freudige Befriedigung, an den beiden Sabbaten, die wir dort verbrachten, anregenden Gottesdienst mit Minjan begehen zu können. So waren wir von unserem Aufenthalte in Garmisch- Partenkirchen in jeder Weise befriedigt und wünschen allen guten Leuten das Gleiche! Tierliebe .. . ' Ein Arzt schreibt im Hamburger „Fremdenblatte" folgende Szene: ..Zusammenstoß an der Kreuzung Steindamm— Lübeckertor zwischen Straßenbahn und einem Wagen am 30 Dezember 1926, 2 Uhr 30 nachmittags. Der arme Gaul liegt mit einem gebrochenen Unterschenkel aus der Straße. Menschenauslrus. Polizei. Feuerwehr! Nach einiger Zeit kommt eine erwartungsnollk ÄMkgUng in -i? Menscher.mcf go. stehe am Fmmr unö roaxtc gewannt ö« DiNM to? va kommen sollen. Nun wird doch wohl die Feuerwehr ihr Hebezeug in Tätigkeit setzen und das Pferd schleunigst sortschaffen! Diese Erwartung, die nach dem Feuerwehraufgebot und dem mttgesührten Werkzeug berechtigt war. wird bitter getäuscht und ich sehe eine Szene von grenzenloser Brutalität. Ein Mann führt mit einem winzigen Hammer, der höchstens zum Kistennageln taugt, offenbar zur Betäubung einen wuchtigen Schlag gegen dee Kopf des Tieres, das sich vor entsetzlichem Schmerz aufrichten «rill; er schlägt ium zweit n. zum dritten, zum ^irnm M«ls. immPT ollnß Mola. Mm ninmit Mate fllegt In welhm Dope» dsr> zskSkschsnö Homwer durch die Luft. Plötzlich sieht man, wie jemand, anscheinend ein Rotzschlächter, dem gequälten Tier, das offenbar bei vollem Bewußtsein ist, eine Ader ansticht und seine bluttriefende Hand schlenkert. Das