Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1927)
- Date
- 1927-01-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Gerte 4 Nr. 3 Der Israelit 20. Januar 1927 taten; müssen wir uns nicht tief schämen, daß nur die wenigsten unter uns imstande sind, einenSatzausdieserSpracheorthographisch richtig zu schreiben? Wir halten einen jüdischen jungen Mann rnit Recht für wngeUfM, «??nn fiti) bie gröblichsten 33ep stöße gegen die Grammatik und Rechtschreibung der deutschen Sprache zu schulden kommen läßt, aber wer fragt danach, ob er die Sprache, in der er jeden Tag dreimal Gott in seinem Gebete huldigt, ob er diese Sprache in Wort und Schrift beherrscht. Man frage nur einmal die Schriftleiter der großen deutsch-jüdischen Zeitungen und Zeitschriften nach der Schreibweise der hebräischen Worts, Die sich in den ftuött sittgzftMM Manuskripten befinden, ob es nicht zu den tagtäglichen Vorkommnissen gehört, daß man z. B. 1'b'on mit 'u und mbv mit n schreibt und dergl. grobe Fehler mehr. Es ist tief bedauerlich, daß noch immer einflußreiche Kreise sich der Erkenntnis dieser Tatsachen gegenüber verschließen, und nichts oder wenig zur Abhilfe dieses trostlosen Zustandes der Unwissenheit beitragen. rrn sehen wir zur Zeit, wie sich unsre Jugend nach und nach immer mehr dem „Lernen" gwwwUi, (14) ln R?rrmrn und Organisationen zusammen findet, dis mnw n*vmn pj? auf ihre Fahnen geschrieben haben, jetzt ist die Zeit günstiger denn je, bei der Jugend das Interesse für zu wecken, zu pflegen und mit allen Mitteln zu unterstützen. Es ist eine heilige Pflicht unsrer Aguda- und Esragruppen, — wichtiger als alle Stenographie- und Schachkurse — sobald wie nur möglich Sprachkurse einzurichten, Lehrer anzustellen, kurz, in jeder Hinsicht den systematischen Unterricht im Hebräischen zu Mein. Auch unire^®™ WWm Schulen, sowie alle sonstigen jüdischen Unterrichtsanstalten haben die wichtige Ausgabe, — heute mehr denn je — den ihnen anvertrauten Kindern, die Kenntnis der heiligen Sprache zu übermitteln, und zwar nicht nur durch ein paar Grammatikstunden, wie das bisher geschah, sondern durch einen gründlichen Unterricht, der schon bei den Kleinsten döginm» muß, ft Luußeüs anö NMel-, wenn sie die Schule verlassen, imstande sind. Hebräisch fehlerlos sprechen und schreiben zu können. Aber mit der Kenntnis der Sprache allein ist noch wenig geholfen, wenn nicht die Gewöhnung an das Sprechen damit Hand in Hand geht. Selbstverständlich haben wir nur dann ein Recht, p"rh zu sprechen, wenn wir uns ständig der Heiligkeit dieser Sprache bewußt bleiben, und auch nur dann kann p"nb den veredelnden Einfluß auf uns ausüben, wenn wir uns klar darüber sind, daß wir eine g ö t t l ich e Sprache sprechen, deren Mißbrauch zu Unedlem einem d tp n i V n gleichkommt. Müttß {jiißcn wir ein NM, uns Das fle« brätschen auch für die alltägsichen Äinge des Lebens zu bedienen, aber nur um eine „Heiligung des Profanen" damit zu erreichen, wie es unsre jüdische Lebensauffassung von uns fordert. — Das jüdische Volk ist ein heiliges Volk, sein Gesetz und sein Land sind heilig; des Juden Haus, sein Tisch, sein Kleid sind heilig, sind Gott geweiht, befähigen ihn, sein Leben im Dienste Gottes zu begretjert^. und erdedüsffI tl i tß t aiif&eiTier heilig en S p r a ch s, u m d a s Endziel seines Lebens, das Ideal des i’rt n ö’^n|? 3u erreichen, Von diesem Gesichtspunkte aus, das muß immer und immer wieder betont werden, müssen wir an p"nb herantreten. Das Recht, p"T\b sprechen zu dürfen, trägt die unabw e i s.b a r e P f l i ch t in sich, diese Sprache nun auch wirklich zu sprechen. Wir haben nichts gemein mit denen, die von einereinem Rieben ber ,/f f> f f J1 " iMlMÜM Sprache faseln. Die Mische Sprache ist viel zu heilig,umjemalszu st erben. Daß p"nb heute noch bei uns viel zu wenig Beachtung findet, ist das traurige Symptom einer schweren -Krankheit, unter der wir hier im Westen besonders zu leiden haben, das Symptom eines mählichen Absterbens des ursprünglichen jüdischen Gefühls für die hehreAufgabe und für den heiligen Beruf des jüdisch en Volkes. Gervi^ motten rmr nidjt - d«s m hervvrgehobm —, daß von nun an Deutschlands Juden sich sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben der hebräischen anstatt der deutschen Sprache bedienen sollen, hat ja der deutsche Jude die eigenartige Aufgabe — zum Zwecke der Selbsterhaltung —, in allen Lebenslagen die Synthese zwischen seiner ewigen jü- NWn Kultur unv der Mtur seiner Umwelt zu ziehen, und erleichtert der Gebrauch der deutschen Sprache die Aufgabe der harmonischen Vereinigung von mm und pR *pi ungemein. Wir verlangen lediglich, daß, wenn ’RT iwa i.Tsn u?r vtik '*t, wenn jüdische Menschen sich über wichtige Fragen, schwierige Probleme aussprechen, daß solche Aussprachen in hebräischer Sprache vor sich gehen sollen, daß man der jüdischen Freude und »"2 dem jüdischen Schmerze in dieser Sprache Ausdruck verleiht. Wir wollen erreichen, daß man seine Briefe in Zukunft auf hebräisch schreibt, daß man bei allen Zusammenkünften, Versammlungen, Tagungen^ sich dieser, unserer Sprache bedient. Es wäre nun völlig verkehrt, sich etwa dabei die sephardische Aussprache (rr>nsö rrm) 311 eigen zu mnchm, Mrachtm Wis js Ui tzMzisA Sprache nicht als die Sprache des „Palästinensers", sondern als die Sprache der rmrv die Sprache unsrer mbvN' die Sprache der jüdischen stvva*- Wie ganz anders kann der hebräisch sprechende Jude sich einfühlen in den Geist unsrer N'rbvN' welche ganz ungeheure Wirkung machen auf ihn die göttlichen Worte unsrer D’R’ni' die er ja sitzt NW mehr m e ch ll n i s ch n b e r s k tz i, sondern im Inn ersten fühlt und erlebt! Wie ganz anders fühlt der hebräisch sprechende Jude die von Gott gewollte Eigenart seines Volkes, und welch gewaltige Wirkung muß nicht die Sprache auf sein jüdisches Empfinden ausüben, wenn b"M lehren, daß unsre Vorfahren dem Umstande ihre Erlösung aus mizrischer Sklavenschaft verdanken, daß dwV dr w rW daß sie auch im fremden Lande ihre Sprache beibehielten. Leider sehen wir mit eigenen Augen^ m% sich Deute in Tk in unsre göttliche Iraöiünn Dßrn.ßm£nite£ Rättänaljudentum ansb rettet und unsre heilige Sprache für seine blasphemischen Zwecke mißbraucht, müssen wir. da nicht soviel Stolz und Begeister u n g s f ä h i g k e i t aufbringen, daß wir einfach es Nichtzug ebenwollen,daßrnan Heiliges schnöde mit Füßen tritt; wir wollen der hebräischen Sprache wieder ihren alten Ehrenplatz anweisen, wir w o llen sie wieder betrachten als ptpStyrprr. als (Spraye ber ^eHigf eil! —b. Korrespondenzen « nacßricßfen. Äet«4j. Ein Vortrag über Samson Raphael Hirsch im inftitutum judaicum. Berlin, 11. Jan. Im Rahmen des diesjährrgen Vortragszyklus des Inftitutum Judaicum an der Berliner Universität sprach vor einem an Zahl und wissenschaMcher Bedeutung sehr ansehnlichen Auditorium Herr Dozent Dr. Josef Wo hi- ' gemuth über „ S am so n Raphael'Hirsch ftnd das gesetzestreue Judentum". Um —''wie er ®on ~us —* MW Wk WWr derung durch Ne Lander an — und in Palästina pflanzen heute wieder jüdische Bauern Weinstöcke und keltern jüdische Küfer Wein. Es ist ein Gebot im Judentum, nur von Juden bearbeiteten Wem zu trinken, denn jede Handreichung für ihn soll im Hinblick auf das Sittengesetz der jüdischen Religion geschehen, und im Bewußtsein dieses Gesetzes soll er genossen werden. Heute sollte es allüberall in der Judenheit Brauch werden, den Wein der jüdischen Kolonien Patäftinus 5« trinken, §§ MjMchr WMl Mk TtllQiWS uutz mm ergicU'Nschc 2jat, unö mffli uMeiswU » Pioniere einer jüNschen Zukunft, ohne ihnen zu schenken: lim Gegenteil: man macht sich ein Geschenk. Dieser Wem ist nämlich auch in Nährwert, Würze und Blume der beste der Weine. So bescheinigt der bekannte Chemiker Dr. Bischofs in Berlin: von dem Wein der großen Rothschildschen Kellereien in Rischon-le-Zipn: Der Süßwein ist dem Portwein ähnlich, aber reicher an Extrakt als dieser. Der Rotwein Medoc korrespondiert mit einem Bordeauxwein, seine Reinheit ist garantiert. Die -eisenhaltigen Bestandteile dieses Weines sind bemerkenswert. Der rote Tafelwein ist ein reiner Naturwein; er korrespondiert mit dem französischen Rotwein und ist gleichfalls von bemerkenswertem Eisengehalt. Der Weißwein ist ein ausgezeichneter Wein und unterscheidet sich nicht von einem NWliMil. Cr ist, ganz WonLöM bmMiMmri. hiösKZ n^täil läUien nlle fachmannlschen llri-eße. So gesellt sich zu der jüdischen Pflicht das individuelle Jntersie und empfiehlt gleichfalls, zu Seder und zu Kiddusch Palästina-Wein zu kredenzen. (Auskünfte und Aufklärungen geben Direktion der Zentralkellereien Rifchon-le-Zion und Wilhelm Groß, Jaffa, P. O. B. 5, Palästina.) Tel-Awiw. Saly Geis. WM lilErmiorn unii w MW S8M) W ls?. kauer Staatsverlcvg ist soeben der vierte Band der Korrespondenz des Zaren Mkolaus II. mit der Zarin Alexandra Fedorowna erschienen. In diesem Band findet sich der folgende Brief der Zarin an den Zaren: „Lieber Nicky! Ich sende Dir die Bittschrift eines verwundeten Soldaten. Er ist ein Jude und hat zehn Jahre in Amerika gelebt. Cr wurde in den Karpathen verwunoet und hat feine linke Hand verloren. Die Wunde ist aut geheilt, aber er leidet sehr stark moralisch, da er im müiiftaug Mm tspital önMsön mi& tetz Ui MBÖ)t sich äIJ m üeti beiben chau^lslcrbien und großen russischen Provingstädten aufzuhalten . . . Als er in Amerika war, hat er Heimweh nach Rußland bekommen und als der Krieg ausbrach, ist er freiwillig nach Rußland zurückgekehrt, hat sich beim Militär freiwillig gemeldet, da er die Heimat verteidigen wollte. Jetzt hat er im Dienste bei unserer Armee seine Hand verloren, wurde für Tapferkeit mit dem Georgienkreuz ausgezeichnet und möchte hier bleiben, aber als Jude ist ihm der Aufenthalt — außer der Zone, wo Juden leben dürfen — verboten. Er fühlt sich zurückgesetzt, gekränkt und ich begreife das vollständig: so ein Mensch verdient, daß er genau so behandelt wird, wie jeder Verwundete, daß er dieselbe-n Rechte genießt. Er ist zwar ein Jude, aber ich möchte, daß er genau so gerecht behtnbslt rvlrkd. <rlle ctrtberert, bi-e burcf^ b-ert ge°- HUcrt ifal-ix . . . ©r mar nidji, ggsh iy«Usk zurückgukcmmen, er ist aus eigener Jnittalioe gekommen . Man darf diesem Menschen kein Unrecht tun und ihm die Hartherzigkeit der alten Heimat zu fühlen geben . Ich glaube, man muß einen Unterschied zwischen den guten und schlechten Juden machen und nicht gleich streng gegen alle Juden fein. Die schlechten Juden soll man streng bestrafen, aber diesem Menschen soll man die Möglichkeit geben, dankbar gegen die Heimat, die er a!, zu fein. Seile nur mit, wie iDu Ne DMschrist erledigen wirst. Ich appelliere an Dsm Gerechtigkeitsgefühl! Alexandra." Die Entscheidung des Zaren lautete: „Dem verwundeten Juden ist der Aufenthalt in allen Städten Rußlands zu gestatten. ' Nikolaus II." (Eine Ausstellung der Bibliothek der Prager Jüdischen Gemeinde.) Am Sonntag den 16. Januar wurde irrt Füstsaals hes Jüdischen N«thchirsss bte SSucfjauspelXurtg Ur jii&i{d>en ©emeknbllokipet erb^|Tteir. stellurrg ßibt sich großes Interesse rund. Die Prager Gemeindebiblrothek ist weit in der Welt anerkannt, sie ist noch ein Ueberbleibsel der großen jüdischen Vergangenheit Prags. Die Ausstellung ist in zwei Gruppen geteilt, in eine typographische und in eine, Re mit Bezug auf die Inhalte eingerichtet wurde. Die erstere enthält seltene Druckwerke aus 34 verschiedenen Druckorten bis zum Jahre 1650, wobei auf Prag besonders Rücksicht genommen wurde. Die zweite ist nach Spezialgebieten geordnet und bietet einen Ueberblick über die in der Gemeindebibliothek vorhandenen Werke. — Im Rahmen der Ausstellung finden folgende Vorträge statt: Prof. Knöpfel- . macher: „Prager Drucke"; Prof. Dr. Hugo Lieben: „David Oppenheim"; Dr. E. Jacobovitz: „Jüdische Typographie' Briefkasten. Würzburg. Mark 10.— eingegangen unN weitergegeben. Lehrer K. in S. Ihren Zwecken könnten vielleicht die Werke dienen: Stökl, ..Religionsphilosophie" und Wirthmüller „Tugend der Reli^ gionen". M. S. in B. Bezahlt bis 31. 12. 1927. v.-.-