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Der Israelit · 1927-01-20 · Heft 3 (20.1.1927) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
68 (1927)
Issue
Heft 3 (20.1.1927)
Date
1927-01-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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L0 Januar 1927. Der 3sraem Nr. 8 ®aU8 IDodjenrunbfdjau. Der österreichische Bundeskanzler im Bunde mit den christlich-sozialen. Der , Bundeskanzler von Oesterreich, Dr. Seipel, nahm Gelegenheit, auf eine Anfrage von jüdischer Seite feine Stellung zu den anstsemitischen Parteien und der Judenfrage wie folgt zu präzisieren. „Es wäre zu verwundern, wenn die Juden der ganzen Welt durch programmatische Aeußerungen der christlichsozialen Führer tatsächlich ihr Programm in keinem wesentlichen Punkte geändert hat, ist ja ohnehin als eine antisemitische Partei bekannt. Es kann daher keine Ueberraschung bedeutet haben, daß in ihrem jetzt veröffentlichten Programme ebenfalls eme antissrnitischs Wendung vorkommt. afier perlten! Jte Sfr f, nite ^4? SfSffi femitismus der Chrifllichsozialen Partei in der jetzt veröffentlichten Programmformulierung zum Ausdruck kommt, beachtet zu werden. Diese Partei bekämpft, wie sie selbst sagt, nicht die Juden und auch nicht den Einfluß, den die Juden auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiet ausüben, sondern nur die „Uebermacht des zersetzenden jüdischen Einflusses". Daß es in manchen Teilen der Welt einen gewiß nicht im Charakter der jüdischen Nationalität oder gar im Wesen der jüdisichen Religion. vielleicht aber in der Ge- ^u&ert ÜI?E$ffl0lf)liQßlT zersetzenden jüdischen Einfluß gibt, fühlen die Völker des europäischen Ostens, denen Oesterreich sehr nahe benachbart ist .Daß die Führer And Propagandisten des russischen Bolschewismus, des mit ihm zusammenhängenden Kommunismus in Deutschland und Oesterreich und auch des sehr radikalen, die materialistische Geschichtsauffassung vertretenden und, vom Standpunkt der konservativen christlichen Bevölkerung gesehen, östmMWm (so« ziMsmus zum Großteil Juden sind, erklärt ben antisemitischen Einschlag in der Volksstimmung wohl zur Genüge. Selbstverständlich steht der Bundeskanzler als Regierungschef der Abfassung und Verlautbarung des Christlich-sozialen Programms zu Neujahr 1927 vollkommen ferne. Da wir aber eine parlamentarische Regierung haben, deren Mitglieder vom Parlament aus den Vertretern der politischen Parteien gewählt wurden, hat der Bundeskanzler nicht aufgehört, Mitglied seiner, d. h. der Christlich-sozialen Partei, zu bleiben. Selbstverständlich bemüht er sich, den Grundsätzen dieser srrl ö^enilidjen Geben nctdj) 90,iö^Iicf}f eti Geltung Zu verschaffen. Niemals aber hat die Zugehörigkeit zu dieser Partei ihn gehindert, die Ordnung im Staate, also auch das gleiche Recht aller Staatsbürger Oesterreichs ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses, aufrecht zu erhalten. Diese Tatsache ist den österreichischen Juden wohl bekannt, sie wird von ihnen auch gewürdigt. Sie haben nicht zu erkennen gegeben, daß ihnen das christlich-soziale Parteibekenntnis des Regierungschefs, irgendwie Sorge eingeflößt hatte." Die Christlich-soziale Partei in Oesterreich Oej’tenreicfjs 55uben unb bie 9BßeIljnb.ertI)eti weniger beunruhigen, wenn sie nicyl so hochgestellte Protektoren in der obersten Staatsleitung hätte, die sich, wie es hier der Bundeskanzler Dr. Seipel tut, auf Grund tausendfach widerlegter Märchen vom „jüdischen Einfluß" offen und rückhaltlos zu ihrem Programme bekennen. Höchst erfreulich I Die wi in der sowjetrussischen „Jewsektia" (Jüdischen Sektion) haben Grund, zu klagen. Der Hauptsekretär dieses unheilvollen Gebildes sagte auf der dieser Tage in Moskau stattgefundenen Konferenz der Sektion zum Schlüsse eines vierstündigen Referates u. a.: „Als Resultat der neuen ökonomischen Politik verstärkten sich in den Städtchen die klerikalen und nationalen Elemente, die einen Kampf gegen die Sowjet-Schule führen und Chedarim. illegale LeschiLäch usL. bzzmiMn. Man muß Die Sowjetschule so entwickeln, daß sie dem Kinde eine allgemeine und praktische Vorbereitung fürs Leben gibt und dem Klerikalismus ein Gegengewicht bietet. Im klerikalen Lager ist eine Verlebendigung bemerkbar, die jüdischen Gemeinden entwickeln sich und schließen sich zu Verbänden zusammen. In der Ukraine bestehen 1003 Kehiloth mit 437.137 Mitgliedern. Diese führen einen Kampf gegen die Sowjetschulen und gegen die FvMM Zu Disssm Zweck fand sogar eine Konferenz der Rabbiner, die ein Exekutivkomitee gewählt hat, statt. Am einflußreichsten sind hierin die Moskauer und die Leningrader Gemeinde. Die Bothe Midraschim werden von den jungen Leuten stark besucht. Dieser Klerikalismus wird vom Ausland stark gestützt." Der Redner kam zum Schlüsse, daß der antireligiöse Kampf verstärkt werden und einen planmäßigen Charakter annehmen müsse. Wir registrieren das Zeugnis über das Aufleben des jüdischen Geistes in Rußland und beglückwünschen unsere russischen Brüder zu dem Erfolge ihres mutigen Ausharrens, der dem Feinds unoerScnnbare Achtung abrmgf. »jqs min iniD 71:1 yi iuVra i'tbr ttmprrpff1? und „Bit“. Die nachfolgenden temperamentvollen Ausführungen gehen uns von einem jungen Agudisten zu. Sie scheinen uns trotz mancher Uebertreibungen immerhin recht beachtenswert. Es gehört mit zu den seltsamsten Erscheinungen der jüdischen Gegenwart, daß wir Probleme, denen frühere Generationen in ehrfurchtsvoller Schell gegenüberstanden, wie '^81tP'"P1K wps. imit jaBijfss dfgpfig mmfym. Wir halten ja heute „glücklicher" Weise schon so wett, daß wir einen doch sonst so „frommen" Menschen, wenn er nur beginnt, sich für '"8 zu interessieren, eifrig Hebräisch zu erlernen, erstaunt und erschreckt zugleich fragen: „Sind Sie denn Zionist geworden?" Sind ja noch viele unter uns, die 8lZ M WisilMum öss ..NalionaliullMtums^ betrachten, unb bre nicht verstehen rvol-' len, daß beides — sowohl '"8 als auch — h e i l igste Güter d e s g e s a m t e n jüdischen Volkes sind, inai '"82 vIipw 'a ba« :i'8a "i vir>2 •"xnn abiv p xinw V? rmia srnpn Wir — und darunter verstehe ich den kleinen Ueberrest, den nv'bvn wi8w des deutschen Judentums, der sich weder von jüdisch-liberalem Aberwitz noch von zionistischem Wahne hat betören lassen — wir müßten uns erst einmal grundsstzlich KSSÜM klar MMM. -Laß Dio lMükliung Der heiligen Sprache eine mso t ft, bk von uns denselben Ernst und denselben Pflichteifer fordert, wie jedes andre Gottesgebot auch. nnav pur) - n‘?p> niLa >,iiian22 nVj? mxai i'm mn pipi .ib'a jud - ,iiian22 »anipn ni'abi b^i.i .lL>"2ai.ib ni'icpa.i i2?rr»s rmx) nos Ist es nicht tief bedauerlich, daß wir bis jetzt noch in keiner Weise ein ernsthaftes Interesse daran bMnMsn. Die Wligo Wrachs zu m lernen, eme Sprache, cn ber unste nun nkbergeschrieben ist, eine Sprache, deren Gott sich bediente, sein Feuerwort am Sinaiberge uns zu verkünden, eine Sprache, in der ein iba.i 111 seine v'b'nn sang, in der unsre c>'8'2i ihre göttlichen Prophezeiungen ihrem Volke kund werden. „Daß das Targum. das a vor einem andern Hauptworte niemals in der Bedeutung des fixpa nehme", diese Behauptung habe ich nicht ausgestellt, unb sie kamt and} meinen Ausführungen sstchf ealnommen roerien. lö. OB. Kleines Feuilleton. Palästina-Produkte. Palästina! — Wunderbar wie die Religion, wunderbar wie das Volk der Religion ist der Boden des gottgeheiligten Landes. Dieser Boden kann steinern sein, er kann'aber .auch überfliehen von Fruchtbarkeit, wenn Ein Zauberschlüssel ihn zu erschließen weiß, — und das jüdische Volk besitzt diesen Zauberschlüssel. Darum hat ber "2>obert j^meitcrujenb $af,re gefeiert, barum offenbart «T/Sfft styl MysM ]üVtfd}e Hanbe sich am ih' mühen, seine WMderkmst. Daß er wieder erwacht ist, war vor allem das Verdienst des Baron Edmund von Rothschild in Paris. Still und unbeirrt durch alle Enttäuschungen hat dieser Fürst des jüdischen Volkes seit vierzig Jahren nicht nur seine reichen Geldmittel und seinen unerschütterlichen Optimis- -mus Palästina geweiht, er hat auch jeden Vorgang in den durch seine Hilfe betriebenen Unternehmungen beobachtet und durchdacht. Nichts war ihm zu bedeutungslos, als daß er sich nicht damit beschäftigt hätte. Heute hat endlich der Erfolg sein unermüdliches Wirken belohnt. Wäre .er nicht gernesen, mo hätte bann nach ber faratlon ber einfe^en müssen? flUle ein König David im Herzen des jüdischen Volkes lebt, so wirb anan auch von dieser fürstlichen Gestalt in Israel sprechen. * Es sproßt, es blüht, es reift zur Frucht in den Fluren, in denen einst die Könige und die Propheten des jüdischen Volkes wandelten. Fließend von Milch und Honig, ein Land des Weizens, der Gerste, des Wein- TtDtrs. Der MM Dk-I MSMWK, M SM £?f öle und des Honigs, kunMM Ne PMsnngM der Mvel. Das Lob sagt nicht zu viel. Jedes der Produkte gibt es wohl auch in anderen Ländern, aber in Palästina ist ein jedes von ihnen ganz besonders ausgezeichnet, ausgezeichnet an Nährkraft und Geschmack, wie es mit der Bezeichnung eines Landes „fließend von Milch und Honig" symbolisiert werden soll. Diese Tatsache sei an dem Weizen, dem ersten dieser sieben Arten, beleuchtet. Ein Weizenkorn aus palästinensischem Boden enthält mehr eiweißhaltige Stickstossfubstang als ein Weizenkorn aus einem der anderen Länder. Selbstredend kommt das Mehl des kleinen Palästina für den Weltmarkt nicht in Betracht. Trotzdem handelt .es sich hier um mehr als um eme interessante Feststellung glüich Dar, Daß Der Urmsim in Mffira mmt wurüt (vor 10 J-chtM durch ds» später »örunglücktön Agronom Aronsohn). Denn wenn auch die Galutjudenheit keine Gelegenheit zu Brot aus Palästina-Weizen hat, so kann sie doch einmal im Jahre — am Pessach — Mazza aus dem Lande der Väter essen. Eine große, nach der modernsten Technik eingerichtete Fabrik stellt heute in Palästina Mazza für den Weltvlersand her *), so daß heute jedem Juden die Möglichkeit geboten ist, mit der Palästina-Mazza dem Pessach-Gedanken -die höchste Weihe zu geben. Läßt doch Pessach im Gedächtnis des Juden das Land lQ jlui jM m ÜänDLM JEwtmlniu gen organisiert. Bestellungen, auch von Postpaketen und Anfragen erledigen auch Grand Moulins, Haifa und Wilhelm Groß, P. O. B. 5, Jaffa (Palästina). der Väter wieder lebendig werden und erweckt mit. dem Ruf: „Leschana habaa b'Jeruscholajim" den Wunsch, das Land der jüdischen Vergangenheit möge den Kindern und Enkeln wieder zum Segen werden. Ein Wunsch Tf» f]wr dann kein gebanterttojes Wort^ |onbem lkhMH emPTunbem wenn Der Mensch «tttut Voraussetzungen für seine Erfüllung zu schassen sucht. Darum: Praktische Förderung des Palästina-Aufbaus! Wer die Produkte der Arbeit unserer Palästinasiedler kauft, erfüllt diese Forderung! Doch nicht nur das — er knüpft in feiner eigenen Seele neue Fäden von einer großen Vergangenheit zu einer großen Zukunft. Darum für das nächste Pessach: Mazza aus Palästina! Wein mit Maß ist ein göttliches Geschenk, macht frei den Körper, beflügelt die Seele. Wein ohne Maß erschlafft den Körper, lockert die tierischen Triebe im Menschen. Der Wein erfreut des Menschen Herz, singt König David im 104. Psalm. Aber: Roach, der zweite Stamm- Mier Der mnmät vfflnm einen EMnfitrff unD vr kouschls sich, und Lol. Dsr Mess« Wmhams. murDe von seinen Töchtern trunken gemacht, und schwere Versündigungen erwuchsen aus diesen Räuschen. Alles, was Gott geschaffen hat, wird zum Segen, zur rechten Zeit und im rechten Maße benutzt! Dieser Lehre ist sich das jüdische Volk stets auch in Bezug auf den Wein b!ewußt gewesen. Jede religiöse Feier verbindet sich ihm mit dem Wein. Sabbat und Festtage werden mit dem Becher Wein in der Hand empfangen. Auch bei der Einführung in den Abrahamsbund wird der Becher emporgehoben, — aber emporgehoben zu dem Schöpfer des Alls mit einem Segensfpruch. (Möomof ist Dar irunf WM im jmitöm Mt Darum bedarf es keMär KMN ssiUSU Mißbrauch. Darum kann der Wein nie zum Fluche werden, wie leider fo oft in der Mitte anderer Völker.

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