Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1927)
- Date
- 1927-01-13
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der AufrufzumZusarnmenschluß.'' Vor uns liegt ein ansehnlicher Stoß Karten und Briefe von Freunden in aller Welt, die die Bereitwilligkeit aussprechen, am Zusammenschluß der ehemaligen Schüler und Schülerinnen unserer Anstalt mitzuwirken. Allen Damen und Herren sei an dieser Stelle herzlichster ' Dank ausgesprochen für das Interesse, das sie durch ihre Zuschriften für unsere 2frtretjurTcj £>erunbeteri. Es -ijt wn £>ejonb-eTrejr SOBidjitigteii, daß fitr. erireuliüjenoHte liebe alte Kameraden in mehreren deutschen Großstädten sowie in einigen fremden Ländern erboten haben, im Sinne unseres Aufrufs für die Gründung von Ortsgruppen zu. wirten. Wir werden ihnen die Adressen der in den betreffenden Städten bezw. Ländern ansässigen Landsleute, die für uns in Betracht kommen, senden und uns mit ihnen über das Weitere ins Benehmen setzen. Sie mögen für ihre besonders oerdrer stvölle Tätigkeit des Dankes der Anstalt im voraus versichert fein. Diejenigen Damen und Herren, die an Orten wohnen, wo die Gründung besonderer Gruppen wegen zu geringer Teilnehmerzähl nicht angängig ist. werden benachrichtiflst lnarößii, foMD oino allowine ffismiouno ü&qimIj ger Schüler begt-ündel lst, und werden dann gebeten werden, sich dieser anzuschkiehen. Sie werden dann außer den „Mitteilungen" die Jahresberichte erhalten und von Veranstaltungen der Schule in Kenntnis gesetzt werden. Auch sonst soll die Verbindung zwischen ihnen und uns gepflegt werden. — Mehrere Herren haben es übernommen, die Bildung von Jahresgruppen der in Frankfurt ansässigen ehemaligen Schüler herbeizuführen. Demnächst sollen die ersten Zusammenkünfte der alten Kameraden stattfinden. Es ist beabsichtigt, auch den Zusammenschluß der Damen in ähnlicher Weise anzubahnen. In vielen Zuschriften wurde der Gedanke begrüßt, unserer Anstalt offiziell den Namen „Hirschrealschule"?M> MWlMW" WURP M? MM Ms? MHnung m aller Well ist. gehl z. B. aus m Tatsache hervor, daß jüngst ein Schreiben aus der Mandschurei an den Direktor der. „Hirschrealschule" einlief. — Wir haben die Anregung betr. der Namengebung an den Schulrat unserer Anstalt weitergegeben. Eine beachtenswerte Anregung, die uns zugeht, möchten wir unseren Lesern nicht vorenthalten. Ein Freund der Schule meint: „Warum'nur ehemalige Schüler vereinigen? Gibt es nicht sonst allenthalben Verbände, die sich die Hebung und Stärkung eines wissenschaftlichen Instituts oder mmv Schulart zur Aufgabe machan? Es t« r,;;; Mn« Wz« m jMtiittj 8is WSMöllz. thek zu.Frankfurt a. M.", an katholische Schulvereine, an den Verein zur Förderung des Gymnasiums usw. oder an den so rührigen Verein für die deutschen Auslandsschulen. Sie alle fördern eine wissenschaftliche Anstalt oder einen bestimmten Schultypus. Wer wollte leugnen, daß auch die Hirschische Schule einen ganz bestimmten Schultyp besonderen Charakters darstellt, an dessen Bestand und Stärkung werte Kreise des gesetzestreuen Judentums erheblich interessiert sind? Warum also nur einen Verband ehemaliger Schüler? Warum nicht möglichst viete Gesinnungsgenossen und Freunde in aller mancher, die die Abwechslung lieben — bei unseren Rednern in Frankfurt geblieben: „denn uns gilt noch der Prophet im eigenen Lande". Wenn ich nicht is-n sri; bin, darf ich schonzu meiner Freude konstatieren, daß wir nicht schlecht dabei gefahren sind. Herr Schachnowitz führte uns auch in diesem Jahre in die so reichen Hallen jüdischer Geschichte, in denen er sich wie selten einer zurechtzufinden weiß. Es war zunächst ein Stück Lokalgeschichte, die er uns an zwei SonnbcrAen m.i± fetjrert 32or±ra<j-e** „Drs über b^tt Arasstsurtks Afjeitoöranb In gewohnter Meister- Ichaft zeigte. Von Frankfurt ging es nach Prag, wo uns der „hohe Rabbi Löw und fein Golem" und in einem weiteren Vortrage „Tofofot Jomtow" vor Augen gezaubert wurde. Mit feinem fünften Vortrage über den „Cherem und seine Anwendung, Bilder aus Vergangenheit und Gegenwart" führte er uns teleskopartig durch die Jahrtausende jüdischer Geschichte bis in die jüngste Vergangenheit. Der sechste und letzte Geschichtsvortrag für dieses Semester findet kommenden Sonntag statt und hat den Malb im als Thema. — Aus solcher Hand ein jüdisches Geschichtswerk hervorgehen zu sehen, wäre uns höchster Wunsch. Wieviel Gutes könnte bewirkt werden, mm Dtg Mhnunll immer heiligen CcDrc t’t "t an Hand mnss gsöigndten GssHiHtswerkes ermöglicht und erleichtert würde. „Die^ Bedeutung des lautete das Thema, über das Herr Emil Goldschmidt, leider nur einmal in diesem Winter, sich bei uns hören ließ. Ich möchte wünschen (ich glaube noch viele andere mit mir), wir würden ihn öfters nur 1 Stunde als nur einmal 1% Stunden hören. Wem solche Fähigkeiten gibt, darf damit nicht hinterm Berg halten. Herr Dr. Salomon Ehrmann behandelte in mehreren Vorträgen n-v ->->«, in bekannter Meisterschaft, nur schade, daß seine Reisetätigkeit nicht öfters Vorträge ermöglichte. In Herrn Herz Halpern und Herrn Joachim WLN mii Mm M MibM. Die sich stets In dankenswerter Wehe zur Verfügung stellten. Herr Halpern ist uns schon längst als sprudelnder Quell bekannt, der sein Stammpublikum hat und stets mit Freuden gehört wird. Herr Soffer dagegen, der seit diesem Winter zu unserer Genugtuung in unser Dozentenkollegium eingetreten ist, zeigt uns ungarisches „Magidus" in höchster Vollendung. Herr Arnold Merzbach ist ein vorzüglicher Interpret der prophetischen Schriften, in selten schöner Form und packender Weise, bringt er den m unserem Verständnis Aus dem «Mekor-Lhajim"-Perem. Man schreibt uns: Wie man mir sagte, habe man in diesem Jahre die kurzen zusammenfassenden Berichte vermißt, die im vorjährigen Winter Kunde von unserer Tätigkeit an den Sonntag Nachmittagen gaben. Zum Ersatz dafür soll m flfi 88k MllMkWM m flfitmt w den, daß wir auch in diesem Winter nicht geschlafen haben. . Der .Jude pflegt nicht nach dem zu schauen, was noch zu lernen ist, sondern nach dem, was schon gelernt würde, p-m ist der Wunsch, der wir jeder ausgelernten n-v» Nachrufen. Haben wir im vorigen Jahre zum großen Teile unsere Sonntag-Nachmittage mit auswärtigen Nedn ern besetz!, so sind wir in diesem Jahre — 'zUm Leidwesen *) Aus.Nr: 4 der „Mitteilungen" der Schulen, der Israelitischen Religionsgesellschaft.^ < Wenn auch nicht zu den Sonntags-Vorträgen gehörend, sei an dieser Stelle des '^-'.Kurses Erwägung getan, der seit 2 Jahren unter der bewährten Leitung des Herrn Rachelsohn steht, und am regelmäßig stattfindet. Ich habe außerordentlich viel aus diesen Vorträgen profitiert und bedaure nur lebhaft, daß sie nicht die Frequenz aufweisen, die sie verdienten. Dank, herzlichen Dank, gebührt all den verehrten Dozenten und Rednern, die ihr Können in so selbstloser Weise in den Dienst unserer heiligen Sache stellen, sie zeigen, daß sie unsere Bestrebungen würdigen und unterftufeen. rx affe feirc. tü-e aeifHae Äoff fpenben fon* nen. in falscher BescheidenWt jedoch noch zuruckslehen, milhelfen an unserem Ziele, daß unser Verein stets ist und bleibe ein v"n mpv- I. S—r. Ein Nachmittag in und für Palästina. Das Purimfest der Palaslina-Zenkrale und Jugendgruppe iilfiooelMl. War das ein Jubel und Trubel, ein Leben und Treiben ämi Sonntag, im großen Saale des Volksbildungsheimes. Vom frühen Mittag bis zur spätesten Nachtstunde gingen die Wellen des Frohsinnes hoch und höher: so daß es dem Berichterstatter nicht leicht fällt/einzelne Momente herauszugreifen und. insbesondere zu würdigen. Man muß das Ganze als .Ganzes gesehen und miterlebt haben, um/zü erkennenwas Purim — auch noch in seiner spaten Nachwirküng — für'uns bedeutet. Der Nachmittag gehörte dem Kinde. Und da zu den Kindern die Eltern, insbesondere die stolzen und glückstrahlenden Mütter gehören, so war der Saal schon in den ersten Nachmittagsstunden von Klein und Groß überfüllt. Die Sache setzte ziemlich pünktlich mit einem Kindermaskenzuge unter Sang und Klang durch den großen Saal ein. Was man da nicht alles zu sehen bekam: Herolde, die Fanfaren bliesen, Matrosen im Marsch, Bauern und Bäuerinnen, Winzer und Winzerinnen, die Erntelieder sangen. Und dann die lebend e n Blumen, in Kostümen, wie sie noch keine Blume MNM. nun unö LWWM uhd WlMiMnz um W streuend, wie kein Garten aus Erden. Und neben den Blumen waren auch die „Früchte" köstlich anzusehen. Dann sangen weiße Hirtinnen und Wasserträgerinnen, pechschwarze Schornsteinfeger, etwas weniger schwarze Schusterbuben, Maurer, Schlosser, Wäscherinnen, Müller und Müllerinnen, und nicht zu vergessen die durchaus nützlichen und in diesem Kreise wohlgelittenen Konditoren. Und was sie alles sangen: Opernarien, „Wollt ihrs wissen?", Radetzky-Marsch, Hallelmelodien und selbstverständlich das „Wajitlu es Homon al Hoez." Dieses nach einem von Frl. Hanna Landau gut gesprochenen Prolog sich in Bewegung setzende und bis tri 95-en>ecj:uncj bleibettbe -jQ-ebert (eirtfiubteri oon FVffN T^NNY && e |t tj e I fvüle «ns gelgenf n:ias zum Aufbau in Erez Jisroel vonnöten ist. Die Tänze, lebenden Bilder und kleinen Kinderaufführungen auf der lrchtüberfluteten Bühne waren eine Augenweide ersten Ranges. Dann kam der etwas turbulente Jahrmarktsrummel in Schuschan, der den Kindern auch Kasperl- Theater und allerlei ergötzliche Spiele brachte. Strahlende Kindergesichter und nicht minder strahlende Müttergesichter machten den Gesamteindruck. Am selbigen Abend, so gegen %9 Uhr, nahm die g e s e l l s chaftliche Veranstaltung ihren Lauf. Die Kleinen waren inzwischen, bis auf einige wenige, die man noch auf der Bühne brauchte, heim- und ins Bett 3fber vie @ro|en tjatten ingrorjc^en oorc 5>en Kleinen etwas gelernt: Die harmlose ehrliche ür«uöe und das bunte, laute bewegliche Leben stieg mit dem zunehmenden Abend. Es gab wieder Prolog und gute Musikstücke — merkwürdigerweise nicht von Beethoven. Herrn Leo Rosenblüth, der aus dem Programm mit drei Liedern vertreten war, hörten wir leider nicht, wir hätten ansonst seiner erprobten Gesangskunst Gerechtigkeit widerfahren lassen, dafür genossen wir ein Zwiegespräch von zwei „Kehillo-Baale Batttm" und ein Couplet von F e s o j I k s n a b i l k, (wenn dieses Kreuzworträtsel gelöst ist. dann ergibt sich eine sehr gewich- W ppliptf, W 8W such Dp mm rnrni). Auch ein Tischlied wäre beinahe gesungen worden, wenn die Kapelle die Noten gehabt hätte und die Harmonie der Töne mit der Harmonie der Herzen und Seelen in dieser gehobenen Stunde Schritt gehalten hätte. Der Autor des Tischliedes suchte sich Genugtuung zu verschaffen, indem er bald auf der Bühne erschien, sich die ihm schuldige Ovation einholte, und mit dem Versteigern wertvoller Gegenstände zu Gunsten Palästinas begann. In diesem Stadium der hochgehenden Gemütlichkeitswellen wußte schon ein Künstler von Fach wie Ben Spanier kommen, um sich Gehör zu verschaffen. Er regitierfe -ein aus bem „$o^uwakwhu". Der Schlußpunkt der Veranstalrung war zugleich auch der Höhepunkt desselben, und nannte sich „Megillas Esther, eine große histerische Refue" von Manfred Neuberger. Hier fand wiederum besagter Fesoj Jksnabilk (siehe Kreuzworträtsel) Gelegenheit, eine Bühnentunst im komischen Fach zu entfalten, die weit über das Dilettantische hinausgeht. Echtes Künstlerblut pulsierte hier frisch und warm und riß die Hörer und Seher mit. Gestalt, Maske, Mimik und Gestik waren ebenso vortrefflich. Neben ihm spielte gut der Autor selbst als H a m a n, als Minister, „der wohl nicht das Schießaber ben Stnttjemitxsinxis -erryxinb-en ljKii". o d e ch ü i als Händler mit Palästina-Orangen (Alben Löwenthal) wußte sich langsam in unsere Herzen einzuschmeicheln, ebenso Charbona, „der erste Schames am Perserhof" (Julius chalberstadt). Von den Damen stellte Fräulein Carla Nebenzachl eine überaus liebliche Esther ’ und. Fräutoin Stefanie B o d e n h e i m e r das güte Charakterbild -einer Hofdame. Zwei'„Mohrenköpfe" tanzten. Schuschan, Rokokd, Serenissimus, Bonäparte, Bürgerkapitän, Haman, Hittler, Mordechai, Aguba, hamänitische Edikte, Das' Jomi, Perserhof und Israelitische Peliglonsgesellschaft (mit all ihren Sorgen