Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 68 (1927)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1927)
- Date
- 1927-01-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I SM G Nr. L Der Israelit 18 Januar 1SL7 diese Auffassung schmerzlich empfinden . . . Auch der zweite in der Antwort des Ministerpräsidenten formulierte Gedanke, daß es hoffnungslos fei, auf die Erlangung der Gunst der herrschenden Nation zu rechnen, so lange nicht die Voraussetzungen hierfür gegeben seien, ist hart. Wie das? Sind denn diese Voraussetzungen nicht bereits erfüllt? In der Eigenart der jüdischen Minderheit liegt es, restlos im Dienste des Vaterlandes aufzugehen und sich ihm ganz zu widmen . . . Sie erfüllt die 93-orausfeijimg ber QotjaUiäi. Der %rr @enera( Av«- ressu trat aber offenbar den Grunvlon dieses Schreibens überhört. Denn der jüdische Soldat beweist durch sein Dasein, daß er sich mit allem, was das rumänische Batertand von ihm heischt, identifiziert." (itaiMW, Dar neue Regime in Litauen und die Juden. Kowno, 10. Jan. V'* HMyuMn Ar murn litauiWil NegieruM zu den Juden sind dis nicht k^rgsstelli. Der Ministerpräsident Woldemaras betont bei jeder Gelegenheit, daß er recht bald die Rechte der Minderheiten durch Sondergesetze festlegen wird. Das Regierungsblatt „Lietuva" verspricht fast täglich, daß die Rechte der Minderheiten gewahrt werden würden. Der Kownoer Militär-Kommandant, der über eine unbegrenzte Machtvollkommenheit verfügt, erklärt, er sehe in den Juden einen ebenso nützliche TsiMsl'unMzil iu uni. rnerl>e nicht zulassen, daß der jüdischen Bevölkerung irgend ein Unrecht geschieht. Unter den Stützen des neuen Regimes machen sich jedoch auch schon deutliche Zeichen einer antijüdischen Politik bemerkbar. Einer der ersten Beamten, der von der neuen Regierung entlassen wurde, ist der hervorragende jüdische Jurist Friedmann, der von der vorhergegangenen Regierung zum Mitglied des juridischen Rates beim Justizministerium ernannt worden ist. Er ist unbestritten die hervorragendste Autorität für Krimin-alrecht in Litauen. Ferner wurde die Schließung des jüdischen Schlachthauses verfügt, was als ein Manöver der christlichen Demokraten aufzufassen ist. die den Fleischilllllilö! ÖßÄ jÜ&ifÄtiü XiÄü&en .entminten motte rt. rer der christlichen Demokraten Hatzen ein Schlachthaus weit außerhalb der Stadt erbauen lassen. Die in der ausländischen Presse gebrachte Mitteilung, die Regierung verhandle mit den Mlnderheitsvertvetern über die Schaffung einer neuen Sejmmehrheit wurden vom Amtsblatt dementiert. In der letzten Sejmsitzung beantragte Abg. Dr. Robinson eine ErhLk,un^ der Rabbiner^e^äkt?s NNh sjN? Angleichung an die GeWtter der Geistlichen bet! üb eigen Kirchen. Der Ministerpräsident erklärte, diese Forderung sei gerecht, er werde sie zu befriedigen trachten. Jetzt aber kann man im Budget die Posten nicht erhöhen. Gegenwärtig ist für alle Rabbiner Litauens eine Summe von 25.000 Lit ausgesetzt. palSftfita. Ein- und Auswanderung. ^erusgssnl» DM. Soeben ist die Statistik über die Ein- und Auswanderung im Monat November erschienen. Es wanderten in diesem Monat 521 Personen ein. Dagegen zählte man 923 Auswanderer. Das Budget von Tel-Awiw. Tel-Awiw, 2. Jan. Die Vudgetkommission des Stadtrats von Tel-Awiws hat soeben das Budget für 1927 fertiggestellt. Die Einnahmen sind auf fiffr. 97.650 oeranjtfjfacjt uni» jetjef] mle folgt u. a, zusammen. MmeMdestemrn Lstr. 24.000; Batzensteuern Lstr. 8.400; Handelslizenzen Lstr. 6.300; Wasser-Steuer Lstr. 9.700; Schulgelder Lstr. 4.600; Gesundheitswesen Lstr. 3.700; Gebäudesteuern Lstr. 2.700; Regierungsbeihilse Lstr. 8.000; Verkehr Lstr. 1000. Das Ausgaben-Budget deckt sich ungefähr aus den Einnahmen, es wurde aber ein Sonder-Ausgaben-Budget in Höhe von Lstr. 65.425 für außerordentliche Erfordernisse, wie öffentliche Arbeiten usw. aufgestellt, zu dessen Deckung besondere Fonds geschaffen werden müßten.- Die neue Exekutive des Stadtrates von Tel-Awiw besteht aus den Herren Rokeah Lerner, Ben-Schalom, Ben-Iemeni, Bogratfchow und Frau Persitz, ferner aus den Herren Bloch, Kaplan, Brudni, Twerfki und Wefcher, die als Beisitzer fungieren. (ITA.) Aiire«rik«r Eine Massenkundgebung des amerikanischjüdischen Kongresses. $? w g 9 v t» 8. Jan. Im Hotel 2lstor wurde heute eine vom Amerikanisch- Jüdischen Kongreß arrangierte Massenversammlung abgehalten, der weit über 4000 jüdische Bürger Newyorks beiwohnten. Mehrere Tausende Personen mußten wegen Ueberfüllung des Saales wieder abziehen. Die Veranstaltung war als eine Kundgebung gegen die antijüdischen Greuel in Rumänien gedacht. Unter den Rednern, die gegen die barbarische Behandlung der Juden in Rumänien protestierte, waren einige hervorragende Führer der christlichen Kirchen. Es fprac^•e^ u. a. 5?er ^Zräsident des MmeAc<m TvngiLtz Dr. SlepWll S. MB, Nichier Julian Mack, Richter Hartman, der Vizegvuverneur des Staates Newyork Herr Lowman, der Präsident des amerikanischen Komitees für Schutz der Minderheitsrechte. — Die Versammlung nahm eine Resolution an, in der gegen die Judenausschreitungen in Rumänien im Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit protestiert wird. Aehnliche Protestversammlungen würden in Chicago, MkMMia. Mton und in ankövsu oxiu Amerikas abgehalten.. Der rumänische Gesandte dementiert . . . Newyork, 2. Jan. Der rumänische Gesandte in Washington, Herr George Gretziano, richtete ein offenes Schreiben an den Verband rumänischer Juden in Amerika, in welchem er ausführt, die rumänischen Juden, die gegen Judenausschreitungen in Rumänien protestieren und so Stimmung gegen Rumänien machen, fördern nur das Werk der Bolschewisten und deren Ansprüche auf Beßarabiem Auf öibsk Me DtrmanMtQ Tiä) M DMH 3«km0,er. solgungsn in em? Aktion zur Verfolgung Numämms. Er sucht ferner in einem Schreiben an die Newyorker Jüdische Telegraphen-Agentur die mitgeteilten Tatsachen über die antijüdischen Ausschreitungen in Kischinew, Kalarasch, Bukarest und in anderen rumänischen Städten in Abrede zu stellen. Gegen diese Darstellungen des Gesandten Gretziano wendet sich IN einem offenen Streiken her Präsident der llHlBU üllblzuischsr 9üben in Ämsrika, Hkrr Leo Wolf: son, der mitteilt, die Angelegenheit der antijüdischen Exzesse in Rumänien werde jetzt von dem American Jewish Committee und dem American Jewish Congreß unvoreingenommen geprüft. Den Feststellungen dieser Körperschaften wird die Oefsentlichkeit Glauben schenken müssen. Lein Kongreß-Gericht über Fords Beschuldigungen. j Washington, 5. Jan. Der Vorsitzende des Amerikanischen Kongresses, Nicolas Qansrnorth, lernte es MMg R3 KgllWImttglleds Sol Bloom, eine Ksngreß-Kommisston zur Untersuchung von Henry Fords antisemitischen Beschuldigungen einzusetzen, vor die Plattform des Kongresses zu bringen. Präsident Langworth motiviert seinen Entschluß damit, daß mehrere Kongreßmitglieder, insbesondere Angehörige der Republikanischen Partei, sich gegen die Einsetzung der Sonderkommission und gegen die Einvernahme von Henry Ford ausgesprochen haben, und zwar darum, weil sie befürchten, daß eine öffentliche Erörterung der Behauptung,en Fords zu einer ©tärfung der Intoleranz ‘ü^ren cönntc, Liefe Kvngbestmikr gli'edcr, erklärte Langworth weiter, glauben nicht etwa an Fords Behauptungen, sie fürchten auch nicht Fords Einfluß, aber es widerstrebt ihnen, den Kongreß zu einer Tribüne umzugestalten, von der aus religiöse Vorurteile verkündet werden würden. Was Fords Beschuldigung betrifft, daß die Juden das Banksystem der amerikanischen Regierung kontrollieren, so wir erklärt, daß unter allen höheren Beamten und Direktoren der zwölf Federal- Banken der Bereinigten Staaten sich bloß zwei Juden befinden: Leon Simoü aus New-Qrleans und Clärens i Linz aus Dolos m Texas. , Seidenu. Garn-Handelsges. m. b. H 47 Bleidenstraße 47 (früher: Grosse Eschenheimerstrasse 3) SPEZIALHAUS in Näh- und Slick-Seiden _ naiiflarPBUg-Ggi'HBH jaria, Arli Einschränkung der Zahresquokea. » Berlin, 9. Jan. » Wolffs Telegraphen-Büro teilt aus Washington mit,» daß Präsident Coolidge dem Senat einen Bericht über-« sandt hat, der im allgemeinen eine beträchtliche Vermin-« derung der jährlichen Gesamtzahl der Einwanderer vor-» sieht, die nach den Vereinigten Staaten nach dem 1. Juli.« d. I. zugelassen werden dürften. Während Groh-Britan-« .nien und Nord-Irland 73.000 statt 34.000 als Jahres-» tjgvkk kkylMen, erhält DsutschLw^ m.m §1.211, | 4000 statt 6000, Polen 5000 statt 6000, Oesterreich I 1400 statt 800, Rußland 4.002 statt 2.248, Tschechosiowg- I bei 2248 statt 3.073, Ungarn 1000 statt 500. Auch di« » Quoten Polens und Rumäniens wurden herabgesetzt, die V Quote Litauens wurde erhöht. W Perstnakea. Julius Max Blec kst* Frankfurt a. M., 12. Januar. Aus dem sonnigen Süden erreicht uns die schmerzliche Kunde, daß einer der Edelsten unseres Kreises von uns gegangen ist. Julius Max Bier hauchte am «3's in Nizza, wohin er' sich vor mehreren Monaten zur Linderung schweren körperlichen Leidens begeben hatte, im besten Mannesalter seine reine Seele aus. Mit ihm verliert die Frankfurter Israelitische Religions-Gesellschaft eine der schönsten Blüten, die im Garten Samson Raphael Hirschs als lebensvolle Verkörperet des p« Tn nj? m\n -Prinzips gewachsen sind. Außen und innen ein selten „schöner" Mensch, von rrapn ausgezeichnet, durch den Adel, den eine prachtvoll männliche Erscheinung verteilt, M Mkl MM. küs k» gerjchmenberis^^s ÜlC sGÜNMli MW so erschien UNS Julius Max BBr als einer der ganz. Wenigen, die die wundersam-tief« Gedankenwelt des im fi3v'i rs'i- 'T^rr ris-- ins praktische Leben übersetzten, soweit dies meinem Sterblichen gegeben sein mag. jJn vollendeter Harmonie wohnten in diesem Manne der Geist „Japhets", der nach Rabbiner Hirsch Wr „die Welt ästhetisch veredelt" und der „Echems", der „sie geistig und sittlich erleuchtet" beieinander. Julius Max Bier hatte, eine im Kreise des deutschem Sssstzestreuen Judentums r>iell?sch^ ^iüWÜkkigik EkHÄr lllllltz, fett rin inniMS, auf persönlichst«^ Urteil gegründetes Verhältnis zu den bildenden Künsten, das.in feinen ungewöhnlich reichhaltigen Sammlungen: auf den mannigfachsten Gebieten der angewandten Kunst schönste Früchte zeitigte. Vom feingeistigen, hochkultivierten Vater hatte er, nach seinen eigenen Worten, die ersten Anregungen empfangen. Mag sein, daß zu diesen „angeborenen" Neigungen sich später äußere Bedingungen gesellten, die für den auf „Einsamkeit" und „Beschaulichkeit" angewiesenen Kunstkenner und Betrachter besonders günstig sind— jedenfalls hat sich Julius Max Vier die spröde und nur ganz Wenigen zugängliche Welk der deutschen „Kkeinmeister" in Jahre währendem Ringen erobert. Das Reich der deutschen Renaissance, die in einem gewissen Gegensatz zur weicheren ilmKenis-hen: TWkflkf, aus nmi Wkig-hgMu üinie «ufg.eL«nt ist, die Welt dök Schongau er-, Dürer, Altdorfer^ A l d e g r? v e r, Beham und Pencz, um nur einige seiner Lieblinge zu nennen, waren ihm zur zweiten geliebten Heimat geworden, in der er unendlich viel glück-!kiche Stunden edelsten Genusses und reinster Freude verlebte. Doch ihm genügte nicht die Welt „Japhets"; er eroberte sich zu ihr die „Schems". Die gleichen Wände- und Räume, die geschmückt und angefüllt mit den edlen Erzeugnissen jahrhundertealter Kultur das BAdeines kleinen Museums spiegelten, hallten wider vom gelernten und geübten Gotteswort, waren täglich und stündlich Zeugen eines ununterbrochenen Gottesdienstes^ mürben nom ^austferrn, Jflfj]] llMMM V0N fCinÜT Wüthenkalender. vom 15. — 22. Jan. 1927. / vom 12. — 19 Schewat 5887 Samstag Ja«. 15 12 Ni'V N2V- Sonntag 16 13 Montag 17 14 ll'321V 'h Dienstag 18 15 1VS NVVN Mittwoch 19 16 Donnerstag 20 1? V'321V 'h Freitag 21 18 Samstag 22 19 11M